Marshallesque Sounds - mit 250 Volt Anodenspannung
Viele Gitarristen setzen heute auf digitale Modeler. Trotzdem bleibt der Reiz echter Röhrentechnik ungebrochen. Mit dem Vahlbruch Kaluna II bietet Vahlbruch FX ein Overdrive-Pedal mit echter ECC83-Röhre und hoher Anodenspannung, das authentisches Spielgefühl und klassischen Rocksound im kompakten Pedalformat liefern will. Ob das Boutique-Pedal aus Deutschland hält, was es verspricht, klären wir im Test.
Was ist es? Vahlbruch FX Kaluna II, ein analoges Röhren-Overdrive-/Distortion-Pedal mit echter ECC83 (12AX7) Röhre und drei Gain-Modi.
- Röhren-Drive: Echtes Röhrenpedal mit ca. 250 V Anodenspannung für authentische Dynamik und klassisches Amp-Spielgefühl.
- Drei Modi: Low, V1 und Hot erweitern den Gain-Bereich vom klassischen Crunch bis zum satten Rockbrett.
- Durchsetzungsfähig: Sehr „marshallesquer“ Grundcharakter mit hervorragender Durchsetzung im Band-Mix.
- Hochwertige Technik: Handgefertigt in Deutschland, mit MagTraB-Magnetschalter und Überspannungsschutz.
- Fazit: Klangstarkes Boutique-Röhrenpedal mit hervorragendem Spielgefühl und authentischem Rocksound.
Inhaltsverzeichnis
Vahlbruch Kaluna II
Preamp-Pedale mit Röhren findet man mittlerweile wieder häufiger, da viele Modeler-Fans zurück zum Ursprung möchten oder mit den (zugegebenermaßen mittlerweile kurzen) Latenzen beziehungsweise der relativ komplexen Bedienung eines Modelers nicht klarkommen. Preamps wie ein Tone King Imperial oder diverse Friedman-Röhrenvorstufen im Pedalformat erfreuen sich in jüngerer Vergangenheit zunehmender Beliebtheit. Besitzt man bereits einen Röhrenverstärker, der klar und schön klingt (Fender, Vox, Marshall – viele unterschätzen den genialen Clean-Sound eines Marshalls), möchte man aber möglicherweise keinen weiteren Preamp, sondern schlicht ein perfekt klingendes Verzerrerpedal ohne komplexe Bedienung. Hier käme dann zum Beispiel unser heutiges Testobjekt Kaluna II ins Spiel.
Das Kaluna in seiner ersten Auflage (V1) erfreut sich bereits zahlreicher Freunde des puren Röhrensounds, da es ausgesprochen „ehrlich“ und lebendig klingt. Hat man dieses Pedal auf dem Board, kann man davon ausgehen, dass man gehört wird, weil es sich stets im Mix durchsetzt. Die aktuelle Version Vahlbruch Kaluna II hat einige Updates erhalten. Ein kleiner Mini-Switch gestattet nun die Auswahl zwischen drei verschiedenen Verzerrungsmodi. Die ursprüngliche Version (V1) ist weiterhin unverändert geblieben. Hinzugekommen sind ein Low-Modus und der Hot-Modus, der dem Pedal nochmals einen ordentlichen Schub an Verzerrung und Bass bereitstellt.
Fakten über Vahlbruch FX
Vahlbruch FX ist eine angesehene deutsche Boutique-Effektpedal-Manufaktur, die für ihre hochwertigen, handgefertigten Produkte bekannt ist. Die Pedale werden in Deutschland entworfen und von Hand gebaut. Das Kaluna-Pedal ist vermutlich das bekannteste, doch die Palette an Effekten ist reichhaltig. Das Design aller Pedale ist klassisch, nicht überladen, klar und hochwertig. Im Sortiment befindet sich eine breite Auswahl an Overdrive-, Distortion-, Fuzz-, Chorus-, Delay- und Booster-Pedalen. Diese Pedale werden oft für ihre robuste Bauweise, hochwertigen Komponenten und ihren geringen Rauschpegel gelobt. Kopf der Firma ist Dr. Henning Vahlbruch, ein Physiker, der seine Erfahrung in die Entwicklung seiner Produkte einfließen lässt.
Facts & Features
Das schmucke, sparkling-gold lackierte Gehäuse des Vahlbruch Kaluna II besitzt die Maße von 120 x 100 x 48 mm (B x T x H) und ist damit angenehm kompakt. Das sehr ansprechende Design und die Verarbeitung des Pedals sind oberstes Regal. Die schwarzen Knöpfe harmonieren gut mit der goldenen Gehäusefarbe, die natürlich erahnen lässt, worum es hier geht (Marshall-like).
An der Vorderseite sieht man eine ECC83-(12AX7)-Vorstufenröhre, die durch gitterähnliche Aussparungen im Gehäuse Luft zum Atmen bekommt und einen Hitzestau im Pedalinneren vermeidet. Abgefahren ist auch die Aktivierung des Effekts mithilfe eines kontaktlosen, verschleißfreien Tasters. Die Potis leisten den gewünschten leichten Widerstand. Auch dies spricht für eine gute Qualität.
Ein neuer Überspannungsschutz, in Version 1 noch nicht enthalten, verhindert eine Beschädigung der Röhre, wenn versehentlich ein Netzteil mit mehr als 9 V angeschlossen wird.
Die Stromversorgung des Vahlbruch Kaluna II erfolgt erfreulicherweise mit einem standardmäßigen 9-Volt-DC-Netzteil (Hohlsteckerbuchse, 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen). Während der Aufheizphase der Röhre blinkt die orangefarbene Leuchtdiode etwa 30 Sekunden, bis das Licht ausgeht und das Pedal einsatzbereit ist.
