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Test: Ueberschall Score FX 2

27. Mai 2010

Score FX 2

Score FX:

Der allgemeine Trend immer neue Sounddesign Libraries auf den Markt zu bringen scheint ungebrochen zu sein. Die kürzlich veröffentlichte Soundlibrary „Score FX 2“ von Ueberschall stillt den Hunger aller Sounddesigner und Gameprogrammierer für Film und Fernsehen. Um dies in unkomplizierter Form zu offerieren, bedient sich die Firma „Ueberschall“ der Plattform ihrer eigenen „Liquid Instruments Series, die wiederum auf der Grundlage des Melodyne Algorithmus der deutschen Firma „Celemony“ basiert.

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Installation:

Das Installationsprozedere erscheint mir etwas umständlich. Sie wird über Challenge/Response verrichtet, was ja nicht wirklich schlecht ist, da kein Dongle benötigt wird oder ein anderes Kopierschutz-System. Zunächst muss der Library-Inhalt von 7 GB auf die Festplatte oder externe Festplatte platziert werden. Daraufhin sollte man sich die aktuellste Version des Liquid-Players von der Webseite herunter laden. Dies geht erst, wenn der User ein Konto angemeldet hat. Nach der Anmeldung erhält man einen Challengecode, der nicht identisch ist mit der Seriennummer der installierten Library. Gibt man diese dann in den Player ein, erhält man via E-Mail den Response-code, der daraufhin über Copy und Paste wiederum in den Liquidplayer eingegeben wird. Danach muss man die Library über den Player aufsuchen und zuweisen. Dann kann es losgehen.

Browser

Browser

Die Library:

Der Grundcharakter dieses Produktes ist nicht so düster angelegt wie der des Vorgängers Score FX 1, wenn man den Aussagen des Herstellers glauben schenken darf. Mit den Attributen „ungefährlich bis freundlich melancholisch“ könnte man Score FX 2 durchaus umschreiben. Die Library ist unterteilt in vier Sektionen. Sektion A-C beinhalten sogenannte Kitts, die wiederum unterteilt sind in: Accents, Bass, Bed, Drums, Mix, Pitched Rhythm, Solo. Sektion D bietet nochmals viele Klänge mit atmosphärischer Stimmungszuordnung, welches teilweise ganz gut gelingt. Score FX 2 scheint mir ideal für Filmdokumentationen zu sein. Insgesamt handelt es sich um 30 Construction Kitts und 2644 Loops.

Sektion A-C:

Einen Schwerpunkt wird auf die rhythmischen Loops gelegt, die sehr viel Freude machen und einiges mehr an Charakter mit sich bringen als so manch andere Sounddesign Library. Die Solo-Phrasen bieten viel Atmosphäre. Das eine oder andere Schätzchen lädt man sich mit dieser Library auf die Festplatte. Interessante Flötenklänge (Duduk, Sopilka) oder Kindergesänge, finden sich hier, um nur einige zu nennen. Die Solo Pianophrasen sind leider mit Hall versehen worden, sodass man hier, produktionstechnisch gesehen, festgelegt ist. Die ersten Klangbibliotheken innerhalb der Kitts, genannt „Accents“ klingen gut, aber ähnlich. Ob sie sich nun in einem anderen Ordner befinden ist unerheblich. Die hohe Anzahl von „Accents“ Klängen klingen für meinen Geschmack zu scharf. Um die 10 KHz herum ist eine Schärfe zu vernehmen, die man mit einem EQ wahrscheinlich nachbearbeiten muss. Sie sind eine Mischung aus „Waterphone“- artigen Klängen gemischt mit allen möglichen Spielarten eines Tamtams, welches beides Instrumente sind, die viel Verwendung in Filmmusikorchestern finden. Bässe findet man sehr wenig.

