Vintage-Röhrenpreamp mit modernem Twist
Der Locomotive Audio Weight Tank WT-72 ist ein hochwertiger Röhrenpreamp im Telefunken V72-Stil, der klassischen Vintage-Sound mit zeitgemäßer Funktionalität verbindet. Das in St. Louis handgefertigte Gerät richtet sich an Produzenten und Toningenieure, die authentischen Röhrencharakter für ihre Aufnahmen suchen, ohne dabei auf moderne Annehmlichkeiten zu verzichten.
Kurz & knapp
- Klangqualität: Der WT-72 liefert warm-neutralen Röhrensound mit hoher Auflösung und vielseitiger Einsetzbarkeit.
- Verarbeitung: Massive Boutique-Qualität – robust gebaut, präzise gefertigt und absolut vertrauenswürdig in der Haptik.
- Bedienung: Innovatives Gain-Switching sorgt für rauscharmes Arbeiten und geräuschloses Umschalten.
- Preis-Leistung: Hervorragendes Verhältnis – deutlich günstiger als viele High-End-Preamps mit vergleichbarer Qualität.
- Einschränkung: Begrenzte Verstärkung – für extrem leise Quellen eventuell zusätzlicher Booster nötig.
Inhaltsverzeichnis
- Kurz & knapp
- Locomotive Audio Weight Tank WT-72
- Fazit vorneweg: Ein Röhrenpreamp der Extraklasse
- Das Original als Inspiration
- Locomotive Audio – Boutique-Qualität aus Missouri
- Technische Raffinessen im Detail
- Geräuschloses Schalten – ein Segen für die Ohren
- Klangcharakter und Performance
- Frequenzgang und Dynamik
- Anschlüsse und Flexibilität
- Verarbeitung und Design
- Vergleich mit der Konkurrenz
- Grenzen und Kritikpunkte
- Zielgruppe und Einsatzgebiete
Fazit vorneweg: Ein Röhrenpreamp der Extraklasse
Der WT-72 überzeugt als bezahlbarer „V72 Style Preamp“ mit einem Sound, der als „dick, warm und präsent“ bezeichnet werden muss. In unserem Test erwies sich der Weight Tank WT-72 als außergewöhnlich gelungene Neuinterpretation des legendären deutschen V72-Moduls. Der Locomotive Audio Weight Tank WT-72 bietet in der Tat das „vertrauenerweckendste“ Schalterlebnis, das ich je in einem Preamp-Test erfahren habe – die hochwertigen Schalter produzieren ein so zuversichtliches „Klacken“ im Schaltvorgang, dass allein schon die Bedienung Vertrauen in die Qualität des Gerätes weckt.
Klanglich brilliert der WT-72 mit einer sehr feinen Auflösung und einem überraschend neutralen Charakter, der trotz der Röhrenschaltung verhältnismäßig wenig „färbt“ – insbesondere im direkten Vergleich zu klassisch britischen Sounds im Neve-Stil.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend: Der Weight Tank WT-72 kostet im Vergleich zu anderen Röhrenpreamps deutlich weniger und liefert dabei eine Klangqualität, die sich vor teureren Konkurrenten nicht verstecken muss.
Dieser Preamp eignet sich perfekt für Produzenten und Engineers, die den warmen, organischen Charakter von Röhren schätzen, aber keine Kompromisse bei der Klarheit und Auflösung eingehen möchten. Wer nach dem ultimativen Vintage-Charakter à la Neve 1073 sucht, sollte woanders schauen. Wer jedoch einen vielseitigen, hochwertigen Röhrenpreamp mit authentischem V72-DNA zu einem fairen Preis sucht, wird hier fündig.
Das Original als Inspiration
Inspiriert von den V72-Modulen, die ursprünglich für das deutsche Rundfunknetz gebaut wurden, bietet der Preamp 56 dB Verstärkung gegenüber den ursprünglichen 34 dB der Vintage-Module. Die zusätzlichen 22 dB Verstärkung wurden durch clevere Schaltungsanpassungen realisiert, ohne den charakteristischen Klang und das Verhalten des Originals zu beeinträchtigen.
Die Geschichte der V72-Module reicht zurück in die Blütezeit des deutschen Rundfunks. Der V72 fiel dank seines Modulformats wesentlich platzsparender aus als sein Vorgänger, bot jedoch nur eine festgelegte Verstärkung von 34 dB. Locomotive Audio hat es geschafft, diese historische Basis zu nehmen und sie für moderne Studioanforderungen anzupassen, ohne dabei die Seele des Originals zu verlieren.
Locomotive Audio – Boutique-Qualität aus Missouri
Locomotive Audio ist ein kleiner Boutique-Hersteller aus St. Louis, Missouri, der sich auf hochwertige Studio-Gadgets spezialisiert hat. Die Produktpalette umfasst Direct Boxes für Reamping, exotische Vari-Mu-Kompressoren, Röhren-Mikrofonpreamps und Röhren-Prozessoren. Das Unternehmen konzentriert sich auf High-End-Ergebnisse und hat die Weight Tank-Produktlinie von Grund auf entwickelt, um einen reichen, analogen Klangcharakter zu bieten.
