Test: Warwick AL Bootsy Collins Spacebass, E-Bass

21. Februar 2017

Bootsy's Baby!

Bootsy Collins gilt als einer der Funkveteranen schlechthin, wurde er doch bereits im zarten Alter von siebzehn Jahren vom „Godfather of Soul“ James Brown höchstpersönlich für seine Liveband rekrutiert, um später dann den Sound der wegweisenden „P-Funk“- Projekte von George Clinton, „Parliament“ und „Funkadelic“ maßgeblich zu prägen. In den 1990er Jahren wendete er sich unter anderem als Produzent der Hip-Hop-Szene zu, wo er dann auch 1990 mit der Band Deee-Lite und dem Titel „Groove is in the Heart“ einen Welthit landete. Sein bis dato letztes Soloalbum „Tha Funk Capital of the World“ erschien 2011.

Doch nicht nur der avantgardistische Sound und Stil am Bass steht für Bootsy Collins, auch sein extravagantes Bühnenoutfit mit allerlei glitzernden Gewändern und ausladenden Hüten (der Meister zieht sich während einer Show mehrfach um …) tragen zu seiner Berühmtheit bei. Dazu passend werden diverse Bässe, in der Regel Unikate mit der Korpusform eines fünfzackigen Sternes, auf der Bühne gespielt. Marktführer Warwick hat sich nun dazu durchgerungen, in seiner Artist Line (AL) einen solchen typischen „Bootsy-Bass“ mittels Fertigung in China für die breite Masse erschwinglich anzubieten: den Warwick AL Bootsy Collins Space Bass.

Facts & Features

Leider ist im Lieferumfang kein Koffer oder Gigbag enthalten, der Warwick AL Bootsy Collins Spacebass kam allerdings in einem passenden Gigbag hier an, ursprünglich wohl für Akustikbässe konzipiert. Dieses ist ordentlich gepolstert und mit zwei Zubehörtaschen ausgestattet. Ansonsten liefert Warwick Einstellwerkzeug, eine Ersatzbatterie für die aktive Elektronik und zwei hauseigene arretierbare Sicherheitsgurthalter direkt mit und sammelt so den ersten Pluspunkt für das umfangreiche mitgelieferte Zubehör.

— Ein passender Gigbag ist von Warwick optional erhältlich —

Das bestimmende Element in der wirklich sehr extravaganten Optik des Warwick AL Bootsy Collins Space Bass ist natürlich der fünfzackige Stern: Korpus und Kopfplatte sowie sämtliche Griffbrett-Inlays sind so geformt und dürften zusammen mit der eigenständigen Farbgebung auf jeder Bühne für Aufsehen sorgen.

Die Elektronik des Warwick AL Bootsy Collins Spacebass

Der Mahagonikorpus ist in einem violetten, glitzernden Sunburst („Special Purple Bootsy Finish“) lackiert und darüber hinaus mit einem violetten Perloid-Schlagbrett, selbstverständlich auch sternförmig, verziert. In dieses Schlagbrett sind die beiden Tonabnehmer, die von Warwicks Haus-und-Hof-Marke MEC stammen, sowie die Potis der Elektronik, ebenfalls von MEC, montiert. Es handelt sich um einen MEC J (das „J“ steht für Jazzbass) in der Halsposition sowie einen MEC TJ (Twin Jazz) in Stegposition. Geregelt wird die aktive Elektronik über ein Lautstärkepoti mit Push/Pull-Funktion für den Bypass des Equalizers, ein Balance-Poti und ein konzentrisches Doppelpoti zum Anheben oder Absenken von Bässen und Höhen. Klangregelung und Balance-Poti rasten in neutraler Position spürbar ein.

Erwartungsgemäß stattet Warwick auch den Warwick AL Bootsy Collins Space Bass mit seiner langjährig bewährten, zweiteiligen Brücke aus, in diesem Fall mit verchromter Oberfläche.

— Sterne, wohin das Auge auch blickt —

Auf der Rückseite des Korpus befinden sich zwei ebenfalls verchromte Gurtknöpfe, einer in dem senkrecht nach oben gerichteten Zacken des Sterns, der andere in dem hinteren, vom Instrument wegzeigenden. Interessanterweise sind die Gurtknöpfe so montiert, dass sie auf den Bassisten zeigen. Ob das gut funktioniert oder eher stört, wird im Praxisteil dieses Testes aufgezeigt. Des Weiteren enthält die Rückseite des Warwick AL Bootsy Collins Space Bass die 4 Schrauben der Halsbefestigung und das praktische Schnellverschluss-Batteriefach.

Der verschraubte Hals besteht aus drei Steifen Ahorn, die mit zwei Furnierstreifen aus dunklem „Ekanga“ Holz voneinander abgesetzt sind. Erfreulicherweise besteht das Bauteil von Halsfuß bis zur Kopfplatte aus durchgehenden Streifen. Die Kopfplatte wurde nicht, wie so oft bei Instrumenten aus fernöstlicher Fertigung, angesetzt. Lediglich die Teile, die notwendig sind, um aus der Kopfplatte einen Stern zu formen, sind seitlich angeleimt.

