Vocals perfekt im Griff?
Gesang ist wohl das wichtigste Element in jedem Pop-Song. Umso wichtiger ist es, dass dieses zentrale Element gut klingt – sowohl klanglich als auch was die Tonhöhe angeht. Genau für diese beiden Felder hat Universal Audio zwei Plug-ins im Angebot: Universal Audio Topline Vocal Tune und Topline Vocal Suite, die wir uns im heutigen Test einmal genauer anschauen werden. Streng genommen schauen wir uns heute sogar drei Plug-ins von UAD an. Denn zu den beiden erwähnten gesellt sich noch das kleine Helfer-Tool Topline Key Finder, das es dem Produzenten erlaubt, die Tonart eines Songs einfach zu bestimmen. Aber der Reihe nach.
Was ist es? Universal Audio Topline Vocal Tune und Topline Vocal Suite sind zwei Plug-ins zur Tonhöhenkorrektur und Klangbearbeitung von Gesangsaufnahmen. Ergänzt werden sie durch den Topline Key Finder zur automatischen Tonarterkennung.
- Schneller Workflow: Professionelle Vocal-Sounds gelingen mit wenigen Handgriffen und zahlreichen praxisnahen Presets.
- Vocal-Tuning: Topline Vocal Tune liefert natürliche Tonhöhenkorrekturen und bietet kreative Pitch- und Formanten-Effekte.
- Vocal-Processing: Topline Vocal Suite kombiniert Channelstrip, Dynamik, EQ sowie Modulations-, Delay- und Hall-Effekte in einem Plug-in.
- Klang: Die Audioqualität überzeugt auf hohem Niveau und eignet sich besonders für gut eingesungene Vocals.
- Preis: Die Plug-ins sind kostspielig, werden aber regelmäßig rabattiert und sind außerdem im UAD Spark-Abo enthalten.
Inhaltsverzeichnis
Übersicht: Universal Audio Topline Plug-ins
Schon länger auf dem Markt erhältlich, ist die Universal Audio Topline Vocal Suite, eine Art Multi-Effekt mit zahlreichen Modulen zur klanglichen Bearbeitung von Gesangstimmen. Zusätzlich ist noch ein Modul zur Vocal-Correction enthalten, das wir uns aber in diesem Test sparen, da dies nun das Kerngeschäft des neuen Topline Vocal Tune ist, das dieses Modul mehr oder weniger ersetzt und darauf aufbaut.
Wenn wir die erste Seite von Universal Audio Topline Vocal Suite, die die Vocal Correction enthält, überspringen, finden wir auf der zweiten Seite die Simulation eines analogen Kanalzugs, bestehend aus analoger Vorverstärkung (Tube & Solid State), einer Dynamik-Sektion mit Kompressor, Gate und De-Esser sowie einem Equalizer. Die letzten beiden genannten Module, also Equalizer und Dynamik, können in der Reihenfolge beliebig vertauscht werden.
Generell ist das Plug-in darauf ausgerichtet, schnell zu Ergebnissen zu kommen, ohne allzu tief in die Materie eintauchen zu müssen. Sprich, die Parametrisierung ist ganz bewusst reduziert, um auch Einsteigern schnelle Erfolgserlebnisse zu verschaffen oder Profis Zeit zu sparen, die nicht stundenlang mit dem Fine-Tuning einzelner Stimmen verbringen möchten.
Die Kompression wird beispielsweise durch einen einzigen Regler gesteuert, der die Intensität bestimmt. Alles andere passiert im Hintergrund, basierend auf mehreren Modellen wie Warm, Transparent oder Focused, die an analoge Vorbilder erinnern und deren Klangeigenschaften zur Verfügung stellen. Ähnlich verhält es sich beim Equalizer, der ein Höhen- und ein Tiefenband bereithält. Zudem gibt es noch eine Air-Schaltung und die Möglichkeit, über High- und Lowpass-Filter das Frequenzspektrum zu begrenzen.
Auf der nächsten Seite finden wir Module für Modulation, Delay und Reverb. Auch hier lässt sich die Reihenfolge teils ändern und einzelne Module können gezielt aktiviert oder deaktiviert werden. Ebenfalls stehen hier diverse Klassiker aus den genannten Bereichen wie Chorus, Flanger, Tape Delay, Plate- und Room-Reverb zur Verfügung.
