Cleane Sounds der Spitzenklasse
Was ist es? Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp, hochwertiger Bass-Preamp mit DI-Ausgang und vielseitigem EQ-Konzept für cleane Basssounds.
- Klangcharakter: Warmer, direkter und griffiger Grundsound mit Anleihen bei API und Neve.
- EQ-Konzept: Clevere Kombination aus Boost-only-EQ sowie High- und Low-Pass-Filtern.
- Praxistauglichkeit: Schnelle Soundanpassung dank rastender Regler und intuitiver Bedienung.
- Einsatzbereich: Vielseitiger Allrounder für cleane Basssounds im Rock-/Pop-Kontext und darüber hinaus.
- Kritikpunkt: Kein Send/Return-Weg und vergleichsweise hoher Preis.
Inhaltsverzeichnis
Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp
Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp ist eine Symbiose der berühmten Firmen API und Neve. Er bringt die warmen Tiefmitten einer Rupert Neve Designs RNDI mit, aber auch die schnelle Impulstreue und Direktheit des API Audio TranZformer LLX. Klanglich ist der Preamp eher auf der wärmeren Seite zu verorten, trotzdem bleibt die Ansprache jederzeit schnell und direkt. Dank eines durchdachten EQs sind zahlreiche hervorragende Klanggestaltungen möglich, ohne dabei den spezifischen Charakter des Instruments zu verfälschen. Der Walrus Audio Mantle Bass Preamp dürfte vor allem im Rock-/Pop-Kontext zur Geltung kommen.
Aufbau, Verarbeitung und Ausstattung
Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp ist ein hochwertiger Preamp, der zusammen mit Bassist und YouTube-Star Ian Martin Allison entwickelt wurde. Er ist als als klassisches Pedal mit DI aushefürt und wirkt hochwertig verarbeitet. Der Aufbau ist einfach und übersichtlich: Auf der Oberseite finden wir drei große Regler mit der Beschriftung Bass, Gain und Treble. An der rechten Seite befindet sich der Eingang für das Instrument, an der linken Seite der Ausgang in doppelter Ausführung – einmal als Line-Out per Klinke und einmal als DI-Out per XLR.
Ergänzt wird die Ausstattung durch einen Aktiv/Passiv-Schalter zur Regelung der Eingangsempfindlichkeit sowie einen für Ground-Lift. Ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten, was bei dem Preis durchaus wünschenswert gewesen wäre. Mit 9 V, 500 mA verlangt der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp jedoch keine exotische Stromversorgung.
Eine Einordnung in der Welt der Preamps
Den Grundsound des Walrus Audio Mantle Bass Preamp würde ich irgendwo zwischen den bekannten Preamps von Noble und Caveman einordnen.
Ersterer ist im Bereich zwischen 250 und 500 Hz linearer ausgelegt und bringt durch seine Röhre das obere Frequenzspektrum ab 2 kHz weicher rüber. Der Caveman wiederum ist sehr ähnlich, hat jedoch weniger Betonung im tiefmittigen Bereich als der Mantle und reagiert etwas direkter in der Ansprache. Im Mix wirkt er aber insgesamt flacher – hier sorgen Noble und Walrus für mehr Charakter.
Auch im direkten Vergleich mit seinen Vorbildern sind die unterschiedlichen Auslegungen deutlich zu hören. So besitzt der API Audio TranZformer LLX von Haus aus deutlich mehr Höhen und Obertöne als der Walrus Audio Mantle Bass Preamp sowie eine direktere und schnellere Ansprache. Spielt man beide Preamps hintereinander, könnte man fast meinen, dass Letzterer mit einer Röhre arbeitet. Diesen Eindruck gewinnt man auch im Vergleich mit dem anderen Vorbild, dem Rupert Neve Designs RNDI. Der Walrus Audio Mantle Bass Preamp klingt selbst im neutralen Zustand ohne Einsatz des EQs etwas dicker und mächtiger als die DI-Box – besonders dann, wenn man mit dem Gain etwas Gas gibt.
Insgesamt sprechen wir bei allen Vergleichen linearer analoger Preamps jedoch von Nuancen und Feinheiten. Die Geräte klingen zwar eigenständig, die Unterschiede sind aber natürlich nicht so groß wie bei bewusst stark färbenden Preamps von Ampeg oder Orange. Trotzdem sind die verschiedenen Auslegungen im direkten Vergleich klar hör- und spürbar – und oft machen genau diese Kleinigkeiten den Unterschied.
Der EQ macht den Unterschied!
