Test: Walrus Audio Slö, Hallpedal

24. Dezember 2019

Unendliche Weiten auch ohne Startrek Kontext!

 

Wenn es um den Preis der ungewöhnlichsten Lackierungen geht, wäre Walrus Audio auf jeden Fall auf den vorderen Plätzen. Nahezu jedes Pedal des US-Herstellers verfügt über ein aufwändig gestaltetes Layout, so auch das hier zum Test vorliegende Walrus Audio Slö, ein Hallpedal, das allein schon durch sein dunkelblaues, mit Dreamworks Applikationen versehenes Finish zum Träumen einlädt. Ein lang ersehntes Reverb-Pedal, das auf vielen Top-Listen des Jahres erscheint – wir nehmen es unter die Lupe.

Aufbau des Walrus Audio Slö, Reverb Pedal

Das Walrus Audio Slö wird in den USA hergestellt und kommt in einem Pappkarton nebst weißem Transportsäckchen daher. Sehr hübsch und definitiv ökologisch besser als die handelsüblichen Einweg-Plastikverpackungen. Zusätzlich zum Pedal beinhaltet die Verpackung neben dem Garantieschein ein Plektrum, einen Aufkleber und eine dreiseitige Bedienungsanleitung, die im Fall des Slö wahrlich sinnvoll ist, wie sich später noch heraus stellen soll. Mit einem Ladenpreis von 199,- Euro erscheint der Slö bei amerikanischer Fertigung vergleichsweise günstig.

Mit den Abmessungen von  12,1 x 6,6 x 3,5 cm (L x B x H) erscheint der Walrus Audio Slö für ein Hallpedal ungewohnt handlich, was wohl auch der Tatsache zuzuschreiben ist, dass einige Drehregler eine Doppelfunktion übernehmen. Die Verarbeitung ist sehr gut, sauber umgesetzt, allgemein vermittelt das Pedal einen sehr wertigen Eindruck. Ein- und Ausgang befinden sich auf der Stirnseite des Pedals, was sich in Sachen Platzausbeute einmal mehr als sinnvoll erweist. Leider gibt es keinerlei Hinweis, welche Buchse welche Funktion übernimmt, was bei einem hektischen Bühnenaufbau u. U. schon einmal zu Problemen führen kann. Bei dem Walrus Audio Slö handelt es sich um ein reines Monogerät, ein Stereobetrieb ist nicht vorgesehen. Der Slö kommt ohne jede Gummifüße daher, d. h. will man unkoordiniertes Rumrutschen verhindern, muss das Pedal auf einem Pedalboard verklebt, vertaut oder verklettet werden.

Interessant ist die Tatsache, dass das Pedal, dessen Netzbuchse sich ebenfalls an der Oberseite befindet, bei einem Hallalgorithmus lediglich mit 100 mA auskommt. Gerade im Reverb-Sektor waren Hallpedale noch vor einiger Zeit immer die großen Stromfresser, schön, dass sich dies angeglichen hat. Ein Batteriebetrieb ist für den Slö nicht vorgesehen. Walrus Audio trägt damit der allgemeinen Entwicklung Rechnung, dass aufgrund der immer kleineren und leistungsfähigeren Netzteile ein Batteriebetrieb zumindest im Bereich Modulations- und Raumeffekte nicht mehr nötig ist. Umwelttechnisch gesehen sollte der Batteriebetrieb bei Effektpedalen ohnehin eingestellt werden.

Walrus Audio Slö Reverb Pedal

Möchte man auf einer vergleichsweise schmalen Stellfläche viele Funktionen unterbringen, bleibt einem nur der Schritt Richtung Enge oder aber die Verwendung einer oder mehrerer Multifunktionstasten. Walrus Audio verwendet beides bei dem Slö, so lässt sich eine gewisse Enge in der oberen Hälfte des Pedals attestieren und auch die beiden unteren Fußschalter bedürfen eines feinfühligen Fußes, um nicht aus Versehen beide Schalter gleichzeitig mit einem Tritt zu betätigen.

