Der Sound von Nirvana, Fleetwood Mac & Co.
Mit dem Universal Audio Sound City Studios Plug-in hat Universal Audio ein sehr interessantes und vielseitiges Plug-in im Portfolio, das mehr als nur Reverb kann. Wer sich mit der Geschichte moderner Rockmusik beschäftigt, kommt an Sound City kaum vorbei. Das unscheinbare Studio im kalifornischen Van Nuys genießt längst Kultstatus. Hier entstanden Aufnahmen von Fleetwood Mac, Tom Petty, Rage Against The Machine, Neil Young und Nirvana. Vor allem das Album „Nevermind“ hat dazu beigetragen, dass Sound City bis heute als eine Art heiliger Gral für Produzenten und Toningenieure gilt. Das dazu passende Plug-in von Universal Audio haben wir uns für euch näher angeschaut.
Was ist es? Universal Audio Sound City Studios ist ein Plug-in, das die Akustik und den Signalweg des legendären Studio A der Sound City Studios emuliert.
- Konzept: Das Plug-in modelliert nicht nur den Raumhall, sondern die gesamte Produktionsumgebung inklusive Mikrofonierung, Konsole und Effekten.
- Re-Mic-Modus: Dieser Modus ersetzt die ursprüngliche Aufnahmecharakteristik durch die des Studios und erzeugt den Eindruck, das Signal sei direkt dort aufgenommen worden.
- Klangcharakteristik: Das Plug-in verleiht Signalen eine subtile Verdichtung im Mittenbereich und eine organische Räumlichkeit, die besonders Rockproduktionen zugutekommt.
- Anwendung: Besonders überzeugend ist die Anwendung bei Drums und Gitarren, wo eine realistische Raumintegration und Tiefe erzeugt wird.
- Schwächen: Das Konzept erfordert Einarbeitung und Umdenken; der Re-Mic-Modus kann den Klang drastisch verändern, was bei bereits produzierten Signalen polarisieren kann.
Inhaltsverzeichnis
- Sound City Studios: Kein gewöhnliches Reverb
- Der eigentliche Star: Re-Mic
- Reverb-Modus: Der klassische Ansatz
- Das Studio als Klangwerkzeug
- Sound City Studios Plug-in in der Praxis: Drums
- Sound City Studios Plug-in in der Praxis: Gitarren
- Sound City Studios Plug-in der Praxis: Vocals
- Die integrierten Effekte
- Kritik
Als Universal Audio Ende 2023 das Sound City Studios Plug-in vorstellte, war die Erwartungshaltung hoch. Schließlich verspricht die Software nicht weniger als die vollständige Nachbildung von Studio A – inklusive Raumakustik, Mikrofonierung, Konsole, Effekten und der berühmten Echo-Chamber. Das Konzept geht damit deutlich weiter als klassische Hall-Plug-ins oder reine Konsolen-Emulationen. Tatsächlich versucht Universal Audio, den gesamten Produktionsraum als kreatives Werkzeug in die DAW zu übertragen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie gut der Hall klingt. Viel spannender ist, ob sich tatsächlich das Gefühl einstellt, durch ein legendäres Studio zu produzieren.
Sound City Studios: Kein gewöhnliches Reverb
Wer das Plug-in zum ersten Mal öffnet, könnte zunächst an ein aufwendig gestaltetes Reverb denken. Doch bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass dieser Eindruck täuscht.
Universal Audio modelliert hier nicht nur die Raumakustik von Studio A, sondern die komplette Signalkette. Bestandteil der Emulation sind die Mikrofone, die berühmte britische Studiokonsole aus den frühen 1970er-Jahren, verschiedene Dynamikprozessoren sowie die historische Hallkammer des Studios.
Das gesamte Signal durchläuft diese virtuelle Produktionsumgebung. Wer hier mehr Details zu den originalen Sound City Studios haben möchte, dem lege ich gerne die Dokumentation Sound City von 2013 ans Herz, hier hat Dave Grohl sogar selber Regie geführt.