Was den Mantle Bass Preamp besonders macht, ist sein einzigartiger EQ. Auch wenn nur zwei Regler mit der Beschriftung Bass und Treble vorhanden sind, besitzt der EQ deutlich mehr Möglichkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Genau genommen handelt es sich hier um zwei verschiedene Werkzeuge zur Klangbearbeitung: Eine Sektion ermöglicht die klassische Anhebung von Bässen und Höhen, also einen Boost-only-EQ, während ein weiterer getrennter Schaltkreis als Low- und High-Pass-Filter arbeitet.
Leider ist die Beschriftung etwas unglücklich gewählt. Die Spinal-Tap-Anspielung mit der „11“ ist zwar nett („… this amp goes to eleven …“), für den Bass- und Treble-Regler aber eigentlich unpassend. Deutlich sinnvoller wäre es gewesen, die Position 6 auf der 12-Uhr-Stellung mit „0“ zu kennzeichnen und anschließend mit „+“ und „–“ zu arbeiten, denn genau das beschreibt die Funktion wesentlich besser.
Mit den Positionen 5 bis 1 beim Bass- und Treble-Regler nutzt man den EQ in seiner Filterfunktion. Je weiter man gegen den Uhrzeigersinn dreht, desto intensiver greift er in das Frequenzband ein. Das HPF arbeitet mit -18 dB/Okt. bei 30 Hz, 50 Hz, 100 Hz und 120 Hz. Das LPF startet ebenfalls mit -18 dB/Okt. bei 8 kHz und verläuft über 6 kHz, 4 kHz und 2 kHz bis hinunter zu 1 kHz.
Für die Boost-only-Funktion macht der Hersteller leider keine genauen Angaben über den Frequenzverlauf. Mit der ersten Position im Uhrzeigersinn (7) wird laut Hersteller „eine musikalisch geschmackvolle Auswahl“ um +3 dB angehoben, von dort aus geht es weiter bis maximal +15 dB. Schade – etwas mehr Transparenz wäre hier wünschenswert gewesen. Auch wenn am Ende natürlich immer das Ohr entscheidet, wären ein paar zusätzliche Zahlen und Fakten hilfreich gewesen, um das Gehörte fachlich besser einordnen zu können.
Grundsätzlich ist die Idee, ein Low- und High-Pass-Filter mit einem Boost-only-EQ zu kombinieren, wirklich gelungen und ergibt in der Praxis absolut Sinn. Für einen guten Bandsound sind HPF und LPF elementar wichtig und die meisten FoH-Techniker setzen beim E-Bass ohnehin einen Low-Cut bei ungefähr 80 Hz ein. Natürlich kann man mit einem parametrischen EQ wie dem Empress ParaEQ MKII gezielter in den Sound eingreifen. Allerdings muss man dafür bereits sehr genau wissen, welchen Sound man sucht. Für einen überzeugenden Grundsound am E-Bass reichen die Features des Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp jedoch vollkommen aus.
Die Sounds
Nachdem wir am Anfang des Artikels bereits einen ersten Eindruck vom Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp bekommen haben, wollen wir nun etwas tiefer in die Details einsteigen. Zunächst hören wir uns ein Beispiel für den Grundsound an. Zu Beginn erklingt ein passiver Jazz Bass direkt ins Interface gespielt, danach folgt der Sound über den Preamp. Der EQ steht neutral auf Position 6.
Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp ist klar als cleaner Preamp ausgelegt – und genau das hört man auch. Weltbewegende Unterschiede sind zunächst nicht erkennbar. Trotzdem wird deutlich, wie der Sound eine leichte Betonung in den tiefen Mitten erhält, also den Neve-Anteil, und insgesamt direkter und griffiger wirkt – API lässt grüßen. Das spürt man auch unter den Fingern: Man hat das Gefühl, dass der Sound förmlich an den Fingern klebt und auf jede Kleinigkeit reagiert. In jedem Fall eine echte Aufwertung des Grundsounds!
Schauen wir uns nun den EQ etwas genauer an. Für jedes Beispiel habe ich den Regler jeweils eine Position weitergedreht und direkt eingespielt. Das bedeutet für die Boost-Variante die Positionen 6 bis 11 und für die Cut-Variante entsprechend die Positionen 6 bis 1. Der Bass bleibt weiterhin ein passiver Jazz Bass mit beiden geöffneten Pickups.
Schnell wird klar: Hier geht ordentlich etwas zur Sache. Die Möglichkeiten, in den Sound einzugreifen, sind enorm – sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp bietet im Rahmen seiner cleanen Grundausrichtung zahlreiche Möglichkeiten, den Klang nach den eigenen Vorstellungen anzupassen. Dank der rastenden Positionen lassen sich einmal gefundene Sounds außerdem schnell reproduzieren und präzise anpassen. Das nenne ich ein durchdachtes Konzept.
