Test: Vermona twinVCFilter, tVCFExtension, fourMative CONTOURS, Case 104

2. Mai 2018

Spritzigkeit kennt keine Grenzen

In Teil 3 unserer Vermona-Eurorack-Serie stellen wir euch vor:

  • Vermona twinVCFilter,
  • Vermona tVCFExtension,
  • Vermona fourMative CONTOURS,
  • und das Vermona Modular Case 104

Bislang erschienen sind:

Zunächst beschäftigen wir uns diesmal mit dem Filtermodul Vermona twinVCFilter samt der dafür vorgesehenen Erweiterung Vermona tVCFExtension. Wie die meisten Module von Vermona, haben wir es mit zwei identischen Teileinheiten derselben Funktionsgruppe, in diesem Fall eines State-Variable-Filters, basierend auf VCA Steuerung, in einem Modul zu tun. Wem das noch nicht reicht, kann mit dem Erweiterungsmodul tVCFExtension jeden einzelnen Filtertyp abgreifen und erweiterte Steuerungsmöglichkeiten über einen Polarizer je Filtereinheit nutzen. Dabei ist bei Vermona ein Polarizer ein Signalabschwächer, der auch das Signal invertieren kann und darüber hinaus eine konstante Ausgangsspannung von -5 V bis +5 V ausgibt, wenn an seinem Eingang kein Patch-Kabel angeschlossen ist. Was hebt nun das Vermona Filter von anderen ab, mal ganz abgesehen von den zwei vorhandenen Filtereinheiten?

Diese drei Kandidaten stehen zum Test (v. l n. r.): twinVCFilter, tVCFExtension, quadENVelope

Vermona twinVCFilter Hardware

Vermona-typisch kommt das Vermona twinVCFilter mit einer schwarzen Frontplatte und den cremefarbenen Knöpfen im Vintage-Look. Dabei laufen alle Potis mit einem identischen Widerstand, der ein angenehm ölige Laufeigenschaft hat. Genug Widerstand für feine Justierungen, aber leichtgängig genug, um auch schnelle Regelungen zu vollziehen. Potis und Buchsen sind fest mit der Frontplatte verschraubt, die vier Kippschalter rasten satt ein und sind eben nicht vom Miniaturtyp. Die Aufteilung der Frontplatte ist übersichtlich und trennt die beiden Filtereinheiten voneinander. Im unteren Bereich wird der Signalfluss durch die Gestaltung verdeutlicht. Alles in allem wieder eine makellose Hardware-Vorstellung von Vermona.

Das doppelte Lottchen

Bei den beiden Filtereinheiten handelt es sich zunächst nicht um einen Nachbau irgendeines bestimmten klassischen Filtertyps, sondern um eine Eigenentwicklung. Der Entwickler Swen Strobel sagt dazu:

… im TwinVCF arbeiten durch Präzisions-VCAs gesteuerte Zustandsvariablenfilter“

Die beiden Filtereinheiten arbeiten völlig identisch und weisen folgende Merkmale auf: Das Filter bietet Tiefpass und Hochpass mit 12 dB pro Oktave und einen Bandpass mit 6 dB pro Oktave an. Über einen robusten Kippschalter schaltet man die Betriebsmodi um. Eine stufenlose Überblendung der Filtercharakteristika ist am Gerät nicht möglich.

spricht auch LFO und Oszillator: Vermona twinVCFilter

Spricht auch LFO und Oszillator: Vermona twinVCFilter

Das Filter direkt beeinflussen kann man mit den Reglern CUTOFF, RESO und GAIN. Die sehr gut geschriebene Bedienungsanleitung, die als deutsch- und englischsprachiges PDF zum Download vorliegt, weist darauf hin, dass GAIN den Pegel am Eingang des Filters auch schon in eine Übersteuerung führen kann. Darüber hinaus gibt es auch eine optische Pegelkontrolle in Form einer roten LED, die zu leuchten beginnt, wenn das Signal gerade anfängt zu übersteuern. Von Sättigung bis Verzerrung bietet sich hier die Möglichkeit, das Eingangssignal mit Obertönen anzureichern.

