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Test: Universal Audio SP-1, Kleinmembran-Mikrofon Stereo-Set

Mikro-Set von Universal Audio

26. Oktober 2022
universal audio sp1 test

Universal Audio SP-1, Kleinmembran-Mikrofon Stereo-Set

Es scheint so, als würde die altehrwürdige Firma Universal Audio deutlich die Schlagzahl für neue Produkte zur Erweiterung des Portfolios erhöhen. Nun wird also eine komplette Linie an Mikrofonen vorgestellt. Neben dem von Townsend Labs entwickelten Modeling-Mikrofon, das ich schon  hier  testen durfte, besteht das Angebot aus dem Podcaster Mikrofon SD-1, das Kollege Matthias Steinwachs schon unter den Fingern hatte.

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Hinzu kommen drei vom amerikanischen Premium-Hersteller David Bock entwickelten Großmembran-Kondensatormikrofone, die mit den charakteristischen Bezeichnungen 167, 187 und 251 einen „kleinen“ Hinweis auf die Vorbilder geben. Die Premium-Line soll zeitnah erhältlich sein. Hier bin ich gespannt, ob es in dieser Partnerschaft gelingt, die durchaus gehobenen Preise (Bock Audio 251 liegt bei ca. 7.500,- Euro) etwas zu reduzieren.

Deutlich günstiger fährt man sicher mit dem Standard SP-1 Stereo-Set, das ich hier vorstellen möchte.

Übersicht: UA Standard SP-1

Das SP-1 ist ein klassisches Kleinmembran-Mikrofon mit Nierencharakteristik. Universal Audio bietet hier bisher ausschließlich ein Stereo-Set an, das aus zwei abgestimmten Exemplaren besteht. Dazu packt der Hersteller eine Stereoschiene aus Kunststoff und zwei Mikrofonklemmen, die von K&M stammen dürften. Auch zwei Windschütze sind mit an Bord. Also eigentlich alles dabei, um direkt loszulegen. Leider fehlt bei der Stereobar der Reduzieradapter 5/8“ zu 3/8“. Unverständlich, wieso dieser Cent-Artikel von vielen Herstellern immer wieder vergessen wird.

UA SP-1 Standard

Das Sortiment im Koffer

Verpackt ist das komplette Sortiment in einem Pappköfferchen mit Tragegriff, passgenau in Formschaum verpackt.

Das beiliegende Datenblatt informiert über den Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz, die Ausgangsimpedanz von 200 Ohm, die Empfindlichkeit von -38 dB und die max. SPL von 142 dB. Eine Abbildung des Frequenzgangs wird nicht geliefert. 

Für das Mikrofon gibt es Channel-Strip-Presets für die hauseigenen Apollo Interfaces, die bei UA zum Download bereitstehen.

UA SP-1 Standard

Presets werden mitgeliefert, aber nur für UA Apollo Kunden

Das SP-1 präsentiert sich recht klassisch als einfaches Stäbchen mit 127 mm Länge und 22 mm Durchmesser. Das Gewicht liegt bei 115 g. Schaltmöglichkeiten wie PAD oder Highpass-Filter werden nicht angeboten. Die Oberfläche ist matt in Weiß beschichtet, das hebt sich von der Masse ab. Das UA Logo besteht aus Metall, was die wertige Anmutung unterstützt. 

UA SP-1 Standard

Weiß, schlicht, hübsch

Die Kapseln sind abzuschrauben. Bisher werden zwar noch keine alternativen Kapseln angeboten, aber vielleicht kommt da ja noch was. Der XLR-Anschluss arbeitet mit vergoldeten Kontakten.

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Insgesamt ist die Verarbeitung sehr sauber und durch das Finish wirken die Mikros auch wirklich edel. Entscheidend ist aber letztendlich der Klang, dem wollen wir uns nun widmen.

Universal Audio Standard SP-1 im Praxistest

Um ein Mikrofon gut beurteilen zu können, nehme ich gerne Vergleichsexemplare mit dazu, die ich gut kenne und oft nutze. Deshalb darf sich das SP-1 mit dem Audio Technica AT4041 vergleichen.

UA SP-1 Standard

Vorne das UA SP-1, hinten das Audio Technica AT 4041

Das Audio Technica ist etwas länger, hier hat das SP-1 also schon mal einen kleinen Vorteil in der Platzierbarkeit. Auch preislich punktet das UA Pärchen, das im Paar für unter 400,- Euro angeboten wird. Über 300,- Euro sind für ein einzelnes AT 4041 zu kalkulieren. Dafür bietet das Audio Technica Stäbchen einen Trittschallfilter bei 80 Hz, dem hat das SP-1 nichts entgegenzusetzen. Einen-PAD Schalter besitzen beide nicht, was bei einem jeweiligen erzielbaren Schalldruck von über 140 dB auch nicht notwendig ist.

Im direkten Vergleich lassen sich die beiden Mikrofone auf nahezu die gleiche Vorverstärkung einpendeln. Auch das Rauschen ist vergleichbar und angenehm niedrig.

Universal Audio SP-1

Universal Audio SP-1

Kundenbewertung:
(5)

Unterschiede ergeben sich im Klang. Während das Audio Technica eher neutral abgestimmt ist und damit recht hell, in den oberen Höhen fast etwas zu hart klingt, bietet das UA hier eine weichere Höhenzeichnung, die ebenfalls gut aufgelöst ist. In den tiefen Mitten kann das SP-1 deutlich mehr Bauch beisteuern, was den Sound wuchtig macht und eine gute Durchsetzung bietet. Ingesamt klingt das UA Kleinmembran-Mikro fast etwas retro oder natürlich gealtert. Mir persönlich gefällt das sehr gut.

