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Test: Universal Audio Volt 476P, USB-Audiointerface

4 In / 4 Out mit den gewissen Extras

30. September 2022
Universal Audio Volt 476P

Universal Audio Volt 476P, USB-Audiointerface

Nachdem Universal Audio mit dem Apollo Solo bereits erste Gehversuche in Richtung (DSP)-Budget unternommen hatte, starteten die Erfinder der legendären 1176er Kompressoren und des 610er Röhrenmischpults Ende 2021 mit der Volt-Serie durch. Mit Volt 1 und Volt 2 brachte man erstmals DSP-lose, klassische 1-In/1-Out bzw. 2-In/2-Out Interfaces. Hinzu kamen mit den Modellen 172, 276 und 476 drei Versionen mit eingebautem 76er Kompressor. Wobei das Volt 476 – trotz der 4 im Namen – erst einmal auch nur über zwei Mikrofon-Preamps verfügt, zusätzlich aber unter anderem noch einen Stereo-Line-In mitbringt. Mit dem Modell Universal Audio 476P erweitern die kalifornischen Entwickler die Produktpalette nach oben. Was das 476P vom 476 unterscheidet und wie es sich in seiner Preisklasse schlägt, will ich im nachfolgenden Test herausfinden.

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Universal Audio Volt 476P

Was ist das Universal Audio Volt 476P?

Das Universal Audio Volt 476P ist ein 4-In/4-Out Recording-Interface mit 24 Bit/192 kHz AD/DA-Wandler. Eine Besonderheit ist die eingebaute Röhrenemulationsschaltung, basierend auf dem 610 Tube-Preamp sowie der ebenfalls integrierte 76 Kompressor (basierend auf dem UA 1176). Das Interface läuft unter Windows 10, 64 Bit (Windows 11 wird nicht ausdrücklich erwähnt), MacOS 10.14 Mojave oder höher und – einen Lightning-auf-USB-Kameraadapter vorausgesetzt – auch zusammen mit iPadOS /iOS 14.

Universal Audio Volt 476P

Lieferumfang des Universal Audio Volt 476P

Von all den Audiointerfaces, die ich hier schon getestet habe, gehört die weiße Box des Volt 476P definitiv mit zu den größeren. Schuhkartongröße – das ist schon mal sehr vielversprechend.  Auch folgt sie nicht dem anscheinend gerade aufkommenden Trend, das Produkt möglichst unscheinbar und nüchtern im Ikea-Style zu verpacken: Hier gibt es noch aussagekräftige bunte Bilder des Interfaces, Keyfacts und sogar einen QR-Code mit dem Versprechen „See what’s in the Box!“ Praktisch, aber ich öffne die trotzdem selber. Und finde darin eine weitere (dieses Mal mattschwarze) Box mit glänzendem Volt-Logo und einem weiteren QR-Code auf der Innenseite des Deckels, in der – gut gesichert in einem opulenten Schaumstoffbett – das Universal Audio Volt 476P ruht. Das sieht schon sehr wertig aus, da hat man doch das sichere Gefühl, etwas für sein Geld zu bekommen. Unter dem Interface in einer Vertiefung im Schaumstoff finde ich ein Netzteil mit sechs auswechselbaren Steckern, ein USB-Kabel (A auf C) sowie drei Faltblätter mit dem „Endbenutzer-Lizenzvertrag“, den vermutlich noch nie jemand gelesen hat.

Universal Audio Volt 476P

Universal Audio Volt 476P: Die mitgelieferte Software & Installation

Aber wo ist die versprochene Software? Laut Kartonaufdruck soll es hier doch „included Software“ geben, und das nicht zu knapp. Dazu gehören:

  • 30-Tage Testversion von UAD Spark (dem Plug-in/Virtual Instrument-Abo von UA)
  • Ableton Live Lite
  • Marshall Plexi Classic Amp
  • Softube Time & Tone Bundle (mit den vier Plugins Drawmer S73 Intelligent Master Processor, TSAR-1R Reverb, Tube Delay und Saturation Knob)
  • Celemony Melodyne Essential
  • Relab LX480 Essentials (Emulation von vier Presets des Lexicon 480L Reverbs)
  • Plugin Alliance Ampeg SVT-VR Classic (Bass Amp)
  • Plugin Alliance Brainworx bx_tuner (Guitar und Bass Tuner)
  • Plugin Alliance Brainworx bx_masterdeck Classic (Mix- und Masterung-Tool)
  • Ujam Virtual Drummer DEEP (60er/70er Jahre Drums)
  • Ujam Virtual Bassist DANDY (virtueller E-Bass mit Flatwound-Saiten)
  • Spitfire Audio LABS

