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Test: Warm Audio WA-8000, Röhren-Großmembran-Kondensatormikrofon

13. Dezember 2021

Klassiker-Klon zum Spartarif

warm audio wa8000 test

Warm Audio WA-8000, Röhren-Großmembran-Kondensatormikrofon

„Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht“ – das könnte fast das Firmenmotto von Warm Audio sein, denn die Liste der „Klone“, die die 2011 in Texas gegründete Firma im Lauf der letzten 10 Jahre gefüllt hat, ist lang. Das begann mit dem Mikrofonvorverstärker WA12, dem Jahre später der WA-412 folgte (= API 312), ging weiter mit dem Kompressor WA76 (= UA 1176 Rev D) oder dem EPQ-WA (= Pultec EQP-1A). Nicht zu vergessen die vielen Mikrofone, wie WA-14 (= AKG C414), WA87 (= Neumann U87), WA-47 (= Neumann U-47) oder das WA-67 (= Neumann U67). Daraus macht der Hersteller auch gar keinen Hehl: „Warm Audio creates modern reproductions of legendary studio classics without compromising quality and design parameters” – begehrte Klassiker zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Entsprechend ist Warm Audio auch fester Bestandteil unseres Artikels „Recording-Klassiker zum Schnäppchenpreis“. In diesem findet ihr eine Vielzahl von Nachbauten und Klone.

Warm Audio WA-8000

Mit dem Warm Audio WA-8000, das ich heute hier im Test habe – ein Nachbau des legendären Sony C-800G – ist nun ein weiteres Mikrofon zu der Liste hinzugekommen. Und während für das Original inzwischen astronomische Summen aufgerufen werden, gibt es das WA-8000 schon für 1.300,- Euro. Wurde dafür am Klang oder an der Verarbeitung gespart? Oder kann die Warm Audio-Reproduktion auf ganzer Linie überzeugen?

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Warm Audio WA-8000

Warm Audio WA-8000

Technische Daten des Warm Audio WA-8000

Das Warm Audio WA-8000 ist ein Röhren-Großmembran-Kondensatormikrofon (ein Wortungeheuer, das ohne Bindestriche der Traum eines jeden Scrabble-Profis ist) mit den Richtcharakteristiken Niere und Kugel. Die verwendete Röhre ist eine NOS 6AU6, eine 7-polige Miniatur-Sharp-Cutoff-Pentode, die in den 1940er-Jahren ursprünglich für Hochfrequenz-Breitbandanwendungen entwickelt wurde und später dann auch in Verstärkern und Mikrofonen eingesetzt wurde. Zum Einsatz kommen außerdem ein Lundahl Ausgangsübertrager und eine „custom K-67 inspired all-brass capsule“ – eine der K67-Kapsel von Neumann nachempfundenen Doppelmembran-Kapsel, die auch im Sony C-800G verwendet wird. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 20 – 20.000 Hz an, das Eigenrauschen mit 15 dB(A) (Niere) bzw. 17 dB(A) (Kugel), den Grenzschalldruck mit 131 dB (Niere) bzw. 134 dB (Kugel).

Sony C-800G

Das Original: Das Sony C-800G

Intermezzo: Das Sony C-800G und seine Klone

Das Sony C-800G ist in Studiokreisen fast so etwas wie ein Mythos, seit 1992 auf dem Markt und gehört mit zu den teuersten Mikrofonen überhaupt. In Europa darf es wegen der verwendeten Kühlflüssigkeit aufgrund der RoHS-Bestimmungen nicht angeboten werden (RoHS = Restriction of Hazardous Substances in electrical and electronic Equipment), zudem fehlt wohl auch eine CE-Kennzeichnung. In den USA ist es aktuell für 10.700,- US-Dollar erhältlich, ich bin bei der Recherche auf dem Gebrauchtmarkt aber auch auf Angebote gestoßen die bis zu 17.000,- Dollar reichten. Immer wieder tauchen auch Meldungen/Gerüchte auf, dass Sony die Produktion eingestellt hätte oder zumindest beabsichtigt, das bald zu tun. Was die Preise dann weiter befeuert.

