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Test: Universal Audio API Vision Console Emulation, Plug-in

24. September 2021

Legendäre API Console als Plug-in

universal audio api vision console plug in

Universal Audio API Vision Console Emulation, Plug-in

Automated Processes Incorporated (API), gegründet in der 1960ern, ist ein echter Studio Dinosaurier. Riesige Konsolen und Module im System 500 Format rund um den legendären diskreten Schaltkreis mit dem nüchternen Namen 2520. API bot und bietet bis heute Studiogeräte für höchste Ansprüche – zu einem entsprechenden Preis. Eine 24-Kanal Konsole vom Typ 2448 wird heute im Bereich von deutlich über 80.000,- Euro gehandelt.

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API 2448 Console

Das kleinste Modell mit dem Namen „The Box“ ist aktuell für knapp 19.000,- Euro zu bestellen. Wo der Preis ein echter Dealbreaker ist, gibt es auf der Haben-Seite den charakteristischen Klang der Amerikaner, der als punchy, dicht und dynamisch beschrieben wird.

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API The Box

Mixing Engineers aller großen Studios und gängiger Weltstars setzen auf API Konsolen – insbesondere, wenn man dem Sound den typischen analogen Biss und Groove hinzufügen will. Aber zwischen ihnen, uns und einer schönen API Konsole stehen halt nun mal 5-stellige Eurobeträge.

Universal Audio möchte hier Abhilfe schaffen und hat für die UAD-Hardware und insbesondere die kostenlose LUNA Recording-Lösung nun ein Paket geschnürt, das den Nutzern von UA Apollo Interfaces das API-Feeling erschwinglich machen soll. Dabei werden folgende Varianten im Universal Audio Shop angeboten:

  • API Vision Channel Strip Plug-in für UAD-Hardware und Apollo Interfaces zum Preis von aktuell 179,- Euro (Listenpreis 299,- Euro)
  • Das API Complete Bundle für UAD-Hardware und Apollo Interfaces mit allen Modulen der Channel-Strip Kollektion und zuzüglich dem 2500 Bus Kompressor, dem 212L Mic-Preamp und der API 500 EQ Collection zum Preis von 599,- Euro
  • Das API Vision Console Emulation Bundle, welches ebenfalls mit allen Modulen ausgestattet ist und dazu noch die Recording DAW LUNA in eine komplette API Konsole verwandelt. Dieses Paket kostet 699,- Euro.

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Bei Aktivierung des Plug-ins verwandelt sich der klassische LUNA Channelstrip in eine API Flagship Analogkonsole mit vielen interessanten und nützlichen Modulen. Auf den ersten Blick sieht der Kenner die charakteristischen API Farben, Reglerformen und die Aufteilung der Bedienelemente der Module. Wie schon bei praktisch allen Universal Audio Plug-ins legte die Software-Abteilung auch hier größten Wert auf eine authentische Bedienung und das vintage Look&Feel.

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Die einzelnen Module der API Vision Console

Insgesamt sechs Module stehen Ihnen mit der API Vision Console Emulation zur Verfügung:

Universal Audio 212L Preamp

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Der 212L Preamp mit dem berühmten „LA-Sound“. Durch den 2520 Operationsverstärker verspricht Universal Audio schöne harmonische Oberwellen und Distortion. Fünf LEDs ermöglichen eine gute Abschätzung des Pegels und über PAD (Absenkung um -20 dB), Phasenumkehr und 50 Hz Lowpass-Filter kann weiter Einfluss genommen werden. Wer die Phantomspeisung vermisst: Diese wird (natürlich) dann über das Apollo Hardware-Interface aktiviert.