Gut, einiges davon gibt es auch sonst für lau (wie das Spitfire Audio LABS), wurde mal für ein paar Wochen verschenkt (wie die Sachen von Plugin Alliance) oder findet sich bei jedem zweiten Interface (wie Ableton Live Lite), doch trotzdem ist das gerade für Einsteiger insgesamt schon ein sehr ordentliches – und in diese Zusammenstellung ungewöhnliches – Paket, da kann man sich nicht beschweren. Aber wie komme ich jetzt daran? Der QR-Code bringt mich im Smartphone auf eine Website, über die ich meine E-Mail-Adresse angeben kann, um den Downloadlink für die App UA Connect zu bekommen, mit der ich dann wiederum das Interface registrieren kann, Zugriff auf meine kostenlose Software bekommen soll und „exclusive educational content about Volt“ konsumieren darf. Man kann sich das mit dem QR-Kram aber auch sparen und einfach „UA Connect download“ in die Suchmaschine seiner Wahl eintippen.

Ok, ab jetzt wird es dann simpel: UA Connect installiert (Account hatte ich schon aus einem der letzten UA-Tests) und gestartet, das mich dann durch die nächsten Schritte leitet. „Add New Product“ angeklickt, anschließend das Volt 476P angeschlossen, das auch gleich automatisch inklusive Serial Number erkannt wird. Dann eben noch registriert, Treiber installiert, fertig ist die Laube. Unter „Volt Hardware“ ist nun das 476P eingetragen, mit dem Hinweis, dass neue Firmware wartet – die nehme ich auch noch mit, geht ja alles per Mausklick. Und unter „Volt Software“ dann auch die Liste mit den Produkten, die ich mir kostenlos herunterladen kann. Da die von Drittherstellern kommt, muss man dabei dann auch schon mal deren Webseiten besuchen und sich registrieren, auch hier ist hier und da ein virtueller iLok gefragt, ist aber alles machbar. Das Universal Audio Volt 476P ist also startbereit. Dann schauen wir es uns doch mal näher an.

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Universal Audio Volt 476P

Welche Anschlüsse bietet das Universal Audio 476P?

Wie schon die drei anderen Interfaces aus der 76er-Reihe (176, 276 und 476), besitzt auch das 476P Seitenteile aus Holz, die das robuste Metallgehäuse stilvoll einfassen. Das passt überdies trefflich zum Vintage-Flavour, den das Audiointerface mit dem Vintage-Mode seiner Röhrenamp-Simulation verströmt und verschafft der 76er-Reihe auch einen hohen Wiedererkennungswert. Mir fällt gerade zumindest kein weiteres USB-Audiointerface mit Holzseitenteilen ein.

Mit einer Größe von 300 x 142 x 215 mm (und einem Gewicht von 1,75 kg) ist das Universal Audio Volt 476P kein Interface, das auf der Ecke eines Schreibtisches Platz findet. Wo es der Hersteller dann aber auch gar nicht sieht. So hat er denn auch für das 476P eine eigene Kategorie geschaffen: Während die übrigen 76er unter „Sänger, Gitarristen, Keyboarder und Podcaster“ firmieren, wird das 476P – als bisher einziger Vertreter der Volt-Reihe – dem Bereich „Toningenieure und Bands“ zugesprochen.

Wie das 476 ohne P ist auch das 476 mit P ein 4 IN / 4 Out Interface. Der große Unterschied zwischen den beiden Vierern wird schon beim ersten Blick auf die Anschlussreihen deutlich: Während die „4“ beim Volt 476 aus 2x Mikrofon/Klinke-Kombi und 2x Line besteht, kommt das Volt 476P mit gleich vier Mikrofon/Klinke-Eingängen – und dementsprechend dann auch mit vier Vintage-Preamp-Simulationen und vier 76er Kompressor-Schaltungen, was natürlich ungleich mehr Möglichkeiten bei der Aufnahme und Mikrofonierung bietet.

