Test: Universal Audio, 710 Twin-Finity, Vorverstärker

5. November 2012

710 Twin Finity

Der ewige Kampf der Giganten, Transistor oder Röhre, stellt so manchen Tontechniker vor die Qual der Wahl. Es ist müßig, über besser oder schlechter zu debattieren, zumal in beiden Systemansätzen klanglich vom üblen Müll bis hin zur absoluten Spitzenklasse alles vertreten ist. Um dem Studiobetreiber je nach Einsatzgebiet nicht immer zwei Systeme an die Hand zu geben, hat Universal Audio mit dem 710 Twin-Finity (hübsche Wortschöpfung) einen Zwillingsverstärker konzipiert, mit dem man stufenlos zwischen den beiden Verstärker-Konzeptionen überblenden kann.

Dabei beruft sich der Hersteller in Sachen Reputation auf den klangvollen Firmennamen, welcher in Zusammenhang mit verschiedenen Produkten jede Menge Anerkennung einfahren konnte. Vor knapp 60 Jahren von Bill Putnam Sr. gegründet, wurde die Firma von seinen Söhnen Jim und Bill Jr. 1999 erneut ins Leben gerufen. Bill Sr. zeichnete unter anderem für die Initialzündung bei den Legenden UREI und Studio Electronics verantwortlich und war maßgeblich bei der Entwicklung des Kompressors 1176 oder auch der Röhrenvorstufe 610 involviert.

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Konstruktion

Das knapp 2,4 Kilogramm schwere und 2 HE hohe Produkt wird in halber Rackbreite von 9,5 Zoll ausgeliefert und kann mit externen Rackflügel somit zwei seiner Art oder vergleichbarer Produkte in einem Standard-Rack platzieren. Die gebürstete Stahlfrontplatte versprüht authentischen Vintage Flair inklusive passender gelb beleuchtetem VU-Meter. Das in China gebaute Produkt ist gut verarbeitet und vermittelt einen robusten Eindruck.

Erst ein Blick in das Innere des Gehäuses lässt erkennen, dass es sich um eine deutliche Erweiterung eines optisch eher retrogehaltenen Produktes handelt. Durch eine Signalführung über insgesamt drei Verstärkerstufen kann man nahtlos von klanglich reiner Transistortechnik über eine Anfettung bei einem Mischverhältnis von knapp 50:50 bis hin zur stark verdichteten und mit Sättigung gespickter Alltube-Röhrentechnik wählen. Dabei kann das Signal um bis zu 70 dB angehoben werden und somit auch sehr ausgangsschwachen Mikrofonen unter die Arme greifen.

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Das Produkt wurde sowohl für den symmetrischen als auch für den hochohmigen Betrieb konzipiert. Um beispielsweise einem E-Bass klanglich auf die Sprünge zu helfen, kann man den schlauerweise auf der Vorderseite platzierten Klinkeneingang benutzen, alle anderen Verbindungsbuchsen befinden sich auf der Rückseite des Gerätes. Sowohl Mikrofon- als auch Line In- und Line Out-Stecker wurden in XLR ausgeführt, zudem kann der Mikrofoneingang über einen Kippschalter auf der Gehäusevorderseite mit 48 Volt Phantomspeisung beschickt werden. Ein Umstecken der Stecker ist nicht von Nöten, da die symmetrischen Buchsen bei Belegung des Hz-Eingangs automatisch deaktiviert werden.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich höre bei diesen Demos kein Klangunterschied
    Sogar unterm Kopfhörer Typ AKG 701 ist kein unterschied zu hören.
    Kann mir da ev. jemand einen unterschied nennen ?

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      Axel Ritt  RED

      achte bitte mal auf das Kompressionsverhalten des Signals und dessen dynamische Verdichtung …

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      stookie

      Leider kann ich auch keinen wirklich markanten Unterschied hören (und evtl. bilde ich mir den dann auch noch ein). Dabei habe ich einen „in your Face“ effekt eigentlich erwartet.

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    AMAZONA Archiv

    Ich höre ebenfalls keinen Unterschied, und das sowohl über Kopfhörer BD DT770, und Monitoring KS Digital C88 … dazu kommt noch, dass ich Besitzer eines UA LA610 bin, ich denke mir, dass der LA 610 noch mehr Röhrenklang hat, dort ist es ziemlich klar wahrzunehmen .. :-)

    Trotzdem, cooler Test, Danke

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    Recorderer

    Ich wäre auch der Meinung, dass die Klangbeispiele keinen Unterschied besitzen…
    Dabei war ich sehr gespannt, wie sehr die Sättigung zupackt.

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      Markus Galla  RED

      Es ist auch wirklich kein Unterschied wahrnehmbar. Da kann man sogar einen Blindtest machen. Insofern sind die Klangbeispiele tatsächlich entweder etwas unglücklich gewählt oder das Gerät wirbt wie so viele Geräte mit Features, die eigentlich nur blenden sollen.

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