Die 9-Volt-DC versorgen einen Teil der Schaltung mit der nötigen Niederspannung. Mithilfe eines Transformators werden sie jedoch auf die für eine ECC83 erforderliche Anodenspannung von etwa 250 Volt gebracht. Da Röhren permanent geheizt werden müssen, um ihre Arbeit verrichten zu können, erklärt sich die etwas erhöhte Stromaufnahme, die vom Hersteller mit 500 mA angegeben wird. Man sollte also über ein ausreichend starkes Multinetzteil verfügen. Ein Batteriebetrieb wird folglich nicht unterstützt.
Tipp: Viele Multinetzteile mit mehreren galvanisch getrennten Ausgängen gestatten es, zum Beispiel zwei 300-mA-Ausgänge zu koppeln, also mit einem sogenannten Current-Doubler-Kabel auf die geforderten 500 mA zu kommen. Wichtig ist, dass ein Current-Doubler-Kabel, das die Stromstärke erhöht, etwas anderes ist als ein Voltage-Doubler-Kabel. Letzteres hebt beispielsweise 9-Volt-DC auf 18-Volt-DC an, um Verzerrerpedale – sofern sie dafür vorgesehen sind – mit mehr Headroom auszustatten. Hier ist also Vorsicht geboten. Verwendet man das falsche Kabel, kann dies Schäden an den Pedalen verursachen.
Regler & Bedienelemente
Der Aufbau ist klassisch. Bis auf einen Presence-Regler sind die Bedienelemente identisch mit denen eines Röhrenverstärkers. Drive bestimmt den Grad der Verzerrung, Volume die Ausgangslautstärke.
Ein 3-Band-EQ (Bass, Middle, Treble), der perfekt abgestimmt ist – die Klangregelung klingt bereits auf 12 Uhr gut –, übernimmt das Feintuning des Sounds. Eine orangefarbene LED leuchtet bei aktiviertem Effekt. Die Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang (6,3 mm Klinke) wurden stirnseitig positioniert.

Links unten befindet sich der kontaktlose Magnetschalter, die Röhre „atmet“ durch die Schlitze im Gehäuse
Viele Vahlbruch-Pedale, so auch das Kaluna II, wurden mit dem sogenannten MagTraB-Schalter (Magnetic Transducer Button) ausgestattet. Dabei handelt es sich um einen von Dr. Henning Vahlbruch entwickelten magnetischen Fußschalter. Er ist extrem langlebig und schaltet absolut geräuschlos.
Neu in Version II ist der kleine Kippschalter, der zwischen den Gain-Varianten Low/V1 (Version 1)/Hot auswählt.
Hier ein Demo des von mir sehr geschätzten Kollegen Shawn Tubbs, der klanglich sowie spiel- und phrasierungstechnisch wie immer grandios performt:
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Wünschenswert wäre natürlich, wenn man in den Vahlbruch Kaluna II noch eine Klinkenbuchse integrieren würde, an die man einen Remote-Fußschalter zum Umschalten der drei Modi (Low/V1/Hot) anschließen könnte. Vermutlich hätte eine solche Buchse jedoch keinen Platz mehr im ohnehin bereits voll ausgenutzten Gehäuse. Außerdem haben die drei Modi unterschiedliche Ausgangslautstärken. Man müsste folglich noch zwei zusätzliche Volume-Regler, gegebenenfalls mit Relais-Umschaltung, einbauen. Das würde die kleine, womöglich dann größere Kiste allerdings zu einem echten analogen Dreikanaler machen. Über einen klar eingestellten Amp gespielt, wären es sogar vier Kanäle. Fantasieren darf man ja mal. Vielleicht wäre dies eine Inspiration für den „Erfinder“ Dr. Vahlbruch. Hören wir nun, wie das Teil klingt.
Sound
Zuerst die ursprüngliche Version (V1) mit recht weit aufgedrehtem Gain-Regler. Das Pedal klingt beeindruckend und ausgesprochen „Marshallesque“. Nach sieben Sekunden wird es aktiviert und macht aus einem klaren Ton ein echtes, schnörkelloses Rockbrett. Wir hören eine Suhr Classic Strat am Hals- beziehungsweise Steg-Pickup:
Mit einer Les Paul klingt dies entsprechend fetter:
Ist zu viel Gain im Spiel, empfiehlt sich das Zurückdrehen des Gain-Reglers oder die Umschaltung auf den Low-Gain-Modus mithilfe des kleinen Kippschalters. Mit einer Strat könnte sich das folgendermaßen anhören:
Das klingt absolut AC/DC-mäßig, wobei Malcolm meist mit etwas weniger Gain unterwegs war.
Schalten wir nun mithilfe des kleinen Kippschalters in den Hot-Modus, zunächst wieder mit der Strat, beginnend mit dem Hals-Tonabnehmer und später mit dem Steg-Humbucker. Einfach nur pure Freude:
Bedenkt man, dass bei den Klangbeispielen kein Delay, sondern nur eine kleine Prise Hall zu hören ist, kann man sich vorstellen, dass sich das Ganze noch mit Effekten anfetten ließe. Hat man wie viele von euch einen der „grünen Verzerrer“ (Tube Screamer, Bad Monkey o. ä.) im Haus, könnte man einen solchen noch zum „Anblasen“ vor den Vahlbruch Kaluna II klemmen, um mühelos auch härtere 80er Rock-Sounds“ zu erhalten.
Signalweg: Suhr Classic Strat (SSH) – Vahlbruch Kaluna – II Peavey Classic 20 Mini Head – MESA/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Celestion Creamback – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic


