Im Palisandergriffbrett des ausgesprochen schlanken, schmalen Halses sind 24 Jumbobünde eingelassen und schön sauber abgerichtet und poliert. Ebenfalls handwerklich einwandfrei sind die aufwendigen Sterne-Inlays verarbeitet.

— Solides Handwerk bei Griffbrett, Inlays und der Bundierung —

Ansonsten komplettieren der justierbare Just-A-Nut- Sattel und die verchromten, quasi ringförmig angeordneten Stimmmechaniken die Hardwareausstattung des Warwick AL Bootsy Collins Space Basses, während die ohnehin schon auffällige Kopfplatte in dem gleichen Farbton wie der Korpus gehalten ist („Matched Headstock“) und neben dem eher unauffälligen Warwick-„W“ ein sternenförmiges „Bootsy“- Logo sowie die Kunststoffabdeckung der Halsschraube enthält.

Welch hohen Fertigungsstandard Instrumente aus China heutzutage erreichen können, dokumentiert das Testinstrument recht eindrucksvoll. Man muss ja auch bedenken, dass hier keinesfalls mit massenhaften Verkäufen eines solch extravaganten Instruments gerechnet werden kann. Die Verarbeitung ist wirklich in Ordnung, was sowohl für Holzarbeiten, sämtliche Oberflächen als auch für die typischen Spezialgebiete des Gitarrenbaus wie Bundierung und Justage gilt.

Diese Aussage muss natürlich auch im Zusammenhang mit der Preisklasse betrachtet werden: Natürlich ist der Warwick AL Bootsy Collins Spacebass keine High-End-Axt, es gibt nicht zuletzt bei der Feinabrichtung der Bundoberflächen noch Steigerungsmöglichkeiten, aber allemal handelt es sich um ein profitaugliches Musikinstrument.

Sound & Praxis mit dem Warwick AL Bootsy Collins Space Bass

Angesichts der durch das sternenförmige Design verursachten hohen Masse der Kopfplatte muss der in den Warwick AL Bootsy Collins Spacebass vernarrte Bassist mit erhöhter Kopflastigkeit kämpfen – aufs Heftigste neigt sich der Bass mit der Kopfplatte in Richtung Erdmittelpunkt. Da helfen auch raue, breite Gurte nur bedingt, eher muss man mit dem rechten Unterarm eine Spielposition zwischen den Zacken des Sternes finden, die das ausgleicht, was auch ordentlich funktioniert, aber natürlich nicht optimal ergonomisch ist.

— Die Position des vorderen Gurtknopfes könnte sich störend auswirken —

Auch die oben schon erwähnte vordere Gurtbefestigung könnte stören, da der Security-Lock doch gute 3 cm aufträgt und bei entsprechender Spielhaltung und anatomischen Gegebenheiten den Instrumentalisten in den Bauch pieksen könnte. Interessanterweise kann man, wenn man sich die entsprechenden Bilder betrachtet, erkennen, dass der Meister diesen vorderen Gurtpin eher an dem unteren Zacken befestigt (der Gurt braucht dann allerdings schon eine heftige Überlänge). Vielleicht sollte Warwick durch die Montage weiterer Pins da noch die eine oder andere Alternative anbieten.

Trotz dieser teilweise ja aus optischen Gründen unvermeidlichen Mängel lässt sich der Warwick AL Bootsy Collins Spacebass recht gut bespielen, was dem zierlichen Halsprofil und der ordentlichen Bundierung zu verdanken ist. Auch ermöglicht das Design das problemlose Erreichen auch der höchsten Lagen bis zum 24. Bund.

Unverstärkt angespielt zeigt sich der Warwick AL Bootsy Collins Spacebass erwartungsgemäß spritzig und explosiv mit direkter Ansprache. Der Fokus liegt weniger auf besonders langem Sustain und nobler, zivilisierter Klangkultur, sondern vielmehr auf warmer und direkter Durchsetzungskraft, die etwas ungewöhnliche Holzauswahl mit Mahagonikorpus erscheint sehr gut abgestimmt.

Schließt man den Warwick AL Bootsy Collins Spacebass an einen Verstärker an, lässt sich problemlos der typische Sound des Meisters erzeugen. Die gewählten Tonabnehmer und deren Positionen treffen hier im Zusammenspiel mit Brücke und Klanghölzern genau ins Schwarze. Bereits im passiven Betrieb liefert der jazzbassartige Tonabnehmer den amtlichen, typischen Slapsound!

Schaltet man die aktive Klangregelung hinzu, bleibt der Sound komplett erhalten, hier ein Beispiel mit geboosteten Höhen und Bässen.

Klangbeispiele
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