Lohnt sich das Update?
Letztes Jahr hat Waldorf mit dem Microwave 1 Plug-in überrascht, einer detailgetreuen Emulation des legendären Waldorf Wavetable-Synthesizers mit analogen Filtern und dem markanten roten Data-Wheel im Axel Hartmann Design. Besonders gelungen war auch die Möglichkeit, die originale Hardware über das Plug-in fernzusteuern und sogar Patches auszutauschen. Das Plug-in kommt der Hardware klanglich extrem nahe. Gleichzeitig bietet es den Vorteil einer deutlich überlegenen Bedienung samt Integration in die DAW. Nun legt der Hersteller mit dem Waldorf Microwave 1 V2 Software Synthesizer Plug-in nach.
Was ist es? Waldorf Microwave 1 V2 Plug-in, Software-Synthesizer, detailgetreue Emulation des legendären Microwave 1 mit authentischem Wavetable-Sound und erweiterten Software-Funktionen.
- Neue Features: Virtuelle Voice-Cards erweitern die Polyphonie auf bis zu 32 Stimmen und sorgen für variableres Vintage-Verhalten.
- Arpeggiator: Polyphoner Arpeggiator pro Multi-Part mit neuen Trigger-Modi aus dem Iridium MK II übernommen.
- Effekte: Deutlich erweiterte Effektsektion mit Delay, Diffusor, Tremolo, Filter und Pitch-Shifter.
- Klang: Authentische Emulation inklusive ASIC- und DAC-Modellierung mit Klangcharakter auf Hardware-Niveau.
- Fazit: Sinnvolles Update für V1-Besitzer und ein überzeugender Software-Synthesizer für Fans klassischer Waldorf-Hardware.
Inhaltsverzeichnis
Waldorf Microwave 1 V2 Plug-in
Nur knapp zehn Monate später hat Waldorf nun mit Waldorf Microwave 1 V2 die Version 2 des Plug-ins veröffentlicht, die einige Verbesserungen und vor allem neue Features mitbringt. Dazu gehören virtuelle „Voice Cards“, mittels derer sich die ursprünglich originalgetreue Polyphonie von 8 auf bis zu 32 Stimmen erhöhen lässt. Hinzu kommen Mikro-Timing-Variationen sowie Round-Robin- und Random-Robin-Multimodes für ein lebendigeres Klang- und Vintage-Verhalten. Vom Iridium MK II wurde der polyphone Arpeggiator pro Part übernommen. Ebenfalls neu ist ein kreativer Delay-Effekt mit Filter, Tremolo, Diffusion und Pitch-Shifting.
Den umfangreichen Testbericht des Microwave 1 V1 Plug-ins findet ihr hier. In diesem Testbericht werden die Neuerungen des Updates beschrieben. Auch die Klangbeispiele wurden ausschließlich mit den neuen Preset-Bänken erstellt.
Installation und Freischaltung
Nach dem Kauf des Waldorf Microwave 1 V2 erscheint das Plug-in im Waldorf-Account. Es kann für macOS und Windows in den Formaten VST, VST3 und AAX heruntergeladen werden. Exklusiv für macOS ist der Microwave 1 V2 zusätzlich als AU-Version erhältlich.
Nach dem ersten Start muss das Plug-in mit dem mitgelieferten Product-Key freigeschaltet werden. Das war es auch schon. Eine weitere Online-Pflicht besteht nicht.
Technische Eckdaten
Das Herzstück des Waldorf Microwave 1 V2 Plug-ins ist die Emulation des in der Hardware verwendeten ASIC-Chips, der mit einer internen Sampling-Frequenz von 250 kHz arbeitet. Ebenso wichtig ist die Modellierung der DACs und der Filterchips beider Hardware-Generationen des Microwave 1. Waldorf ist dies sehr gut gelungen. Im Vergleich mit der Hardware klingt das Plug-in authentisch. Sogar der für den Klangcharakter des Microwave 1 wesentliche ASIC-Overflow-Bug des Digitalmixers wurde berücksichtigt. Alle Wavetables des Microwave 1 wurden bitgenau in das Plug-in übertragen, samt dem charakteristischen Klangverhalten der 8-Bit-Quantisierung und dem daraus resultierenden Aliasing.

