Klang hervorragend, Schwachstellen bei der Bedienung
Waldorf Blofeld für iPad ist ein subtraktiver, polyphoner Wavetable-Synthesizer mit AUv3-Kompatibilität, den es neben einer Hardware- und Desktop-Variante nun auch für das Apple iPad gibt – das iPhone bleibt jedoch außen vor.
Kurz & knapp
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- Klang: Typischer Waldorf-Sound mit breitem Spektrum.
- Bedienung: Auf dem iPad trotz Pencil sehr fummelig.
- Presets: Verwaltung und Multimode-Nutzung umständlich.
- Arpeggiator: Nur mit Mühe exakt steuerbar.
- Single-Modus: Alle Presets nur im Single-Modus enthalten.
Inhaltsverzeichnis
Waldorf Blofeld Plug-in für iOS
Das Desktop-Plug-in, das von AMAZONA.de bereits getestet wurde, wie auch die App, ist dabei eine 1:1-Umsetzung der Hardware und kann sogar zur Steuerung derselben eingesetzt werden. Zudem bietet der Blofeld die Oszillatormodelle aus der Q-Serie sowie aus dem Microwave II/XT/Xtk und dem PPG. Über die Entwicklungsgeschichte von Waldorf – PPG, Q/microQ, über Largo hin zum Blofeld – und den veränderten Feature-Satz wurde bereits anderweitig (u. a. auch von mir) berichtet und muss hier nicht erneut aufgerollt werden.
Das Betriebssystem der Hardware ist dank des grafikfähigen Displays schon sehr fein bedienbar, doch wenn alles so komplett offen vor einem liegt, wirkt die Klangerzeugung des Blofeld überraschend simplizistisch – selbst für mich als langjährigen Eigentümer eines MicroQ.
Drei Oszillatoren mit Mixer, zwei Filter, vier Hüllkurven, drei LFOs und zwei Effekte – das war’s. Das wird jedoch durch die fantastische Modulationsmatrix mehr als ausgeglichen. Wer Waldorf verstehen will, muss erkennen, dass die Matrix die eigentliche Magie ist. Der kräftige Grundklang ist nur die Zutat – die 16-fache Matrix mit ihren vier mathematischen Operatoren-Slots ist die Sauce, die alles zusammenbringt.
Die Matrix unter den Operatoren spiegelt im Übrigen sämtliche Modulationseinstellungen wider, die auf der Synth-Seite zu finden sind – nur in einer übersichtlicheren Form.
Auf dem iPad Pro mit M2 beansprucht das Waldorf Blofeld Plug-in bei einer Stimme ca. 14 % DSP-Leistung unter AUM (48 kHz). Im Multimode-Modus kann der Leistungsbedarf jedoch auf über 90 % steigen.
Multimode und AUv3-Multi-Out
Die Möglichkeit, bis zu 16 unterschiedliche Presets gleichzeitig spielen und diese auch auf eigenen Audiobussen an die DAW weiterreichen zu können, ist ja schon toll. Leider hat Waldorf das Unterfangen so kompliziert wie möglich gemacht. Da bisher (V1.0.5) ausnahmslos alle Soundpresets im Single-Modus abgespeichert sind, muss jedes einzelne Preset erst mit aktiviertem Multimode erneut abgespeichert werden, bevor es dann auf der Multimode-Seite einem Kanal zugewiesen werden kann. Lädt man aus Versehen ein Single-Mode-Preset, wird der Multimodus automatisch nicht nur deaktiviert, sondern auch zurückgesetzt, da der Status im Preset gespeichert ist. Da ist es fast schon konsequent, dass kein einziges Multimode-Preset enthalten ist.
Preset Browser – Hardware-Vorbelastung
Ähnlich unbequem ist auch der Sound-Browser, der zwar alles bietet – die Presets können nach Namen, Gruppe und Autor durchsucht werden und eigene Einträge bei den Feldern „Autor“ und „Gruppe“ lassen sich per Doppeltippen auf den Namen ändern – aber für die Bedienung der Waldorf-Blofeld-Verwaltung fällt mir nur der Begriff „schwerfällig“ ein. Auch die Zuweisung der Samples auf die Oszillatoren bildet da keine Ausnahme. Es lassen sich nicht einfach Samples laden, sondern es muss erst ein Template erstellt, dann die Samples in das Template geladen und anschließend in die OSC-Modelle kopiert werden.
Ich sehe ja, dass Waldorf auch hier größtmögliche Nähe zur Hardware wahren will – auch wenn nur 0,001 % aller Software-User etwas davon haben. Doch wie die Presets in der Software erstellt und verwaltet werden, hätte deutlich komfortabler und direkter gelöst werden können – und dann beim Preset-Export entsprechend formatiert, ohne die Hardware-Kompatibilität zu gefährden.