Universal Audio 215 HP/LP Sweep Filter

Der 215 HP/LP Sweep Filter ist ein Highpass/Lowpass-Filter mit 6 dB/Oktave Flankensteilheit – es greift also sehr sanft ins Geschehen ein. Durch die Side-Chain-Option wird das Signal der Sweep-Filter in die Kompressoren (235L oder 225L) eingespeist. Dies wird in folgendem Diagramm deutlich:

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Universal Audio 225L Kompressor

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Beim 225L Kompressor können Threshold, Ratio (2:1 bis 20:1 und unendlich) und Release (50 Millisekunden bis zu 3 Sekunden) in praxisgerechten Bereichen eingestellt werden und der (virtuelle) New/Old-Umschalter bietet sogar zwei unterschiedliche Klangcharakteristiken. Selbst die Kompressionscharakteristik („Knee“) kann zwischen Hard und Soft umgestellt werden. Beim Attack muss ein Umschalter zwischen Fast (2 ms), Medium (18 ms) und Slow (75 ms) ausreichen.

Universal Audio Gate/Expander API 235L

Der Gate/Expander heißt bei API 235L und kann beispielsweise das Background Noise (man verzeihe mir die Anglizismen, aber „Hintergrundgeräusche“ trifft es einfach nicht) reduziert werden. Im 235L können der Threshold, die Tiefe (Depth) und Release/Hold-Time eingestellt werden (umschaltbar). Darüber hinaus kann man das Modul zwischen Gate- und Expander-Modus umschalten und die Dämpfung (gain attenuation) wird mit fünf LEDs simuliert.

Die API Vision Console bietet gleich zwei unterschiedliche Equalizer-Module:

Universal Audio 550L 4-Band-Equalizer

Die vier Regler des 550L haben jeweils eine Doppelbelegung: Außen in grau wird der Pegel eingestellt und innen über das blaue Drehelement wird die Frequenz festgelegt. Von unten nach oben können die Bässe, untere Mitten, obere Mitten und Höhen gepegelt werden (0 bis 12 dB). Bässe und Höhen können per Switch auf eine Kuhschwanz-Charakteristik geschaltet werden und mit DYN SC kann das Signal über den 235L/225L geroutet werden. Eine weitere Option ist PREDYN: Standardmäßig wird das Audiosignal nach der Dynamikbearbeitung in den EQ geroutet. Wenn PREDYN aktiviert ist, wird dieses Routing vertauscht und der EQ wird stattdessen den Dynamikmodulen vorgeschaltet.

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Universal Audio 560L 10-Band-Equalizer

Ein Klick auf den „Type“-Button und schon wechseln wir in den 560L Modus, der als klassischer 10-Band-Equalizer mit fixen Frequenzen ausgelegt ist. Von 31 Hz bis 16 kHz kann in +/-12 dB Bereichen geregelt werden. DYN SC und PREDYN werden auch hier angeboten, aber keine Shelf-Funktion, die man bei der Equalizer-Variante mit 10 virtuellen Schiebereglern aber natürlich manuell simulieren kann.

Universal Audio API 2500 Bus-Compressor

Der API 2500 kann vom Einsatzzweck her mit dem SSL G-Type Kompressor verglichen werden, der in abgespeckter Form in meinem SSL Six Mixer zu finden ist. In dem Universal Audio API Vision Console Plug-in ist dieses Modul mit vielen Optionen ausgestattet. Anders als beim „kleinen“ 225L“, können Threshold, Attack, Ratio und Release getrennt eingestellt werden. In der schlanken Channel-Strip-Ansicht findet man dazu noch den Mix-Regler, bei dem man das komprimierte und unkomprimierte Signal mischen kann. Dann noch die Einstellung der Knee-Funktion und der „Thrust“-Modus: THRUST ist eine von API patentierte Schaltung, die ein Hochpassfilter in die Steuerkette am Eingang des RMS-Detektors einfügt, das dessen Reaktion auf niedrige Frequenzen begrenzt.

