Mit nur 4 Watt in die Welt des VOX Kosmos!
- Authentischer Vox-Sound: Klingt wie eine Miniatur des legendären AC30, besonders überzeugend mit Single-Coils.
- Handverdrahtung & Verarbeitung: Sauber gebaut, hochwertige Komponenten, aber Kunststoffdetails wirken etwas billig.
- Gute Studio-Option: Ideal für Home-Recording dank dynamischer Ansprache und ausgewogener Sättigung.
- Hoher Preis: Über 1.000,- Euro für wenig Ausstattung – Sammler und Puristen werden es schätzen, andere eher nicht.
Der Vox AC4 Handwired ist ein 4-Watt-Röhrenverstärker mit handverdrahteter Technik und einem 12-Zoll-Celestion-Greenback-Speaker. Dieser kompakte Combo richtet sich an Gitarristen, die den legendären Vox-Sound in heimischer Lautstärke oder für kleinere Shows suchen.
Inhaltsverzeichnis
Ein erstes Fazit vorab
Nach intensivem Test lässt sich festhalten, dass der Vox AC4 Handwired eine durchaus gelungene Miniaturisierung des legendären AC30-Sounds ist, die allerdings ihren Preis hat. Wer bereit ist, deutlich über 1.000,- Euro für einen 4-Watt-Amp zu investieren, bekommt einen handwerklich tadellosen Combo mit authentischem Vox-Chime. Allerdings sollte man sich bezüglich des Einsatzbereichs keine Illusionen machen. Trotz des vergleichsweise großen 12-Zoll-Speakers bleibt es ein Bedroom-Amp mit gelegentlichen Club-Ambitionen. Für Home-Recording und als Zweitamp für den Proberaum eine durchaus interessante Option, als Hauptverstärker für größere Auftritte jedoch schlichtweg zu schwach auf der Brust.
Den Vox-Sound zu beschreiben, würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Neben Marshall dürfte dieser Amp das Aushängeschild für den klassisch britischen Sound sein. Insbesondere wenn es um „warme“ und „moderate“ Sounds mit Blick auf das Gain geht, hat Vox mit seinen Klassikern die Nase vorn. Wohl kaum ein Amp ist so häufig auf Plattenaufnahmen verwendet worden wie der AC30 und nur wenige Amps haben aufgrund ihrer Lautstärkeanforderungen beim Erzielen des optimalen Sounds einen FOH so regelmäßig zur Verzweiflung gebracht.
Verarbeitung und Konstruktion
Schon beim ersten Augenschein macht der AC4 Handwired deutlich, dass hier nicht am falschen Ende gespart wurde. Das in Vietnam gefertigte Gehäuse ist mit schwarzem Tolex überzogen und macht einen soliden, wenn auch nicht gerade spektakulären Eindruck. Der charakteristische Vox-Bespannstoff vor dem Speaker versprüht den gewohnten Vintage-Charme, auch wenn Griff und Lüftungsgitter in ihrer Kunststoff-Optik etwas billig anmuten. Hier hätte man bei diesem Preispunkt durchaus zu hochwertigeren Materialien greifen können.
Die Abmessungen von 416 × 243 × 474 mm und das Gewicht von 13,6 kg bewegen sich in einem noch akzeptablen Rahmen für einen 12-Zoll-Combo. Interessant ist die Entscheidung, dünnere Gehäusematerialien zu verwenden – angeblich eine Erkenntnis aus der Analyse der Vintage-Originale. Ob diese Maßnahme wirklich klangliche Verbesserungen bringt oder lediglich der Kosteneinsparung dient, sei dahingestellt.
Im Inneren präsentiert sich der Vox AC4 Handwired ordentlich handverdrahtet mit sauber verlegten Kabeln und professioneller Löttechnik. Die Röhrenbestückung mit zwei ECC83/12AX7 in der Vorstufe und einer EL84 in der Endstufe entspricht bewährter Vox-Tradition. Der verbaute Celestion G12M Greenback ist eine durchaus respektable Wahl, auch wenn mancher User vielleicht noch lieber einen Alnico Blue gesehen hätte.
Ausstattung und Bedienung
Das Bedienfeld auf der Oberseite folgt der klassischen Vox-Philosophie: Weniger ist mehr. Volume, Treble und Bass für den Top-Boost-Kanal, dazu Reverb-Level und Master-Volume – mehr braucht es nicht. Die traditionellen Chickenhead-Knobs sorgen für das authentische Look-and-Feel, allerdings hätte man bei diesem Preispunkt durchaus zu hochwertigeren Potentiometern greifen können.
Die beiden Eingänge High und Low bieten unterschiedliche Empfindlichkeitsstufen – immer noch eine bewährte Lösung, um verschiedene Gitarren und Tonabnehmer optimal anzusprechen. Der fehlende Standby-Schalter ist bei einem 4-Watt-Amp verschmerzbar, die EL84 ist ohnehin schnell betriebsbereit.
Auf der Rückseite des Vox AC4 Handwired befinden sich die Send- und Return-Buchsen für den FX-Loop samt Bypass-Schalter und Pegelumschaltung zwischen -10 dB und +4 dB. Eine durchaus sinnvolle Ausstattung, die zeigt, dass Vox auch moderne Anforderungen im Blick hatte. Im Normalfall schaltet man bei Pedalen auf -10 dB, bei 19-Zoll-Equipment auf +4 dB. Ein Gesetz gibt es diesbezüglich aber nicht – erlaubt ist, was gut klingt. Der External-Speaker-Ausgang schaltet bei Verwendung den internen Lautsprecher stumm – Standard, aber gut umgesetzt. Achtung: Immer auf die richtige Ohm-Zahl achten. Am besten ein Vintage-412er-Cabinet verwenden oder bei modernen Varianten auf den richtigen Eingang achten.