In den USA ist das C-800G DAS angesagte Mikrofon für Rapper, R&B und Hip-Hopper, wurde/wird aber auch sonst rege genutzt. Mariah Carey, Luther Vandross, Michael Jackson, Steely Dan, Dr. Dre, Rihanna, Eminem, Justin Bieber, 50 Cent, Beyonce, Justin Timberlake, R. Kelly und viele weitere Superstars haben mit dem Röhren-Mikro von Sony aufgenommen – anscheinend ein Must-have in der Superstar-Szene. Dabei steht es aber in dem Ruf, etwas speziell und analytisch zu sein, nicht bei allen Stimmen gut zu passen und auch nur mit ausgewählten Preamps zur wahren Höchstform auflaufen zu können. Kein „One size fits all“-Mikrofon also, aber wenn es dann tatsächlich mal zum Sänger passt, soll es (angeblich) wahre Wunder vollbringen. Die Röhre im C800 muss wohl regelmäßig gewechselt werden (wozu es eingeschickt werden muss, bei den Intervallen scheiden sich die Geister), weil sie ansonsten angeblich schnell sehr dunkel klingen soll – so ist es zumindest in einigen einschlägigen Foren zu lesen. Snoop Dogg hat deshalb (auch angeblich) all seine C800er gegen das Slate VMS (VMS = Virtual Microphone System) ersetzt.

Womit ich kunstvoll die Kurve zu den Nachbauten bekommen habe. Wobei das Slate Digital ML-2 (bzw. ML-1) kein echter Nachbau, sondern – zusammen mit dem VMS ONE – Preamp und der VMS-Software – eine Mikrofon-Emulation, die (neben einigen Neumann-Klassikern, dem Shure SM7B oder dem Telefunken ELA-M 251) auch das Sony C800G im Angebot hat. Mit dem Golden Age GA-800G hat sich dann im letzten Jahr Hersteller Golden Age Premier – bekannt für seine guten Kopien klassischer Preamps, Kompressoren und Equalizern an das Sony C800G gewagt (hier unser Test dazu). „Klanglich nichts auszusetzen, aber mit Mängeln in der Verarbeitung“, so das Fazit von meinem Kollegen Armin Bauer. Zu erwähnen ist in dem Zusammenhang auch das ZP800G vom belgischen Vintage-Spezialisten ZP Microphones, das zwar anders ausschaut als das C800G und komplett neu aufgebaut wurde, aber einen ähnlichen Klangcharakter besitzt; die Namensähnlichkeit wurde ja nicht zufällig gewählt.

Warm Audio WA-8000

Alles im Koffer

Warm Audio WA-8000: Ausgepackt

Als der DHL-Fahrer den unerwartet großen Pappkarton auf die Türschwelle wuchtet, um dann postwendend (Wortwitz) zu seinem Wagen zurückzueilen, will ich ihm noch nachrufen, dass das sicher ein Missverständnis sei – so was Großes hätte ich nicht bestellt, ich würde ein Mikrofon erwarten und kein Modular-Komplettsystem. Aber zu spät, weg ist er. Das Auspacken hat was von den Matroschka Puppen: Im Karton noch ein Karton, darin dann wiederum ein stabiler Hartschalenkoffer, Marke Geheimagent – so einer, den man sich mit Handschellen ans Handgelenk kettet, weil im Inneren entweder Diamanten, Lösegeld oder ein zerlegte Pistole samt Schalldämpfer liegen. Kein Vergleich also zu den üblichen Spielzeugkoffern, die gerne mal den Mikrofonen im unteren und mittleren Preissegment mit auf den Weg gegeben werden.

Dass die Größe des Koffers dann auch durchaus sinnvoll ist, zeigt ein Blick auf den Inhalt. Dort ist – neben dem Mikrofon inklusive Schaumstoff-Windschutz selber natürlich – auch das separate, ungewöhnlich große Netzteil samt Kabel untergebracht (das mich mit seinem oldschool Vollmetallgehäuse, dem Tragegriff,  dem altmodisch/klassisch anmutenden Schalter und der blauen großen LED – warum auch immer – eher an einen Geigerzähler denn als ein Netzteil erinnert, aber deutlich kleiner ist als das des Sony-Vorbildes), eine speziell geformte Spinne/Shockmount  plus ein XLR-Kabel (7-poliges GAC-7-Kabel von Gotham/Schweiz – „because it’s quite simply the best tube mic cable in the world.“, schreibt Warm Audio dazu). Letzteres finde ich sehr aufmerksam, da für den Betrieb des WA-8000 zum einen derer zwei gebraucht werden (eines vom Mikro ins Netzteil und ein weiteres vom Netzteil in den Mixer), zum anderen aber natürlich auch ein spezielles, da Röhrenmikrofone wie gesagt ein Netzteil benötigen und Signalspannung und Netzspannung gemeinsam über ein mehrpoliges Kabel laufen. Daher ist das mitgelieferte Kabel 7-polig, während Standard-XLR-Kabel 3-polig sind.

