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Test: Walrus Audio Polychrome, Modulationspedal

30. Mai 2021

Polychrome - aus Liebe zur Modulation

Test Walrus Audo Polychrome Effektpedal

Modulationspedale – die überholte Zunft? Zumindest wird es einsamer um die singulären Tretminen, einzelne Tremolo-, Phaser-, Flanger-, Vibe- und Chorus-Pedale. Ich kann’s ein bisschen verstehen. Modulation will spärlich eingesetzt werden. Sicher – ein konstant eingeschalteter, mit leichtem Reverb versetzter Chorussound kann im passenden Kontext hervorragend funktionieren. Doch die Assoziation vieler beim modulationsversetzten Gitarrensound ist 80er, 90er – abgeschmackter Gimmick. Braucht man nicht. Oder?

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Sehe ich persönlich etwas anders. Phaser und Tremolo werden bei mir immer eine Rolle spielen. Mit Flanger verbinde ich persönlich eine gewisse Hassliebe. Wer stehende Gitarrenwände über einen LFO interessant oszillieren lassen will, greift am besten zum Flanger-Sound, randomisiert die Hüllkurve, dreht Depth und Intensität so richtig schön rein. Aber sonst? Geht so. Vielseitig ist der Flanger nicht. Daher war ich ein bisschen überrascht, als wie aus dem Nichts das Polychrome auf dem Redakteurs-Radar erschien: ein striktes Flanger-Pedal der besonderen Art von Walrus Audio. Man kann es der Firma nicht verübeln: Das Julia Chorus war das vielleicht erfolgreichste und populärste Single-Modulations-Pedal der letzten Jahre und auch ich hatte Freude daran. Ergibt also Sinn, dass sie versuchen, die Formel mit dem Polychrome zu wiederholen. Gelingt es? Wir haben uns das mal angesehen.

Walrus Audio Polychrome – Flanger-Pedal für E-Gitarre

Gleich vorweg: Warum nicht Stereo? Ich bin kein Pedalentwickler und es wird sicher ein paar pragmatische Gründe dafür geben, weshalb kaum ein Single-Modulationspedal mit Stereo-Betrieb auskommt, aber es wundert manchmal dann schon. Das Stereo-Panorama mithilfe des LFOs zu manipulieren, machte meines Wissens nach nur der KMA Audio Horizont konsequent – und dürfte damit bis aufs Weitere allein bleiben.

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Das Warlus Audio Polychrome ist trotzdem etwas Besonderes. Mehrere LFO-Schwingungsformen und eine fließende Verschmelzung von Flanger- und Vibe-Sounds sowie unterschiedliche Voicings – das Polychrome weckt definitiv das Interesse, sobald man es aus der Box holt. Der Leguan und das seltsam bunte, fast fiebrig anmutende Design sind ebenfalls nichts, was ich aus dem Hause Walrus Audio erwartet hätte. Tadellos verarbeitet, normales Stompbox-Format von 64-125-59, angeliefert in dem charakteristischen weißen Baumwolltäschchen. Wie bei allen anderen Walrus Audio-Pedalen gilt auch hier: Das 9 Volt Netzteil für den Betrieb findet ihr nicht im Lieferumfang. Es ist denkbar reduziert aufgestellt – mit Monobetrieb, Netzstecker, einem Fußschalter für den Bypass, zwei Kippschaltern und fünf Reglern soll hier trotzdem einiges passieren. Zwei LED-Lichter runden das Panel ab – eins zeigt den Betriebsmodus an, das andere Licht signalisiert Frequenz und Schwingungsform des LFOs.

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Die Bedienung des Walrus Audio Polychrome Effektpedals

Der Soft-Bypass-Fußschalter erlaubt ein weiches Umschalten der Betriebsmodi. Auch dabei ist ein Momentary-Modus, der vor allem im Kontext vom Flanger durchaus sinnvoll ist. Da ist man fast geneigt, das Fehlen eines Expression-Anschlusses nachzusehen. Wer z. B. einen LFO-Zyklus kurz timen möchte, den Sound explodieren oder ausarten lassen will, dürfte am Momentary-Mode des Polychrome Effektpedals seine Freude haben. Doch kommen wir zum Rest – zu den Bedienelementen des Flanger Pedals. Da geht es bis auf eine große Ausnahme recht vertraut zu.

Test: Walrus Audio Polychrome, Modulationspedal

Während euch der Depth-Regler erlaubt, die Intensität der Modulation einzustellen und von weichem Detune-Effekt bis chaotischen Ausreißern so ziemlich alles erlaubt, ist der Rate-Regler zuständig für das Einstellen der Frequenz des LFOs. Erfahrungsgemäß eignen sich kleine Rates gut dafür, um mit dem Momentary-Regler kurzfristig Chaos anzurichten oder für eine Sound-Überraschung zu sorgen. Wer sein Spiel breitflächig unterlegen will, arbeitet mit langsamen, kommenden und wabernden Rates. Einer der entscheidenden Aspekte des Flanger-Sounds generell ist Feedback. Wer viel vom Ausgangssignal wieder in den Eingang füttert und dabei mit Zerre arbeitet, wird mit klassischen 80s Flanger-Sounds belohnt, die auch durchaus zeitgemäß wirken können, sofern man sie richtig einsetzt. Ein weiterer Kniff des Polychrome von Walrus Audio ist der Sweep-Regler. Es hat schon was für sich, den zu modulierenden Frequenzbereich einstellen zu können. Das könnt ihr hier machen. Aber all das ist per se nichts Neues. Neu am Polychrome ist, dass ihr mithilfe des D-F-V-Reglers (Dry-Flanger-Vibrato) einen fließenden Übergang von Flanger und Vibrato über die jeweiligen Drittel der Regelwege einstellen könnt. Ein bisschen ungewöhnlich, aber klanglich interessant, wie der Praxisteil zeigen wird.

