Test: UVI String Machines, CP Electric Grand, Dark Light IIx Fairlight

26. September 2012

Der Kult-Sampler aus dem Sampleplayer

Die Macher der UVI-Sounderweiterungen zeigen sich in einer ungewohnt aktiven Schaffensphase. Unter der ursprünglichen Firmierung „Ultimate Soundbank – USB“, gab es kaum mehr als einen Release pro Jahr, aber seit Anfang dieses Jahres wächst der Output kontinuierlich an.

Zuletzt haben wir UVIs Emulation des EMU II sowie des EMU Drumulator unter der Lupe genommen. Heute wollen wir in Kürze gleich drei neue Kandidaten abhandeln.

Den Anfang macht:

UVI DARK LIGHT IIx Fairlight Clone

Vintage-Kenner werden die bewusste Ähnlichkeit sowohl im Namen, als auch in der Visualisierung zum FAIRLIGHT CMI II erkannt haben.

Der FAIRLIGHT CMI (Serie 2) kam 1982 auf den Markt und revolutionierte das Sampling und Recording. Dank eingebautem Pattern-Sequencer, Grafik-Tablet zur direkten, grafischen Bearbeitung und Sampling (8 Bit / 35 kHz) darf man getrost von der ersten Music-Workstation sprechen.

Die technische Innovation war nicht besonders preisgünstig und kostete 1983 dann in der IIx-Version mit MIDI knapp über 100.000 DM. Der Fairlight CMI II wurde durch viele seiner prominenten Anwender (andere konnten ihn sich gar nicht leisten) zur Legende.

UVI hat nun den Sound des Klassikers eingefangen und in ein Sampling Plug-in gepackt. Es wurden aber auch die drei „Pages“ des Fairlight nachgeahmt und optisch ansprechend umgesetzt. Zum einen gibt es die Page, mit welcher sich der gewählte Sample-Sound editieren lässt (Filter, Hüllkurven etc.). Eine Möglichkeit der Bearbeitung der Wellenformen, wie sie einst das Grafik-Tablet zur Verfügung stellte, fehlt leider. Die zweite Page widmet sich einem 8-spurigen Stepsequencer, die dritte Page einem 3-spurigen Drumcomputer.

Wie alle drei Pages im Verbund klingen, zeigt das folgende kleine Demo:

Unterm Strich: Der DARK LIGHT IIx macht Spaß, erzeugt das 80er Flair, wenn auch Fairlight-Puristen sicher feststellen werden, dass das Plug-in sicher kein Ersatz für das Original ist. Trotzdem, der DL IIx macht Spaß und könnte für den ein oder anderen eine LoFi-Variante sein, die ein bestehendes Set-Up sinnvoll ergänzt.

Auf meinem Rechner bleibt das gute Teil jedenfalls.

UVI STRING MACHINES

Zunächst glänzt die STRING MACHINE nicht gerade durch kurze Ladezeiten. Das liegt schlechtweg daran, dass beim Start ALLE String-Presets aller Klassiker auf einmal geladen werden – mit den dazugehörigen Sample-Sets. Schön, wenn sie dann mal alle im Rechner sind, dann lässt sich ohne Zeitverlust zwischen den diversen Stringsounds auswählen.

Gerade wenn man eine Streicherspur hat und im laufenden Betrieb unterschiedliche Vintage-Streicher ausprobieren möchte, ist dies von Vorteil. Schön wäre es trotzdem gewesen, wenn sich die Presets auch einzeln hätten laden lassen.

14 String-Klassiker sind als Multisamples integriert und lassen sich „trocken“ aufrufen, stellen also quasi den Urzustand des jeweiligen Klassikers dar.

Bei Unikaten wie dem VP330 lassen sich zusätzlich über ein Untermenü verschiedene Multisamples aufrufen (Choir, Strings etc.). Zusätzlich gibt es 30 Presets, die wiederum auf die bereits genannten Multisamples zugreifen, die aber durch den Sound-Edit-Wolf gedreht wurden.

Die Menge an Presets ist zwar nicht gerade umwerfend, aber sehr geschmackvoll und vielseitig. Mit etwas Fingerspitzengefühl wird hier wahrscheinlich fast jeder den passenden Sound finden und dank der übersichtlichen Parameter schnell an seine Bedürfnisse anpassen können.