Alle Komponenten liegen gut gesichert in den Aussparungen der stabilen Kunststoff/Gummi-Einlage, zudem ist der Deckel noch mit Noppenschaum ausgepolstert – da kann beim Transport kaum etwas passieren. Obendrauf gibt es auch noch ein gedrucktes viersprachiges Handbuch (inkl. Deutsch) plus einen Hochglanz-Produktkatalog.

Warm Audio WA-8000

Die Spinne gehört mit zum Lieferumfang

Noch ein Intermezzo: Röhrenmikrofone

Bevor es weitergeht, eben noch ein paar Anmerkungen zu Röhrenmikrofonen allgemein. Röhrenmikrofone sind fast auch immer Kondensatormikrofone. Bei den meisten heutigen Kondensatormikrofonen wird die „Vorverstärkung“ (genauer: die Impedanzwandlung, um das leise Signal von der Kapsel ausreichend zu verstärken) über Transistoren abgewickelt, früher (bevor es Transistoren gab) wurde das mit Vakuumröhren erledigt. Eigentlich ein „alter Hut“ also; doch aufgrund ihrer ganz speziellen Eigenschaften sind die Röhrenmikrofone auch heute immer noch – oder besser: inzwischen wieder – sehr beliebt. So klingen sie allgemein etwas wärmer (da sie oftmals stärker als Transistormikrofone harmonische Obertöne produzieren bzw. selbige verstärken), sehr transparent, reagieren schnell auf Pegelspitzen und werden bei zu hohem Pegel (der dann leicht komprimiert wird) leicht kratzig und bekommen dann einen dezent harschen Sound. Gerade bei Gesangsaufnahmen wird die Stimme so verstärkt in den Vordergrund gerückt.

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Röhrenmikrofone müssen etwas anders behandelt werden als ihre Transistor-Kollegen: So benötigen sie ein paar Minuten Aufwärmzeit (Warm Audio empfiehlt sogar, das Netzteil bereits 30 Minuten vor dem Einsatz einzuschalten), um ihre volle Leistung bringen zu können (wer einen Röhren-Amp hat, kennt das), auch ist die Röhre recht empfindlich, was Erschütterungen angeht: Lautstark reinpusten, heftiges Dagegenklopfen („One Two One Two“) oder gar fallenlassen ist keine gute Idee. Auch sollte man es vermeiden, ein Röhrenmikrofon an ein bereits laufendes Netzteil anzuschließen (sollte man auch bei anderen Mikrofontypen tunlichst unterlassen), weil die dabei entstehende Spannungsspitze Röhre und/oder die Mikrofonkapsel zerstören könnte. Die mitgelieferten modernen, speziellen Netzteile sind inzwischen so weit stabilisiert, dass sie die Betriebsspannung langsam hochfahren und so das Innenleben des Röhrenmikrofons schonen. Nach dem Ausschalten schließlich sollte man dem Mikrofon auch etwas Zeit zum Abkühlen geben und nicht gleich vom Stativ reißen und in den Koffer befördern.

Zu den bekanntesten/beliebtesten Röhrenmikrofonen gehören das Neumann U47 (das heute neu nur noch als Telefunken U-47 erhältlich ist, Preis ca. 11.000,- Euro, oder als Neuauflage Neumann U47 FET, Preis ca. 3.500,- Euro), das Neumann U67, das inzwischen wieder angeboten wird (ca. 5.700,- Euro), das Neumann M147 (ca. 2.400,- Euro) oder das VM1 (ca. 4.200,- Euro) und das Valvet (ca. 2.600,- Euro) von Brauner. Es geht aber auch preiswerter: Das Sontronics Aria gibt es „schon“ für ca. 1.250,- Euro, das Rode K2 für 600,- Euro und das the t.bone SCT 2000 beispielsweise bereits für 220,- Euro.

Wer mehr über Röhren erfahren will, dem sei der AMAZONA.de Artikel „Alles rund um Röhrensound für Musiker und Tonstudios“ unseres Chefredakteurs Peter Grandl ans Herz gelegt.

