Was kann der High-End-Kopfhörerverstärker?
Mit dem Violectric HPA V324 haben wir im heutigen Test ein echtes High-End-Produkt, das sich dem Thema Kopfhörerverstärkung widmet. Hinter Violectric verbirgt sich der renommierte Hersteller Lake People, der schon seit Jahrzehnten in der Branche etabliert ist und hochwertige Produkte, beispielsweise für Rundfunk, Studios und Installationen, herstellt. Ich persönlich arbeite seit Längerem mit einem Kopfhörerverstärker von Lake People und bin deshalb sehr gespannt, was die Firma Violectric auf diesem Gebiet zu bieten hat.
- High-End-Verarbeitung: Massives Gehäuse, große VU-Meter und motorisiertes Alps RK27 Poti vermitteln kompromisslose Qualität.
- True-Balanced-Design: Vier Verstärker sorgen für optimale Symmetrie und Leistungsreserven für 16 bis 600 Ohm.
- Flexible Anschlüsse: XLR, Cinch, 6,3 mm, Pentaconn und symmetrische 4-Pin-XLR bieten vielseitige Einsatzmöglichkeiten.
- Klangliche Feinauflösung: Hörbare Detailsteigerung gegenüber Standard-Interfaces, besonders mit hochwertigen Kopfhörern.
- Für High-End-Ketten: Sinnvoll vor allem in hochwertigen HiFi-Setups oder Studio-Mastering-Umgebungen.
Inhaltsverzeichnis
High-End für Kopfhörer, der Violectric HPA V324
Der von mir genutzte und eingangs bereits erwähnte Kopfhörerverstärker von Lake People ist ein einfaches, schmuckloses Kästchen mit zwei Kopfhörerausgängen, das genau das tut, was man von ihm erwartet: Es verstärkt das anliegende Kopfhörersignal.
Der heute zum Test vorliegende Violectric HPA V324 ist dagegen eine ganz andere Kategorie von Kopfhörerverstärker. Direkt beim Auspacken wird deutlich, dass wir es hier mit einem Gerät aus dem High-End-Bereich zu tun haben. Dies wird nicht zuletzt durch das stattliche Gewicht unterstrichen.
Optisch wird dies wiederum durch das edle, schwarz eloxierte Aluminium des Gehäuses, die beiden beleuchteten VU-Meter sowie das große, überdimensionierte Poti in der Mitte deutlich. Auch anschlussseitig hat der HPA V324 einiges zu bieten.
Funktionen des Violectric HPA V324
Zwar kann man an ihm auch einen „normalen“ unsymmetrischen Kopfhörer betreiben, ausgelegt und optimiert ist er aber für den Betrieb von symmetrischen Kopfhörern. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese nieder-, mittel- oder hochohmig sind, der HPA V324 kann Lasten von 16 bis 600 Ohm bedienen.
Eine Besonderheit sind die vier eingebauten Verstärker. Violectric nennt dieses Design „True Balanced“, wobei sich je zwei Verstärker um den linken und den rechten Kanal kümmern. Außerdem finden wir frontseitig neben dem üblichen 6,3-mm-Klinkenanschluss auch eine XLR-Buchse mit vier Pins, wie sie zum Betrieb von symmetrischen Kopfhörern benötigt wird, sowie eine Pentaconn-Buchse mit 4,4 mm. Dies ist ein neuer Standard, der ebenfalls für den optimierten Betrieb von symmetrischen Kopfhörern gedacht ist.
Aber der Reihe nach. Dominiert wird die Frontseite des HPA V324 von einem großen Volume-Regler. Hinter diesem verbirgt sich ein motorgetriebenes Alps RK27 Poti, mit dem natürlich die Lautstärke des angeschlossenen Kopfhörers eingestellt werden kann. Alternativ kann die Lautstärke auch mit einer beliebigen Infrarot-Fernbedienung bedient werden – dazu später mehr. Links und rechts dieses Volume-Potis befinden sich VU-Meter, die das Eingangssignal darstellen. Der Pegel für diese kann auf der Rückseite justiert werden.
Unter dem linken VU-Meter finden wir einen Kippschalter, der entweder die rückseitigen XLR-Eingänge oder die RCA-, sprich Cinch-Eingänge auf das Gerät schaltet oder aber in Mittelstellung das Signal einfach mutet. Das wird auch durch eine entsprechend rote LED angezeigt.