Nun möchte ich mit dem Preamp einige konkrete Sounds formen. Den Anfang macht mein aktiver Sadowsky Jazz Bass. Über die berühmte Elektronik hatte ich bereits an anderer Stelle geschrieben, nun bin ich gespannt auf die Kombination mit dem Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp. Mit dem Bass-Regler auf Position 3 nehme ich bei 80 Hz ordentlich tiefe Frequenzen heraus, sodass ich diese am Instrument selbst wieder anheben kann.
Der Treble-Regler steht auf Position 5 und arbeitet damit nur mit einem leichten LPF, das den Sound angenehm abrundet. Über den Gain-Regler kann ich zusätzlich etwas Sättigung erzeugen, wobei die Unterschiede eher subtil ausfallen. Trotzdem habe ich drei Varianten desselben Riffs mit den Positionen 5, 8 und 11 aufgenommen und die Lautstärke jeweils angeglichen.
Subjektiv gesprochen finde ich diesen Sound einfach großartig. Die Kombination beider Elektroniken liefert einen definierten, fetten und dennoch sauberen Basston, der stets clean bleibt, dabei aber trotzdem angenehm gesättigt wirkt. Über den Einfluss des Gain-Reglers in Verbindung mit einem aktiven Bass kann man sicherlich diskutieren – zwischen den Positionen 5 und 8 nehme ich noch leichte Unterschiede wahr, zur Position 11 dagegen kaum noch. Das finde ich allerdings vollkommen in Ordnung.
Nun folgen einige Sounds mit einem passiven Nachbau eines 57er Precision Bass mit Flatwounds – also dem Urmodell von Leo Fender. Ein solches Instrument soll natürlich möglichst oldschool klingen. Deshalb habe ich die Bässe leicht angehoben, also auf Position 8 gestellt, den Gain ebenfalls dort platziert und zusätzlich das LPF des Treble-Reglers auf Position 3 genutzt. Das Ergebnis passt hervorragend: Eine echte Röhrenschaltung kann der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp zwar nicht imitieren, doch als moderne Interpretation des klassischen Klangideals funktioniert der Sound ausgezeichnet.
Zum Abschluss durfte natürlich auch der Fretless Bass nicht fehlen. Dieser ist allerdings mit sehr alten und abgespielten Roundwounds bespannt und klingt daher längst nicht mehr frisch. Dank einer deutlichen Anhebung der Höhen auf Position 9 kommen die Obertöne dennoch angenehm präsent und strahlend daher.
Das zweite Beispiel zeigt eine typische Latin-Jazz-Basslinie. Hier habe ich erneut das HPF bei 80 Hz genutzt, also den Bass-Regler auf Position 3 gestellt, die Höhen neutral gelassen und mit Gain auf Position 10 ordentlich Attack in den Preamp geschickt. Das Ergebnis kann sich absolut hören lassen und macht selbst ohne zusätzliche Effekte wie Hall oder Chorus bereits richtig Spaß.
Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp in der Praxis
Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, den Preamp auch im Bandkontext zu testen. Sowohl bei der Probe vor einem klassischen Amp als auch live mit In-Ear-Monitoring macht er eine hervorragende Figur. Der Sound steht stabil im Mix und mit nur wenigen Handgriffen lässt er sich an die jeweilige Situation anpassen. Ian Allison wusste offensichtlich genau, worauf es ankommt – das merkt man dem Gerät an.
Persönlich fehlt mir eigentlich nur ein Send/Return-Weg, um weitere Effekte einschleifen zu können. Diese platziere ich nämlich lieber hinter dem Preamp und nicht davor. Genau das ist jedoch nicht möglich, wenn man gleichzeitig die DI des Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp nutzen möchte. Schade – die zusätzlichen Ein- und Ausgänge hätten problemlos noch ins Gehäuse gepasst.
Wo sehe ich diesen Preamp also? Für mich handelt es sich um einen echten Allrounder im Rock-/Pop-Kontext und darüber hinaus. Der Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp ist sicherlich kein günstiges Gerät, bringt dafür aber das Potenzial mit, „der eine“ Preamp für cleane Sounds zu werden. Wer zu Hause mit unterschiedlichen Bässen arbeitet, nur wenige Effekte nutzt und beim Thema Preamp keine Wissenschaft daraus machen möchte, kann mit dem Walrus Audio Mantle Analog Bass Preamp sehr glücklich werden.





