Warm Audio WA-8000

Der Kühlkörper wird im Betrieb schnell richtig heiß

Das Warm Audio WA-8000 im Detail-Check

Augenfälligstes und auch ungewöhnlichstes Merkmal des Sony C800G ist ja zweifellos das seitlich abstehende Kühlsystem, das beim Warm Audio WA-8000 zwar ebenfalls vorhanden, aber nur noch etwa halb so groß ist; der kühlrippenlose Teil direkt am Mikrofon-Korpus wurde gestrichen, dafür wurde die Dicke des Metalllegierungsmaterials unterhalb der Montagestelle des Rohrs erhöht. Zudem verlaufen die Kühlrippen des WA-8000 horizontal und nicht vertikal. Und auch das Innenleben der Kühleinheit wurde abgeändert – schon deshalb, weil das Sony-Mikro ja wie erwähnt mit einer Kühlflüssigkeit arbeitet, die in Europa nicht zugelassen ist und damit den Verkauf des C880G bei uns (offiziell zumindest) unmöglich macht. Statt eines aufwändigen Peltier-Systems mit Halbleiter, Heat Pipe und Heat Sink setzt Warm Audio hier „nur“ auf einen speziell entwickelten Kühlkörper mit Kühlrippen, um die Wärme zu reduzieren (und damit auch das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern).

Warm Audio WA-8000

Ist es ein Reiseföhn? Eine Radarpistole? Nein, es ist das Warm Audio WA-8000!

Auch wegen des ca. 10 cm kleineren Kühlkörpers kommt das WA-8000 „nur“ auf ein Gewicht von knapp über 600 g und ist damit etwa ein Drittel leichter als das Sony C800G, das auf 900 g auf die Waage bringt. Ansonsten sind die Abmessungen der beiden Mikrofone fast identisch: 58 mm Durchmesser und 190 mm Länge/Höhe beim WA-800, 57 mm und 191 mm beim Sony-Pendant. Identisch auch die mattschwarze Lackierung, der Umschalter für Kugel/Niere auf der Vorderseite (der beim WA-8000 etwas weiter herausragt und damit einfacher zu betätigen ist), dazu das Logo (beim WA-8000 unterhalb des Schalters, bei Sony oberhalb). Der Rahmen des ebenfalls mattschwarze Metallgitter des Korbes, der die Kapsel schützt, ist bei Warm Audio schließlich etwas eckiger ausgefallen; alles nur kleine Unterschiede, der Wille zur Ähnlichkeit ist dennoch deutlich zu sehen.

Das mitgelieferte mattschwarz lackierte Netzteil ist aus massivem Stahlblech gefertigt, etwa 10x10x23 cm groß und satte 1,8 kg schwer, mit einem stabilen Tragegriff auf der Oberseite, Unmengen von Lüftungsschlitzen und auf der Rückseite Bedienelementen aus einer anderen Zeit: Der Netzschalter ist ein gewaltiger silberner Kippschalter, während die blaue Netzleuchte mit ihrer silbernen Fassung und dem Diamantschliff an Ringos Ring im Beatles-Film „Help!“ erinnert (Kaili!). Powerleuchte auf der Rückseite? Ja, die ist so hell und strahlt derart nach hinten ab, dass man auch so erkennt, ob das Gerät eingeschaltet ist, kein Problem. Ebenfalls noch auf der Rückseite (durch eine kleine verschraubte Plexiglasscheibe gesichert): ein Spannungsumschalter (110 V/230 V) und der dreipolige Anschluss für einen Kaltgerätestecker. Auf der Vorderseite dann die 7-polige MIC-IN-Buchse (female) für das spezielle XLR-Kabel sowie der Standard-XLR-Output (male) zum Anschluss an den Mixer.

Warm Audio WA-8000

Die Rückseite des Netzteils

So klingt das Warm Audio WA-8000

Vorab: Nein, ich habe leider kein Sony C800G hier herumliegen, um es mit dem Klang des Warm Audio WA-8000 vergleichen zu können. Ist natürlich schade, aber – erwähnte ich schon, dass das Sony 11.000 Euro kostet? Einen aktuellen klanglichen Direktvergleich der beiden Kandidaten könnt ihr euch aber vorab schon mal hier anhören/ansehen:

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Oder an dieser „Blindverkostung“ aus Japan teilnehmen. Welches ist das Sony C800G, welches das Warm Audio WA-8000? Erst hören, dann die Lösung in der Videobeschreibung aufklappen:

