I am the Walrus
Das Walrus Audio ARP-87 ist ein vielseitiges Boutique-Delay mit Tap-Tempo, Modulation und vier Algorithmen. Wir testen Klang, Features und Praxistauglichkeit für Studio und Bühne.
Was ist es? Im Test: Walrus Audio ARP-87 – ein vielseitiges Boutique-Delay mit vier Algorithmen, Tap-Tempo und Modulation für kreative Klanggestaltung.
- Ausstattung: Digitales Delay mit vier Modi, Tap-Tempo, Modulation und Expression-Anschluss.
- Bedienung: Intuitive Steuerung, praktische Subdivisions und flexible Zusatzfunktionen wie Trails und Momentary.
- Sound: Warm, klar und vielseitig – von Slapback bis zu atmosphärischen Ambient-Delays.
- Praxis: Roadtaugliche Bauweise, durchdachtes Layout und vielseitig einsetzbar im Live- und Studioeinsatz.
- Fazit: Kreatives Boutique-Delay mit eigenständigem Sound und sinnvoller Feature-Kombination.
Inhaltsverzeichnis
Walrus Audio ARP-87, Delay-Pedal
Wieder einmal ein Testbericht eines Delays, werdet ihr denken. Doch die Nachfrage nach Boutique-Pedalen mit gutem Sound und individuellem Design scheint nicht abzureißen. Deswegen bleiben wir dran, zumal einige Hersteller erkannt haben, dass das Integrieren nützlicher Features den Musiker erfreut. Diese Ausstattungsmerkmale sind meist nicht wirklich neu, werden jedoch oft in anderen Kombinationen angeboten.
Auch die Produkte der Boutique-Schmiede Walrus Audio sind bekannt für hohe Qualität und ansprechendes Design. Unser heutiger Testkandidat ARP-87 macht da keine Ausnahme und hat auch ausstattungstechnisch einiges zu bieten.
Das Walrus Audio ARP-87 ist ein digitales Delay mit einer Verzögerungszeit von bis zu 1000 ms. Das Pedal verfügt über eine Tap-Tempo-Funktion sowie vier (laut Hersteller) „Delay-Programme“, die man treffender als Algorithmen oder Presets bezeichnen kann. Ein zusätzlich regelbarer Modulationseffekt ist ebenfalls an Bord, ebenso ein Eingang für einen externen Tap-Taster. Darüber hinaus bietet das Pedal weitere sinnvolle Zusatzfunktionen, die wir später genauer betrachten werden.
Lieferumfang
Mitgeliefert werden neben dem Effektgerät lediglich eine Kurzanleitung und vier Gummifüße. Ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang.
Facts & Features
Die Elektronik des ARP-87 ist in einem Aluminiumgehäuse mit den Abmessungen 121 x 66 x 41 mm untergebracht. Das Gerät wiegt 360 g. Die 6,3-mm-Klinkenbuchsen (Amp-Style) sind stirnseitig angebracht, was unter Umständen Platz auf dem Pedalboard spart. Lediglich der Anschluss für ein Expression-Pedal befindet sich auf der rechten Seite, wo man üblicherweise die Eingangsbuchse vermuten würde.
Die Fußschalter sind als stabile Taster ausgeführt, die Umschaltung erfolgt über ein Relais.
Unser Testkandidat verfügt über True-Bypass und ist nicht für den Batteriebetrieb geeignet. Aufgrund des relativ hohen Stromverbrauchs eines digitalen Delays (vom Hersteller mit 100 mA angegeben) wäre die Lebensdauer eines 9-Volt-Blocks ohnehin sehr begrenzt.
Walrus Audio ARP-87 Gitarrenpedal
Das ARP-87 überzeugt – wie bei Walrus Audio üblich – durch sein individuelles und gelungenes Design. Der mattschwarze Lack ist mit silbrig glänzenden Partikeln versehen, die ein dezentes Schimmern erzeugen. Ein Planet, der von einem Mond umkreist wird, sowie ein Raumschiff unterstreichen das „spacige“ Erscheinungsbild.
Die Verzögerungszeit lässt sich erfreulicherweise tappen. Das sollte mittlerweile zum Standard gehören. Die weiße (relativ helle) LED über dem Tap-Taster pulsiert im Rhythmus der aktuell eingestellten Verzögerungszeit und liefert somit auch optisches Feedback.