Gerade Anwender, die bereits mit Ocean Way Studios gearbeitet haben, werden die konzeptionelle Verwandtschaft sofort erkennen. Während Ocean Way allerdings eher für hochglanzpolierte Westcoast-Produktionen steht, vermittelt das Sound City Studios Plug-in von Anfang an einen deutlich raueren, direkteren Charakter.
Der eigentliche Star: Re-Mic
Das Herzstück des Universal Audio Sound City Studios Plug-ins ist der sogenannte Re-Mic-Modus. Dabei wird das Eingangssignal nicht einfach mit einem Hall versehen. Stattdessen ersetzt Sound City die ursprünglichen Mikrofon- und Raumeigenschaften der Aufnahme durch die modellierte Sound-City-Umgebung. Universal Audio beschreibt dies als vollständigen Ersatz der ursprünglichen Aufnahmecharakteristik durch Raum, Mikrofone und Signalweg des Studios.
In der Praxis bedeutet das: Eine trockene Drum-Spur klingt plötzlich so, als sei sie tatsächlich in Studio A aufgenommen worden. Dasselbe gilt für Gitarren, Vocals oder virtuelle Instrumente. Wichtig dabei ist, dass Re-Mic ausdrücklich nicht als klassischer Send-Effekt zu verwenden ist. Wer das bearbeitete Signal parallel zum Original mischt, kann schnell Phasenprobleme erzeugen. Universal Audio empfiehlt deshalb die Nutzung als Insert oder auf einem dedizierten Bus.
Genau dieser Punkt macht aus meiner Sicht den Unterschied zu nahezu allen herkömmlichen Reverb-Plug-ins aus. Man fügt keinen Raum hinzu, man ersetzt einen Raum.
Reverb-Modus: Der klassische Ansatz
Natürlich beherrscht das Universal Audio Sound City Studios Plug-in auch den traditionellen Reverb-Betrieb. Im Reverb-Modus wird der Direktschall künstlich entfernt, sodass nur die frühen Reflexionen und die Rauminformation erhalten bleiben. Das Plug-in arbeitet dann wie ein klassischer Hallprozessor und lässt sich problemlos über Aux-Wege verwenden.
Klanglich überzeugt dieser Modus durchaus. Dennoch hatte ich während des gesamten Tests das Gefühl, dass man damit nur einen Teil dessen nutzt, was Sound City eigentlich ausmacht. Denn gute Hall-Plug-ins gibt es mittlerweile viele, aber die eigentliche Magie entsteht erst im Re-Mic-Modus.
Das Studio als Klangwerkzeug
Besonders gelungen ist die Art, wie Universal Audio unterschiedliche Schallquellen berücksichtigt. Zur Auswahl stehen unter anderem Drums, Gitarren, Vocals, Akustikinstrumente und Ensembles.
Dahinter steckt keine reine Preset-Sammlung. Vielmehr simuliert das Plug-in unterschiedliche Abstrahlcharakteristiken, wie sie reale Instrumente in einem Raum erzeugen. Die Wechselwirkungen zwischen Quelle, Raum und Mikrofonierung verändern sich entsprechend.
Dieser Ansatz wirkt zunächst unspektakulär. Beim Hören wird der Unterschied jedoch sofort deutlich, denn Drums reagieren anders auf den Raum als ein Gesangssignal. Gitarren entwickeln andere Reflexionsmuster als ein Piano. Genau dadurch entsteht der Eindruck einer tatsächlichen Aufnahmeumgebung.
Die Konsole macht mehr aus als der Raum. Viele Anwender konzentrieren sich beim ersten Kontakt ausschließlich auf die Raumsimulation. Meiner Meinung nach liegt die eigentliche Stärke jedoch an anderer Stelle. Die modellierte Sound-City-Konsole färbt das Signal auf eine Weise, die erstaunlich viel zum Gesamteindruck beiträgt. Selbst bei moderaten Einstellungen entsteht eine subtile Verdichtung im Mittenbereich, die besonders Rockproduktionen zugutekommt. Das Signal wirkt griffiger, kompakter und gleichzeitig größer.
Interessanterweise fällt dieser Effekt oft stärker auf als die eigentliche Hallkomponente. Man merkt schnell, dass hier nicht nur ein Raum modelliert wurde, sondern eine komplette Produktionsumgebung.