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So, derart eingestimmt mache ich mich mal selber an den Klangtest. Das WA-8000 befestige ich mit Hilfe der mitgelieferten Spinne – die extra eine Aussparung für den Kühlkörper besitzt und in der das Mikrofon mit zwei Schnallen (wie in einem Skistiefel) bombenfest befestigt wird – auf einem Stativ. Dann die Kabel anschließen: Das 5 m lange Spezialkabel vom Mikro zum Netzteil und von dort dann ein weiteres (normales) an den Mackie-Mixer. Erst dann das Netzteil einschalten, schließlich noch etwas warten, bis sich Mikro und Netzteil warmgelaufen haben – kann losgehen.

Um das WA-8000 zu testen, habe ich (wie immer) ein paar Sätze aus einer unserer News aus wechselnden Entfernungen und Positionen eingesprochen, sowohl mit Niere als auch mit Kugel. Als Popschutz diente dabei lediglich der mitgelieferte Windschutz aus Schaumstoff. Zum Vergleich habe ich die Sätze dann auch noch mit dem Rode Broadcaster (Niere, Preis 389,- Euro) und dem AKG C3000 (das ältere Modell aus den 90er-Jahren, noch umschaltbar auf Niere und Kugel, Preis damals umgerechnet rund 500,- Euro) aufgenommen, beides Großmembran Kondensator-Mikrofone. Während des Testens wurde der Kühlkörper des WA-8000 übrigens recht heiß – also nicht nur „handwarm“.

Hier der Frequenzverlauf des WA-8000:

Warm Audio WA-8000

Frequenzgang WA-8000

Der zeigt sich sowohl bei der Niere als auch bei der Kugel sehr linear, mit einer leichten Anhebung im Bassbereich und einer weiteren, etwas stärkeren in den Höhen zwischen 7 und 16 kHz, bevor die Kurve danach etwas abfällt. Bei der Kugelcharakteristik ist die Anhebung im Bass und in den Höhen ein wenig stärker ausgeprägt; in den Höhen gibt es zwischen 5 und 7 kHz (bevor die Kurve dann hoch geht) einen leichten Abfall unter die Null-Line.

Hier auch noch eben die Frequenzverläufe der beiden anderen Vergleichsmikrofone:

Frequenzgang AKG C3000

Frequenzgang AKG C3000

Frequenzgang Rode Broadcaster

Frequenzgang Rode Broadcaster

Starten wir mit der Kurzdistanz aus 5 cm Entfernung, Disziplin Niere.

Hier klingt das WA-8000 tatsächlich deutlich am wärmsten und rundum ausgewogen, ohne Bässe oder Höhen zu stark zu betonen, ein sehr angenehmes, freundliches und helles Klangbild. AKG und Rode sind da eine Spur schärfer in den Höhen, was – nach dem Blick auf die Frequenzverläufe – auch so zu erwarten war. Auch im Keller liefern die beiden nicht ganz so gut ab. Für diese Kurzdistanz müsste man dem Warm Audio WA-8000 in der Praxis eigentlich dann noch einen weiteren Popfilter vorsetzen, auch wenn es auch mit dem Windschutz schon gut die meisten Plosive abfedert.

Rücken wir mal etwas weiter ab vom Mikrofon und gehen auf eine Distanz von 10 cm. Den Eingangspegel habe ich dafür am Mixer etwas weiter aufgezogen, um am Ende ein einheitliches Lautstärkebild zu haben.

Der Nahbesprechungseffekt hat beim Warm Audio WA-8000 auch in der vergrößerten Distanz nicht nennenswert nachgelassen, das Klangbild ist unverändert ausgewogen und linear, die Bässe sind relativ konstant; Rauschen ist auch hier kein Thema. Beim AKG und beim Rode sind die Unterschiede da ein klein wenig augenscheinlicher, die beiden klingen nun etwas mittiger.

Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn ich die Distanz auf ca. 20 cm vergrößere. Das WA-8000 bleibt beharrlich auf der warmen Wohlfühl-Linie.