Unter dem rechten VU-Meter finden wir einen eben solchen Kippschalter für den Output. Hier können wir wählen, ob wir den Kopfhörer hören wollen, den Line-Ausgang oder beide zusammen. Alternativ kann man den Ausgang hier auch stummschalten. Wie man sieht, ist es mit dem Violectric HPA V324 also möglich, zum Beispiel ein anliegendes Line-Signal an aktive Monitore durchzuschleifen. Somit kann der HPA V324 auch als simpler Monitorcontroller genutzt werden.
Der Power-Schalter rechts unten aktiviert das Gerät. Während der ersten paar Sekunden sind die Eingänge aber stummgeschaltet, bis das Gerät seine Betriebsspannung erreicht hat. Zum Anschluss eines Kopfhörers stehen drei Optionen zur Verfügung: Wie oben schon erwähnt, ist dies eine XLR-Buchse mit vier Pins, wie sie für symmetrische Kopfhörer benötigt wird, der ebenfalls erwähnte Pentaconn-Ausgang und ein normaler 6,3-mm-Klinkenausgang.
Zu guter Letzt finden wir auf der Frontseite noch ein Pre-Gain-Poti, das das Eingangssignal in Schritten von ± 6 dB anpassen kann. Violectric definiert den Sinn dieses Potis folgendermaßen: Ist der Haupt-Volume-Regler auf der 12-Uhr-Stellung, sollte ein Signal normal laut zu hören sein, sodass man Reserven zum Absenken oder Anheben hat. Ist das Signal auf der 12-Uhr-Stellung viel zu leise, kann man mit Pre-Gain nachhelfen und es etwas anheben. Ist es auf der 12-Uhr-Stellung dagegen schon viel zu laut, so kann man das Signal entsprechend absenken. Somit möchte man der großen Palette an auf dem Markt erhältlichen Kopfhörern Rechnung tragen und dem Anwender die Möglichkeit geben, den HPA V324 an seinen persönlichen Kopfhörer anzupassen.
Anschlüsse des Violectric HPA V324
Auch auf der Rückseite bietet der Violectric HPA V324 einige Anschlüsse mehr als der gewöhnliche Kopfhörerverstärker, den man vielleicht kennt. Natürlich braucht das Gerät Strom, der über einen Kaltgerätestecker geliefert wird. Eingangsseitig hat man die Wahl zwischen symmetrischen XLR-Buchsen und unsymmetrischen Cinch-Buchsen. Rein theoretisch kann man auch beide Eingänge beschalten und auf der Frontseite umschalten, um zum Beispiel zwei verschiedene Quellen abzuhören. Ausgangsseitig finden wir die gleiche Kombination aus symmetrischen XLR-Buchsen und unsymmetrischen Cinch-Buchsen.
Außerdem befindet sich auf der Rückseite ein kleiner Drehknopf zur Einstellung der Beleuchtung der Frontseite. Das Hintergrundleuchten der VU-Meter kann so auf persönliche Bedürfnisse eingestellt werden.
Mithilfe eines kleinen Mäuseklaviers kann man außerdem den Arbeitspunkt der VU-Meter definieren. Standardmäßig liegen 0 VU bei 0 dBu. Zu guter Letzt findet sich hier noch ein Lernknopf für eine Infrarotbedienung. Hält man diesen gedrückt, kann man eine beliebige Fernbedienung anlernen, um die Lautstärke des Violectric HPA V324 fernzusteuern.
Wie schlägt sich der Violectric HPA V324 in der Praxis?
Wenn man sich die Bilder unseres heutigen Testkandidaten anschaut, wird schnell klar, dass es sich hier eher um ein Gerät für den HiFi-Markt und nicht um ein Arbeitstier für das Tonstudio handelt. Nichtsdestotrotz ist ein solches High-End-Produkt natürlich auch bei kritischen Höraufgaben im Tonstudio ein hilfreicher Partner. Schauen wir uns also an, was der Violectric HPA V324 hier zu leisten vermag.
Dazu habe ich das Gerät in meinem Tonstudio mit den Line-Ausgängen meines Audiointerfaces verkabelt, meinen Kopfhörer mithilfe des Pre-Gain-Schalters optimal angepasst und in den letzten Wochen für allerlei Arbeiten im Bereich Mixing und Mastering genutzt. Dabei habe ich ihn immer wieder mit dem internen Kopfhörerverstärker meines Motu 828 ES verglichen. Der Kopfhörer, der hierbei hauptsächlich zum Einsatz kam, war ein Ollo Audio X1, den wir auf AMAZONA.de vor Kurzem ebenfalls getestet hatten.