Sound City Studios Plug-in in der Praxis: Drums
Drums gehören ohne Zweifel zu den überzeugendsten Anwendungen des Plug-ins. Moderne Sample-Librarys klingen häufig spektakulär, wirken aber oft etwas losgelöst voneinander. Kick, Snare und Toms besitzen zwar Druck, teilen sich jedoch keinen gemeinsamen Raum.
Genau hier spielt Universal Audio Sound City Studios seine Stärken aus. Bereits moderate Re-Mic-Einstellungen sorgen dafür, dass einzelne Elemente plötzlich zusammengehören. Der Mix gewinnt an Tiefe und Kohärenz, ohne dass man mehrere Hallprozessoren kombinieren muss. Auch zahlreiche Anwenderberichte beschreiben Drums als eine der stärksten Disziplinen des Plug-ins.
Sound City Studios Plug-in in der Praxis: Gitarren
Noch beeindruckender fällt das Ergebnis bei Gitarren aus. Amp-Simulationen profitieren enorm von der zusätzlichen Räumlichkeit. Selbst hochwertige Cabinet-IRs wirken im direkten Vergleich häufig etwas statisch. Sound City Studios erzeugt dagegen das Gefühl, dass tatsächlich ein Lautsprecher im Raum steht und von Mikrofonen aufgenommen wird. In meinem Beispiel habe ich einen Blackstar Übungsamp mit meiner Les Paul (Neck-Humbucker) verbunden und ohne Effekte eine kurze Sequenz eingespielt:
Vor allem bei Rock-, Indie- und Alternative-Produktionen entsteht dadurch eine bemerkenswerte Authentizität. Auch externe Reviews heben Gitarren regelmäßig als Paradeanwendung hervor.
Sound City Studios Plug-in der Praxis: Vocals
Bei Vocals fällt das Ergebnis etwas differenzierter aus. Für moderne Pop-Produktionen mit stark bearbeiteten Hall- und Delay-Ketten würde ich weiterhin spezialisierte Reverb-Plug-ins bevorzugen.
Bei Singer-Songwriter-Aufnahmen, Indie-Rock oder organisch produzierten Bands liefert Sound City dagegen eine beeindruckende Tiefenstaffelung. Der Gesang wirkt weniger aufgesetzt und erhält einen glaubwürdigen Platz innerhalb des Mixes.
Besonders überzeugend ist dabei die Möglichkeit, den Anteil direkter und entfernter Mikrofone gezielt auszubalancieren.
Die integrierten Effekte
Neben Raum und Konsole bietet das Sound City Studios Plug-in zusätzliche Bearbeitungsmöglichkeiten. EQ, Dynamiksektion und Chamber-Reverb lassen sich flexibel in die Signalkette integrieren. Die Reihenfolge der Effekte kann sogar verändert werden. Universal Audio orientiert sich dabei an Werkzeugen, die historisch mit dem Studio verbunden sind.
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Zwar ersetzen diese Module keine spezialisierten Einzel-Plug-ins, sie unterstützen jedoch den Workflow erheblich. Gerade beim Sounddesign entsteht dadurch ein angenehm geschlossenes Produktionssystem.
Kritik
Ganz ohne Schwächen bleibt das Universal Audio Sound City Studios Plug-in nicht. Die größte Hürde ist vermutlich das Verständnis des Konzepts. Wer lediglich einen Hall sucht, wird zunächst wenig Begeisterung entwickeln. Tatsächlich erschließt sich das Potenzial erst nach einiger Einarbeitungszeit. Das Plug-in belohnt experimentierfreudige Anwender, verlangt dafür aber ein gewisses Umdenken.
Hinzu kommt, dass Re-Mic den Klang teilweise drastisch verändert. Das ist technisch gewollt, kann aber gerade bei bereits fertigproduzierten Signalen überraschend ausfallen. Auch Anwenderdiskussionen zeigen, dass genau dieser Punkt polarisiert.
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Und dann kommt ein großer Nirvana Fan und versucht ein weiteres Smells Like oder Come as You Are aufzunehmen und wundert sich anschließend, dass es nicht annähernd so klingt. Du hast es schon richtig geschrieben. Vermutlich braucht man einige Zeit, um sich in das Plugin einzuarbeiten, damit man überhaupt verbesserte Ergebnisse erhält.
