Test: Wampler Ethereal, Effektgerät

19. September 2017

Brot und Butter unter einem Dach

Einen Hall gefällig? Klar, kann man immer brauchen! Ein Echo dazu? Natürlich, fast genau so unverzichtbar! Die beiden Könige der Effekte sind von kaum einem Pedalboard wegzudenken. Und da auf unseren Boards ohnehin immer Gedränge herrscht, wäre es doch praktisch, man hätte ein Pedal, das beide Aufgaben zufriedenstellend übernehmen kann. Dass so etwas funktionieren kann, haben Firmen wie Keeley mit dem Caverns oder Earthquaker Devices mit dem Dispatch Master bereits vorgemacht. Nun präsentiert ein weiterer Boutique-Hersteller einen solchen kombinierten Effekt, der uns in die Welt der Ambientsounds mitnehmen soll. Ob und wie der Wampler Ethereal das kann, werden wir im nachfolgenden Test erfahren.

Facts & Features

Ich gebe zu: Meine persönliche Erfahrung mit Pedalen von Wampler beschränkt sich auf das Faux Tape Echo, das vor nicht allzu langer Zeit bei uns in einem Vergleichstest gegen drei zugegeben sehr potente Kandidaten antrat. Leider reichte es damals nur für den letzten Platz, vor allem das für ein Pedal dieser Preisklasse ungewöhnlich hohe Rauschen gab deutliche Abzüge in der Endnote. Von daher war ich auf diesen Punkt besonders gespannt, später werden wir darüber noch mehr erfahren, zunächst aber zu den erfreulichen Dingen.

Dazu gehört die Tatsache, dass sämtliche Anschlüsse des 64 x 114 x 38 mm großen Metallgehäuses an der Stirnseite sitzen. Viele sind es nicht, da es sich beim Wampler Ethereal um einen Monoeffekt handelt, gibt es folglicherweise hier nur jeweils eine Buchse für Audio-In und Out. Zwischen den beiden Buchsen war noch Platz für den Netzanschluss, ein passendes Netzteil muss aber leider optional erworben werden. Viele werden den Ethereal einfach nur an die zentrale Stromversorgung des Boards klemmen wollen – und das funktioniert sicher ganz problemlos. Für eines von beiden muss man sich aber entscheiden, denn mit Batterien ist auch hier mal wieder nichts zu holen.


Es gibt somit an der Unterseite des Pedals nichts aufzuschrauben. Selbst zur Auswahl des Bypass-Modus (True- oder Buffered-Bypass) ist das nicht nötig, denn ein Schalter an der rechten Gehäuseseite („Trails“) übernimmt diese Aufgabe. Womit wir bei den Reglern und Schaltern angekommen wären.

Die Schalter und Bedienelemente des Wampler Ethereal

Die fünf Drehregler auf der Oberseite entsprechen den Erwartungen an ein Pedal dieser Preisklasse. Sie sind fest mit dem Gehäuse verschraubt und bieten einen sehr angenehmen und gleichmäßig verlaufenden Drehwiderstand. Etwas beengt geht es allerdings in der oberen der zwei Reihen zu, in der sich die Potis für Feedback, Tone und Delay Mix den Platz teilen müssen. Ein Umgreifen von einem der drei weißen Potiknöpfe ist dort fast nicht möglich und somit etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Die Funktionen der Regler sind im Einzelnen:

  • Feedback – bestimmt die Anzahl der Wiederholungen der Echos
  • Tone – ein Filter für das Effektsignal
  • Delay Mix – sorgt für das gewünschte Verhältnis von Original- zu Effektsignal
  • Delay – hier wird die Verzögerungszeit der Echos bestimmt
  • Reverb – mischt den Echos einen vorgegebenen Halleffekt hinzu
  • Delay Mode – dient der rhythmischen Unterteilung der Echos

Der Delay Mode erscheint insbesondere aufgrund des Presets ganz rechts außen interessant, denn neben den üblichen Subdivisions an Delay-Pedalen, wie etwa punktierte Achtel und Achteltriolen, bietet das Ethereal zusätzlich einen von Wampler neu entwickelten Algorithmus. Der basiert auf einer Viertelnote und einer punktierten Achtel, die in einer Art Feedback-Schleife die Echos immer wieder selbst neu auslösen. Klingt ja spannend!

Durchgeschaltet werden die vier Unterteilungen Viertel, Achteltriole, Viertel plus punktierte Achtel sowie beschriebenes Spezialpattern mit einem zentral angeordneten Druckschalter, der durch seine Lage weitestgehend vor fehlgeleiteten Fußtritten geschützt ist. Der zweite Schalter ist aus Metall und aktiviert das Wampler Ethereal. Sehr schön, dass der Hersteller hier auf einen relaisgesteuerten Typen zurückgegriffen hat – es soll ja auch kein überlautes Knacken das Ambiente stören.