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Ebenso wie der 225L hat auch der 2500er einen New/Old-Umschalter. Universal Audio beschreibt diese Charakteristiken folgendermaßen:

  • NEW – Feed-forward-Sidechain-Routing, typisch für moderne VCA-basierte Kompressoren. Das Sidechain-Eingangssignal der Steuerung wird vom unkomprimierten Audiosignal abgegriffen. Härtere Kompression mit mehr Transparenz.
  • OLD – Feed-back-Sidechain-Routing, typisch für Vintage-Kompressoren wie den API 525. Das Eingangssignal der Steuer-Sidechain wird vom komprimierten Audiosignal abgegriffen. Sanftere Kompression mit mehr Charakter.

Wenn der API 2500 Bus Compressor auf dem Stereo-Bus oder Main-Track verwendet wird, dann kann in der Sektion „Stereo Link“ festgelegt werden, dass die Dynamikprozessoren beider Kanäle immer in gleichem Maße komprimiert werden. So kann das Signal praktisch übergangslos als Doppel-Mono bis hin zu einem kompletten Stereosignal komprimiert werden. Und über „Shape“ kann man diese Funktion noch filtern, als Hochpass, Tiefpass oder Bandpass.

Universal Audio API Power Section

Und nicht zuletzt ermöglicht die Power-Sektion das Ein- und Ausschalten des Kompressor-Schaltkreises, wobei hier das Signal aber den Rest der (virtuellen) Schaltung durchläuft. Anders bei BYP (Bypass): Hier wird der komplette Schaltkreis umgangen. „Gain“ fungiert dann noch als „Makeup“, um das Ausgangssignal mit dem Eingangssignal abzugleichen.

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API Vision Console Emulation in der Praxis

Sie sehen: Universal Audio bietet mit der API Vision Console Emulation ein fettes Paket, das sich sehr nah am Original orientiert und sogar noch ein paar kleine und nützliche Funktionen hinzufügt.

Je nach Variante kann das API Plug-in klassisch als Insert verwendet werden oder idealerweise als Unison Plug-in, bei dem direkt die DSP-Prozessorpower des Apollo Audiointerfaces verwendet wird und die CPU des Mac in soweit entlastet wird, dass praktisch ein latenzfreies Arbeiten möglich ist. Dieses integrierte Konzept wird zwar ab und an kritisiert, aber tatsächlich bietet die Kombination Luna – Apollo Interface – Unison Plug-in eine nahtlose Integration und ein sehr angenehmes Arbeiten.

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Wie klingt die API Vision Console Emulation?

In meinem Studio testete ich die API Vision Console Emulation mit einem Apollo TWIN X Quad Interface mit der neuesten Firmware 9.14 und LUNA Version V1.1.11. Das Eingangssignal vom E-Piano (Korg Grandstage) und Gitarre (Fender Stratocaster) wurde direkt ins Apollo gespeist – ohne weitere Umwege. Zur klanglichen Einordnung wurde ein SSL SiX Analogmixer herangezogen.

Wie oft bei der Beurteilung von Plug-ins wäre die Original-Hardware wünschenswert gewesen, die aber leider nicht zur Verfügung stand – aus monetären Gründen und räumlichen Gegebenheiten.

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Einmal im Channelstrip aktiviert, zeigen die einzelnen Elemente des Plug-ins aber gleich, wie der Hase läuft. Selbst ohne Aktivierung vom Sweep-Filter (215L), Gate/Expander (235L), Compressor (225L) oder den verschiedenen Equalizern (550L/560L) wirkt das Klangbild sofort dynamischer und mit einer gehörigen Portion Punch versetzt. Der ruhige Charakter der Basis-Console von Luna ist dahin und man merkt richtig, wie dem Signal richtig Feuer unterm Hinter gemacht wird. Ganz nach dem Vorbild von API wirkt das Ganze wie mit einer Dynamikschaltung aufgeputscht. Allerdings macht es den Eindruck, als würde bei dem Feuerwerk die Auflösung und der Feingeist etwas auf der Strecke zu bleiben. Dies wird auch den API Konsolen nachgesagt, die tendenziell fürs Grobe gemacht sind und dynamische Pop- und Rocksongs mixen sollen.