Natürlich steht auch ein Fußtaster zur Aktivierung des Effekts zur Verfügung. Die Umschaltung erfolgt per Relais und gestaltet sich angenehm weich. Auch hier informiert eine weiße LED über den aktuellen Status. Aufgrund der großzügigen Abmessungen der Stompbox sind beide Fußtaster ausreichend voneinander entfernt, sodass Fehlbedienungen praktisch ausgeschlossen sind.
Die Bedienelemente des Walrus Audio ARP-87
Das Walrus Audio ARP-87 verfügt über sechs Regler und bietet damit mehr als die klassischen Grundparameter Delay Level (Lautstärke des Effektsignals), Feedback (Anzahl der Wiederholungen) und Time (Verzögerungszeit). Die Potis laufen angenehm weich mit einem leichten Widerstand, wie man es in dieser Preisklasse erwarten darf.
Der Dampen-Regler reduziert die Höhen des Effektsignals, sodass sich auch der Klang analoger Delays überzeugend simulieren lässt.
Der X-Regler mischt eine Modulation in das Effektsignal und ermöglicht so schwebende und „spacige“ Klangvarianten. Je nach gewähltem Programm übernimmt der X-Regler unterschiedliche Funktionen.
Der Ratio-Regler bestimmt die rhythmische Unterteilung (Subdivision) in Abhängigkeit vom eingestellten Tempo. Vier Optionen stehen zur Verfügung: Viertel, punktierte Achtel, Achtel und Achteltriolen.
Programme
Der Testkandidat bietet vier „Programme“, also vier fest definierte Algorithmen, die nicht veränderbar oder speicherbar sind:
- D steht für digital,
- A für analog,
- L für Lo-Fi und letztlich
- S für Slapback.
Der Programmregler ist als Potentiometer ausgeführt und nicht als klassischer Wahlschalter.
Der (No) Trails Modus
Das Walrus Audio ARP-87 kann im Trails-Modus betrieben werden, bei dem das Delay-Signal nach dem Ausschalten weiter ausklingt, oder im No-Trails-Modus, bei dem das Signal beim Umschalten sofort abgeschnitten wird.
Zum Umschalten hält man den Bypass-Taster gedrückt und steckt gleichzeitig das Stromkabel ein. Dieser Vorgang muss für den jeweils anderen Modus wiederholt werden.
Momentary Function
Der Tap-Tempo-Fußtaster bietet eine zusätzliche Funktion: Ist der Effekt aktiv, kann der Taster gehalten werden. Dadurch wird ein Loop erzeugt, das Eingangssignal wird also wiederholt, solange der Taster gedrückt bleibt.
Diese Funktion ist praxisnah und kann gezielt eingesetzt für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.
Handling
Das Pedal lässt sich intuitiv bedienen. Ein Preset auswählen, bei Bedarf Modulation hinzufügen und das Tempo eintappen – mehr ist nicht nötig.
Ein separater Regler zur direkten Beeinflussung der Delay-Zeit fehlt. Für typische U2-Sounds arbeitet man stattdessen mit dem Ratio-Regler (Subdivision).
In den Presets D, A und S bestimmt der X-Regler die Intensität der Modulation. Im Lo-Fi-Modus beeinflusst er hingegen die Filterweite.
Sound und Praxis mit dem Walrus Audio ARP-87
Das Walrus Audio ARP-87 klingt außerordentlich natürlich und angenehm warm, ohne dabei den gelegentlich dumpfen Charakter mancher analoger Delays zu entwickeln.
Dreht man den Dampen-Regler voll auf, wirkt das Effektsignal klar und höhenreich, fast wie das Originalsignal. Leicht zurückgenommen bleibt der Klang warm und lebendig.
Für typische Pink-Floyd- oder U2-Sounds wählt man Programm A und erhöht Feedback sowie Effektanteil deutlich:
Zum Schluss die Lo-Fi-Abteilung. Hier beeinflusst der X-Regler bei Bedarf die Filterweite:
Recording-Setup
Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment erstellt:
Stratocaster → Walrus Audio ARP-87 → Orange Tiny Terror Head (clean) → Mesa Boogie 1 × 12″ Box (halboffen) → Shure SM57 → Apogee Duett → Mac mit Logic
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