Und wie sieht es mit der Kugel-Charakteristik aus? Hier scheidet das Rode Broadcaster aus dem Vergleichstest aus, da es ausschließlich die Niere liefert. Mein AKG stammt noch aus den 90er-Jahren; damals hatte das C3000 noch zwei Mikrofonkapseln und damit auch zwei Richtcharakteristiken. Auch hier wieder starte ich in der Kurzdistanz von 5 cm, die Einsprechrichtung ist frontal von vorn:

Mit der Kugel klingt das Warm Audio WA-8000 zwar ein ganz klein wenig dumpfer, etwas mittiger (dafür könnte der angesprochene kleine Knick im Frequenzverlauf zwischen 5 und 7 kHz verantwortlich sein), aber für Kugel erstaunlich ausgewogen – da habe ich schon deutlich schlechtere gehört. Auch beim AKG zeigt sich dieser „etwas dumpfer“-Effekt. Allerdings ist die Kugel dann auch eher nicht die Charakteristik der Wahl für dedizierte Sprachaufnahmen.

Hören wir da noch kurz in die 10 und 20 cm Distanz rein. Mit zunehmender Entfernung wird bei der Kugel dann natürlich auch der Raum hörbar – beim WA-8000 etwas mehr als beim AKG C3000. Das Klangbild ändert sich beim Warm Audio WA-8000 aber kaum.

Kugelcharakteristik – das bedeutet ja, dass das Mikrofon nach allen Seiten hin gleich empfindlich ist. Dann müsste der Klang ja auch immer gleich aufgezeichnet werden können, gleichgültig wo das Mikro bzw. die Schallquelle positioniert ist. Das probiere ich mal aus und quatsche Warm Audio und AKG von der Seite an:

Tatsächlich, kein Unterschied zum Frontalangriff. Beachtenswert, dass der Windschutz des Warm Audio WA-8000 da völlig ausreicht, während derselbe Windschutz auf dem AKG nicht die völlige Plosivkontrolle hat; da scheint es im WA-8000 auch intern eine Hilfestellung zu geben.

Spreche ich die Mikrofone von der Rückseite aus an, sind Unterschiede aber ganz deutlich hörbar: Während das Warm Audio nur geringfügig mittiger und etwas hohler klingt, knickt das AKG völlig ein – die alte Kugel scheint wohl doch nicht so kugelig gewesen zu sein (und wurde bei der neuen Version dann auch gestrichen).

So, genug gequatscht, was ist mit Gesang? Probiere ich doch einfach mal (jetzt ohne Rücksicht auf Intonation oder so, zudem im Sitzen gesungen) und liefere euch passend zur Jahreszeit ein kleines Weihnachtsständchen auf allen drei Mikrofonen.

Dass das AKG hier etwas bassiger klingt, mag auch an einem leicht anderen Abstand zum Mikrofon liegen, da hatte ich (anders als bei den Sprachaufnahmen) kein Lineal angelegt. Das Warm Audio klingt in meinen Ohren hier am offensten und mit den deutlichsten Höhen.

Ein ähnliches Bild bietet sich schließlich, wenn ich mit der Ukulele ein paar Akkorde einschrammele. Auch hier wirkt das Warm Audio am präsentesten und klarsten.

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Fazit

Natürlich hätte ich gerne ein Sony C-800G hier gehabt, um mal einen direkten Vergleich zu hören (Berichte aus US-Studios besagen, dass das WA-8000 da sehr nahe dran ist). Und sicher müsste man das Warm Audio WA-8000 mal ein paar Tage lang knallhart im Studioalltag mit verschiedenen Stimmen, Instrumenten und Stilen testen, um es final bewerten zu können. Mich jedenfalls hat das WA-8000 auch so voll überzeugt. Der Klang ist wunderbar ausgewogen, mit einer Spur Wärme, Sanftheit und Tiefe, hat aber trotzdem die notwendige Klarheit, um die Stimme gut in den Vordergrund zu holen. Warm Audio hat mit dem WA-8000 einen gelungenen Nachbau geschaffen, ohne bei der Technik oder der Ausstattung zu sparen: nicht nur das Mikrofon selber, auch Netzteil, Shockmount und Kabel überzeugen da auf ganzer Linie. Wer bisher vergeblich nach einem Sony C-800G gesucht hat (oder einfach nicht das Geld dafür hatte), sollte das Warm Audio WA-8000 auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen.

