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Test: Walrus Audio LORE Soundscape Generator, Effektgerät

Pitch-Delay mit Reverb für alle

3. Juli 2022

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Die Welt der (Delay-) Effekte wächst und wächst und nimmt kein Ende. Ob Nachbauten von Klassikern, Multieffekt- oder Modeling-Pedale, die klassischen Alleskönner oder wilde Neukreationen diverser Hersteller mit hohem Individualitätswert. Der Markt ist voll und wird immer voller. Da freut sich das gepflegte Herz einer/s jeden GASler:in. Man kann so wunderbar viel entdecken, ausprobieren und herumexperimentieren. Auch der US-amerikanische Effektpedalhersteller WALRUS AUDIO wirft mit dem LORE ein Produkt mit sehr eigenen und nicht alltäglichen Features auf den Markt. Auf jeden Fall etwas für Soundfreaks und Bastler:innen. Let’s unbox the WALRUS AUDIO LORE Soundscape Generator

UNBOXING – Walrus Audio LORE Soundscape Generator, Effektgerät

Das Pedal kommt im (ganz dezent designten, haha^^) schwarz-golden Firmenkarton daher und ist nochmals extra in eine weiße Stofftasche mit grünem Firmenlogo-Aufdruck gepackt. Schön, solche Extras zu haben. Ist an sich unnötig, da das Pedal vermutlich sowieso auf dem Board montiert wird, aber macht direkt einen wertigen Eindruck und eine Stofftäschchen kann man immer gebrauchen. Das Artwork des Pedals bietet direkt wunderbaren Augenschmaus und man freut sich aufs Ausprobieren der neuen Errungenschaft. Beigelegt ist dem Karton neben dem Effektgerät ein WALRUS Katalog mit allen Pedalen der aktuellen Serien, ein weißer Firmenaufkleber, Garantiekarte, Bedienungsanleitung und ein Plektrum.

 

SPECS & FACTS – Walrus Audio LORE Soundscape Generator, Effektgerät

Der Effekt ist in einem 9,2 x 12,2 x 5,7 cm messenden, gedeckten grünen Gehäuse mit cremefarbener, oranger, brauner und dunkelgrüner Tinte verzierten (Kunst von David Hüttner) verbaut.

Auf der Frontseite findet man (wie von einem Delay-Pedal gewohnt) einen Fußschalter samt Status-LED für Bypass-on /off sowie einen Tap-Tempo-Switch (ebenfalls inklusive im aktuell eingestellten Tempo blinkender LED). Durch das Halten des Tap-Tempo-Schalters lassen sich Pitch-up/down-Effekte erzeugen. Bei Deaktivieren des Pedal über den On/Off-Fußschalter klingen dank Trails die Effektfahnen natürlich aus und werden nicht hart abgeschnitten. 

Darüber findet man die acht Potis der Parameter in zwei Viererreihen angeordnet. Es lassen sich fünf Programme Grundsounds abrufen, die sich dann in Tone, Time, Mix, Mod(ulation), Regen(eration), Feedback und X detailliert einstellen lassen. Es stehen folgende Parameter zur Verfügung:

  • Feedback // Regelt den Gain des ersten Feedback-Pfades
  • Regen(eration) // Hier lässt sich der Gain des zweiten Feedback-Pfades einstellen, Details folgen in den Programm Beschreibungen
  • Mod(ulation) // Der Name ist Programm: Dieser Knopf regelt die Modulation des Effektsignals
  • Mix // Wie gewohnt steuert das Mix-Poti den Anteil des Effekts im Verhältnis zum originalen Dry-Signal
  • // Übernimmt unterschiedliche Jobs, je nach gewähltem Programm, Details folgen in den Programmbeschreibungen
  • Time // Wie der Name schon sagt, regelt das Poti die „Time“ des Delays in den Programmen 1, 2, 3 und 5 sowie den Time-Stretch in den Reverbs in Programm 4
  • Tone // Dieser  Regler steuert die Filtersektion des LORE. Je nach gewähltem Programm kommen Bandpass, Reverb Lowpass mit oder ohne harmonischer Verzerrung Filter zum Einsatz. Im Einzelnen:
    • Programm 1 // Bandpass-Filter
    • Programm 2 // Reverb-Lowpass-Filter
    • Programm 3 // Reverb-Lowpass-Filter mit harmonischer Verzerrung
    • Programm 4 // Reverb-Lowpass-Filter
    • Programm 5 // Bandpass-Filter auf dem Output und den Feedback-Loops
  • Dive / Rise // Hält man Tap-Tempo gedrückt, ändert sich zurzeit die Clock-Rate des Pedals nach unten oder oben und die Tonhöhedes Signals fällt oder steigt. Die Richtung lässt sich durch gleichzeitiges Drücken beider Fußschalter einstellen und wird durch die Farbe der Tap-Tempo-LED angezeigt. „Grün“ heißt „Rise“ und „Blau“ bedeutet „Dive“.
  • Trails // Wie mittlerweile fast alle digitalen Delays, kann man auch beim Lore einstellen, wie sich das Pedal verhält, wenn man Bypass drückt, während noch Effektsignal ausklingt. Im „Trails on“-Modus klingen Delay/Reverb-Fahnen natürlich aus, im „Trails off“-Modus werden sie abgeschnitten, wenn man Bypass drückt.