Am besten startet man mit einem der vielen mitgelieferten Presets und schaut, welches zum eigenen Stil passt. Was mich hier etwas genervt hat, war die Tatsache, dass die Tuning-Einheit immer aktiviert ist, auch wenn ich diese gar nicht nutzen möchte. Hier fände ich es schöner, wenn man diese generell ausschalten könnte – entweder weil man die Vocals gar nicht tunen muss oder dies bereits vorab getan hat.
Davon abgesehen bietet die Universal Audio Topline Vocal Suite tolle Startpunkte für wirklich professionell klingende Vocals. Geeignet ist das Plug-in vor allem für Leute, die entweder sehr schnell arbeiten müssen und keine Zeit haben, detailliert ins Klanggeschehen einzugreifen, oder für Anfänger beim Produzieren, die keine Lust auf eine Odyssee durch zig verschiedene Plug-ins haben und einfach schnell einen toll klingenden Gesangsound haben möchten.
Universal Audio Topline Vocal Tune
Kommen wir zum Neuzugang, dem Plug-in Topline Vocal Tune. Dieses basiert wie gesagt auf der ursprünglichen Vocal-Correction aus dem oben vorgestellten Plug-in und erweitert diese um mehrere Parameter, um noch gezielter ins Klanggeschehen eingreifen zu können.
Wer Schwierigkeiten hat, die Tonart eines Songs zu bestimmen, kann vor Beginn der Vocal-Bearbeitung noch das Helfer-Plug-in Topline Key Finder laden – am besten auf den Instrumentenbus – und einige Sekunden laufen lassen. Dieses Plug-in analysiert dann die Akkorde und die Harmonik des Songs und kann das Ergebnis dieser Berechnung auf Wunsch an Topline Vocal Tune senden.
Grundlage für die Überarbeitung von Vocals ist dann immer die Tonart, die man eingestellt hat. Das Plug-in analysiert das eingehende Gesangssignal und korrigiert alle Noten zur nächstgelegenen Note der verwendeten Skala.
Genau nach diesem Prinzip arbeiten alle Echtzeit-Gesangskorrektur-Plug-ins wie etwa Auto-Tune von Antares schon seit über zwanzig Jahren und genauso macht es auch UAD hier. Man wählt zunächst die Tonart aus und kann dann noch die verwendete Skala anpassen – zum Beispiel, wenn der Sänger Töne verwendet, die nicht in der Standard-Tonart vorkommen. Dies geschieht über das Keyboard unterhalb des großen zentralen Fensters. In diesem zentralen Fenster wiederum wird immer die aktuelle Zielnote angezeigt und über farbliche Abstufungen sieht man, wie stark korrigiert wird.
So weit, so gut. Aber natürlich kann ein Unternehmen wie UAD im Jahre 2026 nicht einfach ein Plug-in herausbringen, das genau das macht, was alle anderen auch schon können. Zum einen sollte der dabei verwendete Algorithmus mindestens dem Industriestandard (Stichwort: Antares Auto-Tune und Konsorten) entsprechen. Und im besten Fall hat man noch ein paar zusätzliche Features, die das Einsatzgebiet und den Nutzen für den Benutzer erweitern. Und ja, genau das hat Universal Audio hier getan. Dazu finden wir am unteren Rand des Plug-ins einige Regler, mit denen man dem Gesang noch detaillierter zu Leibe rücken kann.
Zunächst ist da ein Speed-Regler. Dieser bestimmt, wie schnell ein erkanntes Signal, sprich eine Note, korrigiert wird. Auch das ist noch nichts Neues und funktioniert genau so, wie man es erwartet. Lange Werte (wenn der Regler zum Beispiel auf Linksanschlag steht) bewirken, dass Noten nicht sofort korrigiert werden, sondern erst nach einer gewissen Einschwingphase. Das hat einen natürlichen Klang zum Ergebnis.
Umgekehrt werden Noten bei Rechtsanschlag sofort korrigiert, sodass verhindert wird, dass einzelne Noten durch die Bearbeitung „durchschlüpfen“. Gleichzeitig kann diese extrem schnelle Bearbeitung auch unnatürlich klingen. Aber genau das ist ja manchmal auch gewünscht, zum Beispiel in vielen Hip-Hop-Tracks oder ganz klassischerweise in Songs wie „Believe“ von Cher, wo dieser Effekt zum ersten Mal benutzt wurde.