Test: Walrus Audio Polychrome, Modulationspedal

Was hat es mit den Kippschalter auf sich? Nun, der eine kümmert sich um die LFO-Schwingungsformen: Sinus, Dreieck oder randomisiert – kann eine Menge ausmachen, je nachdem, was und wie man spielt. Der andere Kippschalter kümmert sich um die zwei verschiedenen Voicings, die im Walrus Audio Polychrome stecken: Unten geht’s klassisch zu, will heißen, der Sound reißt nicht zu sehr aus, ist nahe am Chorus und dürfte am ehesten die 80s oder Shoegaze-Assoziationen wecken. Vielschichtiger ist die obere Position: Hier ist ein etwas moderneres und vielschichtiges Klangbild angesagt. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Walrus Audio Polychrome ist ganz klar eine Liebeserklärung an den Flanger mit ein paar kleinen, aber feinen Kniffen, die den Ansatz ein wenig origineller machen. Die entscheidende Frage lautet: Klingt das?

So klingt das Walrus Audio Polychrome Flanger Pedal

Um die Klangqualität zu überprüfen, arbeiten wir mit dem REVV G20. Die Klangqualität des Pedals, die Geräuschlosigkeit und Sauberkeit ist ähnlich wie bei der MAKO-Serie und dem Julia tadellos – was den Signalweg also angeht, leisten Walrus Audio seit jeher gute bis sehr gute Arbeit (das ACS1 und das R1 hatten jeweils mit leichten Störgeräuschen zu kämpfen, aber das war auf die Testexemplare selbst zurückzuführen).

Was passiert hier? Nun, Flanger-Magie und zwar nicht zu knapp. Der Sound der Modulation leistet ähnliches wie das Julia: Es klingt durchaus kühler als die analogen Kollegen, aber das ist nichts zwangsläufig Schlechtes. Dieser fließende Übergang von Flanger in Vibrato ist in der Praxis recht gut in der Anwendung und erlaubt es, in mittlerer Position ein bisschen mit dem Mischverhältnis der Sounds zu spielen. Eine breite Palette vielschichtiger Sounds bietet sich hier, aus der wir euch hier einen kleinen Querschnitt präsentieren wollen:

Viel Gain und viel Modulation ergibt eine Sache, aber es ist vor allem durch den Sweep-Regler ein Leichtes, die Modulationssounds eurem Amp anzupassen und dafür zu sorgen, dass die falschen Frequenzen nicht zu sehr ausreißen. Der Flanger ist in clean, mit wenig Feedback, wenig Depth ein echtes Sound-Kleinod und trifft diesen Jet-Flanger-Sweetspot, den ich durchaus zu schätzen weiß. Vor allem die Grunge-typischen 90s Flanger-Sounds ala Alice in Chains lassen sich problemlos rauskitzeln, wie Beispiel 5 zeigt.

Kommen wir zu den Voicings – wie sehr unterscheiden sich die zwei Grundmodi des Polychrome voneinander? Gleich vorweg – nicht zu krass, ein Tag-Nacht-Unterschied sollte hier nicht erwartet werden. Die Einstellungen sind identisch und es zeigt sich: Der größte Unterschied kommt durch die Nutzung des Feedbacks zum Tragen, in der oberen Position kommt das Voicing der Modulation viel deutlicher und prägnanter durch. Für die leiseren, zurückhaltenden Sounds eignet sich das Voicing in der unteren Kipp-Position also wesentlich besser.

Um die Art zu demonstrieren, wie der DFV Regler die Modulationsübergänge handhabt, spielen wir das gleiche Zupfmuster wiederholt, während wir den Regler zunehmend nach rechts drehen. Auch der Feedback-Regler wird durch ein sukzessives Reindrehen der Intensität demonstriert – auf dem oberen, zeitgemäßen Voicing, wohlgemerkt. Hier kommt finde ich die größte Stärke des Polychrome durch – die Feedback-Dynamik des Flanger-Pedals macht eine Menge aus. Auch eine kurze Demonstration der Wirkweise des Sweep-Reglers folgt am Ende.

Immer so eine Sache, Modulationspedale ohne MIDI-Anschluss (oder wenigstens Tap-Funktion für den LFO) mit einem Synthesizer zu testen. Ich wage es trotzdem, aus Neugier. Meine gebastelte Sequenz färbt sich dann doch sehr schön ein mit dem Polychrome – für kühle, etwas fräsende Sounds ist der Polychrome nicht ungeeignet, wenn auch die mangelnden Anbindungsmöglichkeiten für diese Nutzung andere Modulationspedale logischer macht.

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Fazit

Es gibt sie noch – die One-Hit-Wonder, die gerne One-Hit-Wonder bleiben dürfen. Das heißt nicht, dass das Polychrome unflexibel ist. Im Gegenteil – war das Julia der frische Wind für die eingestaubte Klasse der Chorus-Modulationen, leistet das Polychrome ähnliches für den Flanger-Sound der Gitarre. Er erfindet das Rad gewiss nicht neu, schafft es aber, durch Spiel-Sensitivität, hoher Klangqualität und Flexibilität ein ernstzunehmendes Statement abzugeben – modulation’s not dead, auch nicht im Single-Package-Format.

 

Plus

  • geräuscharm
  • Feedback-Regler agiert sehr dynamisch
  • Klangbild dynamisch
  • distinkte Voicings

Minus

  • keine MIDI-Anbindung
  • kein CV

Preis

  • 209,- Euro
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