Klangmagie statt Konfektionspedal
Der Walrus Audio Qi Etherealizer ist ein Stereo-Multi‑Effekt‑Pedal, das Chorus, Delay, eine Granular‑Engine und einen Reverb kombiniert – und das nicht irgendwie zusammengewürfelt, sondern als eigenes, klangliches Ökosystem.
- Vier Effekte in einem: Chorus, Delay, Reverb und Granular-Sampler lassen sich seriell oder parallel kombinieren.
- Granular-Engine: Der Grain-Modus sorgt für organische, teils unvorhersehbare Soundtexturen – ideal für kreative Klangexperimente.
- Stereo, MIDI & Presets: Live-tauglich durch MIDI-Steuerung, Preset-Management und Stereobetrieb.
- Inspirierendes Werkzeug: Kein Effekt von der Stange, sondern ein Soundscape-Instrument mit Tiefe und Charakter.
Inhaltsverzeichnis
- Walrus Audio Qi Etherealizer
- Walrus Audio Qi Etherealizer
- Chorus – harmonisch, aber nicht brav
- Delay – klar, rhythmisch und flexibel
- Grain – experimentell, aber inspirierend
- Reverb – nicht fancy, aber effektiv
- Handling, Workflow und Bedienung
- Was mich persönlich überzeugt
- Kritikpunkte
- Der Qi Etherealizer – ein Pedal, das man erfühlen muss
- So klingt das Walrus Audio Qi
- Alternativen zum Qi Etherealizer
Walrus Audio Qi Etherealizer
Manche Pedale polarisieren schon beim Auspacken, andere erst beim Spielen, wieder andere erst dann, wenn man merkt, dass sie sich nicht mehr vom Board verbannen lassen. Der Qi Etherealizer (ausgesprochen „chee ethereal-izer“) gehört ohne Zweifel zur letzten Sorte: Er ist kein klassischer Effekt, kein schnöder Chorus, Delay oder Hall – sondern ein klanglicher Möglichkeitsraum, der sich beim ersten Check anders anfühlt, als man es sich vorgestellt hat.
Bevor ich den Qi ans Pedalboard angeschlossen habe, war ich ehrlich gesagt skeptisch: Ein Multi‑FX, das alle wichtigen Effekttypen in einem Gehäuse versammelt, klingt auf dem Papier einfach nach Kompromiss. Aber hier ist das Überraschende: Genau diese Optionen sind – wenn man sich drauf einlässt – zugleich Stärke und Experimentierfeld.
Prinzipiell klingt das erstmal technisch:
Chorus ➝ Delay ➝ irgendwas mit Grain ➝ Reverb – das klingt wie jedes zweite Pedalboard, oder? Weit gefehlt. Doch der Walrus Audio Qi versteht sich als Soundscape‑Generator: ein Gerät, das nicht nur Effekte erzeugt, sondern Stimmungen und Räume. Was dabei hilft, ist Folgendes:
- Die Effekte lassen sich seriell oder parallel betreiben – das ergibt zwei völlig unterschiedliche Klangeindrücke.
- Ein komplettes Stereo-Setup ermöglicht räumliche Soundvielfalt.
- MIDI‑Unterstützung und abrufbare Presets erweitern die Live‑Tauglichkeit.
Und: Das Ding ist made in USA, robust gebaut und fühlt sich wie ein „Boutique‑Pedal“ an, kein Plastik, keine Kompromisse.
Chorus – harmonisch, aber nicht brav
Der Chorus im Qi liefert nicht bloß einen breiten Klang, sondern hier wird aufs Feinste moduliert. Wählt man den Tri‑Modus, hat man sofort diesen dichten, schimmernden Sound, der eher aus Ambient‑Aufnahmen als aus 80er‑Gitarrenriff‑Standards stammt.
Was mich wirklich beeindruckt ist die Tatsache, dass man den Chorus als Basiseffekt nutzen kann, ohne dass er das Signal über Gebühr verfärbt. Wenn man ihn pusht, bleibt das Ganze sauber, wird niemals matschig. Das ist für ein Multi‑FX‑Pedal nicht selbstverständlich.
Delay – klar, rhythmisch und flexibel
Das Delay arbeitet sehr musikalisch. Es liefert glasklare Echos bis zu etwa 2 Sekunden, mit Feedback‑ und Time‑Kontrolle, inklusive Tap‑Tempo und Unterteilungen in Quarter, Dotted Eighth und Eighth, natürlich basierend auf dem Tap-Tempo-Switch. Das Delay ist kein purer „Vintage‑Tape‑Sound“, aber es fügt sich organisch in in den Kontext ein, vor allem, wenn man es mit Grain oder Reverb kombiniert.
Grain – experimentell, aber inspirierend
Hier wird es spannend – und hier trennen sich Geschmack und Experiment: Die Grain‑Sektion arbeitet tatsächlich granular, sie zerlegt Teile des Signals, resynthetisiert sie und kombiniert sie wieder, ganz so, wie die Götter der Granularsynthese das gewollt haben. Und zwar in folgender Art und Weise:
- Grain‑Cloud – zufällige, texturierte Partikel, die sich wie ein „Ambient‑Schleier“ ausbreiten
- Phrase‑Sample – rhythmisch triggerbare Wiedergaben
- Zusätzliche Modi wie Reverse und Random
Das Ergebnis: Stellenweise klingt es wie ein Sampler, der allerdings statt trockener Wiederholungen lebendige Klanglandschaften schafft – mal glitchy, mal weich, mal schwabbelig. Es ist nicht immer vorhersehbar, aber das ist genau der Reiz. Für Spieler, die nur klassische Delay‑ oder Chorus‑Sounds wollen, kann dieser Bereich zunächst chaotisch wirken. Aber für kreative Sounddesigner oder Ambient‑orientierte Gitarristinnen und Gitarristen ist das Grain‑Modul ein Echtzeit‑Spielplatz.