@Tai Da Einarbeitung, eher für Rock und nicht empfehlenswert für „Send“ machen dieses Plugin zu etwas besonderem, aber definitiv nichts für mich. Aber es zeigt auch den Fortschritt der Hallplugins. Nicht nur der Raum bzw. die Räume des Originals werden simuliert, sondern auch die Mic-Position, so wie ich es verstanden habe. Gibt es hier auch Presets aka Nirvana? Dann wäre deine Frage dbzgl. beantwortet, denn dann könnte man den Hall passgenau wie die Band einstellen. Wenn es solch ein Plugin für div. Konzerthallen gäbe, wäre das bei mir im Warenkorb. Universal Audio kann sich da mal ranmachen, so eines zu entwickeln.
@Filterpad ich hab unlängst zufällig etwas über bob Katz drumsounds gesehen. die Methode wurde oft
in den 90ern verwendet oder er hat im Notfall schon Samples gehabt. eine spezielle Kompressor Einstellung , ein „tile“ also raum voller fliesen(Badezimmer ) preset und noch etwas… sehr interessant! ich liebe das black Album von Metallica, extrem Fett produziert. die haben damals sehr lange herumprobiert mit vielen Mikros.
@Numitron Selbst ich als Nicht-Metaler habe black Album, St. Anger.
@Filterpad hab unlängst gelesen, die berüchtigte St. Anger snare ist eine Acrylsnare! natürlich der Teppich ganz weg..
dachte immer eine Messingsnare… 😄
@Numitron spannend, Acryl war zu dieser Zeit voll hipp, jetzt ist es wieder klassisch Holz und Metal. Nur die Preise sind saftig nach oben, dafür ist die Auswahl größer. Zwischen 135€ und 2800€ gibt es Snares. Da soll man eine Entscheidung treffen? 🤔
@Filterpad stimmt. musicstore hat eine rote Eigenmarken Acrylsnare.
vielleicht traue ich mich Mal.
😉
@Filterpad „Selbst ich als Nicht-Metaler habe Black Album, St. Anger…“
Diese Alben werden von Metallern eher gehaßt…ersteres ist ein Anfänger-Album, und im Mainstream einfach auch zu beliebt, letzteres wird vom Sound her gehaßt, unter anderem eben wegen der Snare. Und der Brickwall-Dynamik.
Ich persönlich finde den Snaresound großartig, und habe deswegen selber angefangen, mit ganz wenig Teppich zu spielen…das hat mir schon bei „Zooropa“ gut gefallen.
https://youtu.be/tkoEGVAHpZg?list=PLNPGM2D7aODeD3dtsVE5pAcqi4J8_bXpC
@mort76 stimmt.
für mich als Freizeit Metaller ist das black Album mein Lieblingsalbum.
abgesehen vom fetten Sound, hat es am meisten sehr gute Songs imho.
war das erste Metallica album das ich gehört habe.
„wherever i May roam“ ist einer der besten Songs imho.
hat auch viele elektronische Musiker beeinflusst.
death Magnetic war am Anfang leider zu Tode komprimiert.
der meist geniale Rick Rubin hat hier etwas danebengegegriffen zumindest falls er für die Komprimierung zuständig war.
aber spätere Versionen wurden überarbeitet.
Ich denke, am Besten ist, dass man sich schon im Vorfeld überlegt, ob man so ein Plugin nutzen möchte. Dann sollte man für die Aufnahme, die durch dieses Plugin laufen soll, ein relativ neutrales Mikrofon nutzen. Damit hat man zumindest ein flexibles Ausgangssignal. Und auch eher ein relativ nah aufgenommenes Signal, da man den Raum ja später dazufügen will.
bitte melden, wenn es ein Plugin mit sHitgarantie gibt. je nach Geschmack Shit oder Hit!
ich glaub ich lese wieder „Handbuch zum Nr. 1 Hit“ von KLF. ☺️ Hab auch das hörbuch, gelesen von Bela b. 😄
@Numitron Da hilft nur das Zitat vom Song Hip-Hop der EAV: Franz Kreimer kann bestimmt sprichwörtlich ein Lied davon singen:
Hip hop, a-hippa hop hop!
