Test: Vox Valvenergy Serie, Effektpedale

23. März 2021

Warmer Röhrensound in a box - dank Vox Valvenergy

Die Nutube-Technologie von Vox hat sich zuletzt bei unserem Test des Vox Cambridge 50 absolut bewährt. Während viele immer noch von der Kemper-Technologie reden, die neuesten Boss-Multieffektpedale diskutieren oder sehnsüchtig darauf warten, dass es Fractal Audio endlich mit ihrer Axe FX Serie auf den europäischen Markt schaffen, haben Vox mal einfach so mit der Nutube-Röhre den vielleicht natürlichsten, saturierten Preamp-Sound geschaffen, den man im kompakten Format kriegen kann.

Die Valvenergy-Pedale befinden sich nun auch endlich bei uns in der Redaktion. Hat ein bisschen gedauert – dafür Asche auf unser Haupt. Die gesamte Reihe liegt uns vor: Das Mystic Edge, das Silk Drive, das Copperhead Drive sowie das Cutting Edge: vier Pedale, vier Preamp-, Overdrive- und Distortion-Kisten mit unterscheidbarem Charakter. Wo liegen die Unterschiede und welches Valvenergy-Pedal ist das richtige für dich? Ein Stück weit hat man hier also die Qual der Wahl, da ist es wichtig, die Unterschiede in aller Ruhe rauszuarbeiten und zu demonstrieren – wir haben’s versucht.

Vox Valvenergy Series – Facts, Anschlüsse, Features

Die Valvenergy-Pedale sind im Prinzip alle gleich aufgebaut – sie sitzen in einem hervorragend verarbeiteten Gehäuse aus Metall, arbeiten mit 95 mA und 9 bis 15 Volt und kommen mit den Maßen 65 x 55 x 120 im denkbar typischsten Stompbox-Format daher. Alle Pedale besitzen auch den zentralen Kniff mit den drei Betriebsmodi. Die Valvenergy zeichnet sich durch diese drei Fähigkeiten aus:

  • STD: Das Pedal wird hier quasi vor dem Amp gefahren als Vorschalteffekt – klassisches Verzerrer-Pedal Format.
  • CAB: Das Pedal fungiert als digitaler Verstärker für eure DAW oder die PA – der Zerrsound wird mithilfe einer Cab-Simulation rausgegeben.
  • PRE: Das Pedal kann als Preamp in euren FX-Loop gespeist werden und das angefeuerte Signal an die Endstufe rausgeben.

Zwei der vier Pedale lassen sich über einen Stereo-Link synchronisieren – das heißt, ihr könnt euch hier eine schöne schaltbare Signalkette für Verzerrung und Vorstufe basteln. Da hat Vox sich also ordentlich was dabei gedacht: Hier handelt es sich eher um Komplementärprodukte, nicht Ausschlusskandidaten. Alle vier Valvenergy Pedale von Vox kommen darüber hinaus mit einem reduzierten, aber stylischen Display aus, das euch anzeigt, was in Sachen Anschlagsdynamik und Verzerrung passiert. Was gibt’s noch? Buffered-Bypass, Anschlüsse sowohl auf Stirn- als auch Nebenseite und ein dreibändiger EQ. Die Pedale besitzen einen Bass-, Treble- sowie beispielsweise Tonecut-Regler, einen Gain-Regler sowie einen für das Master-Volume. Die Variationen am EQ und den Bedienelementen des Panels sind nicht groß – trotzdem sind sie da. Schauen wir uns die Vox Valvenergy Pedale mal im Detail an und spielen sie mit einer Godin HSS Strat und dem REVV G20 durch.

Vox Valvenergy – Mystic Edge Preamp Pedal

Der Mystic Edge ist im Grunde der Vox AC30 in einer Box – vereinfacht ausgedrückt. Der charakteristische Tonecut-Regler nimmt im EQ die Stelle der Mitten ein, rote, stilvolle Optik, ist das Pedal ähnlich seinem Vorbild vor allem gekennzeichnet durch seine Fähigkeit, einen warmen Crunch-Sound hervorzubringen. Ein Kippschalter für Bright erhöht die Brillanz der Höhen.

Zunächst speisen wir das Mystic Edge direkt in die DAW und aktivieren die dazugehörige Cab-Simulation. Was rauskommt, kann sich hören lassen. Es fand hier keinerlei Nachbearbeitung statt – der saturierte, warme Vox Crunch kommt durch – gute Mittenbetonung, eine Höhenlastigkeit, die ein bisschen ausreißt, wenn man den Bright Schalter aktiviert. Trotzdem: Für eine singuläre, integrierte Cab im Stompbox Format klingt das über alle Maße annehmbar.

