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Test: Wampler Terraform, Multieffektpedal für Gitarristen

24. Januar 2021

Modulationsvielfalt für Gitarre & Synthie

Ich muss zugeben: Wampler ist eine Pedalfirma, die meiner Wahrnehmung bislang zum größten Teil entgangen ist. Aus der Peripherie hatte man mitbekommen, dass die Firma mit einem guten Plexi-Drive von sich reden machte, aber darüber hinaus: Fehlanzeige von meiner Seite. Dabei ist die Firma, die ausschließlich in den USA konzipiert und produziert, schon eine ganze Weile dabei. Brian Wampler aus Martinsville hat mit der Zeit die Boutique-Nische anscheinend verlassen können – große Händler haben die Marke inzwischen übernommen, da die Pedale in der Herstellung verlässliche und durchgehend hohe Qualität haben, die sie für einen breiten Vertrieb attraktiv genug machen.

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Und dann kam das Terraform. Ich nahm es das erste Mal wahr, als es von einem der Gitarristen von Crippled Black Phoenix nebenbei erwähnt wurde. Seitdem läuft die Hype-Maschine für dieses Modulations-Wunderteil gemächlich, aber entschlossen an. Gab in der jüngsten Zeit nicht viele Multi-Modulationspedale, welche die traditionelle Schiene fahren. Ein altbackener, überholter Ansatz? Nicht unbedingt – kommt ganz auf die Qualität an. Also – kann das Terraform beispielsweise das Strymon Möbius ausstechen?

Wampler Terraform – Chorus, Flanger, Tremolo & mehr

Der Wampler Terraform vereint also 11 Modulationseffekte in sich und kommt in einem schnieken Karton. 400 Gramm schwer, wird das Pedal zwar ohne Netzteil, dafür aber mit einem MIDI-Kabel geliefert. Es wirkt auf den ersten Blick nicht unnötig kompliziert und ist gut verarbeitet – made in the USA eben. Vertragen tut das Pedal eine Spannung von 9 bis 18 Volt. Richtige Überraschungen oder innovativen Overkill gibt’s hier nicht unbedingt – dafür aber einen Pre/Post-Schalter, der es erlaubt, Geräte, die im integrierten FX-Loop des Terraform eingeschleift sind, vor oder nach den Wampler zu schalten. Was heißt das konkret? Ihr schließt die Gitarre an das Pre-In, das Pre-Out in das Gitarrenpedal, dessen Ausgangssignal wiederum wieder in den Post-In gefüttert wird, ehe das Gesamtsignal dann über Post Out in der DAW oder im Amp landet.

Ein bisschen Kopfkratzen hat das Konzept bei mir ausgelöst. Nicht, weil es kompliziert ist, sondern weil ich persönlich mit Modulation im FX-Loop eher durchwachsene Erfahrungen gemacht habe. Sicher – für Delay und Reverb kann das hervorragende Ergebnisse erzielen, aber Modulationen klingen meiner Erfahrung nach immer extrem, wenn man sie einschleift. Klar – der Tremolo im Fender Amp ist da eine Ausnahme und vielleicht kommt es da auf die Modulation an. Nichtsdestotrotz: Modulation im FX-Loop löst bei mir gemischte Gefühle aus.

Darüber hinaus ist das Wampler aber vollständig Stereo-fähig – und das ist etwas, was mich bei Modulationspedalen stets reizt. Denn das Panning im Stereo-Panorama ist bei Gitarrenpedalen traditionell eher ein Delay-Thema. Doch auch LFO-Hüllkurven lassen sich dynamisch über das Klangbild verteilen und das ist etwas, wovon unseres Erachtens zu wenige Pedale Gebrauch machen.