Plus

  • schön ausgewogenes, warmes und transparentes Klangbild
  • verliert auch in der Distanz nicht
  • sehr solide verarbeitet
  • Komplettpaket mit Koffer, Spinne, Kabel und Windschutz
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • vielseitig einsetzbar
  • neben der Niere auch eine gute Kugelcharakteristik

Preis

  • 1.290,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    calvato  

    …sei mir nicht böse, aber das Broadcaster und das C3000 als Vergleich zu nehmen klappt doch hinten und vorne nicht… die gehen ja beide in eine VÖLLIG andere Richtung, auch vom Preis her.
    Die Interezzi fand ich allerdings ganz spannend ;)

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Schon klar, aber ich habe leider keine anderen Röhrenmikros hier zum Vergleich. Und so habt ihr dann wenigstens eine Idee, wie anders so ein Röhrenmikro klingt als ein Kondensator-Teil. Oder auch nicht. Das der Gedanke dahinter. Ich hätte die Vergleiche natürlich auch ganz weglassen können.

      • Profilbild
        AQ  AHU

        Zunächst mal danke für den eigentlich guten und informativen Beitrag. Aber, was soll der Vergleich? Das WA-8000 als Kopie eines der legendärsten Mikrofone auf dem Markt, kann man einfach nicht zwei „Billigmikros“ gegenüber stellen. Auch wenn Du keine andere Röhre zur Verfügung hast, in dieser Kategorie gibt es gute Mikros welche sich für den Vergleich geeignet hätten. Ein U87 oder etwas in der gleichen Preisklasse, etwas von Brauner oder das Austrian Audio OC818 sind Hausnummern mit welchen sich ein solches Gerät messen lassen MUSS. Und, dann musst Du dir sowas halt ausleihen, oder mit dem Ding in ein Studio wo Die Vergleichskandidaten zu Verfügung stehen dislozieren. Beim SWR gibts doch sicher eine Möglichkeit. Übrigens, wo hat das C3000 Schalter für die Richtcharakteristik?
        So macht das einfach keinen Sinn.

        • Profilbild
          m.steinwachs  RED

          Normalerweise läuft es ja so bei den Mikro-Tests: Man schreibt ein paar Absätze und liefert einige Klangbeispiele, fertig. Mein Gedanke war nun, dass es vielleicht auch interessant wäre mal zu hören, wie weit sich so ein hochwertiges Röhrenmikro denn nun von den Mikros unterscheidet, die die meisten von uns zu Hause haben (ein Großteil unserer Leser/Community kommt nun mal aus dem Homestudiobereich und wird kein Brauner, Austrian Audio oder Neumann besitzen). Zumindest war das die Frage, die ich mir gestellt hatte: Lohnt sich ein Umstieg auf die teurere Röhre?

          Das sollte kein Vergleichstest sein (das wäre ja wirklich Quatsch), sondern einfach nur ein kleiner Extra-Service – das hätte ich vielleicht besser deutlich machen sollen, mein Fehler – sorry dafür. (Und nein, wir bekommen hier kein Zeilenhonorar oder werden nach Anzahl der Soundbeispiele bezahlt, insofern hätte ich mir das auch schenken können). Wer sich nun daran stört, der hört sich die Extrabeispiele einfach nicht an.

          Und zu Deiner anderen Frage: Die erste Reihe des C3000, das Anfang der 90er erschienen ist (genauer: 1993), hatte noch eine Doppelmembran und daher auch zwei Richtcharakteristiken (Niere und Kugel). Das heute verkaufte C3000 ist eigentlich das C3000B, bei dem es nur noch die Niere gibt (weshalb es auch deutlich preiswerter ist als die Urausgabe 1993, das damals wahrhaftig kein „Billigmikro“ war).

          • Profilbild
            steme  

            Also ich bin der Meinung, Herr Steinwachs hat sich sehr viel Muehe gegeben und eine gute Arbeit hier abgeliefert.
            Er hat recherchiert und viele Hintergrund infos aufbereitet. Dazu noch die ganzen Audio beispiele. Selbst mit nicht direkt vergleichbaren Mikros (oder vielleicht sogar gerade deswegen) macht das alles sehr viel Sinn fuer mich.
            Und ich kann das alles hier umsonst lesen und anhoeren. Aus meiner Sicht: Vielen Dank dafuer!

            A propos: Die infos ueber das C3000 hatte der Autor schon weiter oben gegeben. Das koennte man als kritischer Leser auch selbst recherchieren. Er muss sich da nicht rechtfertigen…

  2. Profilbild
    janschneider  

    Der Pedant in mir möchte darauf hinweisen, dass ein Mikro aus den neunziger Jahren nicht 500,-Euro gekostet haben kann ;)

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