Der Main Screen des Microwave 1 V2 Plug-ins mit dem charakteristischen roten Dial-Wheel im Axel Hartmann Design
Ebenso detailliert wurde die Modulationssektion, basierend auf dem Originalcode des im Microwave 1 verbauten Motorola-68k-Prozessors, nachgebildet. Das Plug-in verhält sich wie das Original. Schließlich können auch Patches zwischen Hard- und Software ausgetauscht werden. Das Fazit des Testberichtes des Microwave 1 V1 Plug-ins lautete daher auch, dass es die Hardware in modernen Produktionsumgebungen ersetzen kann.
Virtuelle Voice-Cards und Multi-Mode
Kommen wir nun zu den Neuerungen in Version 2. In der Polyphonie-Sektion kann die Polyphonie des Plug-ins durch das Hinzufügen virtueller Voice-Cards mit je acht Stimmen auf bis zu 32 Stimmen erweitert werden. Die Auslastung dieser virtuellen Voice-Cards wird in einer Echtzeitgrafik dargestellt. Das Konzept der Voice-Cards ist clever, da jeder virtuellen Karte ein eigenes Verhalten bezüglich Mikro-Timing-Schwankungen und Tuning zugewiesen werden kann.
Spannend ist auch, dass in der Multi-Parameter-Sektion neue Trigger-Modi hinzugekommen sind, die man eher aus gigabytegroßen Sample-Librarys kennt.
Bis zu acht Patches lassen sich über die gesamte Tastatur verteilen und abspielen. Round-Robin und Random-Robin erlauben es, alle aktiven Multi-Instrumente nacheinander oder nach dem Zufallsprinzip anzutriggern.
Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, jedem Multi-Instrument einen eigenen Arpeggiator zuzuweisen. Bisher war dies nur global möglich. Außerdem verfügt in Version 2 jedes Multi-Instrument über einen eigenen Effekt-Send-Regler, mit dem sich der Signalanteil für die integrierten Effekte pro Multi-Instrument einstellen lässt.
Wenn ich noch „Wünsch dir was“ spielen könnte: Trotz des Effekt-Sends für jeden Part wäre zusätzlich die Möglichkeit wünschenswert, jeden Part auf einen eigenen Multi-Out zu routen, um ihn in der DAW getrennt bearbeiten zu können. Zumindest in Cubase ist mir das nicht gelungen. Das Waldorf Microwave 1 V2 Plug-in stellt dort nur einen Stereo-Ausgang zur Verfügung.
Polyphoner Arpeggiator
Auch beim Arpeggiator gibt es ein Update. Wie bereits beschrieben, kann jedem Multi-Part ein eigener Arpeggiator zugewiesen werden und der Arpeggiator lässt sich nun auch polyphon triggern. Es stehen die Modi Follow, Skip, Trans, Trans Skip, Trans Skip-Below und Lag zur Verfügung.
Da die Beschreibung der Funktionen in der Anleitung eher minimalistisch ausfällt, habe ich ein und denselben Akkord mit einem neutralen Sägezahn-Sound durch alle polyphonen Modi abspielen lassen. So lassen sich die Muster und das jeweilige Verhalten gut nachvollziehen.
Musikalisch ist der polyphone Arpeggiator ein Gewinn. Es war eine gute Entscheidung von Waldorf, diese Funktion auch in das Microwave 1 V2 Plug-in zu übernehmen.

Die getriggerten Noten des polyphonen Arpeggiators werden im durchlaufenden Playing-Fenster visualisiert
Effekte
Neu hinzugekommen ist ein Effekt mit einer Kombination aus Delay, EQ, Tremolo, Diffusor und Pitch-Shifter.
Das Delay verfügt über die Modi Ping-Pong, Swing und Repeat. Die Delay-Zeit lässt sich zum Songtempo synchronisieren. Mittels der Freeze-Funktion lässt sich ein Endlos-Loop erzeugen. Mit L/R Diff können die Delay-Zeiten beider Kanäle leicht moduliert werden, wodurch der Sound weniger statisch wirkt.
