Test: Valeton Dapper Dark 4, Gitarren Multieffekt Pedal

25. April 2017

Die dunkle Seite der Macht

Es ist kaum zu glauben und fast könnte man zu der Annahme kommen, dass sich unter den Mitarbeitern der New Yorker Effektschmiede Tech 21 ein fernöstlicher Spion befindet. Kurz nachdem die US-Firma ihre Mini-Multieffektleiste Fly Rig präsentierte, folgte prompt aus China die kostengünstige Antwort in Form des Valeton Dapper, eine nahezu identische Kopie des Pedals. Doch dem nicht genug, denn kurz nach der Vorstellung der beiden neuen spezialisierten Fußleisten Fly Rig Brit und Fly Rig Cali, die in unserem Vergleichstest übrigens ein sehr gutes Bild abgaben, folgt man bei Valetone nun auch diesem Trend und bietet mit dem Valeton Dapper Dark 4 ein ebenfalls fast um die Hälfte günstigeres Multieffektgerät an, dessen Schwerpunkt auf dem Produzieren von Metalsounds liegt, aber deswegen trotzdem nicht auf schmuckes Beiwerk in Form von Modulationseffekten verzichtet. Mal schauen, ob auch hier die Fortsetzung gelungen ist.

Facts & Features

Mattschwarz, wie ein Stück Kohle, zeigt sich die aus robustem Stahlblech gefertigte Außenhülle des Valeton Dapper Dark 4 beim Erstkontakt. Dazu passend, nämlich in Blutrot, wurden die Beschriftungen aufgedruckt. Das ist natürlich stilgerecht ausgefallen, allerdings mit deutlichen Nachteilen in Sachen Ablesbarkeit der einzelnen Regler und Schalter. Hier muss man schon etwas genauer hinschauen, um die einzelnen Parameter zu erkennen – und das bereits bei Tageslicht. Zumindest sind die drei Module Delay, Chorus und Higain durch ihre unterschiedlich beleuchteten und sehr griffigen Potiknöpfe voneinander abgetrennt. Somit greift man nicht komplett in die falsche Richtung, wenn notwendige Korrekturen am Sound anstehen.

Die zwölf Regler auf der Oberseite laufen sauber und mit einem gesunden Drehwiderstand auf ihren Achsen, fallen allerdings auch durch ein leichtes Wackeln negativ auf. Ihre Bauweise ist zudem so flach, dass sie mit den Füßen des Benutzers beim Treten auf einen der fünf Metallschalter eigentlich nicht in Konflikt geraten sollten.

Sämtliche Anschlüsse finden wir alle auf der Vorderseite versammelt. Viele sind es nicht, aber dennoch genug, um den Valeton Dapper Dark 4 flexibel einsetzen zu können und dazu deutlich mehr, als es bei dem vermeintlichen Original Fly Rig von Tech 21 der Fall ist. Ungemein praktisch ist vor allem der Effektweg, der aus dem kleinen Pedal nahezu eine vollwertige Gitarrenvorstufe macht. Hier können also nach Lust und Laune weitere Effekte eingeschleift werden, deren Signale dann zwischen dem Highgain-Modul des Dapper 4 und dessen beiden internen Effekten platziert werden.

 

Valeton Dapper Dark 4 Gitarren Multieffekt Pedal

An Bord befindet sich eine Lautsprechersimulation, die mit einem kleinen Kippschalter aktiviert wird und die ein Direct-to-Disc-Recording ohne weitere Hardware ermöglichen soll. Den Abschluss macht der Anschluss für das 9-Volt-Netzteil, das sich auch im Lieferumfang befindet. Die Krönung wäre natürlich noch ein Netzschalter gewesen, aber auch so kann man mit der Ausstattung des Valeton Dapper Dark 4 vollkommen zufrieden sein bzw. schon eine Menge anfangen.

— Stirnseite des Valetone Dapper Dark 4 —

Die drei Effektmodule des Valetone Dapper 4

No. 1 – Delay

Ganz links außen sitzt das Delay mit seinen drei blau beleuchteten Potis und den beiden Metallschaltern: einer zum Aktivieren des Effekts und der andere für die Eingabe der Verzögerungszeit per Fuß. Alternativ zur Fußbedienung kann die Delay-Geschwindigkeit aber auch über das entsprechende der drei Potis justiert werden, eine ebenfalls blau leuchtende LED informiert durch ihr Pulsieren über den aktuell ausgewählten Wert.