Wird’s ein Hit oder wird’s ein Flop?
Hip hop, a-hippa hophop!
A-hibba hubba habba! Das fährt abba!
@Filterpad 👍 … der erste Schritt zur Hitparade ist die Bass-Drum ohne Gnade … 👍 Schöne Grüße von einem EAV-Fan.
@Filterpad haha.
die hatten schon den alpenrap relativ kurz nach „der Kommissar“ von Falco 😎
leider die späteren alben eher schwach aber nicht wegen Franz kreimer.
Hmmm, bin ich der einzige, der handfeste Probleme in den Audiobeispielen hört?
Fast alle mit dem Plugin bearbeiteten Beispiele scheinen ganz eklatante Panning- und Phasenprobleme zu haben.
Bei den Drums ist es besonders die Kick, die im unbearbeiteten Teil noch normal trocken in der MItte sitzt, nach dem Plugin aber scharf rechts im Panning landet, und teils heftige Early-Reflections hart links hat. Nicht nur unter Kopfhörern recht unangenehm.
Besonders „Clear Lead Vocal“ sollte die Lead Vocals ja exakt in der MItte behalten, statt sie wie bei den Drums auch hart nach rechts zu pannen. Ein Raumeindruck entsteht ja so gar nicht, das ist wie die ersten Beatles /Stones Stereo-Aufnahmen in ihrem hartem Panning zu hören.
Die „veredelten“ Gitarrenspuren wirken, als hätte man den Amp aus 15m Entfernung mit einem Handy abgenommen, jegliche Präsenz der Gitarre wurde weggewaschen.
Abgehört u.a. über ein MOTO 10pre mit DT990 PRO.
@Metaphistopheles Prinzipiell würde mich interessieren, welche potenzielle Zielgruppe mit dieser Art Plugin tatsächlich produktiv arbeiten würde.
Ein kommerziell arbeitender Profi hat ja meist enormen Aufwand dafür betrieben, daß er für seine Arbeitsweise eine Signalkette zusammengestellt und optimiert hat, um seinen Workflow und seine Sound-Ideen effizient umsetzen zu können. Da würde die Einarbeitung in die Signalkette des Sound City Studios ja maximal als Lehrbeispiel dienen können, aber wohl kaum als Ersatz.
Und die Prosumer hingegen werden durch diesen Einarbeitungs-Aufwand eher nur in eine vordeklinierte Nische gedrängt, anstatt ein Werkzeug zu haben, das sie näher an die echten Skills und Ergebnisse der o.g. Profis bringen könnte.
Bleiben also die Anfänger, die sich von den im Intro des Tests rezitierten Legenden zum Kauf verleiten lassen, aber wohl eher von den Ergebnissen enttäuscht sein werden, daß Anfänger-Input eben nicht durch ein Plugin zu legendärem Klang und Erfolg führt….
@Metaphistopheles Eine äußerst interessante Frage und zudem schön differenziert ausgeführt (mein voller Ernst).
Für mich – der ich eher plump durch die Welt trottele – erweckt sich immer mehr der Verdacht, dass hier einfach die nächste „Software-Gattungs-Sau“ durchs Dorf getrieben wird.
Scheinbar gibt es jetzt endlich genug Effekt-Plug-Ins und Software-Instrumente 😉
@Metaphistopheles Hi,
höre ich auch so. Insbesondere beim Hören mit Kopfhörern ist das extrem störend. Das lässt sich auch nicht mit Re-Mic rechtfertigen und ist auch wenig authentisch, es sei denn, ich würde in einem realen Raum die Mikrofone asymmetrisch aufstellen oder für die Stereomikrofonierung verschiedene Mikrofone nutzen, was dann das Stereobild verzerren würde. Aber wer macht das? Man möchte ja eigentlich ein reales Abbild des Raumes haben. Die extrem starke tonale Verschiebung erklärt sich durch Re-Mic und würde auch in der Realität auftreten, wenn man ein Instrument in einen anderen Raum stellt. Es klingt dann eben anders. Im Studium habe ich das schön am Beispiel des Klaviers kennengelernt: In den stark gedämmten Übezellen klang das teuerste Klavier dumpf und eher leise. In den größeren Räumen strahlte es und hatte eine große Dynamik. In den rechteckigen Seminarräumen klangen selbst die teuren Steinway-Flügel nicht gut, weil es oft ein Flatterecho über die Fensterfront und die Wände gab, das dann auch bei Staccato-Passagen den Gesamtklang beeinflusst hat.