Für jede Filtereinheit existieren zwei CV-Eingänge. Einer mit einem Abschwächer und einer, der das angelegte CV-Signal direkt zur Filter-Cutoff durchsteuert. Aber Vermona hat eben auch die Möglichkeit der Verschaltung der beiden Filtereinheiten im Blick gehabt. Und so gibt es zunächst einen Routing-Schalter, der die Anordnung der Filter verändern kann. Zur Verfügung stehen: dual, jeder Eingang arbeitet für sich und gibt das gefilterte Signal am entsprechenden Ausgang aus. seriell, das Ausgangssignal des ersten Filters geht in den Ausgang des zweiten Filters. Und parallel, das an Eingang 1 liegende Signal wird parallel in beide Filtereinheiten geschickt. Dual bietet sich dabei für Stereoanwendungen an. Möchte man die Filter-Cutoff für beide Kanäle durch nur einen Regler/CV-Signal steuern, so bietet der Schalter Link genau diese Möglichkeit – ideal für Stereoanwendungen. Oder man nutzt Link im seriellen Modus – und bekommt so quasi ein 24 dB Filter, wenn man beide Einheiten auf HP oder LP stellt.

Eine Steuerungsmöglichkeit für die Resonanzen existiert aber nicht. Ein Kritikpunkt betrifft hier das Umschalten der Filtermodi: Bei Betätigung gibt es ein deutliches Knacken am Ausgang des Filters.

Eine weitere Besonderheit ist der Mix-Ausgang. Man kann also nicht nur den Ausgang des jeweiligen Filters abgreifen, sondern auch beide kombiniert am Mix-Ausgang. Für diesen Ausgang wiederum gibt es einen eigenen Mix-Regler mit Mittenrasterung sowie wieder zwei CV-Eingänge, von denen einer mit einem Abschwächer ausgestattet ist.

Vermona tVCFExtension

Bevor wir zu den klanglichen Eigenschaften kommen, soll hier auch das Vermona tVCFExtension vorgestellt werden. Es wird über ein Flachbandkabel auf der Rückseite mit der Haupteinheit verbunden und bietet neben Einzelausgängen für jeden der Filtermodi auch einen Bandsperren-Ausgang pro Filtereinheit, den es bei der Haupteinheit gar nicht gibt.

Jedes Filter hat seinen eigenen Ausgang, als Bonus kommt noch eine Bandsperre hinzu

Jedes Filter hat seinen eigenen Ausgang, als Bonus kommt noch eine Bandsperre hinzu

Darüber hinaus bietet die Erweiterung noch zwei Polarizer, die über die CUTOFF-Taste auf die beiden Filter geschaltet werden oder völlig unabhängig mit externen CV-Signalen arbeiten können. So kann man in der Praxis zwei Filterposition „vorprogrammieren“ und über den Taster die „Programme“ aufrufen. Zusätzlich dazu können die Polarizer auch wie oben erwähnt als unabhängige Spannungsquelle dienen. Eine LED zeigt dabei an, ob das resultierende CV-Signal am Ausgang negative (blau) oder positive Spannung (rot) besitzt. Ob einem diese Erweiterungen 149,- Euro wert sind, muss jeder selber entscheiden. Allerdings sind die gleichzeitig nutzbaren Ausgänge sicherlich von Vorteil und die beiden Polarizer lassen sich auch für beliebige andere Zwecke nutzen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich weiß ja, dass Eurorack-Cases teuer sind, aber 1000,-€ ist doch etwas heftig. Da können auch ein paar Multiples und Attenuators nichts dran ändern…

    • Profilbild
      Ashatur  

      Ja die Cases die sind schon immer mein Knackpunkt für den EInstieg in die Modulare Welt… Aber das ist wirklich der Hammer bei Doepfer bekommt man für 300 Stutz mehr gleich ein komplett bestücktes System. Da hätten sie eine kleine Synthstimme dazupacken können.

  2. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Also das Case ist echt teuer…bin ja sonst echt ein großer Vermonafreund.
    Aber als Einstieg in die Modularwelt würde ich für das Geld eher in folgendes investieren:
    Waldorf KB37 und da ein MFB Nanozwerg ( oder für 300€ mehr Moog Mother32) reinbauen.
    Dann kommt da wenigstens Sound raus.
    Und Multiples bekommt man auch noch günstig.

    Da hinkt der vielleicht auch, da der Platz dann nicht so groß ist, aber vielleicht dient es jemand als Anregung :-).

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