Die beiden übrigen Regler sind bei einem Delay ebenso unverzichtbar, so steuert „Regen“ die Anzahl der Wiederholungen, während „Mix“ schließlich die Intensität des Echos bestimmt. Die maximale Verzögerungszeit des auf Analogsound getrimmten Delays liegt bei einer ganzen Sekunde und dürfte somit für fast alle Stilistiken, angefangen vom Badezimmerkachelsound bis hin zum „Guitar-Hero-Bergecho“, ausreichen. Eine Tap-Divide-Funktion, also eine rhythmische Unterteilung der Echos, gibt es beim Valeton Dapper Dark 4 leider nicht. Echo-Freaks können aber ihr geliebtes Schätzchen ja glücklicherweise über die Effektschnittstelle mit einbinden.

No. 2 – Chorus

Giftgrün leuchten die beiden Regler des Chorus-Moduls an Bord des Valeton Dapper Dark 4 um die Wette. Sie steuern zum einen die Geschwindigkeit des LFOs (Rate) und zum anderen die Effektintensität (Depth). Ob ein Stereochorus für den gemeinen Metalgitarristen tatsächlich vonnöten ist – darüber kann man sicherlich streiten. Ich für meinen Teil hätte mir eher einen guten Hall gewünscht, zumal das Zusammenspiel zwischen dem Higain-Modul und dem Chorus erwartungsgemäß nicht immer überzeugend klingt. So viel darf schon mal verraten werden.

No. 3 – Higain

Zweifellos das Herzstück des Valeton Dapper Dark 4 und bei Aktivierung durch blutrot leuchtende Regler erkennbar. Hier steht eine vollwertige Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen zur Verfügung, ein Gain-Regler sorgt für den gewünschten Grad der Verzerrung und um die Nebengeräusche in Zaum zu halten, wurde der Higain-Section weiterhin ein einfaches Noisegate („NR“) spendiert.

Etwas abseits vom Schuss finden wir schließlich noch eine Boost-Funktion in Form eines zweiten Gain-Reglers und eines Schalters, mit dem sich die Verzerrung zusätzlich noch mal um 12 dB anheben lässt. Den Abschluss schließlich macht das Stimmgerät, das über ein einfaches Display verfügt und durch Drücken des Boostschalters (>2 Sekunden) aktiviert wird. Selbstverständlich wird das Signal innerhalb des Valeton Dapper Dark 4 während des Stimmvorgangs stummgeschaltet.

— Zerren, boosten und stimmen —

Zwischenzeugnis

Hinsichtlich der Verarbeitung gibt es beim Valetone Dapper Dark 4 nur wenig zu meckern, allenfalls die etwas wackeligen Potis sollte man nicht zu hart ran nehmen. Das Metallgehäuse und die fünf Metallschalter präsentieren sich hingegen in guter Form. Die Ausstattung mit den gebotenen Effekten, dem integrierten Effektweg und der zuschaltbaren Lautsprechersimulation scheint ebenfalls ausreichend zu sein, auch wenn m.M.n. ein Hall anstelle des Chorus für die angepeilte Zielgruppe mehr Sinn machen würde. Hören wir nun, wie sich der Valetone Dapper Dark 4 in der Praxis schlägt.

Sound & Praxis mit dem Valetone Dapper Dark 4

Im Test wurde der Dapper Dark 4 sowohl als Vorschaltgerät vor dem Verstärker als auch als Preamp, also im Return des Gitarrenamps, eingesetzt. In beiden Bereichen liefert die kleine Leiste einen sehr vielseitigen Metalsound, der eine eindeutig „amerikanische“ Prägung besitzt und sich irgendwo zwischen Boogie, Diezel und Soldano wiederfindet. Die Stärken liegen hier ganz besonders im Highgain-Bereich, dort ist der Sound stets fett, rund und mit einer guten Dynamik ausgestattet. Abstriche gibt es hingegen im mittleren Gain-Bereich zu verzeichnen, dort leiden Sound und Spielgefühl bei abnehmender Verzerrung gleichermaßen.