Die fünf verfügbaren Grundprogramme des WALRUS AUDIO LORE sind:

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  • Programm 1: Reverse-Delay in Reverse-Reverb

Hierbei handelt es sich um eine organische Interaktion aus Reverse Delay in einen Reverse Reverb. Es lassen tolle Ambientsounds erzeugen. Spielt man mit dem „X“-Knopf herum, lässt sich einstellen, inwieweit das Signal reversed ist. So entstehen große Klanglandschaften.

  • Programm 2: Reverse-Delay in Octave-up-Reverb

Im zweiten Programm arbeitet ein Oktave-up-Feedback-Algorithmus mit einem Reverse Delay und erzeugt atmend luftige Hallräume. Der „Regen“ Knopf addiert einen Shimmer in der Hallfahne während „X“ den Reverb Decay regelt.

  • Programm 3: Reverse Delay in Octave-down-Reverb

Durch die tiefe Oktave entsteht ein „dunkler“ Hall. Hier kommen außerdem harmonische Verzerrung und starke Filter zum Einsatz, um fette, reiche Sounds zu generieren. Das „Regen“-Poti regelt den Anteil an der tiefen Oktave im Reverb. „X“ steuert auch hier das Decay des Reverbs.

  • Programm 4: Reverse-Reverb in Forward-Reverb

Das vorletzte Programm erzeugt durch zwei Reverb-Engines, die miteinander verschaltet sind, spannende Hallräume mit tollen Effekten. Über den „Feedback“-Regler lässt sich eine tiefe Oktave addieren, mit dem „Regen“-Poti eine hohe. „X“ regelt das Decay des Forward-Reverbs.

  • Programm 5: Pitch-Delay in Pitch-Delay

Das letzte Programm verbindet zwei Pitch-Delay-Engines miteinander und wirft so das Signal in den Oktaven hin und her. Entweder komplementär zueinander oder in entgegengesetzte Richtungen. „Feedback“ und „Regen“ steuern nun die Anzahl der Wiederholungen der beiden Algorithmen. „X“ regelt die Reihenfolge von Quarten, Quinten oder Oktaven.

Im Pedal arbeiten intern zwei DSP-Chips, die seriell verschaltet sind mit individuellen, analogen Feedback-Pfaden. Beide Feedback-Pfade bauen aufeinander auf, interagieren miteinander und lassen sich individuell regeln über Feedback- und Regen-Regler.

Kopfseitig findet man für Input und Output je eine Standard Mono 6,3 mm Klinkenbuchse und einen 9 V DC, Minuspol innen, min. 300 mA, Stromanschluss. Es wird empfohlen, keine Daisy-Chain-Stromversorgung zu verwenden, sondern ein extra Netzteil oder eine getrennte Multistromversorgung. Das Benutzerhandbuch steht zusätzlich zur beigelegten Druckversion online zur Ansicht und als Download zur Verfügung.

PRAXISTEST 1: HANDLING – Walrus Audio LORE Soundscape Generator, Effektgerät

Das Pedal ist sehr intuitiv und übersichtlich designt und gebaut. Lediglich die verschiedenen Belegungen manche Potis muss man im Detail nachschlagen oder man findet es eben durch Experimentieren heraus. Sehr schön an dem Pedal ist das hohe Maß an Individualität. Es handelt sich nicht um den Allrounder/Alleskönner, der jeden Sound versucht abzubilden, sondern um ein Gerät, das eben seinen Eigenklang hat. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Sehr schön!