Bevor ich zum Fazit komme, möchte ich noch einige Worte zur Qualität aktueller Audiointerfaces verlieren. Die Qualität dieser Wandler und auch der eingebauten Kopfhörerverstärker ist in den letzten 20 Jahren meiner Meinung nach massiv gestiegen. Sprich, man kann davon ausgehen, dass jedes halbwegs vernünftige Audiointerface auf dem Markt auch über einen ebenso halbwegs vernünftigen Kopfhörerverstärker verfügt. Das mag vor 20 Jahren noch anders gewesen sein.
Ich habe den Violectric Kopfhörerverstärker sowohl zum Arbeiten eingesetzt als auch zum Musikhören und dabei mehrere mir sehr gut bekannte Referenznummern verglichen. Das Problem bei solchen Testaufbauten besteht darin, dass ich ja nie nahtlos zwischen zwei Signalen umschalten kann, sondern immer den Stecker beim einen Gerät ziehen und auf das andere Gerät stecken muss. Das macht einen Vergleich etwas schwierig. Man muss sich also ganz schön Zeit nehmen, um beide Geräte gebührend miteinander vergleichen zu können.
Tut man das, so fallen einem hörbare Unterschiede auf. Diese werden deutlicher, je länger man sich mit der Materie beschäftigt. Es ist aber, das sei vorausgesagt, definitiv kein Unterschied wie Tag und Nacht. Vielmehr vernimmt man nach langem Hören immer mehr Feinheiten, die einem vorher so nicht aufgefallen waren. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Hören über den Violectric HPA V324 dabei immer etwas mehr Spaß macht. Das Signal klingt hochwertiger, teurer, voller und satter. Subtile Details wie Hintergrundgeräusche, Atmer von Musikern, aber auch Störgeräusche wie Knackser lassen sich damit viel deutlicher wahrnehmen.
Neben meinem oben erwähnten Standard-Kopfhörer von Ollo Audio hatte ich zum Test auch noch einen HEDDphone TWO zur Verfügung. Dieser High-End-Kopfhörer ist symmetrisch aufgebaut und kann damit das Potenzial des Violectric erst so richtig ausreizen. Dementsprechend ist das Klangerlebnis in der Kombination der beiden Geräte noch einmal ein ganz anderer Genuss. Alles wirkt nochmal eine Spur edler und detaillierter.
Sowohl zum Arbeiten im Tonstudio als auch zum reinen Musikhören hat man nun eine Kombi, die kaum noch Wünsche übriglassen dürfte. Wie so oft bei ähnlichen High-End-Equipment wundere ich mich zunächst über relativ schlanke Bässe und unaufdringliche Höhen, um mir im selben Moment dann wieder klarzumachen, dass eine neutrale und ehrliche Musikwiedergabe genauso klingen muss. Keine gehypter Frequenz, sondern eine 1‑zu‑1‑Wiedergabe des Geschehens.
Apropos Bedienungsanleitung: Wer sich für die technischen Hintergründe eines solchen High-End-Produktes interessiert, dem sei diese Bedienungsanleitung wärmstens empfohlen. Hier wird sehr detailliert aufgeschlüsselt, warum der HPA V324 genauso und nicht anders gebaut wurde und welche technischen und akustischen Vorteile das im Einzelnen hat.





































Das Auge hört mit.
@Kazimoto Bei mir definitiv. Ich schaue bei allem was ich kaufe, das es mir optisch gefällt und auch zu mir und zum Raum und dessen Inhalt passt. Wenn es etwas nicht passend gibt, ist das kein Beinbruch. Aber generell muss es klingen und auch gefallen. Gut, dieses Gerät brauche ich nicht, würde allerdings bei mir optisch sehr gut passen. Beispielsweise passt das rote Focusrite nicht wirklich bei mir rein, aber es ist klein und eher metallic-weinrot. Jetzt gibt es die Jubiläumsedition in metallic-blau, was eigentlich besser passen würde (wegen meinem marineblauen Filterpadlogo). Aber da technisch nichts verändert wurde belasse ich es beim roten Feuerwehrmelder. Etwa gleiches gillt für meinen giftgrünen Studiostuhl (Hauptsache bequem).