Wo wir gerade bei retro sind und sich das Universal Audio auch optisch etwas an Neumann Kleinmembraner anlehnt, nehme ich zum nächsten Vergleich eines meiner alten Neumann KM 140 aus der Vitrine. 

UA SP-1 Standard

Das UA gegen ein Neumann

Das Mikro war das erste modulare Kleinmembran-Mikrofon von Neumann und besteht aus der Ausgangsstufe KM 100 und der Nierenkapsel AK 40. Sechs weitere Kapseln waren damals lieferbar. Mit seiner übertragerlosen Schaltung ist das KM 140 der Vorläufer des beliebten, nicht modularen KM 184. 

Klanglich sind sich die beiden Mikros durchaus ähnlich. Dem KM 140 gelingt aber über den gesamten Frequenzbereich die bessere Auflösung. Auch die tiefen Mitten werden hier einfach straffer abgebildet. Preislich liegt ein gut erhaltenes KM 140 allerdings immer noch circa im Bereich eines neuen KM 184 und ist damit 3x so teuer wie das SP-1. Das macht die etwas bessere Performance des Neumanns mehr als wett.

Ein weiteres Modularsystem, das ich gerne einsetze, ist das AKG SE300B Speiseteil mit CK91 Nierenkapsel. Zusammen ergibt das ein C 391 B. 

UA SP-1 Standard

SP-1 und C 391 B Kopf an Kopf

Das AKG liefert einen Ticken mehr Höhen, im weiteren Frequenzverlauf und in der Auflösung sind sich beide Mikros recht ähnlich. Allerdings scheint das C 391 B bei gleichem Abstand dichter am Signal zu sein. Das liegt daran, dass das AKG eine engere Niere anbietet und sich so besser auf die Klangquelle fokusiert. Die Niere des SP-1 ist da deutlich breiter und nimmt somit auch mehr seitlichen Schall mit auf. Das kann bei größeren Schallquellen, die mit nur einem Mikro abgenommen werden von Vorteil sein.

Das probieren wir direkt mit der Akustikgitarre aus. 

UA SP-1 Standard

Gitarrenabnahme, entweder mit einem oder zwei Mikros

Hier bietet das SP-1 einen sehr natürlichen Klang mit einer schönen Dynamik. Das Mikro spricht schnell an, was ich gleich noch mit dem Shaker überprüfe. Auch hier wird ein straffes Signal abgeliefert, ohne zu verschmieren. Auch an der HiHat wird ein gutes klangliches Ergebnis erzielt, hier nehmen die weichen Höhen den Becken etwas die Schärfe. 

Dieses Mal ist es mir gelungen, das SP-1 Paar auch live einzusetzen. Bei einer von mir betreuten Veranstaltungsreihe nehme ich das Drumset in der Regel mit Kick, Snare und 2x OH ab. Für die Overheads nutze ich das X/Y-Stereo-Verfahren. Normalerweise nutze ich für diesen Job die schon erwähnten AKG C 391 B, dieses Mal durften die SP-1 Standard ihren Platz übernehmen. Das Schlagzeug war ein gut gestimmtes Ludwig Drumset. 

UA SP-1 Standard

Eine einfache, gut klingende Mikrofonierung

Auch mit dieser Aufgabe kamen die SP-1 hervorragend zurecht. Die Becken wurden akkurat abgebildet, die Toms hatten genug Punch, was bei dieser Mikrofonierung nicht immer so gelingt. Prima natürlich auch, dass die Stereoschiene bei dem Paket schon mit dabei ist. Das Set wurde im Stereobild sauber und mit einer realistischen Tiefenzeichnung abgebildet. 

Also wieder einmal Daumen hoch für die Universal Audio Neuentwicklung.

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Fazit

Mit dem SP-1 Standard-Stereo-Paar gelingt Universal Audio ein gelungener Einstand. Die Mikros sind sauber verarbeitet mit bestechen mit einer eigenständigen Farbgebung. Sie klingen natürlich mit einem leichten Retro-Touch, bieten eine schöne Auflösung und gute Dynamik.

Preislich sind sie, gerade wenn man das Zubehör noch mit einrechnet, durchaus als moderat einzustufen.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • ausgewogener Klang
  • preislich interessant
  • vollständiges Zubehör

Minus

  • Reduzieradapter fehlt

Preis

  • 375,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    TomH

    Interessant wäre wirklich ein Vergleich mit den SE8, die ziemlich genau den gleichen Preis aufrufen.

    Eher unangenehm ist ein Besuch auf der UA Webseite die wenig informativ ist und keine technischen Daten liefert, sodern nur Marketing Blah Blah.
    Das man Cookies nur akzeptieren soll, nicht einstellen kann macht es auch nicht sympatischer,

    Suche eben neben den Austrian Audio CC8 Stereo Set noch ein etwas preiswerteres Pärchen.
    Das SE8 ja auch die Möglichkeit ein Omni Stereo-Capsule Set zusätzlich zu erwerben, so hat man zusätzliche Flexibilität.

    Das Oktava MK-012 mit dem Wechselkapsel System ist ja keine Alternative mehr, da vom Markt verschwunden, verständlicherweise.

    Gerade in dieser Preisklasse wäre ein Vergleichstest schon sehr schön.

    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Mit dem Vergleich hast du recht, ich kam auch gleich auf die Idee, die beiden mal gegeneinander zu testen. Vielleicht ergibt sich das ja bei Gelegenheit, diesmal war die Aufgabenstellung eine andere.

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