Anwärter auf das beste Reverb-Pedal?
Das Walrus Audio Mako Series MKII R1 High-Fidelity Reverb ist ein Halleffekt mit sechs Reverb-Typen und umfangreichen Editing-Möglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
Nachdem ich vor Kurzem das nagelneue Delay-Pedal aus der Mako MKII-Serie unter den Füßen und kritischen Augen und Ohren hatte, ist heute mein kleiner Reverb-Freund an der Reihe. Das Walrus Audio Mako Series MKII R1 nennt sich „High-Fidelity Reverb“ und das macht ja schon mal ganz schön neugierig, impliziert der Name doch glasklare Reverb-Sounds, weite Stereo-Landschaften und Experimentiermöglichkeiten satt.
Walrus Audio Mako Series MKII R1 – Facts & Features
Wie bei allen Pedalen der Mako Serie MKII, kommt auch hier das Standard-Gehäuse zum Einsatz, diesmal in mattem Schwarz lackiert und selbstverständlich quasi unzerstörbar. Mit 360 g Kampfgewicht boxen wir hier eher im Fliegengewicht und das ist durchaus positiv gemeint. Wer ein Board mit 15 Pedalen und Netzversorgung – natürlich erdbebensicher in einem Flightcase verpackt – schleppen muss, ist schnell bei 10 kg und mehr Gesamtgewicht.
Apropos Netzversorgung, fangen wir mal heute mal damit an. Das Walrus Audio Mako Series MKII R1 High-Fidelity Reverb unterstützt keinen Batteriebetrieb und benötigt ein Netzteil mit 9 V Spannungsversorgung und mindestens 300 mA Stromstärke, wobei der Minuspol des Hohlsteckers innen liegen muss. Wer mehrere der Mako-Pedale auf sein Board kletten will, sollte sich bei der Auswahl des Netzteils dieser Tatsache bewusst sein, denn viele Netzteile bieten zwar reichlich 100 mA-Ausgänge an, aber dafür eben manchmal nur einen oder zwei 300 mA Ausgänge.
Die Netzteilbuchse befindet sich an der linken Gehäuseseite im vorderen Bereich, so dass noch genug Platz ist, die beiden Ausgänge, die sich ebenfalls links befinden, auch mit etwas voluminöseren Steckern zu verkabeln. Die beiden Output-Buchsen möchten je einen TS-Stecker. Richtig gefreut hätte ich mich über die Möglichkeit, im Falle einer Stereo-Nutzung eine der Buchsen als TRS-Version anzubieten, die dann das Stereosignal ausgibt.
Auf der gegenüberliegenden Seite sind die beiden Input-Buchsen zu finden, ebenfalls als TS-Buchsen. Wer nun also mehrere Stereo-Pedale (zum Beispiel die anderen Pedale der Mako MKII-Serie) in Reihe verbinden will, braucht Unmengen an Patch-Kabeln, da wäre ich doch froh, wenn ich nur ein TRS-Kabel bräuchte.
Die Frontseite gehört der MIDI- und der USB-Konnektivität. Per USB-C kann das Walrus Audio Mako Series MKII R1 mit dem heimischen PC oder Mac verbunden werden. Ruft man dann einen Browser auf, der über USB-Verständnis verfügt, kann man die aktuellem Version der Firmware überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren. Google Chrome und Microsoft Edge können das, gehören allerdings beide nicht zu meinen Lieblings-Browsern, als Mac User mit Hang zu Firefox muss ich mich also für einen der beiden Browser entscheiden. Pest oder Cholera? Egal, Hauptsache Italien!
Einen Editor zur Bearbeitung der Programme und Parameter gibt es leider nicht. Diesen werde ich im Verlauf dieses Tests noch zu vermissen lernen. Aber dazu gleich, jetzt erstmal zu den beiden MIDI-Buchsen. Diese beiden, MIDI-In und MIDI-Thru, verlangen nach Miniklinken. Die gibt’s mittlerweile standardmäßig und die haben die ollen 5-Pol-MIDI-Buchsen weitgehend abgelöst. Adapter gibt’s natürlich auch dafür, also alles Taco!
Per MIDI können alle Parameter des Walrus Audio Mako Series MKII R1 gesteuert werden und natürlich auch Preset-Wechsel im Rahmen eines aufwändigen Setups realisiert werden. Bedauerlicherweise verfügt das Pedal nicht über die Möglichkeit, ein herkömmliches Expression-Pedal anzuschließen. Wer also in Echtzeit Parameter kontrollieren möchte, ist auf ein externes MIDI-Gerät angewiesen. Die nötigen Informationen, welche MIDI-Kanäle hier was genau steuern, kann man sich aus dem übersichtlichen Manual holen.
Die Oberfläche und Bedienung des Mako Series MKII R1
Wenden wir uns der Oberfläche des Gerätes zu. Zunächst freuen wir uns natürlich über das Display, das es ermöglicht, Parameter zielgerichtet zu beeinflussen. War man beim Vorgänger ohne Display noch auf Kippschalterchen und das Gehör angewiesen, sind jetzt einzelne Parameter übersichtlich editierbar.