Die vier angesprochenen XLR/Klinke-Kombo-Buchsen sind auf der Frontseite untergebracht, jeweils mit dem dazugehörigen beleuchteten „Inst“-Button für eventuell angehängte Hi-Z-Instrumente. Heißt aber leider auch: Wie schon beim 276 und beim 476 gibt es auch beim 476P nur einen Schalter für die +48 V, wieder also heißt es „alle oder keiner“ – die Eingänge lassen sich nicht getrennt mit der Zusatz-Power versorgen. Und das, obwohl sich die Zahl der möglichen Mikrofone hier verdoppelt hat. Da hätte ich zumindest eine paarweise Schaltung erwartet oder besser noch einen Schalter pro Kanal (wie etwa beim Audient iD44). Klar, zur Not kann man auch trotzdem das eine oder andere dynamische Mikrofon zusätzlich anschließen, trotz aktiviertem Zusatz-Booster, aber wirklich gesund oder gar empfehlenswert ist das nicht unbedingt.

Neu hingegen ist, dass es nun zwei einzeln regelbare Headphone-Anschlüsse gibt. Aber jetzt nicht gleich ausflippen: Das „einzeln regelbar“ bezieht sich lediglich auf die Lautstärke, nicht auf die Tonquelle. Denn auch hier gilt: „ The monitor output and headphone signals are the same”, es lassen sich mit den beiden Kopfhörern also keine unterschiedlichen Signale abhören – vielmehr sind die sogar identisch mit dem, was aus den Boxen kommt. Ich kann also auch nicht mal einen Kanal vorhören, bevor ich ihn auf das Boxensignal aufmische.

Universal Audio Volt 476P

Auf der Rückseite des 476P sind die beiden Line-Eingänge weggefallen (die wurden ja frontseitig durch die XLR/Klinke-Kombo-Buchse ersetzt). Geblieben sind die vier Mono-Line-Outs (bzw. 2x stereo), die für das Monitoring von auf dem PC laufender Software gedacht sind. Dabei sind Output 1/2 für gewöhnlich die Main Outs der Software zugeordnet, während Output 3/4 speziell in der Software adressiert werden müssen. Hinzu kommt der Monitor Out (2x Klinke) zum Anschluss aktiver Boxen. Die Signale dazu werden über die Monitor Source-Tasten zugewiesen. Lobenswerterweise hat auch das Volt 476P ein MIDI-Pärchen mit den Standard-DIN-Buchsen – findet man ja immer seltener, mein Synthie-Gerätepark sagt gerade leise „danke“ hier im Hintergrund. Ebenfalls noch auf der Rückseite zu finden: Der USB-C-Anschluss zur Verbindung mit dem Rechner, die 5 V-Buchse für das Netzteil samt Powerbutton sowie die Löcher für das Kensington-Lock.

Universal Audio Volt 476P

Die Oberfläche des Universal Audio Volt 476P

Die sieht der des P-losen 476ers recht ähnlich. Einziger Unterschied ist, dass es hier nun statt der zwei gleich vier komplette Kanalzüge gibt. Jeder davon ausgestattet mit einem großformatigen Gain-Regler, einem Button zum Zuschalten des jeweiligen Vintage-PreAmps („inspired by Universal Audio’s all-tube 610 console preamplifier“) und ein weiterer, um den 76er Kompressor (also genauer, die Simulation des UA 1176) zu starten. Dessen Parameter aber wie gehabt nicht frei regelbar sind. Stattdessen finden sich hier die drei Presets VOC (fast attack und slow release), GTR (slow attack und quick release) und FAST (very fast attack und medium release), die man durch das Durchsteppen mit dem Button erreicht. Drei kleine LEDs über dem Button geben Auskunft über das aktuell gewählte Preset.

Für die vier INPUT- und die vier OUTPUT-Kanäle gibt es jeweils eine eigene, fünfgliedrige Pegelanzeige (3x grün, 1x gelb, 1x rot), die kompakt nebeneinander oben rechts über dem großen Monitor-Volume-Regler angebracht sind. So hat man dann alle Signale direkt im Blick – auch die blaue LED für die Host-Anzeige.