Für 1000€ weniger bekommt man einen FUNK LAP-2 der den Violectric messtechnisch wahrscheinlich in die Tasche steckt. Dazu bekommt man dann noch einen 6-Kanal Vorverstärker „geschenkt“. Vor allem veröffentlicht Hr. Funk die umfangreichen Messschriebe auf seiner (das ganze Geld ins Produkt, nichts in die Werbung) Webseite. Das erwarte ich erst recht für einen 2,4k€ KH-Verstärker.
@noitasinagro Wäre sicher ein spannender Vergleich. Auch Lake People ist ein Urgestein der Pro Audiotechnik. Du kannst davon ausgehen dass nicht nur Funk geeignete Messgeräte einsetzt. Bei anderen Herstellern ist man allerdings klug genug neben dem Messen auch hinzuhören wenn man ein Gerät konstruiert. Das macht Meister Funk nach ja eigener Aussage prinzipiell nicht und das hört man. Ich war von seinen DIs z.B. klanglich etwas enttäuscht. Aber das ist dann letztendlich Geschmackssache.
Unabhängig davon finde ich das „Hifi“ Design des Violectric nicht schick und würde da, auch aus Kostengründen, wohl eher einen Lake People aus gleichem Hause vorziehen.
Schickes Gerät. Was mich verwirrt: Die glänzenden Füße kennzeichnen das Gerät eindeutig als Goldöhrchen/HiFi-High-End. Aber in den VUs steht Lake People, was für schwarze Gummifüße und Tonschaffende steht.
Ein Vergleich mit dem Phonitor von SPL wäre auch aufschlussreich.
@Unimoog jo, der ist gemäß Kazimoto’s „Das Auge hört mit“ auch lecker und dabei etwas günstiger. Und solange man sich nicht entscheiden kann, spart man ne Menge Geld ;-)
Mein SPL Phonitor fiel mir auch sogleich ein als ich den Violectric gesehen habe. Auch technisch gibt es hier diverse Parallelitäten, wenngleich der Violectric – mal wieder ! – deutlich teurer ist.
Es fällt schon deutlich auf, daß die „HiFi-Schwester“ von Lake People stets teurer ist als die Studiomarke. Im Bereich HiFi-HighEnd sitzt die Kohle halt lockerer. Deshalb gibt es bei Violectrik auch KHV für 6000 €. Und in der HiFi-Welt ist das noch lange nicht die Obergrenze. Im Hause AT ist man inzwischen ja schon bei 100.000 € angelangt.
Für einen KHV !!! 🤑
@SoundForger2000 Ich finde das SPL Design sehr gelungen. Gerade auch in der Phonitor Reihe. Welches Modell hast du?
@Unimoog Ich habe den Phonitor 2 und überlege ob der Phonitor 3 für mich Sinn macht.
SPL und Lake People sind technisch und auch vom Design her, ja sehr ähnlich und als „Made in Germany“-Firmen so mit die „letzten Mohikaner“ hier.
Habe einige Jahre HiFi-Geräte verkauft, an HiFi-Freaks die vor nichts zurückschrecken, in der Tat Haus und Familie für neue Geräte opfern, aber von Akustik keine Ahnung haben. Es ist eine Sucht, nicht mal ein Hobby, und erst recht keine Wissenschaft. Wenn diese Leute nur ein 10tel des Geldes für eine Raumakustik ausgeben würden, könnten sie mit einem 500-Euro-Soundsystem deutlich besser hören. HiFi ist heute maßlos überteuert, und auch dieser Kopfhörer-Amp hätte vor 30 Jahren keine 250,- Euro gekostet. Aber das Leben ist eine Illusion, und jeder wie er will…
@auralink 👍
@auralink …
„Halt“, rief der Boss, „du Bösewicht!
Kennst du der Regierung Order nicht?
Ist nicht das Wachstum längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch nicht konsumiert? –
Im Namen unser Stabilität,
übergib dein Geld den Händlern dieser Welt!“
Der Kunde sprach: „Nur nicht so schnell!
Erfüll du erst dein kühn‘ Versprechen,
dann werden wir nicht widersprechen.“
Und alsogleich nach dieser Kund,
Schließt seines Talerbeutels Bund
Und trotzt weil er’s nicht anerkennt,
fast arm, als fauler Konsument.