Geklotzt, nicht gekleckert!
Das Warm Audio WA-CX24 ist eine originalgetreue Nachbildung eines der berühmtesten Stereo-Röhrenmikrofone der Studiogeschichte. Und zwischen diesen marketinggefärbten Worten und dem Gefühl, dieses mächtige Mikro in den Händen zu halten, ist ein gigantischer Unterschied. Dieser „Nachbau“, und das habe ich bewusst in Anführungszeichen geschrieben, ist etwas ganz Besonderes. Lasst uns gemeinsam in dieses Erlebnis eintauchen. Ein etwas anderer Test.
Kurz & knapp
- Klangqualität: Sehr voller, warmer und dennoch transparenter Röhrenklang mit flexibler Stereoabbildung.
- Verarbeitung: Hochwertige Materialien, massive Bauweise und edles Zubehör im stylischen Tweed-Koffer.
- Flexibilität: Zwei individuell einstellbare Kapseln ermöglichen professionelle Stereo- und Experimentier-Setups.
- Preis-Leistung: Für 1.656,- Euro ein echtes Highlight – deutlich günstiger als das Original oder teurere Alternativen.
- Kritikpunkt: Die Steuereinheit wirkt optisch schlicht und könnte dem edlen Gesamtbild besser angepasst sein.
Inhaltsverzeichnis
Wer ist der Urahn des Warm Audio WA-CX24?
Wie erwähnt, es ist ein Nachbau des legendären AKG C24 Stereomikrofons aus den 1950ern. Der österreichische Hersteller wollte eine echte Stereoabbildung mit nur einem Mikrofon realisieren und dieser Anspruch führte zu einer interessanten technischen Ausführung: Man verbaute zwei Doppelmembran-Mikrofonkapseln übereinander, im Abstand von nur 1,5 Zoll, was Laufzeitunterschiede praktisch unhörbar macht.
Dazu kann das obere Mikrofon um 180 Grad gedreht werden, um verschiedenste Stereobreiten und somit Aufnahmetechniken schnell und unkompliziert zu ermöglichen. Und da es sich bei jeder Kapsel um eine Doppelmembran handelt, kann man diesen auch individuelle Charakteristika zuweisen, jeder Kapsel unabhängig von der anderen.
Insgesamt jeweils 9 verschiedene Modi sind möglich, von der Kugel, der Niere bis zur Acht und dazu sechs weitere Zwischenpositionen.
Technisch ist das AKG C24 eine Konstruktion aus zwei der legendären C12 Systeme (baugleich mit dem Telefunken ELAM 251) und kann somit auch als Mono-Mikrofon betrieben werden. Wie in den 1950ern üblich, findet die Verstärkung über eine Vakuumröhre samt Übertrager statt.
Und falls sich jemand fragt, warum man sich nicht einfach das Original zulegen sollte. Dem sei der einfache Text „AKG C24“ in der Suchmaschine seiner Wahl empfohlen. Die Preise gehen bei knapp 20.000,- Euro los und enden bei weit über 45.000,- Euro für ein C24. Dazu wurden vom originalen C24 nur etwa 1.000 Stück gebaut. Noch Fragen?
Was kann das Warm Audio WA-CX24?
Hier beginnt die Magie, denn es ist kaum zu glauben, mit welcher Detailverliebtheit der texanische Hersteller sich an diese Hommage des C24 gemacht hat. Handselektierte 12AY7 Röhren, insgesamt zwei Ausgangsübertrager von TAB-Funkenwerk USA, Doppelmembran-Kapseln im exakten Nachbau der C12 Originale und selbst die Verpackung im Koffer ähnelt dem Original.
Die komplette Konstruktion besteht aus Metall und wiegt ohne Halterung und Kabel bereits 1,4 kg. Dazu die vibrationsdämpfenden Gummis und die Schnellverschlüsse an der hochwertigen Spinne, das dicke und schwere 5 m Gotham GAC-9 Kabel und das Netzteil mit den beiden Reglern für die Richtcharakteristika. Alles zusammen in einem wunderschönen, abschließbaren Tweetkoffer mit Lederkanten und Metallbeschlägen untergebracht.
Das Mikrofon selbst ist fast 36 cm lang und weist einen Durchmesser von 5 cm auf. Ein einfacher Tischständer oder ein 9,- Euro Stativ können mit diesem „Ungetüm“ in Form eines riesigen Stabmixers nicht umgehen. Hier wird „Heavy Metal“ benötigt, um dieses massive Studiogerät sicher festzuhalten.
Leider, und das ist wirklich einer der wenigen Kritikpunkte am CX24, fällt das Design der Steuereinheit etwas ab. Ein recht schnöder schwarzer Kasten mit den beiden Reglern, den Buchsen für die Kabel und dem On/Off-Schalter mit blauer Betriebsleuchte.
Wenn man sich dagegen das Original in Vintage-Hammerschlag-Optik ansieht, dann sehe ich hier noch Optimierungspotenzial, was aber der Funktionalität des Betriebs keinen Abbruch tut.
Ansonsten ist die Verarbeitung superb. Es ist Usus bei Warm Audio, dass man die Geräteteile in Fernost fertigen lässt, der Zusammenbau und die finalen Tests aber in Texas stattfinden. Eine gute Kombination, die einen hohen Qualitätsstandard mit bezahlbaren Preisen kombiniert.