Automationsfenster

Automationsfenster

Die Anzahl von „Beds“ liegt deutlich unter denen von den „Accents“. Es sind Klangteppiche, die zusätzlich mit einem sehr stimmungsvollen harmonischen Ablauf produziert wurden. Mit der Bezeichnung „Mix“ verbraucht der Hersteller Festplattenspeicher für eigene Klangdemos, anstatt dem Käufer weiteres Klangfutter zu verkaufen. Grundsätzlich ist leider eine schöne Idee nicht so konsequent umgesetzt worden. Die jeweiligen Kitts sind mit atmosphärischen Namen unterteilt versehen wie „Breezy 090 F“, „Global Warnung“ oder „September“. Dies wäre durchaus praxisbezogen, wenn der User dann auch die dazugehörige klangliche Atmosphäre geboten bekäme. Hier wäre es bei vielen Sounddesign Libraries eine große Erleichterung, wenn die Libraries atmosphärisch definiert wären. Die Zeitersparnis wäre immens. Ähnliche Mitbewerber wie „Samplelogic“ glänzen auch nicht unbedingt durch eindeutige Unterteilungen bezüglich der Betitelung atmosphärischer Klänge. Man ist da auf sich alleine gestellt. Vielleicht bringt da die Zukunft eine Verbesserung mit sich. Im Bereich Vocalbits findet sich z.b eine männliche Falsett-Stimme, auch Kopfstimme genannt, die ich für etwas misslungen halte. Die Kopfstimme klingt nur nach Computer. Auch die Frauenstimme begeistert mich nicht sehr, dagegen ist die Kinderstimme wirklich schön eingefangen worden.

Filedarstellung

Filedarstellung

Sektion D:

Hier findet sich noch eine recht große Ansammlung brauchbares Klangfutter, welches die Sektion A-C ergänzt. Ich würde es als Add-On ansehen.

Praxis:

Wie zu erwarten, ist das Drag und Drop der Files auf die MIDI-Tastatur des Liquid Player unkompliziert. Die stimmbaren Töne innerhalb einer Phrase oder Blops, wie sie bei „Melodyne“ genannt werden, können leider nicht weiter zerteilt werden. Wenn man nur einzelne Komponenten eines längeren Klangverlaufes haben möchte, muss man das Sample so lange verkürzen, wie man es benötigt. Dies ist etwas umständlich. Eine Schere würde den Player um einiges flexibler machen, sowie einen Regler für das Fine-Tuning einzelner Töne. Ansonsten verlief die Arbeit mit dem Liquid Player problemlos. Ich hätte mir noch richtige „Impact“ Klänge gewünscht, die richtig Krach machen. Diese kann man sich aber über vielfachem Layering aus der Library zusammenstellen.

Fazit

Wer suchet, der findet kann man hier nur sagen. Ganz ohne Editieren geht es natürlich nicht, aber wer sich musikalisch betätigen will, ohne einen großen Produktionsaufwand zu betreiben, ist bei den „Liquid Instruments“ gut aufgehoben. Manche Beschränkungen, wie das Fine-Tuning von Einzeltönen fehlen mir etwas. Darauf haben nur Besitzer des Melodyne Studio Zugriff. Vor allen Dingen, wenn es schnell gehen soll und ein Sounddesign Track dringend benötigt wird, bewegt man sich auf der sicheren Seite. Die Klänge sind sehr gut produziert, wie man es von Ueberschall auch gewohnt ist. Der Ideenreichtum der Library ist etwas durchwachsen und überrascht so manches Mal und manchmal enttäuscht sie auch ein wenig. Gewisse Klänge erzeugen bei mir eine gewisse Erwartungshaltung, die in anderen Kitt nicht immer erfüllt werden. Das Angebot an Klängen ist in bestimmten Kategorien mal reichhaltiger und Bässe betreffend, mal sehr mager. Der etwas spitze Klang der „Accents“ innerhalb des Kitts, relativiert sich in der Gesamtmischung etwas. Wer auf schnelle und gute bis sehr gute Ergebnisse angewiesen ist, der kann mit den investierten 149.- EUR für Score FX 2 auf jeden Fall nichts falsch machen.

Plus

  • sehr gute Drumloops
  • gute Klanglandschaften mit und ohne harmonischen Ablauf
  • ungewöhnliche Samples (Kinderstimmen)
  • Liquid Player einfach zu bedienen
  • flexible Bearbeitung, wenn auch über kleine Umwege

Minus

  • kein Finetuning einzelner Töne
  • sehr wenig Bässe
  • Installation etwas umständlich

Preis

  • "149,- EUR"
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Wenzel

    Hallo und danke für den Testbericht,

    eine kleine Anmerkung.
    Fine Tuning ist mit gedrückter ALT-Taste möglich.

    lieben Gruß,

    wenzel mehnert
    ueberschall

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