Nun schalten wir das Mystic Edge vor den Revv G20 – erwartungsgemäß, da auch hier mit den Two Notes Cab Sounds gearbeitet wird, kein meilenweiter Unterschied zu der Valvenergy Cab – was wiederum für die Qualität des Cabinet-Modus spricht.

Nun schleifen wir das Mystic Edge in den FX-Loop des Revv G20 ein – und heizen die Röhren einmal im cleanen und einmal im angezerrten Kanal des Revv an. Tatsächlich wird hier die Höhenlastigkeit zu viel, wenn der Bright-Kippschalter aktiv ist. Im regulären Modus gibt das Mystic Edge der Endstufe jedoch einen warmen, saturierten Punch.

Vox Nutube Pedal – Silk Drive Boost Pedal

Das Silk Drive lässt sich am ehesten als transparenter Boost beschreiben, der dem Sound eine stimmige Brillanz geben soll, ähnlich amerikanischer Boutique-Amps. High-Gain ist also auch hier nicht, viel mehr Dumble Sound – wobei das natürlich weiter hergeholt ist, da man gewöhnlich für Mr. Dumble Amps ein kleines Vermögen ausgeben muss und der Dumble Sound stark variiert von Amp zu Amp. Auch hier wieder am Start: der Bright-Kippschalter.

Das meiner Meinung nach klanglich stärkste Pedal aus der Valvenergy-Serie besticht durch eine klare Brillanz, die vor allem in der Vorschaltung gut funktioniert. Ein angemessenes Low-End schiebt sich unter die Höhen und Mitten, während alles nichtsdestotrotz ziemlich transparent bleibt und den Frequenzrahmen schön gleichmäßig nach vorne schiebt.

Die integrierte Cab zeigt auch hier – Vox‘ Konzept geht beim Silk Drive auf. Doch aufpassen muss man: In den höheren Gain-Regionen wird die Cab-Sim schnell kratzig. Da klingt das in den Amp gefüttert schon definitiv besser.

Im FX-Loop lassen sich die Höhen des Clean -hannels ganz formidabel anschieben. Das macht Laune und funktioniert mit den Singlecoils ganz prächtig. Den dunklen Gain-Channel des Revv G20 jedoch geht der Vox Valvenergy Silk Drive ein bisschen seltsam an – die Mitten werden ein bisschen dumpf, dafür ist der untere Frequenzrahmen aufgeräumt und drückt ohne Ende.

Vox Verzerrerpedal – Cutting Edge High-Gain Pedal

Vox steht nicht unbedingt für High-Gain-Sounds, tatsächlich hat uns aber der Test des Cambridge 50 gezeigt, dass die Nutube Röhrchen ordentlich fauchen können. Das Cutting Edge ist ein Verzerrer-Tool, das vor allem im FX-Loop für einen ordentlichen Sättigungssound eurer Endstufe sorgen kann. Von allen Valvenergy-Pedalen hat das Vox Cutting Edge die meisten Gain-Reserven.

High-Gain ist nicht unbedingt Vox‘ Spezialgebiet. Nichtsdestotrotz macht das Cutting Edge insgesamt eine mäßig gute Figur. Der Equalizer arbeitet vergleichsweise gut, im zweiten Beispiel zeigt der Tight-Regler, dass er sich für das Herausarbeiten von Stakkato-Rhythmen gut eignet.

Hier gibt es einen ziemlich brutalen Qualitätseinbruch – die Cab-Sim klingt beim Cutting Edge ziemlich unterirdisch. Ist die auch wirklich drinnen? Man vergewissert sich und ja, tatsächlich: Die Cab-Simulation des Cutting Edge klingt kratzig, starr, unnatürlich. Der Gain ist ziemlich weit hochgedreht, trotzdem, das sollte anders klingen.

Im FX-Loop des Revv G20 kreischt das Cutting Edge nur so rum: Wirklich Profil gibt es dem Sound nicht, dafür heizt es die Röhren ordentlich an und gibt ihnen diesen brutzelnden, heißgelaufenen Sound, der durchaus Spaß machen kann.