Hallo zusammen und vielen Dank für die zahlreichen Kommentare. Hier ein paar Anmerkungen:
1. Ja, das Manning und die Phase verändern sich und zwar ziemlich drastisch. Das ist ist Teil des jeweiligen Presets. Wie im Test mehrfach bemerkt, ist dieses Plugin kein Halleffekt im Studio sondern (Zitat): „Dahinter steckt keine reine Preset-Sammlung. Vielmehr simuliert das Plug-in unterschiedliche Abstrahlcharakteristiken, wie sie reale Instrumente in einem Raum erzeugen. Die Wechselwirkungen zwischen Quelle, Raum und Mikrofonierung verändern sich entsprechend.“
Das Plugin positioniert virtuell Mikrofone vor den Klangquellen. Das hat natürlich einen Effekt auf Manning und Phase. Und ja, das lässt sich durchaus mit Re-Mic rechtfertigen
2. Die Signalkette war so clean, wie möglich: Ausgangsdatei, Plugin im Insert (so wie empfohlen) und aufgenommen – Ende. Hier gibt es keinen Raum für Manning oder Phasenprobleme.
3. Auch wenn es schockiert: Ein SM57 vor einem AMP klingt genau so, wenn man das Signal nicht nachträglich bearbeitet. Das Mikro stand beim Test 10cm vorm Amp und leicht auf die Innenseite der Sicke des Chassis gerichtet. Ich habe das hier bei meinen Tests öfter: Irgendwer ist immer enttäuscht vom Klang des SM57. Akzeptiert es: Ein SM57 ohne EQ, Kompressor und Nachbearbeitung ist ein äußert unspektakuläres Mikrofon.
Ich habe im Test mehrfach geschrieben, dass das UA Plugin zum Teil drastische Klangliche Veränderungen macht, und ganz das habe ich in den Audiobeispielen abgebildet. Studioklang ist nicht immer eine glattgebügelte Hochglanzproduktion – das Sound City hat hier einen anderen Ansatz. Bitte ladet Euch eine Demo herunter und probiert es aus – mir hat es viel Spaß bereitet.
@Jörg Hoffmann Hallo, Jörg,
vielen Dank für die gut erklärten Antworten.
Natürlich ging auch ich nach dem Lesen des Textes – und vor dem Hören der Beispiele – von drastischen Veränderungen aus. Wenn eine komplette Signalkette auf „vintage“ simuliert wird inkl. Mikrofonierung, dann ist das ja quasi „Programm“.
Auch gehe ich davon aus, daß a) UA zur Championsleague der Plugin-Welt gehört, und b) Studios wie Sound City (genau wie Abbey Road und Hofa) nichts lizensieren, was ihren (berechtigten) Nimbus beschädigt.
Nun stellt sich aber die Frage, wer es nicht als Mischfehler bewertet, wenn Lead-Sängerinnen und Kick-Drums plötzlich hart rechts im Stereo-Panorama auftauchen – und jedwede nachfolgende Maßnahme, diese manuell wieder halbwegs in die Mitte zu verfrachten, ja dann auch drastisch den schon imprinteten „Sound City Aufnahme-Raum“ wieder kaputt machen.
Daher hatte ich auch eher den Verdacht, daß beim Downmix/Upload der Demo-Files etwas schief gelaufen wäre, und nicht wirklich UA der geneigten Kopfhörer/EarPod Kundschaft die Kick und die Vocals nur in ein einziges Ohr schieben wollten ;-)
Wenn es nun aber doch genau so von UA programmiert wurde, dann hab ich da eine eindeutige Meinung bzgl. der Praxistauglichkeit ;-)
@Metaphistopheles Hallo, in diesem Audiobeispiel ist es tatsächlich das Preset.