Per Drehregler lassen sich folgende Funktionen am Walrus Audio Slö steuern:

Decay: die Länge des verwendeten Halls
Filter: der Klang des verwendeten Halls, eher dunkel oder eher hell
Mix: das Mischverhältnis zwischen dem Original- und dem Effektsignal
Depth: die Intensität des integrierten Modulationseffektes. Hält man den Bypass-Fußschalter gedrückt, regelt derselbe Regler die Geschwindigkeit des Modulationseffekts.
X: Je nach gewähltem Algorithmus addiert dieser Regler einen Effekt, der später noch ausführlicher beschrieben wird.

Der Bypass-Fußschalter aktiviert/deaktiviert den Effekt, der Sustain-Fußschalter friert den Halleffekt ein oder aber erhöht die Nachhallzeit auf den maximalen Pegel. Man kann wählen, ob man den Effekt im Bypass-Mode abgeschnitten haben möchte oder ob der Effekt nach der Deaktivierung noch den Einstellung gemäß abklingen soll. Die Einstellung wechselt man, indem man den Bypass-Schalter während des Einsteckens des Netzteils gedrückt hält.

Der Slö besitzt zudem einen Buffered-Bypass mit all seinen Vor- und Nachteilen. Der Vorteil liegt in der Verwendungsmöglichkeit langer Kabel, sofern der Slö am Ende der Effektkette sitzt, der Nachteil ist ein kompletter Systemausfall inklusive Signaltod, falls es einmal zu einem Spannungsproblem kommt.

Walrus Audio Slö Reverb Pedal

Walrus Audio Slö – Oberseite

Konzept des Walrus Audio Slö, Hall Pedal

Schon anhand des Namenszusatzes „Multi Texture Reverb“ erkennt man, dass Walrus Audio nicht einfach nur ein weiteres Reverbpedal auf den Markt bringen wollte, sondern sich einige zusätzliche Algorithmen hat einfallen lassen, um den Haupteffekt des Pedals ordentlich zu pimpen. Neben einem integrierten Modulationseffekt basiert der Grundklang des Walrus Audio Slö auf drei unterschiedlichen Grundklängen, die mit den oben erwähnten Texturen klanglich erweitert werden können.

Als zentrale Steuereinheit muss dabei der in der Mitte platzierte Dreiwege-Minischalter gesehen werden, über den sowohl die drei unterschiedlichen Hallmodi, als auch bei gedrücktem Bypass-Schalter die drei unterschiedlichen Modulationsmodi aktiviert werden können. Die verschiedenen Hallmodi gestalten sich wie folgt:

Dark: In diesem Modus wird Halleffekt eine zusätzliche Oktave nach unten beigefügt. Der X-Regler steuert hierbei die Lautstärke der Oktave im Effektklang.

Rise: In diesem Modus schwillt der Halleffekt zunehmend an. Der X-Regler regelt in diesem Modus die Anschwellzeit des Effektes von kurz nach lang.

Dream: Dieser Modus erzeugt einen breiten Flächenhall. Der X-Regler regelt hierbei den Vibratoanteil des Halls.

Wechseln wir nun in den Modulationsmodus. Über den gedrückten Bypass-Schalter offeriert der Minischalter folgende Modulationsmodi:

Sine: Die Tonhöhe im Modulationseffekt wird tonal symmetrisch nach oben und unten gleichermaßen moduliert.

Warp: Die Tonhöhe wird asymmetrisch nur nach oben moduliert.

Sink: Die Tonhöhe wird asymmetrisch nur nach unten moduliert.