Die vier Monitor-Source-Buttons stellen die Steuerzentrale der Volt 476P dar. IN 1-2 und IN 3-4 schicken Volts Hardware-Eingänge direkt zu den Monitor-Ausgängen (Direct Monitoring ohne Software-Latenzen). Sind die beiden Buttons off, so werden die beiden Eingänge zwar zur Audio-Software geschickt, aber eben nicht mehr direkt auf die Monitorausgänge gelegt.

OUT 1-2 und OUT 3-4 dagegen routen die Audiosignale vom Computer zu den Monitor-Outputs. Dabei lassen sich auch beliebig viele Quellen gleichzeitig schalten. Über den Mono-Schalter kann ich die Signale – Überraschung – auf Mono schalten und abhören. Fehlt was? Nun, zum Beispiel eine digitale Schnittstelle. Und auch der Button für das Direct Monitoring ist weggefallen und wurde durch den Mono-Button ersetzt. Katastrophe? Nein, denn der war auch schon beim Modell 276 ausschließlich für die Inputs 1-2 und 3-4 zuständig, nicht aber für die Monitor Source Buttons Out 1-2 und 3-4, die ja die Software vom Computer hörbar machen. Und genauso ist es auch beim 476P – jetzt nur ohne Button. Im Handbuch zum Volt 276 heißt es da: „When you monitor input signals through your audio software, those signals pass through the software before you hear them from the Volt monitor and headphone outputs. These signals use the software buffer, which causes latency — an amount of delay that increases as the buffer size is increased.” Das Volt Driver Control Panel verrät  übrigens eine Ausgangs-Latenz von 7,50 ms bei 256 Samples.

Das Universal Audio Volt 476P in der Praxis

Volt 476P an den Windows 10-Testrechner, Interface eingeschaltet und los geht‘s – die Treiber hatte ich ja schon weiter oben eben kurz unter Anleitung des Setup-Begleiters installiert. In den Windows-Soundeinstellungen finde ich das Volt 476P unter Eingabe als „Input 1/2 (2 – Volt 476P)“, was voreingestellt ist, wahlweise auch als „Input 3/4 (2-Volt 476P), entsprechend bei der Ausgabe dann eben als „Output 1/2 (2 – Volt 476P)“ bzw. als „Output 3/4 (2-Volt 476P). Als Treiber taucht in der Software auch schön „Universal Audio Volt“ auf, so dass man den auch treffsicher identifizieren und richtig zuordnen kann. Beim ersten Zuschalten der +48 V passierte erst einmal nichts. Kurz überlegt – ah, vergessen, die Schaltleiste, wo das Netzteil drinsteckt, einzuschalten. Und das Notebook liefert da via USB einfach nicht ausreichend Saft für die +48 V.

Universal Audio Volt 476P

Universal Audio Volt 476P

Kundenbewertung:
(3)

Erster Testaufbau: Rode NT2-A an das Volt 476P, Kompressor und Vintage-Preamp haben erst mal Pause und den Gain-Regler vorsichtig aufgezogen. Es dauert eine Weile, bis sich die Pegelanzeige zum dritten Grün bewegt: Reicht die Regler-Spannweite da von 7 bis 5 (in den Zahlen einer Uhr gedacht), so geht die Reise schon bis 2 oder 3 Uhr, bis der Pegel das tiefe Dezibel-Tal verlässt. Und wie klingt er? Antwort: So:

Ok, das ist jetzt so ganz ohne direkte Vergleichsmöglichkeit vielleicht nicht sonderlich aussagekräftig. Deshalb hier dieselbe News-Passage mal über mein Mackie-Pult und das dahinter hängende MOTU M4-Interface:

Gut, kleinere Unterschiede ergeben sich bei Sprachaufnahmen ja auch stets durch den nie exakt gleichen Abstand zum Mikrofon, doch habe ich den Eindruck, als habe die Mackie-Motu-Allianz einen Ticken mehr Punch als der Preamp des 476P. Was allerdings eher im Nachkommabereich zu verorten wäre. Dafür aber klingt das 476P recht neutral und vor allen Dingen auch komplett rauschfrei.

Was aber ist, wenn ich einen der beiden „Zauberknöpfe“ drücke und zum Beispiel den Vintage-Amp auf den Platz schicke? Hören wir mal rein.