Steigen wir in Klangbeispiel 1 gleich mit einem vollen Brett ein. Für die nun folgenden Klangbeispiele wurde der Valetone Dapper Dark 4  in den Return des Effektwegs meines Orange Micro Dark eingeschleift. Als Box wurde eine H & K GL112 mit einem 12″ Celestion Vintage 30 Speaker verwendet, als Mikro diente ein AKG C3000. Beispiel 1 zeigt den Dapper mit voller Verzerrung und leicht abgesenkten Mitten. Bässe und Höhen befinden sich in der 12-Uhr-Position.

Im Klangbeispiel 2 nun ein Leadsound mit zugefügtem Delay. Trotz der etwas fummeligen Bedienung der Potis lässt sich schnell ein ausgewogenes Mischverhältnis zwischen dem Delay-Signal und dem Zerrer erreichen.

Im nächsten Klangbeispiel hören wir das Higain-Modul ohne weitere Effekte. Das Gain-Poti ist rund 3/4 aufgeregelt, die Mitten nun etwas angehoben. Ein sehr schöner „schmatziger“ Leadsound mit einer erfreulich guten Dynamik.

Zum Abschluss die Sounds der beiden Effekte Delay und Chorus, jeweils mit komplett deaktiviertem Preamp bzw. Higain-Modul. Sollte man den Valetone Dapper Dark 4 nur mit einer Endstufe einsetzen wollen, dürfte hier ein ernsthaftes Problem entstehen. Denn ist der eigentliche Preamp nicht aktiv, wird das am Eingang anliegende Signal, in aller Regel dürfte das von der Gitarre stammen, inklusive der zugeschalteten Effekte mit voller Leistung auf die Endstufe abgegeben. Gitarrenriffs mit Chorus spielen mag ja dann und wann ganz witzig sein, auf Dauer nervt das aber dann doch gewaltig. Denn nicht jeder steht auf die poppigen Gitarrensounds der 80s im Stile von Toto oder van Halen. Um einen wirklich sauberen und klaren Sound zu erzielen, muss daher das Higain-Modul in jedem Fall ausgeschaltet sein, denn selbst bei vollkommen heruntergeregeltem Gain ist das Signal immer noch deutlich verzerrt.

Beim Einsatz zwischen Gitarre und Verstärker ist das alles kein Problem, allerdings lässt sich in diesem Fall eine Eigenfärbung durch die Schaltung des eingesetzten Gitarrenverstärkers naturgemäß nicht vermeiden. Na ja, vielleicht will man das auch.

Zunächst nun der Sound des Delay-Moduls – mehr als brauchbar, möchte ich meinen.

Und nun der Chorus des Valeton Dapper Dark 4 in seiner „ganzen Breite“. Er macht seinen Job sehr gut – und vor allem erfreulich rauscharm!

Fazit

Der Valeton Dapper Dark 4 führt die Baureihe der „Low-Budget-Multieffekte“ des chinesischen Herstellers erfolgreich fort und bietet für kleines Geld einen gut klingenden Metal-Preamp, dessen Klangcharakteristik eine deutlich amerikanische Färbung trägt. Neben dem guten Klang kommt die Ausstattung ebenfalls nicht zu kurz, denn mit den zwei integrierten Effekten, dem eingebauten Effektweg, einer Lautsprechersimulation und einem Stimmgerät ist die pechschwarze, äußerst kompakte Leiste auch flexibel zwischen Homerecording, Sessions und Livegigs einsetzbar.

Einzig und allein die fummelige Bedienung und die kaum lesbare Beschriftung der fragil wirkenden Potis könnte man dem Valeton Dapper Dark 4 als Minuspunkt ankreiden, aber dafür leuchten sie doch zu schön im Dunklen.

Plus

  • guter Klang
  • integrierter Effektweg
  • integrierter Tuner
  • Lautsprechersimulation
  • solide Verarbeitung
  • günstig

Minus

  • wackelige und schwer ablesbare Potis

Preis

  • Ladenpreis: 169,- Euro
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