Für große Jungs gibt’s den Klassiker:
Sound und Praxistest
Der Vox AC4 Handwired klingt – auf einen Nenner gebracht – einfach nur fantastisch. Insbesondere mit allem, was Single-Coils am Start hat, schafft es der Amp, den typischen Vox-Sound von Clean über Crunch in einer Lautstärke abzurufen, die nur knapp über dem Bedroom-Amp-Level liegt.
Die Klangregelung arbeitet dabei in bewährter Vox-Manier: Die Bässe werden bei höheren Treble-Einstellungen leicht abgesenkt, umgekehrt wirkt der Bass-Regler auch auf die Höhen. Das mag zunächst gewöhnungsbedürftig erscheinen, eröffnet aber tatsächlich flexible Klangmöglichkeiten – von warm und weich bis zum charakteristischen, knackigen Vox-Attack.
Insbesondere für kleine Clubs oder im Tonstudio überzeugt der Combo aufgrund des 12-Zoll-Celestion mit einem erwachsenen Ton und steht dem Urvater nur in sehr wenigen Punkten nach. Der Greenback-Speaker klingt abgerundet und weniger drahtig als ein klassischer Alnico Blue, liefert aber durchaus schlüssige Ergebnisse, die den typischen Vox-Charakter transportieren.
Erwartungsgemäß arbeitet der Combo auch sehr gut mit externen Pedalen zusammen, sodass man bei Bedarf den Amp problemlos zu einem Lead-Gain oder High-Gain überreden kann, ohne dass der Sound – wie bei vielen anderen Amps der Low-Power-Abteilung – im Matsch versumpft.
Der eingebaute Federhall verdient besondere Erwähnung: Er klingt ausgesprochen transparent und angenehm, nimmt auch bei intensiveren Einstellungen nie zu viel Raum ein und ist hervorragend dosierbar. Lediglich ein Tremolo-Effekt fehlt für den ganz authentischen Vox-Sound der Sechziger – aber dafür gibt es ja externe Pedale.
Lautstärke und Einsatzbereich
Trotz der nur 4 Watt Leistung kann der Vox AC4 Handwired bei voll aufgedrehtem Master-Volume durchaus respektable Lautstärken erreichen. Für Bandproben wird es manchmal knapp – hier müssen sich die Mitmusiker schon zuweilen zurücknehmen. Der Sweet-Spot liegt eindeutig im Heimbereich und in kleineren Aufnahmeräumen.
Diese Eigenschaften machen den Vox AC4 Handwired auch zu einem guten Recording-Amp, wenn man keinen komplett schallisolierten Aufnahmeraum zur Verfügung hat. Die dynamische Ansprache ist ausgezeichnet – der Amp reagiert auf alle Aktionen am Instrument sehr feinfühlig. Mit einer Humbucker-bestückten Gitarre lässt er sich auch ohne Boost- oder Zerrpedale zu einem amtlichen Heavy-Crunch-Sound bewegen.
Das Sättigungsverhalten ist auch bei moderaten Lautstärken vorhanden – hier zahlt sich die niedrige Wattzahl aus. Die EL84 geht früh in die Kompression und liefert jene Endstufensättigung, die den Charme von Vollröhrenverstärkern ausmacht.
Konkurrenz und Preis-Leistung
Hier wird es unter Umständen kritisch: Mit einem Straßenpreis von über 1.000,- Euro bewegt sich der Vox AC4 Handwired in einer Liga, in der man bereits solide 15-Watt-Combos anderer Hersteller oder sogar gebrauchte AC15-Modelle der gleichen Baureihe bekommt. Die Handverdrahtung rechtfertigt sicherlich einen Aufpreis, aber die Frage bleibt, ob dieser – wenngleich unter Sammlern sehr geschätzte – Mehrwert für die meisten Anwender tatsächlich hörbar ist.
Verglichen mit der AC-Custom-Serie bietet der Handwired deutlich weniger Ausstattung bei höherem Preis. Kein Dämpfungsschalter, kein Boost-Kanal, kein Vibrato – man bezahlt hauptsächlich für die Handverdrahtung und die schicke Verpackung.
Technische Daten
- Kanäle: 1 (Top Boost)
- Leistung: 4 Watt
- Röhrenbestückung: 2× ECC83/12AX7 (Vorstufe), 1× EL84 (Endstufe)
- Lautsprecher: 1× 12″ Celestion G12M Greenback, 16 Ohm
- Regler: Volume, Treble, Bass, Reverb, Master
- Eingänge: 2× 6,3 mm Klinke (High/Low)
- Anschlüsse: FX-Loop (Send/Return), External Speaker (16 Ohm), Fußschalter
- Abmessungen: 416 × 243 × 474 mm
- Gewicht: 13,6 kg


































Fazit: Für den Zahnarzt / Rechtsanwalt, der am Wochenende seinen inneren Brian May rauslässt.
Positiv: Es wird Musik gemacht.
@chardt The inner Brain May made my day 😂