Am besten man geht mit der Einstellung ran: it‘s not a bug…it‘s a Feature :-)
@Jörg Hoffmann :-) schön gesagt!
@Jörg Hoffmann Beatles Vintagemodus 😉
@Metaphistopheles hat man das nicht oft in frühere
productionen gemacht? complete drum rechts oder auch bass?
@Viertelnote Ganz klar ja, es gab eine Zeit, da war Stereo gerade erfunden, aber der PAN Regler noch nicht :-)
Wer mal versucht hatte, die originalen ersten Stereo-Beatles oder Rolling Stones Schallplatten (nicht spätere Remaster) auf Kopfhörern zu hören, wird wahrscheinlich zustimmen, dass das keinen Spaß gemacht hat. Wenn ich die genannten Beispiele vom Test über Kopfhörer höre, dann empfinde ich es als sehr unangenehm – Du kannst es ja selbst so testen und Dir Deine Meinung bilden.
Nun spricht ja nichts dagegen, seine Signale hart nach links und rechts zu verteilen, wenn man das will – dazu braucht es aber kein teures Plugin, da reicht der Griff in die Panorama Regler des Mischpults.
Der Punkt, der (offenbar nicht nur mich) so verwundert ist, dass einige Presets des Plugins extrem PANnen, obwohl man es (seit Musik eben auch für Kopfhörer abgemischt wird) seit 50 Jahren allgemein als Mischfehler bewertet.
Der eigentliche Punkt ist dann ja der: Der Hersteller wirbt damit, dass das Plugin den Raum des berühmten Studios nachbildet. Wenn man aber nun versucht, Kick oder Lead-Gesang wieder hinter dem Plugin in die Mitte zu regeln, verschiebt man ja eben auch den Stereo-Raumhall des Plugins extrem zur Seite – und macht ihn damit wieder kaputt.
Und daher meine Meinung: Interessante Technik Studie, aber nicht sinnvoll für die Praxis.
@Viertelnote Es gibt natürlich schon länger Plugins, welche die Akustik berühmter Räume simulieren. Fast alle Faltungs-Hall-Plugins haben so etwas dabei. Man kann sogar mit „MIR“ von Vienna Symphonic Library sein virtuelles Orchester in berühmten Konzertsäälen Platz nehmen lasse – Musiker für Musiker – und auch den Platz des Hörers genau bestimmen – 10.1 Surround inklusive und entsprechende CPU-Power vorausgesetzt.
Auch gibt es ja viele Plugins, die historisch bewährtes Studio-Equipment oder Mikrofone emulieren.
Einer Verbindung dieser beiden Plugin-Gattungen hätte ja auch UA bei Sound City erzielen können. Vielleicht ist es eigentlich auch gut gelungen, und nur einige hier getestete Presets sind vielleicht so extrem im PAN….
phase ich höre nichts negative aber okay.
band oder production werden in speciellen umgebung
gesetzt-nicht für schmusenambiente oder french kiss.😉
wenn man concretes ziele hat und auch man weiß in der
bedienung so kann man sehr gute ergebnise haben.
@Viertelnote leider french Fries leichter erhältlich als french kiss 😀
ich gehe Mal zu mcd
brauche Glücksgefühle.😃
welche britische Konsole?
neve oder SSL? Oder was anderes?
@Numitron Habe nur diese Info:
Get the authentic tone of an iconic ’70s custom British console, including 3-band EQ and inline compression, based on the legendary Sound City Studios‘ desk
Smash your tracks with Sound City Studios‘ collection of analog outboard gear including „secret weapon“ Dolby A-style effects**, 1176 limiting, and more
Put your sources in Sound City Studios‘ lush-sounding reverb chamber.
Im Gegensatz zum Universal Audio Ocean Way Studios Deluxe, das ich benutze und empfehlen kann:
Add the warmth, punch, and character found in Ocean Way’s legendary control room and run your sources through the Dalcon and original Rupert Neve-designed Focusrite consoles — plus Fairchild, Teletronix LA-2A, 1176, and dbx 160 compressors used on countless hit records.
https://www.uaudio.com/products/ocean-way-studios-deluxe