Reverb – nicht fancy, aber effektiv
Der Reverb im Walrus Audio Qi Etherealizer ist nicht das, was man bei reinen Hallpedal-Spezialisten findet: kein ausgefuchstes Killefitz, dessen Regelmöglichkeiten ein Studium in Hallraumologie erfordern. Stattdessen gibt es einen Space‑Regler, der von leichtem Raum bis zu dicken, weiten Hallflächen reicht. Der Tone-Regler, der entgegen der Bedienlogik nicht nur auf den Hall wirkt, sondern das komplette Ausgangssignal beeinflusst, macht genau das, was er soll.

Irgendwie sind es immer nur Platinen im Blechmantel. Ob das einen Preis von über 500,- Euro rechtfertigt?
Handling, Workflow und Bedienung
Ein Problem, das bei vielen Multi‑Effektgeräten auftaucht, ist die Bedienbarkeit. Zu viele versteckte Funktionen, zu viele Schalter, zu viel Gedöns. Beim Walrus Audio Qi Etherealizer ist das anders:
- Die Regler sind logisch gruppiert, was im Betrieb überraschend schnell Übersicht schafft.
- Die globale Sektion mit Mix, Tone, Space erledigt den Soundmix schnell und übersichtlich.
- Presets sind über drei Farben und gleichzeitigen Druck der beiden linken Taster direkt abruf- und erkennbar.
- Der vollständige MIDI‑Support eröffnet erweiterte Kontrolle (bis zu 127 Presets und Parametersteuerung)
Auch wenn man sich auf ein paar Knöpfe erstmal einspielen muss, fühlt sich alles sehr direkt an und nicht wie das endlose Durchsteppen von Menüs in einem digitalen Pedal.
Was mich persönlich überzeugt
Ich habe den Walrus Audio Qi Etherealizer in ganz unterschiedlichen Kontexten gespielt – Solo‑Gitarre, Chord‑Layer, Ambient‑Playbacks. Und immer wieder fiel mir auf, dass dieses Pedal inspiriert und kreative Spielwiesen liefert. Was konkret hängengeblieben ist, sind die Sounds, die plötzlich wie cinematische Pads klingen, Delay-Rythmen, die inspirierend wirken und ein Grain-Effekt, der wie ein Soundteppich wächst und wundervolle Texturen zeichnet.
Kritikpunkte
Natürlich ist nicht alles Zuckerwatte, was süß schmeckt.
- Die Reverb‑Sektion ist, für ein auf Ambient spezialisiertes Pedal, nicht umfassend genug regelbar.
- Ohne MIDI/Presets bleibt man eher im konstanten Rumdrehen hängen – und das ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Ein kleines Display und mehr Speicherplätze wären wünschenswert.
Aber genau diese Kritikpunkte gehören nun mal zum Charakter dieses Pedals. Es ist kein Alles‑oder‑Nichts‑Breitmacher, sondern eine klangliche Einladung zum Erkunden der eigenen, kreativen (Schmerz‑) Grenzen.
Der Qi Etherealizer – ein Pedal, das man erfühlen muss
Der Walrus Audio Qi Etherealizer ist kein Werkzeug für den „schnellen Effekt“, sondern ein Instrument der Experimental-Esoterischen. Ob man sphärische Soundscapes, hybride Chorus‑Echo‑Wände oder glitchy Ambient‑Teppiche sucht – hier bekommt man nicht nur die Effekte, sondern gleich eine ganze Welt von Möglichkeiten geboten.
So klingt das Walrus Audio Qi
Um euch den Sound des Walrus Audio Qi Etherealizer zu demonstrieren, habe ich das Pedal in den Einschleifweg meines Kempers gehängt und das Profile eines Morgan AC20 geladen. Ihr hört zunächst die Effekte einzeln.
Jetzt kommen wir zu ein paar wirklich spannenden Kombisounds, deren Parameter-Einstellungen ich nicht in die Namen der Soundfiles packen kann. Ich habe aber versucht, das irgendwie nachvollziehbar zu benennen.
Alternativen zum Qi Etherealizer
In dieser Ausprägung von speziellen Effektergebnissen und der gebotenen Qualität fallen mir keine Alternativen ein. Hier können höchsten Multieffekte eine ähnliche Vielfalt bieten, ohne allerdings den „analogen Charakter“ des Walrus Audio Qi Etherealizer bieten zu können. Somit ist der Qi Etherealizer ziemlich konkurrenzlos, lediglich ein modulares Pedal wie zum Beispiel das Empress ZOIA kann ähnliche Vielfalt liefern, hat allerdings ein komplett anderes Konzept und ist vor allem deutlich weniger übersichtlich. Besitzer des Eventide H90 können sich freuen, denn da gibt’s ab sofort ein Update, das einen Granular-Algorithmus bietet.
