Um das Ergebnis noch weiter optimieren zu können, spendiert uns UAD noch einige weitere Regler. Diese befinden sich direkt neben dem Speed-Regler und sind unter der Überschrift „Natural“ zusammengefasst. Die Idee dahinter ist, die Bearbeitung natürlicher klingen zu lassen. Zwei Regler stehen zur Verfügung:
Der erste lässt sich zwischen „Elastic“ und „Expressive“ umschalten. Expressive definiert einen Bereich um die Zielfrequenz herum, innerhalb dessen nicht korrigiert wird. Das heißt, leichte Abweichungen vom idealen Ton werden toleriert, damit das Ergebnis nicht allzu statisch und roboterhaft klingt.
Elastic funktioniert genau andersherum: Damit kann man einen Bereich außerhalb definieren, der nicht korrigiert wird. Das ist immer dann hilfreich, wenn die gesungene Melodiephrase schnelle Läufe, Scoops oder auch Töne außerhalb der Skala beinhaltet. Mit höheren Werten sorgt man dafür, dass diese Noten in Ruhe gelassen werden und so das Ergebnis im Endeffekt natürlicher klingt.
Daneben findet sich noch ein Drehregler für „Sustain“. Dieser arbeitet mit dem eingangs erwähnten Speed-Regler zusammen und sorgt bei höheren Werten dafür, dass lange gehaltene Noten weniger stark korrigiert werden.
Abschließend findet sich noch eine Pitch-Section, mit der man die Formanten und die Tonhöhe pitchen und auf Wunsch per Mixregler dem Originalsignal zumischen kann.
Universal Audio Topline Vocal Tune kann auch in einem Live-Modus genutzt werden, der die Latenzen deutlich verringert. Somit ist es möglich, alle genannten Pitch-Effekte auch beim Einsingen direkt auf dem Kopfhörer zu haben und damit zu spielen. Außerdem ist es möglich, das Plug-in als MIDI-Instrument zu laden, um dann per MIDI-Keyboard Harmonien zur eigenen Stimme hinzuzufügen. Eine tolle Möglichkeit, um etwa Chöre zu harmonisieren.
Praxiseinsatz beim Vocal-Tuning
Um die Qualität der verwendeten Algorithmen zu testen, habe ich die Universal Audio Topline Vocal Plug-ins auf meinem System installiert und ihnen bei verschiedenen Mixing-Sessions im Tonstudioalltag auf den Zahn gefühlt. Normalerweise nutze ich zur Tonhöhenkorrektur Celemony Melodyne, das so etwas wie den Industriestandard in diesem Bereich darstellt und den entscheidenden Vorteil hat, dass man jede Note einzeln auf einer grafischen Oberfläche bearbeiten kann. Demgegenüber setze ich bei der Klangbearbeitung von Gesang ganz klassisch auf eine Kette von verschiedenen Equalizern, Kompressoren, De-Essern und Send-Effekten wie Hall und Delay.
Bei den Testkandidaten sehen wir natürlich einen komplett anderen Workflow, auf den ich mich aber zu Testzwecken gerne einlasse. Beginnen wir zunächst mit dem Topline Vocal Tune Plug-in. In der Vergangenheit war ich nie ein großer Fan von solchen Echtzeit-Plug-ins, da man eben nicht jede Note einzeln betrachten kann, sondern immer eine Einstellung finden muss, die für das ganze Stück funktioniert. Durch die erweiterten Parameter kam ich aber mit Topline Vocal Tune auch hier zu guten Ergebnissen.
Vor allem dann, wenn das Ausgangsmaterial eh schon relativ gut gesungen war. Bei Künstlern, die Probleme haben, Töne zu treffen und bei denen man viel korrigieren muss, würde ich weiterhin zu Melodyne greifen. Wenn man aber mit Künstlern arbeitet, die sowieso schon nah an der Perfektion singen, dann ist es ein Leichtes, ihnen mit Topline Vocal Tune den letzten Schliff zu verpassen.
Die Klangqualität ist dabei, so wie man es von einer Firma wie Universal Audio erwarten würde, auf höchstem Niveau. Das gilt auch für die eher kreativen Effekte wie Pitch- und Formantenkorrektur, mit denen man schöne Special-Effects erzeugen kann.
Gerne habe ich zum Beispiel die Formantenverschiebung genutzt, um bei einem Projekt, bei dem der Sänger auch alle Backing-Vocals gesungen hat, eben diese Backing-Vocals leicht in den Formanten zu verschieben, damit sie sich mehr von der Hauptstimme absetzen. Eine nette Dreingabe ist dabei das Top Line Key Finder Plug-in, das einem bei fehlender musikalischer Ausbildung sicherlich helfen kann, schnell die Tonart zu bestimmen. Im Test hat das hervorragend funktioniert und mit dem übereingestimmt, was ich auch selbst gehört habe.