Wenn man dann die entsprechenden Module einspeist, dann bleibt diese Charakteristik im Wesentlichen erhalten und man kann sich innerhalb dieses speziellen Klangraums dann frei entfalten.

Der Sweep gibt dem Signal an den Frequenzenden mehr oder weniger Energie, wobei er wie erwähnt recht sanft zugreift. Wenn man den Channel zusätzlich verdichten möchte, dann ist der 225L eine gute Wahl. Gerade bei Pianos und E-Pianos kann man den Attack und den Ausgang des Klanges sehr schön regeln und so das Instrument gut im Mix platzieren. Ich fand dabei die Einstellung „Old“ schöner, denn mit „New“ wurde das Signal noch zackiger, was dem Gesamtklang oft nicht hilft. Mit „Old“ ist man da auf der sicheren Seite.

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Den 235L Gate/Expander brauchte ich in meinem Setting nicht. Meine Tests haben aber gezeigt, dass die schnelle Reaktionszeit unerwünschte Hintergrundgeräusche wirksam filtert.

Ob man nun beim Equalizer lieber parametrisch oder klassisch mit definierten Frequenzbändern arbeitet, ist zum einen Gewohnheitssache und zum anderen kommt es darauf an, was man bezwecken möchte. Die EQs haben mir besonders gut gefallen und bieten in beiden Varianten ein praxisgerechtes Arbeiten mit einem sehr „punchy“ Klangcharakter, der die gesamte Konsole gut ergänzt.

Der 2500er kann als Channel oder Summenkompressor eingesetzt werden und er geht noch mal zahmer zu Werke als der „kleine“ 225L: Es braucht einiges an Fingerspitzengefühl, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Auch hier hat mit übrigens die Charakteristik „Old“ besser gefallen. Die „Quasi-Parallel-Kompression“ durch den Mix-Regler ist eine feine Sache. So kann man erst mal recht hart und deutlich komprimieren und dann über den Mix mit dem unkomprimiertem Signal mischen. Das ergibt in vielen Szenarien einen angenehmen Effekt.

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Wer sich selber einen Eindruck machen möchte: Sehr gute Soundbeispiele der API Console findet man auf Soundcloud!

Der Blick über den Tellerrand

Beim Umstöpseln auf meine analoge SSL SiX Konsole merkt man die unterschiedliche Herkunft sofort. SSL geht mit dem Signal wesentlich behutsamer um und behält dabei alle Details und feindynamische Nuancen genau im Blick. Auf der anderen Seite mag man dies beim ersten Reinhören als langweilig und undynamisch empfinden, bis man merkt, dass SSL nichts von der Dynamik nimmt, sondern API aufgrund seiner Abstimmung eher den Punch hinzufügt. Beides legitime Wege für individuelle Einsatzzwecke.

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Fazit

Klar, mit 599,- Euro Listenpreis ist das API Complete UAD-Bundle kein Schnäppchen. Aufgrund der Funktionsvielfalt und des klanglich sehr überzeugenden Ergebnisses kann ich die API Console gerne an Freunde von Elektro, HipHop, RnB, POP und Rock empfehlen. Die einzelnen Module sind von sehr guter Qualität, sehr authentisch nachgebildet und funktionieren völlig problemlos und stabil mit den Apollo Audiointerfaces. Der knackige, dynamische Klang wird Ihnen sicher ein Lächeln auf die Lippen zaubern!

Plus

  • sehr guter Klang und originalgetreu programmiertes Plug-in
  • großer Funktionsumfang mit interessanten Modulen
  • läuft sehr stabil und ist gut zu bedienen

Minus

  • kein Schnäppchen

Preis

  • API Vision Channel Strip Plug-in: 179,- Euro
  • API Complete Bundle: 599,- Euro
  • API Vision Console Emulation Bundle: 699,- Euro
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