Mein Eindruck: Wampler Terraform Multieffektpedal

Ich werde alt, denk ich mir – das kann doch keiner lesen. Die Beschriftung der Modulationen ist dermaßen klein ausgefallen, dass es einer Lupe bedarf. Darüber hinaus jedoch wird einem bei der Einarbeitung bewusst: Hurra, keine zweite Bedienebene. Dass ich das noch erleben darf – bei einem Multi-Modulationspedal! Da gibt es tatsächlich fünf grundsätzliche Parameter, und mehr nicht. Und wer weiß, vielleicht zeigt der Praxisteil, dass das auch noch reichen könnte. Schauen wir uns das mal an, wie genau Wampler seine Modulationen nimmt:

  • Tremolo
  • Rotary
  • Auto-Wah
  • Flanger
  • Phaser
  • Envelope Filter
  • U-Vibe
  • Auto Swell
  • Harmonic Tremolo
  • Dimension
  • Chorus

Für Gitarre und Bass geeignet

Man merkt also – ist sowohl für Bass als auch Gitarre nutzbar. Alle elf Modulationstypen gehorchen den gleichen Parametern. Rate stellt die LFO-Rate ein, mit der man arbeiten möchte. Blend stellt das Mischverhältnis von bearbeitetem und unbearbeitetem Signal ein, und Volume kümmert sich um die allgemeine Ausgangslautstärke.

Der Depth-Regler gestaltet sich hier wiederum variabler: Während er grundsätzlich die Effektstärke einstellt, kann er auch die Sensitivität des Envelope Filters beispielsweise einstellen. Der unterschiedlichen Art der Modulationen trägt der Variable-Regler Rechnung. Hier greifen von Typ zu Typ unterschiedliche Parameter. Was heißt das konkret?

  • Chorus: Betonung der Bässe
  • Dimension: Betonung der Bässe
  • Harmonic Tremolo: Width
  • Tremolo: Schwingungsformform und Width
  • Auto Swell: Pick Attack Schnelligkeit
  • Rotary: Ramp Geschwindigkeit
  • U Vibe: Schwingungsform
  • Phaser: Stereo Width
  • Flanger: Feedback Level
  • Envelope Filter: Dynamik
  • Autowah: Dynamik

Man sieht also: Speziell beim Phaser ist Stereo ein prinzipielles Thema. Man wird im Praxisteil natürlich nachvollziehen, was das konkret heißt. Was bringt der Wampler Terraform noch mit sich? Nun, ein Expression-Anschluss ist auch Teil der Features und erlaubt es, nicht nur Rate, sondern jeden einzelnen der fünf Parameter direkt anzusteuern. Welche ihr da auswählt, können ebenfalls Teil des Presets sein. Stichwort Preset: Ohne MIDI können über den kleinen Plastikknopf in der Mitte acht Presets gespeichert werden. Der linke Fußschalter versetzt das Modulationspedal entweder in den True-Bypass-Modus oder aktiviert es, während der andere praktischerweise per Tap-Tempo die Einstellung des LFOs und die Rate erlaubt.

Man merkt also – eine recht umfassende Angelegenheit. Ehrlich gesagt hat mich der Preis überrascht: Für diesen Umfang habe ich instinktiv eine 399,- Euro Nummer erwartet, tatsächlich kostet der Wampler Terraform 100,- Euro weniger. Ich bin gespannt, was der Praxisteil nun hergibt.

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So klingt das Wampler Terraform

Auf drei Wegen testen wir das Wampler Terraform: „normal“ eingespeist in den Revv G20 in Mono, Stereo direkt in das Audio-interface sowie mit dem Malekko Manther Synthesizer. Wir beginnen mit Revv G20 und machen uns mit dem Wampler Terraform vertraut. Es wird recht schnell klar – das Wampler Terraform ist ein traditionelles Modulationspedal. Will heißen: Es arbeitet eher subtil und so habe ich zumindest bei der Verwendung am Revv G20 so viel rausgeholt aus Depth und Variation, um das Wampler Terraform an seine Limits zu bringen.

