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Test: Waldorf nw1, Eurorack-Wavetable-Modul

Ist „Gate“ eingestellt, beginnt ein zyklischer Durchlauf, sobald ein Gate-Signal anliegt und wird beendet, sobald kein Gate-Signal mehr anliegt. Bei erneuter Gate-Information wird der zyklische Durchlauf wieder von Anfang an gestartet. Natürlich kommt auch hier der Offset durch „Position“ und die Geschwindigkeit durch „Travel“ zum tragen.
In der Einstellung „Step“ wird bei jedem Gate-Signal ein einzelnes Segment der Wellenform durchfahren und bei erneutem Trigger auf das nächste Wellenformsegment gesprungen.
Die Wavetables innerhalb des nw1 werden in verschiedene Segmente unterteilt.
Die Preset Wellenformen haben zwischen 4 und 13 Sektionen.

In der Mitte des Waldorf nw1 befindet sich das Poti „Position“, mit dem der Startpunkt der ausgewählten Waveform festgelegt wird. Eine Wellenform muss nicht immer von ihrem Anfang an geloopt werden, sondern ebenjenes Startsegment, ab der die Wiedergabe beginnt, lässt sich statisch oder dynamisch verändern.
In der mit „Tune“ überschriebenen Sektion wird mittels des Dreifach-Oktav-Wahlschalters „Range“ die Einstellung der Lage und mit einem Poti für „Pitch“ die Feinstimmung des Oszillators vorgenommen.

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Big Red Dial

Big Red Dial

Unterhalb der „Tune“-Sektion liegt der Bereich „Wavetable“.
Das große rote Plastikpoti dient zur Auswahl einer Wellenform. Ein zweistelliges rotes Display informiert über das gewählte Preset. Eine kleine rote LED gibt uns Auskunft darüber, ob ein Trigger des Gate-Eingangs vorliegt oder ob ein Signal an CV1-IN anliegt.
Unterhalb des Wavetable-Bereichs liegen neben der USB-Buchse und des Audioausgangs vier Potis, mit denen die folgenden Parameter verändert werden können:
„Spectrum“, „Brilliance“, Keytrack und „Noisy“.
Diese vier Kameraden haben es in sich.
Wie das alles klingt, sei am nächsten Beispiel veranschaulicht.

 

Als Ausgangswaveform nutze ich Preset 79 „Glass“. Der „Range“ Wahlschalter ist auf -12 gestellt, Keytrack steht auf 100%, über „Position“ verschiebe ich den Beginn des Durchlaufs um ca. 45 Grad und alle anderen Parameter sind auf Ausgangsstellung.
Ich spiele eine kleine Kadenz C-G-D-C in der zweittiefsten Lage. Mein Dark Energy liefert die ADSR-Hüllkurve (hier: kurzer Attack, kurzes Decay, max. Sustain und längeres Release).
Nach zwei Durchgängen füge ich über CV2-IN einen ganz langsam schwingenden LFO (Doepfer A-145, Sinus) hinzu. Dieser moduliert „Position“, also die Position des Playheads innerhalb des Wavetables.
Nach weiteren zwei Durchgängen fahre ich Keytrack auf Null und wieder zurück auf 100%.
Dann kommt noch der Wave-Pitch-Shifter/LoPass-Filter „Spectrum“ mit ins Spiel. Was mir nach ein paar Stunden am Waldorf nw1 auffällt, ist eine recht große Empfindlichkeit der Potentiometer hinsichtlich der Regelwege. Hier sollte der geneigte Klangschrauber mit Gefühl zu Werke gehen. Auch die Potiknöpfe in ihrer silbernen, metallenen, glatten Beschaffenheit sehen zwar schick aus, aber ergonomisch sind sie noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Soll heißen, wenn man sich das Gerät mehr oder weniger frontal anschaut, kann man den schwarzen Markierungspunkt der Potis ganz gut erkennen. Steht man aber über dem Gerät und schaut auf es hinab, kann man leider gar nichts mehr von der Markierung sehen und auch nicht fühlen.

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Somit gestaltet sich die grobe Orientierung über den jeweiligen Parameterzustand als etwas umständlich. Das rote Drehrad löst dieses ergonomische Designproblem geschickter. Dieses hat einen kleinen erhabenen „Tropfen“ auf der Stirnseite. Den kann man gut mit den Fingern ertasten und auch dazu nutzen, sehr schnelle Drehbewegungen umzusetzen.