Und tatsächlich ist hier dann ein recht deutlicher Unterschied zu hören. Im Bassbereich etwas komprimierter, die Höhen scheinen ein wenig zu flattern und etwas zu verwischen – nicht unbedingt besser, aber in jedem Fall anders. Sprache ist nicht gerade der Haupteinsatzbereich eines Vintage-Preamps. Aber dafür gibt es ja im 1176er Kompressor die Einstellung VOC. Mal ausprobieren:

Klingt präsenter und druckvoller. Wenn man den Button betätigt, legt der Sound auch Volume-technisch zu, da muss man dann etwas nachregeln. Der Klang ist zwar jetzt nicht unbedingt dramatisch anders, aber zuweilen machen ja auch Kleinigkeiten den entscheidenden Unterschied. Und wie hören sich die beiden anderen Kompressor-Voreinstellungen in Bezug auf Sprache an?

Ganz ehrlich: Ich höre da jetzt keinen Unterschied raus. Vielleicht habe ich ja doch in jungen Jahren zu lange neben der Bassbox im Proberaum gestanden, aber für mich klingen die drei Kompressor-Presets so ziemlich gleich. Hier vermisse ich dann doch die Möglichkeit, selber an den Parametern zu drehen und auszuprobieren. Mag aber auch sein, dass die Presets bei der Sprache auch nicht so viel bringen, das checken wir gleich noch. Die Einstellung „Fast“ reagiert zudem ja auch eher auf transientenreiche Signale. Der Vollständigkeit halber eben noch schnell die „volle Dröhnung“ antesten, also Vintage-Preamp plus Kompressor/Voc:

Wie verhält sich der Klang des 476P bei Instrumenten? Dazu habe ich mal die Simulation eines Bösendorfer 290 ausprobiert (290, weil er unfassbare 2,90 m lang ist), der ja berühmt ist für seinen geradezu orchestralen, kraftvollen Klang. Bringt das Volt 476P das gut rüber? Starten wir mal – wie eben – mit dem Vergleichsklang via Mackie/Motu.

Und jetzt die gleiche Klimperei über das Volt 476P, ohne Vintage oder 76er Kompressor.

Auch hier finde ich, dass die Mackie-Motu-Kombi etwas mehr Volumen und Biss hat, vielleicht ist der Sound da aber ja auch etwas geschönt. Das Volt 476P ist da sehr klar und neutral, damit kann man arbeiten.

Nachfolgend mal die einzelnen VintageAmp- und Kompressor 76-Einstellungen mit dem Piano-Sound. Mit Vintage-Preamp:

Ohne Vintage, Kompressor fast:

Ohne Vintage, Kompressor gtr:

Ohne Vintage, Kompressor Voc:

Mit Vintage, Kompressor fast:

Wie auch schon bei der Stimme, so finde ich, dass die Aufnahmen mit Vintage oder Kompressor tatsächlich druckvoller, runder und noch etwas klarer klingen, wobei sie sich aber untereinander dann wieder nicht groß unterscheiden.

Universal Audio Volt 476P

Intermezzo: Des Kaisers neue Kleider

Bevor wir weiter den Klang des 476P testen, eben ein (ketzerischer) Gedanke, der mir gerade kam: Inwieweit beeinflusst eigentlich das Wissen, dass ein spezieller, klangfärbender Effekt verbaut ist (in diesem Fall auf 610 Tube Amp- und UA1076-Basis) das Hörergebnis? Wie weit glauben wir dann, etwas zu hören, was vielleicht gar nicht da ist? Meine Theorie: Wenn ein Hersteller Testmuster verschicken würde und behauptet, man könne zum Beispiel auf Knopfdruck eine Neve 1081 Preamp-Schaltung aktivieren, ohne dass die aber tatsächlich vorhanden ist – würde dann nicht ein nicht unbeträchtlicher Teil der Tester und Käufer genau das dann trotzdem hören? Weil sie es hören wollen bzw. nicht – wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ – dumm dastehen wollen, weil es doch alle andere hören bzw. sehen?

