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Test: Waldorf nw1, Eurorack-Wavetable-Modul

Verändert man händisch den Parameter „Position“, lassen sich sehr lebendige Klangverläufe herstellen. Ein Klang sagt mehr als tausend Worte, deshalb hier ein weiteres Beispiel:

 

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Wavetable 33, Travel +15, alles andere neutral. Ich verändere zu Beginn nur die Position des Loop-Startpunktes über „Position“, später dann die Geschwindigkeit und Richtung der Wiedergabe über „Travel“.
Ab 1:12 kommt „Keytrack“ ins Spiel.

Da „Keytrack“ das Pitch-Shifting-Verhalten der Wiedergabe des Wavetables und dessen harmonischen Inhalts über die Klaviatur verteilt beeinflusst, klingt das auch entsprechend eindrucksvoll. Am besten lässt sich dieser Effekt mit einer Festfilterbank vergleichen. Ist „Keytrack“ auf 0 gesetzt, wird nur der Grundton des Wavetables transponiert. Ist „Keytrack“ auf 100% gesetzt, dann werden alle harmonischen Inhalte entsprechend ihrer Lage im Frequenzspektrum transponiert.

Toller Effekt, schade dass dieser nicht per Kontrollspannung regelbar ist.
Dann schraube ich an „Spectrum“ und „Brilliance“. Am Ende des Tracks füge ich über „Noisy“ noch eine Art Bit-Crusher-Effekt hinzu. „Noisy“ lässt den Zufall spielen. Ähnlich eines Sample&Hold Effekts, regelt es per Zufall die Auswahl des Start-Segments. Das Ganze klingt wie eine Manipulation der Bit-Tiefe und Sampling-Rate. Von leicht angeraut über schmutzig bis hin zu ChipTune-FX ist alles machbar, sehr spannend.

 

V1-C

Auffällig am nw1 sind die doch recht deutlichen Lautstärkeunterschiede je nach Parametereinstellung. Am lautesten klingen die Wellenformen in ihrer ursprünglichen Form.
Je weiter man sich davon entfernt, um so leiser kann die Wiedergabe werden. Auch hier ist wieder Fingerspitzengefühl des geneigten Klangschraubers gefragt. Oder man nutzt einen weiteren VCA, um den Pegel anzugleichen.

Bis hierhin entpuppt sich der nw1 als mehr als nur ein Oszillator. Er ist ein Instrument, das mit Gefühl gespielt werden möchte. Dafür bietet er die klassische Palette an erstklassigen Sounds, für die Waldorf seit über 20 Jahren einen sehr guten Ruf genießt.
Die relativ klein anmutende Anzahl von 80 ROM-Wavetables mag im Vergleich zu Mitbewerbern verwundern. Das E350 Morphing Terrarium von Synthesis Technology etwa besitzt 128 unterschiedliche Wellenformen, aber die klangliche Vielfalt des Waldorf nw1, die sich ob der modulier- und regelbaren Parameter ergibt, lässt für mich keine Klangfarbenwünsche offen.

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Wer der grundsätzlich digitalen Textur der Wavetable-Synthese etwas abgewinnen kann, wird mit dem Waldorf nw1 seine helle Freude haben. Der Waldorf nw1 liefert amtlich und setzt sich auch in einem komplexeren Arrangement durch.

 

Oder auch als Lieferant von Drumsounds macht der nw1 eine gute Figur.
Alle Sounds kommen aus dem Waldorf nw1. Plus ein wenig EQ, Compressor, Hall und Delay von ProTools.

 

In diesem Beispiel sind alle Sounds mit dem nw1 erzeugt worden.
Mein Recording-Setup besteht aus einer RME Fireface UC, Pro Tools 9 und meinem MBP. Ich habe alle Beispiele mit 48 kHz, 24 Bit aufgenommen und in MP3 320 Kbps gewandelt. Bitte schlagt mich nicht. Ich bin kein virtuoser Instrumentalist. Ich bin Klangmensch.