Bedienung – Pixelgenauigkeit
Es ist also nicht nur so, dass die App eine 1:1-Umsetzung des Desktop-Plug-ins ist – sie wurde anscheinend auch ausschließlich für Keyboard- und Mausbedienung konzipiert. Das merkt man hier leider allzu deutlich: So hervorragend das bei der Vorgänger-App, dem Microwave 1, funktioniert hat, so wenig funktioniert die Umsetzung hier. Ich würde sogar so weit gehen festzustellen, dass die App ohne Apple Pencil nur äußerst unkomfortabel zu bedienen ist – und ich spreche hier von einem 12,9”-iPad Pro im Standalone-Modus. Von einem skalierten AUv3-Plug-in oder einem 10”-iPad will ich da erst gar nicht anfangen.
Das wird am Beispiel des Arpeggiators besonders deutlich. Dieser besteht aus 16 Step-Blöcken, die einem Raster zugeordnet sind. Das Raster unterteilt sich zusätzlich in einen „positiven“ und einen „negativen“ Wertebereich für die Parameter Schrittlänge, Accent und Timing.
Die Schrittlänge wird im positiven Raster durch direktes Anfassen des Steps und Ziehen auf horizontaler Linie eingestellt. Soweit, so gut. Wenn man versehentlich zu weit nach links zieht, springt der Step jedoch auf „legato“ – was leider genauso aussieht wie eine Step-Länge von +3 – was das Einstellen kurzer Schrittlängen erschwert. Bug oder Feature?
Das Timing wird im negativen Raster unterhalb des Schritts durch horizontales Halten und Ziehen nach links oder rechts eingestellt.
Der Accent wird schließlich eingestellt, indem man an der pixelgenauen 2/3-Position des Rasterabschnitts, zu dem der Step gehört – nicht am Step selbst –, im positiven Raster eine vertikale Bewegung zeichnet. Das ist zwar insofern sinnvoll, als ein Step durch das Timing auch außerhalb seines Rasterabschnitts liegen kann, aber es fühlt sich einfach merkwürdig an, auf einem Touchscreen nicht das sichtbare Grafikelement anzufassen, sondern eine unsichtbare „Stellvertreterzone“.
Selbst mit dem Apple Pencil ist es eine Fummelarbeit, hier eine Sequenz einzustellen. Mit dem Finger – und ich würde jetzt nicht behaupten, besonders große Hände zu haben – ist es nahezu unmöglich, hier exakt und flüssig zu arbeiten.
Hier wie auch im gesamten Bedienungsdesign des Waldorf-Blofeld-Plug-ins wird deutlich, dass man ausschließlich die Mausbedienung im Auge hatte.
Es kann zwar ein User-Pattern abgelegt werden, das mit dem Sound abgespeichert wird – doch wechselt man das Sound-Preset, ist das Pattern weg. Auch hier ist Waldorf den kurzen Weg gegangen.
Im Kontrast dazu lassen sich Filter, Hüllkurven und LFOs wieder komfortabel direkt an den Kurven bzw. Wellenformen einstellen – und auch die Bedienung der Matrix ist übersichtlich und fingerfreundlich.









































Seh ich genauso, wie der Autor des Testberichts. Bei mir ist der Blofeld am iPad mittlerweile zur reinen Presetschleuder degradiert worden. Soundschrauben? Vergiss es! Da waren meine Erwartungen wieder mal zu hoch. Und Software und Waldorf gehen für mich schon lange nicht mehr richtig zusammen …
@fitzgeraldo Wahrscheinlich würde das gut funktionieren, wenn es die Möglichkeit gäbe, einfach alle an der Hardware im Studio erstellten Sounds in eine App zu laden, um sie dann auf der Bühne zu nutzen. Das iPad gehört bei vielen Musikern längst als Klangerzeuger auf der Bühne fest zum Setup. Da wird dann auch nichts geschraubt. So könnte man seine Synths einfach im Studio lassen.
Musik auf dem iPad? Um eine Idee unterwegs festzuhalten vielleicht. Ansonsten gehören für mich die virtuellen Instrumente in die DAW im Studio.
@Mixit Ja. Musik auf dem iPad. Nicht für jeden vorstellbar – für mich funktioniert es sehr gut.
@fitzgeraldo Dito. Ein iPad im Studioverbund ist kein Unterschied zu einem externen Synth. In einigen Dingen besser als das Hardwareinstrument.
Ich habe das Plugin mit der Hardware verglichen. Obwohl die Sounds gleich benannt sind und sich sehr ähnlich anhören, besitzt die Hardware deutlich mehr Tiefe. Das ist unüberhörbar. Die Software klingt für mich viel zu glattgebügelt. Schade.