Vox Valvenergy – Copperhead Drive

Das „Overdrive“ unter den Valvenergy-Pedalen: Hier bekommt man den britischen Plexi-Sound im Stompbox-Formt geliefert. Bright-Kippschalter, dreibändiger EQ, Volume und Gain: Auch das Copperhead Drive hält sich an die Valvenergy-Formel und dürfte von allen Kandidaten der Serie am ehesten einen klassischen, brauchbaren Rocksound hervorbringen – vor allem in der Vorschaltung.

Das Copperhead verspricht Marshall-Sounds und hält dieses Versprechen bis zu einem gewissen Grad. In der Vorschaltung macht das Pedal einen guten Eindruck – saturiert, warm, mit dem typisch britischen Biss. Vor allem die Mitten gehen hier also nach vorne, der Rest klingt aufgeräumt, kompakt, fast komprimiert.

Beim FX-Loop zeigt sich ein durchwachsenes Bild: Der Mitten-Push presst den Sound nur so hindurch, das gilt für beide Channels. Auffällig ist auch, wie seltsam die Zerr-Reserven sich auf die Röhren übertragen, wie das dritte Beispiel zeigt – man hat das Gefühl, dass da ein Teil von auf der Strecke bleibt, während sich phasentechnisch da was tut.

Ähnlich dem Cutting Edge klingt auch hier die Cab-Simulation ungemein kratzig und unnatürlich – insofern verwunderlich, weil beim Mystic Edge und dem Silk Drive die Cab-Sims ihren Job verlässlich erledigen. Aber im Falle der High-Gain-Valvenergy Pedale haben wir es mit einem sehr durchwachsenen Klangbild zu tun, das an Mooers Tiefpunkte erinnert.

Fazit

Das Mystic Edge fährt einen warmen, saturierten Vox AC30 Sound mit moderaten Gain-Reserven, der mit einer zufriedenstellenden Cab-Simulation und dynamischer Ansprache besticht und am besten funktioniert, wenn man ihn vor den Amp schaltet.

Das Silk Drive ist am stärksten unter den Valvenergy, funktioniert auch am besten vor dem Amp und besticht als transparenter Overdrive mit einem edlen, nach vorne drückenden Sound, der hervorragend mit Singlecoils harmoniert.

Das Cutting Edge kann im FX-Loop des Amps ordentlich anheizen, doch kann die Cab-Simulation des Pedals die hohen Gain-Reserven kaum handhaben und speist ein sehr unnatürliches, kratziges Klangbild in die DAW.

Das Copperhead Drive arbeitet auch am besten im Vorstufen-Modus, besitzt eine unausgegorene Cab-Simulation, kann aber, sofern eingeschleift, dem Zerrkanal eines Amps angemessen Kontur verleihen.

Insgesamt also eine durchwachsene Angelegenheit. Die Höhepunkte der Valvenergy Serie sind der glaubhafte, warme Vox AC30 Sound des Mystic Edge sowie das vielseitig einsetzbare Silk Drive, während das Copperhead und das Cutting Edge zeigen, wo die Einschränkungen der Nutube-Technologie auf so engem Stompbox-Raum liegen.

Preis

  • je 189,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    Ich persönlich kann der Pseudo-Röhre ‚NuTube‘ nix abgewinnen, aber ergibt es nicht Sinn, wenn man bei dem Vergleich nicht gleiche Soundbeispiele benutzt anstatt jedes mal etwas koplett anderes zu spielen?
    Mit einem Looper funktioniert das ganz hervoragend: Einmal ein paar Licks und Chords einspielen und man hat für alle Pedale gleiche Soundbeispiele. So erkennt der geneigte Zuhörer und Interessent gleich, welche Klangfarbe ihm gefällt.
    Nur so eine Idee…

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo Harrymudd

      Ein unmittelbarer Vergleich mit gleichen Soundbeispielen wäre bei den vieren nicht zielführend gewesen. Sie sind sehr distinkt, also habe ich den einzelnen Pedalen mit unterschiedlichen Parts zugearbeitet, um ihren Charakter hervorzuheben.

      • Profilbild
        harrymudd  AHU

        ich denke doch – die Zerrpedale sind doch sehr vielseitig verwendbar und um deren klangliche Besonderheiten klar herauszustellen, hätte ein gleicher Input helfen können.
        Z. B. beim Lautsprecherkauf hört man die Boxen auch mit dem gleichen Input an, um zu entscheiden welche Klangfarbe gefällt.
        Abe so ist das nix…IMHO

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