Das ist natürlich ein echter Fortschritt und Vorteil. Allerdings ist das Display nicht wirklich groß. Beim Editieren am Schreibtisch oder im Übungsraum/Studio ist das kein Problem. Will man on stage schnell mal was nachregeln, was außerhalb der drei direkt per Poti erreichbaren Parameter Decay, Pre Delay und Mix liegt, sollte man schon sein Opernglas bereithalten.
Die sechs Reverb-Typen Spring, Hall, Plate, BFR, RFRCT und Air sind direkt über das mittlere der drei Encoder-Potis aufrufbar, die sich direkt oberhalb des Displays befinden. Jedes dieser Potis steuert per Druck verschiedene Parameter an und kann diese verändern. Die Sound können auf bis zu 128 Speicherplätzen abgelegt werden, wobei man drei Presets per Druck auf beide Fußtaster der Reihe nach aufrufen kann. Das Ganze kann man in drei unterschiedlichen Bänken organisieren.
Bank A beinhaltet dabei die Presets 0 bis 2, Bank B die Presets 3 bis 5 und Bank C die Presets 6 bis 8. Mehr als diese insgesamt neun Presets sind, ohne an den Reglern zu fummeln, nicht erreichbar. Hier müsste man also auf die Knie, um per Encoder einen Speicherplatz oberhalb der Nummer 8 zu erreichen. Oder man schaltet das eben per MIDI, was ein umfangreicheres Setup verlangt. Abhilfe könnte hier ein externer Fußtaster schaffen, den man aber, wie das Expression-Pedal, nirgendwo anschließen kann.
Will man also einen Reverb nach eigenen Vorstellungen erstellen, wählt man per mittlerem Encoder zunächst den Reverb-Typ, zum Beispiel Spring. Jetzt kommen der linke und rechte Encoder ins Spiel, links steppt man per Druck auf den Encoder durch die Parameter Rate und Depth, die die Modulation des Reverbs beeinflussen, Duck oder Swell, die das Verhalten des des Halls betreffen, sowie Diffusion, der die Dichte des Reverbs festlegt. Im Modus „Air“ kommen hier noch Shimmer und Octave Type dazu.
Der rechte Encoder bietet die Möglichkeit, die tiefen und hohen Frequenzen des Reverbs zu beeinflussen sowie die Größe des Raumes festzulegen. FB-EQ stellt noch einen speziellen Kuhschwanz-Filter bereit, der sich ausschließlich dem Nachhall widmet. Hier sind also umfangreiche Modifikationen am Reverb möglich. Prinzipiell ist das alles sehr übersichtlich, ein externer Editor wäre allerdings ein Traum. Vor allem, wenn dieser noch grafisch aufarbeiten würde, was wir an Zahlen so einstellen.

Per MIDI sind alle Parameter fernsteuerbar, leider gibt es aber keinen Eingang für ein Expression-Pedal. Per USB-C könnte man einen Editor benutzen, wenn es einen gäbe.
Möchte man zwischen den Bänken wählen, müssen der Encoder links und in der Mitte gleichzeitig gedrückt werden. Hierüber erreicht man auch die Speicherplätze oberhalb der drei Bänke und Preset No. 8. Per Fuß ist das alles bedauerlicherweise nur möglich, wenn man barfuß ist und gelenkige Zehen hat. Drückt man den mittleren Encoder gleichzeitig mit dem linken, gelangt man in die globalen Einstellungen. Hier werden Bypass-Verhalten (Relay, Buffer oder Hybrid, letzteres ermöglicht Trails beim Bypassen), Screensaver, MIDI-Kanal und Display-Helligkeit bearbeitet.
Die beiden robusten Fußtaster ohne Druckpunkt erwecken das Walrus Audio Mako Series MKII R1 aus dem Bypass-Schlaf, steppen durch die drei Presets je gewählter Bank und aktivieren eine Hold-Funktion. Entweder wird hier der Reverb so lange gehalten, wie der Taster gedrückt bleibt (Sustain Mode), oder die Hold-Funktion wird per kurzem Druck auf den Taster ein- bzw. ausgeschaltet (Latch Mode).
So klingt das Walrus Audio Mako Series MKII R1
Zum Test der Audioqualitäten des Walrus Audio Mako Series MKII R1 und zur Überprüfung, was denn der Zusatz „High-Fidelity Reverb“ bedeuten könnte, schalte ich das Pedal in Full-Stereo als letztes Pedal in der Kette in meinen Kemper ein, wähle zunächst einen glasklaren Cleansound, mein eigenes Profile meines Bogner Alchemist im Gold-Channel und schalte mich durch sieben der neun Werks-Presets, die sich hinter den Bänken A, B und C verbergen. Zunächst hört ihr aber den trockenen, cleanen Referenzsound.
Es folgen ein paar Sounds mit anderen Effekten im Kontext, auch der Grundsound ist hier ein anderer.
Ein paar Soundbeispiele mit ohne Gitarre wären super.
Etwas aus einer Groovebox oder ein paar Synth-Sounds würden sich ganz gut machen.
@massenvernichtungswaffe.de 😬👍
@massenvernichtungswaffe.de Groovebox UND ein paar Synth-Sounds 👌
Großartig finde ich, dass sie neuen, überarbeiteten Reverb Sounds auch per Update auf das MK1 geladen werden können. Wer also auf das Display und den einen Zusatzparameter verzichten kann, hat mit dem MK1 grundsätzlich den gleichen Sound.