Hier hört der Spaß aber noch nicht auf. Waldorf gibt dem geneigten Klangschrauber 10 speicherbare Programmplätze an die Hand, um eigene Aufnahmen von Wavetabels festzuhalten.
Diese können direkt am Gerät erfolgen. CV1-IN empfängt das aufzunehmende Signal und wird über den CV1-Abschwächer eingepegelt. Das Display gibt optisches Feedback über den Eingangspegel, so dass sich Übersteuerungen vermeiden lassen können. Praktisch gelöst.

Im Record-Modus lässt sich eine dynamische Kompression des Eingangssignals vornehmen, das Poti für „Position“ übernimmt dann die Funktion eines kombinierten Threshold/Ratio-Reglers. In Richtung Vollanschlag wird das Signal maximal komprimiert. Das ist nützlich, um auch Eingangssignale mit stärkeren Lautstärkeschwankungen möglichst optimal für die Wandlung in einen Wavetable vorzubereiten.
Gleichzeitig übernimmt das Poti für „Travel“ die Funktion eines Qualitätsstufen-Auswählers.
Drei verschiedenen klingende Abspielalgorithmen der aufgenommenen Wavetables sind möglich:

  • Nave“- Qualität
  • Microwave“- Qualität
  • „Aliased“, also mit deutlichen digitalen Artefakten versehen

Im Software-Editor heißen diese Algorithmen wiederum „Smooth“,“Harsh“ und „Al“.
Die Aufnahmeprozedur ist ein wenig umständlich und man wird nicht sofort mit spektakulären Ergebnissen belohnt. Der Transfer von vorbereiteten (Text)-Samples mittels des Softwareeditors geht da einfacher von der Hand. Flugs den Rechner per USB mit dem nw1 verbunden, den Editor gestartet und ausprobiert.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    steve_n

    Das Ding verwirrt mich. Auf den Youtube-Videos zur NAMM 2015 ist nur unbrauchbares Gekrächze zu hören. Auch die Demos hier erinnern nicht an einen microwave, obwohl dies doch eigentlich möglich sein sollte, wenn man ein paar gängige andere Module anhängt. Also doch nix mit microwave nachbauen, oder was… ?

    • Profilbild
      Micky  

      @Steve: Vielleicht kann ich beim entwirren behilflich sein?
      Der nw1 ist ein monofoner Wavetable-Oszillator, kein ausgewachsener polyphoner Synthesizer inkl. Filter.
      In meinem Klangbeispielen habe ich den Sound des nw1 weitgehend unbehandelt gelassen und auf den Einsatz eines Filters verzichtet, damit man sich ein Bild vom Klang des Moduls machen kann.
      Die Wellenform-Presets des nw1 bedienen sich auch am klassischen Welleform-Fundus, der unter anderem in der Microwave Verwendung fand. Eine grundsätzliche klangliche Verwandschaft zwischen den Geräten ist also gegeben. Ob die Stärke des nw1 jetzt aber die Imitation seines Vorfahren ist, spielte beim Test eher eine untergeordnete Rolle und sollen andere beurteilen.
      Für mich ist der nw1 ein klangstarker Lieferant von Sounds die der Wavetable-Synthese entspringen, ein eigenes Instrument, mit eigenem Charakter.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „Ein toller Oszillator!“ — Dem kann ich mich ohne jegliche Abstriche anschließen. Das Teil will ich wirklich nicht mehr missen. Dabei bin ich eigentlich vollständig auf die analoge, subtraktive Klangerzeugung ausgerichtet, und kann digitalen Synthesizern ansonsten nichts abgewinnen.
    Auf Soundcloud gibt es eine mehr oder minder ausführliche Spielerei von mir mit dem NW1. Wer Lust darauf hat kann den Track digitaldrone bei polyauralsessions suchen und mal reinhören. Hat richtig Spaß gemacht …

  3. Profilbild
    Knisterkeks

    Ich hab das Gerät grad erst in einem Video in einem Studio von Hans Zimmer gesehen. Natürlich mit ein paar Spielereien hinten drangehängt aber das Gerät ist ja auch zum Ausbauen gedacht:)

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