Hier ein paar Soundbeispiele:

Mag vielleicht die „Seele“ der Originale fehlen, so ist STRING MACHINES trotzdem ein vielseitiges und einfach nutzbares String Plug-in, um Vintage-Strings ins heimische Studio zu holen. Einziges echtes Manko: Manche der Presets sind so resourcenhungrig, dass sich mein MAC Quad-Core selbst bei einer Spur mehrstimmiger Akkorde „verschluckt“ hat. Das passiert zwar nur bei den Presets, die reichlich Gebrauch der Edit-Parameter machen, aber trotzdem – da sollte der Hersteller nochmals nachbessern.

UVI CP ELECTRIC GRAND

Mit den CP-Stage Pianos hatte Yamaha Mitte der Siebziger bis Anfang Achtziger, neben den CS-Synthesizern, einen ganz großen Wurf gelandet. Die mechanische, halb akustische Klangerzeugung war zwar weit davon entfernt nach einem echten Klavier zu klingen, aber die CPs (Baureihe 60/70(80) erlaubten ein nuanciertes, dynamisches Spiel. Außerdem setzte sich der Sound im Kontext einer Rockband immer noch gut durch.

Gut 10.000 DM kostete 1978 ein CP70 und war wiederum nur einigen wenigen Musikern vorbehalten. Genesis, Elvis Costello, Manfred Mann – alles was Rang und Namen hatte, machte auch dieses einzigartige Instrument zur Legende. Und da sich UVI offensichtlich auf den Nachbau von Legenden spezialisiert hat, hier das CP-GRAND.

Wählbar sind eine Light Variante sowie eine 88-Tasten Variante. Die GUI ist diesmal etwas weniger liebevoll gestaltet, als man das von UVI aktuell gewohnt ist. Und der Sound: Hier ein Demo von der UBI Website, eingespielt von die Benoit Henriot:

Die CP70 Multisamples sind sauber aufeinander abgestimmt, klingen aber etwas dumpf. In den beiden vorliegenden Beispielen wurde sicher auch nochmals mit EQs und Excitern nachgeholfen.

Was mich allerdings wirklich gestört hat, sind die deutlich zu hörenden Hammergeräusche. Die mögen zwar authentisch sein, allerdings sind sie bei ruhigen Passagen unangenehm aufdringlich. Ob das beim Original auch so war, kann ich im Augenblick nicht beurteilen. Ich hätte mich jedenfalls gefreut, wenn es auch eine „cleane“ Variante gegeben hätte.

Fazit

Alle drei Plug-ins können als Sample-Library überzeugen, bieten nette Eingriffsmöglichkeiten durch die UVI-Engine, von der man aber nicht all zu viel erwarten darf. Der Preis des DARK LIGHT IIx ist mit 199 $ wahrlich gesalzen, aber man muss den Franzosen zugutehalten, dass sich auch viel Liebe zum Detail in diesem Produkt steckt. 99 $ für STRING MACHINES ist angemessen und 29 $ für das CP Grand kann mal durchaus als sehr günstig bezeichnen.

Musikalisch einsetzbar sind sie allemal und inspirierend noch dazu. Wir sind also gespannt auf die nächsten Highlights aus dem Hause UVI.

Plus

  • einfach zu bedienende Librarys von Vintage-Produkten
  • überzeugender Klang der dank Sampling den Originalen sehr nahe kommt
  • schöne und übersichtliche GUIs

Minus

  • STRING MACHINES ist bei manchen Presets sehr CPU-hungrig
  • Beim CP-Grand ist in leisen Passagen die Hammermechanik zu deutlich zu hören

Preis

  • DARK LIGHT IIx: 199 $
  • STRING MACHINES: 99 $
  • CP-GRAND: 29 $
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    drbach  

    Der charakteristische Sound des CP80 und CP70 kommt bei Stromabnahme, eine akustische, mikrophonierte Abnahme macht bei diesem Instrument m.E. keinen Sinn. Über die Stromabnahme gibt es keine Hammergeräusche.

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