Rausgekommen sind tatsächlich sehr „traditionelle“ Modulations-Sounds, die sehr verlässlich arbeiten und ausreichend Klangtiefe besitzen. Wampler sind also hier nicht in experimentellen Gefilden unterwegs, sondern geben traditionellen Gitarristen ein Tool zur Hand, das die bekannte Nomenklatur der Modulation beherrscht. Wer’s böse meint, könnte in den Raum werfen: Das Wampler Terraform überrascht zu keiner Sekunde. Auf der anderen Seite lässt sich sagen: Das Wampler Terraform weiß genau, was es sein will. U-Vibe, Chorus und Flanger bringen den Sound-Sirup nur so zum Triefen, das Tremolo ist sensitiv, weich und klingt sehr „weit“.

Ich ahne, dass ich also auch im Stereo keine große Überraschung erwarten darf. Aufwendiges Panning? Fehlanzeige. Software-Editor für das Einstellen vom Stereo-Panorama? Auch Fehlanzeige. Tatsächlich setzt Ernüchterung ein: Auch diesmal haben wir es nicht mit einem Modulationspedal zu tun, das Stereo-Potential ausschöpft. Es klingt – da gibt es nichts dran zu rütteln – für das, was es ist, verdammt gut: ein sehr akzentuiert arbeitendes, subtiles und unaufdringliches Modulationspedal mit toller Resonanz. Wenigstens ist das Panning des Harmonic Tremolo wirkungsvoll und auch die Stereo-Breite des Phasers lässt sich einstellen. Ich würde mich jetzt mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass das Terraform in den traditionellen Sounds ein klein wenig natürlicher und wärmer klingt als das Möbius (mit dem ich ehrlich gesagt nie so richtig warm geworden bin). Es überrascht nicht, zaubert aber verlässlich glaubwürdige Modulation mit analoger Wärme hervor.

Auch ein Multieffektgerät für Synthesizer?

Erübrigt sich also der Test mit dem Synthesizer? Nicht zwangsläufig, denn speziell mit den bissigen 80s Sounds des Manthers könnte der Wampler Terraform ggf. gut harmonieren. Und tatsächlich – wir synchronisieren bei manchen Beispielen per MIDI, bei anderen lassen wir den LFO ein bisschen freier wüten. Wir beginnen jede Sequenz ohne den Wampler und drehen den Blend dann langsam rein. Es stellt sich raus, dass der Wampler Terraform ganz hervorragend dem Curts CEM-Chip zuarbeitet und seinen Charakter auf bemerkenswert gute Weise ergänzt. Speziell der Chorus kitzelt noch mal zusätzlich was aus der Sequenz raus. Sehr schön! Dass bei einem so traditionell ausgerichtetem Modulationsgerät eine MIDI-Anbindung dabei ist, ist nichtsdestotrotz heutzutage fast eine Selbstverständlichkeit. Dass es bei so einem Konzept aber auch seine Berechtigung hat, nicht unbedingt. In diesem Sinne – well done, Wampler!

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Fazit

Das Wampler Terraform Multieffektpedal ist  eine zeitgemäße Kiste mit traditionellen Modulations-Sounds – ein bisschen länger her, seit sich eine Firma an so einem umfassendem Konzept versucht hat und dabei bodenständig geblieben ist. Wer große Überraschungen erwartet oder experimentelle Wege einschlagen möchte: Das Wampler Terraform ist dafür nicht geeignet. Wer jedoch seinen Phaser, Flanger, Chorus, Tremolo und Auto-Wah verlässlich und puristisch haben möchte, ohne dass das Klangbild dabei ins Klinische kippt: Et voilà – der Wampler Terraform arbeitet euch zu und ist ein verlässlicher Partner mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis und harmoniert darüber hinaus prächtig mit dem richtigen Synthesizer.

Plus

  • 11 beendruckend klingende Modulationssounds
  • natürlicher analoger Sound
  • MIDI
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 299,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    index  AHU

    ….danke für den Test, die Klangbeispiele gefallen mir, ich finde das Gerät klingt sehr organisch, sowohl mit Gitarre als auch mit Synth.
    Mir sind die Sounds auch „Stereo“ genug und schön, dass auch der Eingang Stereo ausgelegt ist.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Nach mehr Zeit mit dem Gerät muss ich wirklich einräumen, dass ich dem Terraform den Vorzug vor dem Möbius geben würde. Starke Kiste.

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