Ergänzend kann dem Delay ein Diffusor für Shimmer-Effekte hinzugefügt werden. Ein zusätzliches Filter mit LFO-Modulation sorgt für Wah-Wah-Effekte. Abschließend kann noch ein Tremolo hinzugeschaltet werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Effektsektion wurde deutlich aufgewertet und das Ganze klingt amtlich.

Der neue Delay-Effekt im Waldorf Microwave 1 V2 mit Diffusor, EQ, Filter und Tremolo – hier nicht alles aktiv
Was ist sonst noch neu?
Ein hilfreiches Tool ist der Spektrum-Analyzer sowie das mit dem Analyzer verknüpfte Voice-Card-Meter, das die verwendeten Stimmen pro Voice-Card anzeigt – ganz wie in der vielfach teureren Iridium-Hardware.
Neu ist außerdem die Möglichkeit, die Arpeggiator- und Effekteinstellungen beim Preset-Wechsel beizubehalten.
Zusammenfassung
Das kostenpflichtige V2-Update des Waldorf Microwave 1 Plug-ins bringt Features, die bislang der Waldorf-Hardware wie Iridium oder Protein vorbehalten waren, in die Welt der Plug-ins. Das ist ein konsequenter und logischer Schritt.
Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Update zwar kein Schnäppchen, gemessen am Zugewinn durch die virtuellen Voice-Cards, den polyphonen Arpeggiator und die neuen Effekte geht der Preis jedoch in Ordnung.
Für Besitzer einer Lizenz des Microwave 1 V1 Plug-ins ist das Update daher eine Empfehlung. Für alle, die das Microwave 1 Plug-in noch nicht im VST-Ordner haben, ist es ein weiteres Argument, ein Stück Synthesizergeschichte maximal authentisch in die eigene Produktion zu integrieren.


































Für mich ist es oft etwas unverständlich, wieso PlugIns einen Multimode haben sollen. Statt dessen einfach mehrere Instanzen zu verwenden bringt fast nur Vorteile. Dann ist auch die Forderung nach Multi Outs obsolet. Die finde ich für Drum Apps gut, aber dort gibt es ja auch keinen Multimode, sondern die Tonhöhe entscheidet welcher Klang verwendet wird.
Fehlendes Multi Out würde ich nicht zu den Negativpunkten zählen.
@Tai Ein Multimode ist z.B. wichtig, wenn du Layer und Split Sounds bauen und speichern möchtest. Auch für Live-Anwendungen ist er wichtig. Natürlich würde das auch mit zwei Instanzen und über DAW Features gehen, ist aber umständlicher und vor allem dann bei jeder Software anders.
@Tai Hi Tai,
die Antwort 1:
Layer, Layer, Layer, …
Schon in der Original Hardware gab es wunderbar gelayerte Presets, die für mich auch eine riesige Entdeckung waren. Die einzelne Voice vom Microwave 1 mag gegenüber modernen komplexen Synthie Schlachtschiffen als recht einfach erscheinen, aber über das Layering kannst Du klanglich unheimlich viel machen, und oft sogar viel einfacher als einen komplexen Synthi zu programmieren.
Und Antwort 2:
Round Robin Modes
Das abwechselnd Triggern von den einzelnen Instrumenten ist eine echte Bereicherung. Nicht nur bei den verschiedenen Arpeggiator Modes, sondern auch beim Live Spielen. Einfach mal ausprobieren.
Die klassischen MIDI Channel und Noten Splits kannst Du tatsächlich durch mehrere Instanzen auch realisieren. Aber die oben genannten Sachen nicht oder nur umständlich.
LG
Rolf
Mein Problem: Das Plugin gibt es auch für das iPad und da kostet es wie so oft im Vergleich zwischen App und VSTi nur einen Bruchteil davon.
Beides macht das gleiche aber die Version für die DAW soll mitunter das 10 fache kosten? Das sehe ich einfach nicht ein. Ich fühle mich jedenfalls immer verarscht wenn ich Programme sehe, die auf dem Computer wesentlich mehr kosten sollen als für Tablets und Smartphones obwohl sie praktisch identisch sind.