Die technischen Daten des Warm Audio WA-CX24
Aufgrund seiner Bauweise ist das Mikrofon für einen sehr breiten Einsatzbereich konzipiert, denn es kann sowohl als Overhead-Mic für Drums, als Single-Stereomikrofon für Chöre oder als Singer/Songwriter-Mikrofon verwendet werden.
Dementsprechend eignet es sich für Maximalpegel von bis zu 149 dB, bei einem Frequenzbereich von 30 Hz bis 20 kHz. Das Eigenrauschen beträgt sehr gute 22 dBA und der gesamte Signal-Rauschabstand liegt bei 73 dB.
Das sind alles sehr erfreuliche Werte und diese lassen auf einen sehr unproblematischen Betrieb schließen, wenn man entsprechend robuste Mikrofonständer sein Eigen nennt.
Das Warm Audio WA-CX24 in der Praxis
In meinem Tonstudio greife ich gerne auf das Lewitt LCT640TS zurück, das ebenfalls als Stereomikrofon ausgelegt ist. Allerdings verfügt es nur über eine Doppelmembran-Kapsel, die getrennt abgenommen werden und so in einer Ausrichtung von 90° zur Schallquelle zwar ein echtes Stereosignal aufzeichnen, allerdings mit einer schwachen Mittenabbildung. Dafür habe ich mir dann das Lewitt LCT 140 AIR geholt, um diese „Lücke“ aufzufüllen. So kann ich ein sehr schönes Stereosignal generieren.
Das Warm Audio WA-CX24 (und natürlich sein Urahn) ist da weit flexibler, denn mit der drehbaren oberen Kapsel kann man professionelle Aufnahmetechniken durchführen, wie beispielsweise das Blumlein Stereosystem mit zwei gekreuzten Mikrofonen mit einer Acht als Richtcharakteristik. Dieses erzeugt ein sehr natürliches räumliches Klangbild.
Optional kann man mit dem Warm Audio WA-CX24 auch klassische X/Y-Mikrofonierung betreiben, das für ein Klangbild entsprechend der Stereoausrichtung von Lautsprechern sorgt. Hier findet die virtuelle Lokalisierung durch eine Interchannel Pegeldifferenz statt und nicht durch Laufzeitunterschiede, wie bei der Verwendung zweier Mikrofone mit fest definiertem Abstand.
Dazu lädt das System ein, damit zu experimentieren. Wie wäre es mit einer geraden Ausrichtung, bei der die obere Kapsel in den Raum in Kugelcharakteristik und die untere als Niere auf den Interpreten gerichtet ist? Durch die völlig flexible Konfiguration kann man interessante Klanggebilde im Studio erstellen.
Zusätzlich zu dem Effekt durch die drehbare Kapsel ist das Warm Audio WA-CX24 auch ein wunderbar warm und voll klingendes Röhrenmikrofon. Im Monobetrieb gefällt es mir mit seinem sonoren Charakter und den sanften, aber trotzdem transparenten Höhen, besonders gut.
Auch dynamisch kann das Warm Audio überzeugen. Kleine und große Pegelunterschiede werden authentisch abgebildet und so entsteht ein lebendiges und authentisches Klangbild.
Warm Audio hat auf seiner Soundcloud-Seite einige sehr aussagekräftige Klangbeispiele zusammengestellt, die die Möglichkeiten des Warm Audio WA-CX24 eindrucksvoll demonstrieren:
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Trotzdem muss einem bei so einem Mikrofon bewusst sein, dass es sich um ein Vintage-Mikrofonsystem handelt. Wer jedes leise Atmen des Interpreten hören möchte oder das leise „rrrr“ beim Verschieben der Finger über eine Metallseite der Gitarre, der sollte sich vielleicht ein modernes Mikrofon, wie das Lewitt, ansehen.
Das Warm Audio ist kein Mikrofon für Detailfanatiker oder ASMR-Freaks. Wenn ich aber den Spirit einer Stimme, den Mojo eines alten Pianos oder den Charakter eines Kirchenschiffs einfangen möchte, dem sei das Warm Audio WA-CX24 ans Herz gelegt.
Preis und Verarbeitung des Warm Audio
Das Warm Audio WA-CX24 kostet 1.656,- Euro und das ist ein Knaller-Angebot für das Gebotene und die Tatsache, dass man mit diesem Mikrofonsystem extrem nah an den Charakter des originalen AKG C24 herankommt. Dabei muss man keinerlei Abstriche in Sachen Qualität oder Verarbeitungsgüte machen.
Die Mitbewerber des Warm Audio WA-CX24
Da haben wir zum einen das Peluso P-24, das ebenfalls als Hommage an das AKG C24 bezeichnet wird. Dieses System wurde erst zur NAMM 2025 vorgestellt und soll laut Hersteller 3.999,- US-Dollar kosten, also rund das Doppelte des Warm Audio WA-CX24.
In Deutschland eher unbekannt ist der Hersteller Vanguard mit dem V44S Gen2, das für etwa 1.900,- Euro zu bekommen ist.
Ein echter Preisknaller ist das Avantone CK-40, das allerdings ohne Röhre und Doppelmembranen auskommen muss. Dafür wird für das CK-40 auch nur 689,- Euro aufgerufen.
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