Wie gesagt: Nur so ein Gedanke, der mir gerade durch den Kopf schoss. Und der gerne in den Kommentaren diskutiert werden darf. Und nein, damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass Universal Audio im 476P keine Vintage- und Kompressor-Schaltung verbaut hat, der Gedanke hat nichts direkt mit dem Test zu tun, sondern ist eher ganz allgemeiner Natur. Danke für eure Aufmerksamkeit. Weiter geht’s.

Universal Audio Volt 476P

Wie klingt das 476P mit einer Gitarre?

Was noch fehlt, ist der Praxistest mit einer Gitarre. Und auch wenn ich damit gerade mal eine Handvoll Akkorde hinbekomme, soll mich das nicht davon abhalten, das mal auszuprobieren. Zuerst wieder der Vergleich Mackie/Motu mit dem Volt 476P ohne Zusatzstoffe:

Der Hi-Z-Mode funktioniert gut, der Klang ist auch hier komplett rauschfrei. Mit der Vintage-Amp-Simulation scheint die Aufnahme etwas luftiger zu klingen.

Aber bringt hier die Einstellung GTR am Kompressor jetzt ein hörbares Ergebnis?

Ich meine, dass das tatsächlich wieder ein wenig besser aufgelöst und klarer klingt. Aber vielleicht hört das auch jeder wieder anders. Hörgewohnheiten und so.

Hier der Vollständigkeit halber noch die übrigen drei Presets:

Gespannt wäre ich gewesen, wie sich das 476P bei einer Aufnahme mit Drums schlägt, am besten mit vier Mikrofonen aufgenommen, um hier die Kraft der vier Kanäle mal auszukosten. Leider habe ich kein Drumset hier, um das zu testen. Also muss es reichen, wenn ich hier mal eine Drumloop durch das 476P jage.

Erst einmal „ohne alles“:

Dann mit dem 76er Kompressor auf „Fast“:

Klingt deutlich fetter und knalliger. Der Vintage-Amp dagegen bringt hier klanglich nicht so viel:

Im Zusammenklang mit dem schnellen Kompressor dagegen schon:

Was mir nicht so gefallen hat während des Praxistests: Beim Abhören hatte ich zum Beispiel das Gitarrensignal nur auf einem Ohr, also entweder links oder rechts, je nachdem, ob die Gitarre nun in Eingang eins oder zwei steckte. Will ich sie auf beiden Ohren haben, muss ich den Mono-Button betätigen. Der aber wiederum für das komplette Ausgangssignal gilt. Habe ich also an den Eingängen drei und vier einen Synthie mit einem schönen breiten Stereobild, bekomme ich den ebenfalls nur mono aufs Ohr. Da würde ich mir eine kanalweise Mono-Schaltung wünschen. Oder eine Software wie bei der Apollo-Serie, wo ich das dann da einstellen könnte. Hier habe ich lediglich das Volt Driver Software Panel, das mir dabei aber auch nicht weiterhilft.

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Fazit

Klanglich macht das Universal Audio Volt 476P einen guten Job: Der Sound ist klar, neutral, rauschfrei und löst gut auf. Also genau das, was man von einem Audiointerface dieser Preisklasse auch erwarten darf; da reiht es sich ein in die lange Schlange der Konkurrenzprodukte. Ein (nettes) Extra dagegen sind die Simulationen des 610 Tube Preamp und des 1176 Kompressors von UA. Letzterer bietet allerdings mit den drei doch recht ähnlich klingenden Presets wenig Variantenreichtum an. Und auch sonst gibt es einige kleinere Baustellen: Die +48 V sind nicht für einzelne Kanäle schaltbar, auch die Mono-Schaltung gilt für alle Signale und die beiden Kopfhörerausgänge bekommen stets das identische Monitorsignal. Das alles hätte man auch besser lösen können. Aber trotzdem: Wer ein sauber klingendes 4/4 Audiointerface mit vier Mikrofon-Preamps sucht, Verwendung für Vintage und Kompressor hat und auch etwas Wert auf ein gelungenes, wertiges Design legt, der sollte den Universal Audio 476P ruhig einmal antesten.