Potipunkt und Radnase

Potipunkt und Radnase

Über drei CV-Eingänge des Waldorf nw1 lassen sich in 14 verschiedenen Modulationsszenarien bis zu drei Parameter gleichzeitig modulieren. Der Größe des Moduls angemessen hat Waldorf Music hier jedem Eingang einen eigenen Abschwächer spendiert. Das spart wiederum Platz im Rack an anderer Stelle.
Folgende Ziele können per Kontrollspannung moduliert werden:

  • CV1: Tune, Brilliance, Travel
  • CV2: Tune, Position, Travel
  • CV3: Spectrum, Position, Noisy

Es kann immer nur ein Modulationsziel pro Eingang ausgewählt werden. Somit bleibt von allen am Gerät vorhandenen Parametern lediglich „Keytrack“ ohne Modulationsmöglichkeit. Und auch die Wellenformauswahl muss über das rote Drehrad selbst vorgenommen werden.
Leider ist es mit dem Waldorf nw1 nicht möglich, durch verschiedene Wavetables zu morphen, d.h. zwischen den Presets stufenlos umzublenden. Da braucht es Performance-Skills, um schnell und gezielt zwischen verschiedenen Speicherplätzen hin und her zu schalten.

Das ist möglich, denn das Umschalten zwischen den verschiedenen Presets erfolgt knackfrei und zügig. Es sei aber nicht verschwiegen, dass es manchmal zu Verzögerungen kommt. Man schaltet einen Stellpunkt weiter, dieser ist fühlbar, aber es erfolgt kein Preset-Wechsel. Stellt man dann händisch auf das nächste Preset, glitcht er über das vorhergehende, eigentlich eingestellte, hinweg und springt auf den übernächsten Programmplatz. Das hat offensichtlich etwas mit der Länge und Komplexität der zu ladenden Wellenform zu tun. Muss man nur wissen.

V1-A

Auch ohne Kontrollspannung von außen kann man durch den „Travel“-Parameter einen Klang animieren. Steht Travel auf Null wird immer nur das erste Segment eines Wavetables zyklisch wiedergegeben. Stell man Travel auf einen positiven Wert, wird das Wavetable vorne beginnend (Achtung: Hier kommt der Offset von „Position“ zum Tragen), durchfahren und am Ende des letzten Segments wieder an den Anfang der Wavetable gesprungen.
Hat Travel einen negativen Wert, wird die Wellenform rückwärts, beginnend bei Segment Eins abgespielt.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    steve_n

    Das Ding verwirrt mich. Auf den Youtube-Videos zur NAMM 2015 ist nur unbrauchbares Gekrächze zu hören. Auch die Demos hier erinnern nicht an einen microwave, obwohl dies doch eigentlich möglich sein sollte, wenn man ein paar gängige andere Module anhängt. Also doch nix mit microwave nachbauen, oder was… ?

    • Profilbild
      Micky  

      @Steve: Vielleicht kann ich beim entwirren behilflich sein?
      Der nw1 ist ein monofoner Wavetable-Oszillator, kein ausgewachsener polyphoner Synthesizer inkl. Filter.
      In meinem Klangbeispielen habe ich den Sound des nw1 weitgehend unbehandelt gelassen und auf den Einsatz eines Filters verzichtet, damit man sich ein Bild vom Klang des Moduls machen kann.
      Die Wellenform-Presets des nw1 bedienen sich auch am klassischen Welleform-Fundus, der unter anderem in der Microwave Verwendung fand. Eine grundsätzliche klangliche Verwandschaft zwischen den Geräten ist also gegeben. Ob die Stärke des nw1 jetzt aber die Imitation seines Vorfahren ist, spielte beim Test eher eine untergeordnete Rolle und sollen andere beurteilen.
      Für mich ist der nw1 ein klangstarker Lieferant von Sounds die der Wavetable-Synthese entspringen, ein eigenes Instrument, mit eigenem Charakter.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „Ein toller Oszillator!“ — Dem kann ich mich ohne jegliche Abstriche anschließen. Das Teil will ich wirklich nicht mehr missen. Dabei bin ich eigentlich vollständig auf die analoge, subtraktive Klangerzeugung ausgerichtet, und kann digitalen Synthesizern ansonsten nichts abgewinnen.
    Auf Soundcloud gibt es eine mehr oder minder ausführliche Spielerei von mir mit dem NW1. Wer Lust darauf hat kann den Track digitaldrone bei polyauralsessions suchen und mal reinhören. Hat richtig Spaß gemacht …

  3. Profilbild
    Knisterkeks

    Ich hab das Gerät grad erst in einem Video in einem Studio von Hans Zimmer gesehen. Natürlich mit ein paar Spielereien hinten drangehängt aber das Gerät ist ja auch zum Ausbauen gedacht:)

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