PRAXISTEST 2: SOUNDS – Walrus Audio LORE Soundscape Generator, Effektgerät

Angeschlossen und losgelegt. Man merkt direkt, dass dieses Pedal ein richtig hohes Maß an Individualismus in sich trägt. Kein einziger Sound ist in seiner Form „Standard“. Man kennt das eine oder andere natürlich schon, aber dennoch bietet der LORE eine eigene Version von allen Soundscapes.

Rise und Dive // Dieses Feature sieht man selten bis nie. Sehr cooler Effekt, der richtig platziert eingesetzt, tolle Akzente in Songs setzen kann.

Man muss ein bisschen experimentieren, um herauszufinden, welche Programme mit welcher Spielweise am besten funktionieren oder kann, wenn man möchte, hierzu die Tipps im Handbuch lesen. Spannend bleibt das hohe Maß an Individualität. Also hier kein Pedal für Standard-Sounds im Standard-Kontext, sondern eher Spezialist für Bastler:innen und Sounddesigner:innen. Sehr erfrischend und gleichzeitig ungewohnt, mit so einem Pedal zu arbeiten. Man braucht etwas Zeit. Nichts, was man sich noch 5 Minuten vor dem Gig aufs Board schraubt. Vielleicht muss ich noch mehr Zeit reinstecken, bisher klingen viele Sounds noch etwas matschig. Etwas mehr „Klarheit“ wäre noch schön. Aber vielleicht braucht es eben noch etwas Übung.

Einmal durch die Programme 1 bis 5 – Klangbeispiele:

Alle Klangbeispiele wurden in folgender Signalkette angefertigt:

Fender Perf Strat -> WALRUS LORE -> UAD Apollo Interface -> NeuralDSP Cory Wong (Clean Amp) -> Cubase 12 PRO

Es gab keine weitere nachträgliche Bearbeitung durch Plug-ins!

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Fazit

Wer auf individuelle Sounds steht und gerne bastelt, schraubt und designt, der wird seine Freude am WALRUS AUDIO LORE Soundscape Generator haben. Hier gibt’s keine Slapback- oder Stereo-Ping-Pong-Delays. Hier ist kreativer Umgang mit spannenden, ungewohnten Sounds gefragt. Nichts für den TOP 40 Cover-Gig, aber definitiv eine Empfehlung für original music.

Plus

  • hohes Maß an Individualität
  • spannende Kombinationsprogramme aus Delays und Reverbs
  • Ansporn an die Kreativität

Minus

  • teilweise etwas "matschig"

Preis

  • 329,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Basti80

    Ich bin ja wirklich kein begnadeter Spieler. Vielleicht liebe ich gerade deshalb solche Bodentreter wie das Lore, da ich grundsätzlich einfach gerne mit Sounds experimentiere. Auf jeden Fall wäre es einen Selbsttest wert.

    • Profilbild
      Simon Schneid RED

      Yes! Da sagst Du was sehr wahres und schönes. Die Individualität von Pedalen schätze ich auch sehr. Auch wenn Allzweck Effekte für die bekannten Sounds wichtig sind für bestimmte Situationen und Jobs und man, wenn man ehrlich ist, schon auch liebt, so bieten Pedale wie dieses ein weitaus „frisches“ Feld um zu experimentieren und nicht auf den bereits „bekannten“ Sounds hängen zu bleiben! Viel Spaß beim ausprobieren !

  2. Profilbild
    Ch

    Es wurden leider die Soundbeispiele von 5 Geräten zusammen hochgeladen. Den Test fand ich Trotzdem Super.

  3. Profilbild
    whaip

    Was mir bei solchen wirklich potenten/komplexen-Reverb Pedalen immer fehlt,
    ist ein simpler high pass. Und zwar nur für den Reverb anteil.
    Damit wären diese auch viel sinnvoller nutzbar und neigen weniger zu „matsch“, was hier auch völlig Richtig angesprochen wurde.

    • Profilbild
      Maxvau

      Mh, „nur“ mono. Okay, ich hab selber lange Zeit bei lediglich einem Hot Rod Deluxe am Ende der Kette nichts vermisst, aber in Zeiten von Geräten wie Iridium oder dem ACS1, die ja auch live die Arbeit mit Stereoeffekten deutlich erleichtern, empfinde ich das schon als Mangel.

    • Profilbild
      Killnoizer

      WHAIP hat vollkommen recht, der ständig fehlende Hochpaßfilter in Delay und Halleffekten verwundert mich auch. Seit über 30 Jahren. Dabei ist der doch ganz einfach und billig zu realisieren.

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