Kommen wir zur Universal Audio Topline Vocal Suite. Die Tuning-Algorithmen habe ich hier komplett ignoriert, wie ich oben eingangs schon erwähnt hatte. Gut gefallen hat mir die große Preset-Sammlung des Plug-ins, mit der man auf Knopfdruck sofort gute Startpunkte erhält. Gerade in dichten Arrangements funktionieren diese ganz hervorragend und Stimmen klingen sprichwörtlich auf Knopfdruck „fertig gemixt“.
Falls man doch einmal tiefgreifender ins Klanggeschehen eingreifen möchte, um spezielle Frequenzen zu bearbeiten und Resonanzen zu filtern, kann man das ja jederzeit mit einem zusätzlichen vor- oder nachgeschalteten Equalizer tun. Die verwendeten Module schaffen es dabei, auf recht hohem Niveau gängige Klischees abzubilden und für viele Genres passende Startpunkte zu wählen.
Womit ich ein bisschen gefremdelt habe, ist die Seite mit den Modulations-, Hall- und Delay-Effekten. Das klingt zwar alles gut und überzeugend, ich würde hier aber immer wieder auf mein eigenes Mixing-Template zurückgreifen, um diese Effekte per Send hinzuzufügen. So habe ich die Möglichkeit, mehrere Spuren zum Beispiel mit demselben Raum zu versehen, um eine stimmige räumliche Abbildung zu ermöglichen. Aber wenn es mal schnell gehen muss, hätte ich auch keine Scheu, diese Effekte für eine fertige Mischung zu verwenden. Klanglich sind sie über jeden Zweifel erhaben.
In den Klangbeispielen könnt ihr ein kurzes Lied hören, auf dem ich insgesamt fünf Gesangsspuren aufgenommen habe: die Hauptstimme plus zwei Doppelungen derselben sowie zwei höhere Chorstimmen. Im ersten Beispiel sind die Stimmen völlig unbearbeitet. Im zweiten sind sie mit Topline Vocal Tune korrigiert. Und im letzten Beispiel könnt ihr hören, wie sich die klangliche Bearbeitung mit der Topline Vocal Suite auf die Stimmen auswirkt.






































Leider arbeite ich viel zu wenig mit Gesang, als das sich auch nur eines dieser Plugins lohnen würde. Auf der anderen Seite bin ich immer wieder überrascht, was man alles besitzt und was heutzutage für gute Stock-Plugins in der DAW stecken. Diese sehen einfach nur anders aus und haben natürlich einen anderen Namen. Die Funktionen sind aber oftmals dieselben und sie funktionieren sogar teils besser als so manches Drittanbieterplugin. – Unglaublich aber war! Cubase-Nutzer sollten einfach mal schauen, was in ihrer DAW enthalten ist für Vocalbearbeitung und man wird überrascht sein: Um nur einige zu nennen: Pitch-Correct, VocalChain, VoxComp. Das jemand trotzdem gut singen können muß, musste ich selber erst testen um es endlich zu glauben: Ich, der nicht die Bohne singen kann, habe selber mal eingesungen und versucht, alles aufwendig gerade zu biegen. Dies funktioniert, aber schön ist anders! Seitdem belasse ich es bei Shots, denn KI vermeide ich tunlichst. Das Timbre (Klangfarbe) sollte nämlich auch stimmen. Sarah Conner, aktuell wieder mehr im Fokus, hat für meinen Geschmack eine schöne Stimmfarbe. Nur ihre Hits sind grauenvoll und so hart kommerziell, dass es einem schlecht wird! Mir wird jedenfalls schlecht dabei – Würg!
„Künstlern, die Probleme haben, Töne zu treffen und bei denen man viel korrigieren muss“
Die sollten sich fragen, ob sie im richtigen Geschäft sind. Wie soll das live halbwegs überzeugend funktionieren, wenn schon im Studio viel korrigiert werden muss?
ich so meine man spahrt studiozeit und sängerin
muß nicht 100 take machen. als sanft correcure finde ich sowas sehr
gut. intonation giebt es schlecht wie gute tage.