Beleuchtung besitzt die türkisblaumetallic lackierte Kiste natürlich auch, gleich zwei LEDs vermitteln dem Benutzer ganz wichtige Informationen. Da wäre zum einen natürlich die Betriebs-LED, die nach dem Tritt auf den Metallschalter grünes Licht gibt und zum anderen eine orangefarbene LED, die jederzeit durch rhythmisches Pulsieren auf die aktuell gewählte Verzögerungszeit hinweist. Wäre ja fast alles an Bord, zu vermissen gibt es eigentlich nur eine Tap-Tempo-Funktion – dann wären wir wunschlos glücklich. Es hätte ja nicht unbedingt ein weiterer Schalter auf der Oberfläche sein müssen, aber eine Buchse an der Seite würden wir dafür akzeptieren!

Sound & Praxis mit dem Wampler Ethereal

Ich hatte es im Text weiter vorne ja schon mehr oder weniger angedeutet – die Sache mit dem Rauschen. Nachdem ja das Faux Tape Echo in diesem Punkt im Vergleichstest so enttäuschte, wurden die Ohren beim Kollegen Ethereal natürlich besonders gespitzt. Und was soll man sagen, auch hier fällt das für ein Pedal dieser Preisklasse ungewohnt hohe Grundrauschen auf, das sich mit Zunahme des Effektpegels weiter deutlich erhöht. Das gilt gleichermaßen für das Hall- und auch das Echosignal, die beide zwar kein überragendes, aber doch solides Klangbild abliefern.

Die Subdivisions der Echos liefern kreativen Anreiz, das gilt natürlich besonders für den Modus No. 4, mit dem sich wunderbare Klangkaskaden für Ambient-Sounds bauen lassen.

Hören wir rein in den Klang des Wampler Ethereal, für den das Pedal in den Einschleifweg meines Orange Micro Dark eingeklinkt wurde. Als Box wurde wie immer im Standard-Set-up die gute alte H&K GL112-Box mit ihrem 12″ Celestion Vintage 30 Speaker verwendet, davor wurde ein AKG C3000 Mikro platziert. Aufgenommen wurde in Logic Audio ohne weitere Bearbeitung.

In Klangbeispiel 1 hören wir eine unverzerrt gepickte Linie mit dem puren Delay. Als Subdivision wurde die Viertel mit der punktierten Achtel gewählt.

Ein sauberer und organisch wirkender Ton. Gerne würde man die Intensität des Effektes noch anheben, doch das Rauschen trübt das Klangbild für meinen Geschmack dann leider zu sehr.

In Klangbeispiel 2 nun das pure Echo mit dem Wampler-eigenen Algorithmus No. 4. Die Modulationen innerhalb der Echos sind gut zu hören und sie wären es noch viel besser, könnte man ruhigen Gewissens ohne das nervige Rauschen die Effekttiefe erhöhen. Wirklich sehr schade!

Klangbeispiel 3 präsentiert den reinen Reverbsound des Wampler Ethereal. Die Halldauer (Decay) und die Intensität sind zwar fest vorgegeben, aber trotzdem passend für das Einsatzgebiet designt. Den Klang des Halls kann man als solide bezeichnen, auch er leidet unter der Rauschfahne bei zu weit aufgeregeltem Poti.

Im nächsten Klangbeispiel hören wir einen Mix aus Hall und dem Delay. Beide Regler sind halb aufgeregelt, dazu wurde beim Echo die Viertel Subdivision ausgewählt. Dass das Wampler Ethereal Ambient gut kann, kann man spätestens jetzt hören.

Die Einstellungen der nun folgenden drei Klangbeispiele sind beim „Spaß haben“ mit dem Wampler Ethereal entstanden. Sie bieten einen groben Überblick über das, was man mit diesem Pedal alles anstellen kann. Die Kombination der beiden Effekte Hall und Echo erlaubt tatsächlich eine riesige Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten und weckt die Kreativität ungemein. Wenn halt bloß nicht das Problem mit dem Grundrauschen wäre …


Fazit

Tja, wenn halt bloß nicht das Problem mit dem Rauschen wäre, auch das Wampler Etheral fährt sich in dieser Disziplin einen fetten Minuspunkt ein. Ähnlich wie bei dem von uns getesteten Faux Tape Echo nervt das Grundrauschen des Pedals ungemein und erlaubt somit nicht, die ganze Bandbreite des Gebotenen in der Praxis voll ausnutzen zu können. Unverständlich bei einem Effekt, der sich selbst als „Ambient-Maschine“ bezeichnet.

Spaß machen tut die Kiste trotzdem, speziell der von Wampler selber entwickelte Subdivision-Algorithmus setzt eine Menge kreatives Potenzial frei und in puncto Grundversorgung mit Hall und Echo fährt man hier auf solidem Kurs.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Delay-Subdivisions für kreativen Einsatz
  • optische Überwachung der Verzögerungszeit durch LED
  • Anschlüsse an der Stirnseite

Minus

  • Grundrauschen
  • keine Tap-Tempo-Funktion

Preis

  • Ladenpreis: 249,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Track 3 bei den Klangbeispielen gefiel mir ganz gut; Richtung Steve Hillage. Leider ist das Teil nur mono und so für mich uninteressant. Eigentlich schade, denn die Grundidee finde ich sehr gut.

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