Walrus Audio Slö Reverb Pedal

Walrus Audio Slö – Stirnseite

Walrus Audio Slö – In der Praxis

Wenngleich sich im Hallbereich nicht die ultimativen Grabenkämpfe auftun, wie sie z. B. im Bereich Overdrive, Distortion oder Fuzz geführt werden, so hat doch jeder Musiker eine ganz eigene Einstellung zum Halleffekt. Dass dieser Effekt im harten, schnelleren Powerchord Metal Geballere so deplatziert ist wie Manowar Sprachrohr Joey DeMaio in der Schwulendisco, erklärt sich von selbst. Wann immer jedoch ein Song oder ein Arrangement entsprechenden Platz aufweist, ist man dankbar einen füllenden Effekt zur Seite zu haben.

Um es vorweg zu schicken, wer einen klassischen Sound in Form der Vintage-Hallspirale sucht, ist bei dem Walrus Audio Slö definitiv an der falschen Adresse. Auch die möglichst naturgetreue Nachbildung eines Raumhalls sucht man in den Algorithmen des Slö vergebens. Ist man aber auf der Suche nach einem „echten“ Effekthall, der bis in den Ambient-Bereich hineinreicht, ist man am Ziel angekommen. Akkord oder Einzelton anschlagen und dem Ton bei seiner Reise durch Raum und Zeit zuhören? Jetzt sind wir auf der richtigen Fährte!

Den Walrus Audio Slö kann man im besten Sinne als Effektpedal bezeichnen, da seine mannigfaltigen Einstellungsmöglichkeiten in der Tat als reiner Effekthall zu betrachten sind. Alle Effekte haben eine geradezu deeskalierende Wirkung, man ist sogar geneigt, mit einer (positiv gemeint) aufkommenden Schläfrigkeit zu kämpfen, wenn man sich länger als 5 Minuten mit dem Pedal beschäftigt.

Insbesondere wenn man während einer Live-Show den Spannungspegel einmal herunterfahren möchte, bietet sich der Slö geradezu an, mit extrem wenigen Tönen den Zuhörer geradezu in einer hypnotischen Art und Weise zu umgarnen. Dazu bedarf es noch nicht einmal eines weiteren harmonischen Instruments, da z. B. der Dark-Algorithmus mit der zusätzlichen Oktave im Bass eine ungemeine Klangfülle erzeugt. Der Walrus Audio Slö überzeugt dabei auch im Keyboard Sektor, wenngleich das primäre Einsatzgebiet wohl die E-Gitarre bleiben wird.

Auch der Rise Modus lässt einen den beliebten Volume-Poti-Schwellereffekt beiseite legen und lässt sich bei angepasster Anschwellzeit auch hervorragend in einen laufenden Song integrieren. Man ist sofort geneigt, den David Gilmour Gedächtnis Club zu gründen und einen Pink Floyd Kracher nach dem anderen zu intonieren. Dank ausladender Decay-Zeit und einem sehr effektiven Sustain-Schalter kann man sogar auf die Mellotron Flächen verzichten, die sonst für einen harmonischen Background sorgen.

Bei der gelieferten Vielfalt erscheint es geradezu schade, dass man immer nur einen Sound per Fuß abrufen kann. Ein großartiger Effekt wie z. B. der Rise-Modus lässt sich in dem Fall live in nur einem, maximal 2 Songs abrufen, danach ist der Effekt durch und man muss ab in die Knie und das Pedal händisch anders einstellen. Vielleicht bringt Walrus Audio noch einmal eine erweiterte Version mit mehreren Presets auf den Markt, was einen echten Gewinn darstellen würde.

Walrus Audio Slö Reverb Pedal

Walrus Audio Slö – Unterseite

Fazit

Mit dem Walrus Audio Slö führt der amerikanische Hersteller ein echtes Ausnahme-Hallpedal in seinen Reihen. Das im positiven Sinne gemeinte rein auf Effekthascherei getrimmte Pedal überzeugt mit ungewöhnlichen und dennoch herausragenden Reverb-Modi, die allesamt jedem Ton eine ungeheure Tiefe und Wichtigkeit verpassen.

Selten war es so einfach, extrem wenige Töne zu spielen und dennoch musikalisch zu überzeugen. Ein echter Hinhörer!

Plus

  • eigenständige Algorithmen
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 199,- Euro
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