@ollo aus der Hose heraus, das hat glaube ich was mit den Lizenzen zu tun, die gekauft werden müssen.
@ollo Ich habe die IPad Version.
So ganz identisch scheinen die nicht zu sein. die IPad Version ist die 1.3 aktuell
Zum Preis da gebe ich Dir recht. Deshalb habe ich die erworben. Weils halt günstiger ist.
Ich frage mich immer noch wie das mit der AuV3 Unterstützung gehen soll.
In meinem Ableton Live erscheint kein PlugIn.
@MPC-User Ich glaube, ich habe mich beim letzten Mal, als wir uns darüber unterhalten haben, etwas undeutlich ausgedrückt. Auv3 KANN in der DAW angewählt werden, wenn der Hersteller es erlaubt. Es ist eine Option. Hier ist es nicht erlaubt.
Kauf mal Moogs Mini, Animoog, oder Model 15 auf dem iPad (alle drei lohnen sich absolut). Die kannst du danach in Live genauso spielen, ohne zusätzlich Geld hinzulegen. Bei Moogs Marian geht das nicht. Da haben sie entschieden, dass die Version für Mac und iPad separat gekauft werden muss. Ich habe etwa ein halbes Dutzend iPad Apps, die sofort auch auf Mac laufen.
Aber verbinde doch dein iPad über USB mit dem Mac, melde das iPad in Audio-MIDI-Konfiguration als Instrument an. Dann kannst du in Live den Microwave auf dem iPad spielen. Sowohl MIDI, als auch Audio werden über das USB Kabel übertragen. Hat dein iPad noch kein USB C, nimm das Lightning Kabel vom Ladegerät und stecke das andere Ende in den Rechner. Geht genau so.
@Tai Ok alles klar jetzt habe ich es verstanden.
Danke Dir🙂
@ollo Historisch ist auf dem iPad Markt ein leider deutlich zu niedriges Preis Niveau. Wir können dies zu diesem Preis alleine so nicht betreiben. Dass wir überhaupt eine iPad Version noch anbieten ist u.a. meiner Vergangenheit dort zu verdanken, wo ich eine Verbundenheit hin habe. Wir können das auch einstellen, wenn Euch das lieber ist. Aber wir finden das iPad einfach gut.
Jemand, der in einer DAW auf einem PC/Mac arbeitet, sollte sich auf jeden Fall das Plugin zulegen.
Waldorf gibt es seit 37 Jahren. Wenn ihr mitmacht, mache ich die 50 voll. Wir werden sehen, aber wir geben uns Mühe, euch immer wieder interessante Produkte aufzubieten.
LG
Rolf
@temporubato Ich habe eure iPad Apps gekauft, Rolf und finde es prima, dass ihr die auch anbietet. Du wirst sicher verstehen, dass die Diskrepanz im Preis nicht jeder versteht. Ich habe schon mal darüber sinniert, ob es nicht auch eine Option wäre, das teurere Modell Mac anzubieten und damit die iOS Version mitzuliefern. Dann sind die höheren Preise gültig, es wäre ein Zwischenweg. Ich selbst beginne neue Stücke oft auf dem iPad, beende sie dann auf dem Mac.
@temporubato Machst du einen niedrigen Preis, ist es zu billig und kann keine gute Qualität haben. Nimmst du einen angemessenen Preis, bist du zu teuer. Wir leben in einer verrückten Welt.
@temporubato Bitte bietet weiterhin eine günstige iPad-Version an, da dies einerseits die Flexibilität der Einsatzmöglichkeiten erhöht und andererseits auch die Preisschwelle des Ausprobierens/Einstiegs senkt.
Ich habe mittlerweile soweit verfügbar jeweils beide Versionen erworben, aber ich kann mir dieses Hobby mittlerweile auch besser leisten als in jungen Jahren. Eine günstige iPad-Version bringt Euch mittelfristig evtl. auch mehr Verkäufe bei den anderen Lizenzen. Vor allem aber wachsen hoffentlich weitere Waldorf-Fans heran. 🙂