Plus

  • guter, rauschfreier Klang
  • 610 Tube PreAmp und UA1176 Kompressor-Simulation zuschaltbar
  • vier XLR/Klinke-Kombo-Buchsen für bis zu vier Mikrofone
  • MIDI IN/OUT mit DIN-Anschlüssen
  • Pegelanzeigen für alle vier Ein- und Ausgangskanäle
  • umfangreiches Software-Paket
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • keine +48 V einzeln für die Kanäle
  • Mono-Schaltung nur für alle Eingänge gleichzeitig schaltbar
  • Kopfhörerausgang ist immer gleich Monitorausgang
  • die drei Kompressor-Presets unterscheiden sich nicht groß

Preis

  • 469,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    chalaco

    ist man bei der Anwendung der UA1176er Kompressor Emulation auf die Verwendung der Presets festgelegt, oder kann man den Kompressor auch selbst einstellen? Ersteres wäre ja ein starkes Gegenargument. Was soll ich mit einem Kompressor der exakt drei Einstellungsmöglichkeiten aufweist?

  2. Profilbild
    gaffer AHU

    „24 Bit/ 92 kHz AD/DA-Wandler“

    Ich nehme doch an, die 1 fehlt. Oder die 2 ist ne 6.

    Für mich zu viel – für fast 500 €

    Ich kann es nicht richtig fassen. Überall wird die Firma in den Himmel gelobt. UA ist das neue RME, aber irgendwie kommen die für mich immer wieder halbseiden rüber.

  3. Profilbild
    gaffer AHU

    Bevor wir weiter den Klang des 476P testen, eben ein (ketzerischer) Gedanke, der mir gerade kam: Inwieweit beeinflusst eigentlich das Wissen, dass ein spezieller, klangfärbender Effekt verbaut ist (in diesem Fall auf 610 Tube Amp- und UA1076-Basis) das Hörergebnis?

    Bei einem Test, ob Globuli bei Tieren wirken, verbesserte sich der Wert, wenn die Melker wussten, dass Globuli verabreicht wurden. Wussten sie es nicht, war das Ergebnis gleich. Ich glaube, wir bewegen uns in ähnlich esoterischen Gefilden.

    • Profilbild
      harrymudd AHU

      Endlich spricht es mal jemand aus: Gear-Globuli bei Musikern ist weit verbreitet und mit dem passenden Namedropping wird Equipment heilig gesprochen.🤟👍

  4. Profilbild
    Kazimoto AHU

    Holzseitenteile als Alleinstellungsmerkmal und ein paar Kompressorpresets. „Das sieht schon sehr wertig aus, da hat man doch das sichere Gefühl, etwas für sein Geld zu bekommen.“ Ganz offensichtlich ein „must have“! Für alle die nun ins Grübeln kommen: Ironie aus.

  5. Profilbild
    TomH

    Ich kann mir nicht helfen, aber hier sieht es für mich doch nach mehr Schein als Sein aus.
    Ein wenig riechen die Feature auf der Suche nach „Vintage“ dann doch nach Voodoo, vor allem wenn man das liest.
    „Inwieweit beeinflusst eigentlich das Wissen, dass ein spezieller, klangfärbender Effekt verbaut ist (in diesem Fall auf 610 Tube Amp- und UA1076-Basis) das Hörergebnis? Wie weit glauben wir dann, etwas zu hören, was vielleicht gar nicht da ist?“
    Nun ich suche nicht nach Klangfärbung und bin kein trotz des Alters kein Nostalgider und kein Fan von all dem Vintage Kram.

    Ich bin mit meinen beiden Interfaces Arturia AudioFuse Studio und für mobil dem RME Babyface Pro FS denke ich doch wesentlich besser aufgestellt.
    Ok, deren Preis ist höher, aber ich denke das lohnt dann doch.

  6. Profilbild
    RaHen 1

    Ich habe mein UA 476 wieder verkauft. Es sollte als Ersatz für das SSL 2+ dienen. Das UA war aber klanglich deutlich unterlegen. OK, aber nicht wirklich gut. Ich habe auch ein UA X6 im Einsatz. Um Klassen besser! Auch mein Audient ID44 MKII. Völlig andere Liga als das UA 476.

  7. Profilbild
    anselm

    Es wird immer wieder mal von Produzenten mit gewisser Autorität gesagt, analoge Synthesizer als Hardware lohnen sich nur, wenn man sie über gute PreAmps aufnimmt.
    Angenommen, man stimmt dem zu, stellt sich für mich die Frage, ob es Interfaces mit PreAmps gibt, die dafür gut genug sind.

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