Die Philosophie des Unternehmens spiegelt sich im Namen „Weight Tank“ wider – diese Geräte sind von Grund auf sehr robust gebaut. Jedes Gerät wird auf Bestellung gefertigt, was normalerweise eine Lieferzeit von zwei Wochen bedeutet. Die Qualität beginnt bereits bei der Verpackung und setzt sich in jedem Detail des Produkts fort.
Technische Raffinessen im Detail
Der WT-72 basiert auf zwei EF86-Röhren, einer Bauart, die für ihren warmen, musikalischen Charakter geschätzt wird. Das Herzstück der Schaltung bilden ein abgeschirmter Eingangsübertrager und ein großkerniger Ausgangsübertrager, die dem Gerät seine charakteristische Klangfärbung verleihen.
Ein besonderes Highlight ist das durchdachte Gain-Switching-System. Der 11-Positionen-Drehschalter nutzt sowohl mechanische als auch Photorelais, um die Verstärkung zu ändern. Die Einstellungen von „Off“ bis 36 dB werden durch Dämpfung des Signals zur ersten EF86-Röhre erreicht, während die verbleibenden 20 dB (36-56 dB) durch Änderung der Wechsel- und Gleichspannungsrückkopplung realisiert werden.
Diese clevere Lösung bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Bei geringerer Verstärkung ist auch das Rauschen geringer. Bei 36 dB Verstärkung haben wir 20 dB weniger Rauschen als bei 56 dB. Durch die Verwendung von Spannungsrückkopplung für die Verstärkungsänderung (Gain-Knopf bei 36-56 dB) wird die bestmögliche Rausch-Performance erzielt.
Geräuschloses Schalten – ein Segen für die Ohren
Ein besonderes Merkmal des Weight Tank WT-72 ist das geräuschlose Gain-Switching. Normalerweise würde das Schalten der Gleichspannungsrückkopplung zu lauten Knackgeräuschen führen, die Monitore oder sogar das Gehör schädigen könnten. Ein spezielles Stummschaltungssystem im Weight Tank WT-72 führt zwischen jedem Verstärkungsschritt eine kurze Stummschaltung des Ausgangs durch. Diese Stummschaltung eliminiert störende Transienten und erlaubt es den Röhren, sich zu stabilisieren, bevor der Ausgang wieder freigegeben wird.
Klangcharakter und Performance
Der Sound des WT-72 lässt sich am besten als „organisch vintage“ beschreiben. Im Test mit verschiedenen Quellen – von Gesangsmikrofonen über Gitarren bis hin zu Bässen – zeigte der Preamp eine bemerkenswerte Vielseitigkeit. Der Klang ist warm und einladend, ohne dabei matschig oder überfärbt zu werden.
Bei Akustikgitarren fügt der Weight Tank WT-72 eine schöne Brillanz hinzu. Bei der Direktaufnahme von Instrumenten hat der WT-72 eine ungewöhnliche Eigenschaft. Alles, was durch ihn hindurchgeht, klingt „angenehmer“. Selbst bei maximaler Verstärkung und hohen Eingangspegeln wird der Sound nie unangenehm, wenngleich bei zu hohem Output natürlich der DAW-Eingang übersteuert werden kann.
Die EF86-Röhren verleihen dem Signal eine charakteristische Wärme und Fülle. Im Gegensatz zu Solid-State-Designs, die bei Übersteuerung unter Umständen hart clippen, haben Röhren eine sanfte Sättigungscharakteristik. Der WT-72 nutzt diese Eigenschaft geschickt aus und liefert auch bei hohen Pegeln noch musikalisch ansprechende Ergebnisse.
Frequenzgang und Dynamik
Mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20.000 Hz deckt der Weight Tank WT-72 das gesamte hörbare Spektrum ab. Besonders beeindruckend ist die Wiedergabe der Mitten, sie sind offen und präsent, ohne aufdringlich zu werden. Die Bässe werden kraftvoll und definiert wiedergegeben, während die Höhen brillant und klar bleiben, ohne je harsch zu werden.
Die maximale Ausgangsspannung von +24 dBu sorgt für reichlich Headroom, erfordert aber Aufmerksamkeit bei der Pegelkontrolle. Da der Weight Tank WT-72 keine separate Ausgangslautstärkeregelung besitzt, erfolgt die Pegelkontrolle ausschließlich über den zentralen Gain-Regler. Dies erfordert sorgfältige Pegelüberwachung, um Übersteuerungen der nachfolgenden Geräte zu vermeiden.
Anschlüsse und Flexibilität
Die Anschlussausstattung des WT-72 ist spartanisch gehalten. Ein XLR-Eingang für Mikrofon/Line-Signale wird durch einen hochohmigen DI-Eingang (500 kOhm) ergänzt, der automatisch den XLR-Eingang überbrückt, wenn ein Instrument eingesteckt wird. Die 48 V Phantomspeisung und der Polaritätsschalter runden die Ausstattung ab. Die Eingangsimpedanz beträgt im Mikrofonmodus ca. 4 kOhm und im Line-Modus 9.550 Ohm.
Verarbeitung und Design
Der WT-72 macht seinem Namen „Weight Tank“ alle Ehre. Mit einem Gewicht von 7 kg in einem 19″-Gehäuse mit zwei Höheneinheiten vermittelt er bereits beim Auspacken einen Eindruck von Solidität und Qualität. Die Verarbeitung ist tadellos, jedes Detail zeugt von handwerklicher Präzision.
Die Frontplatte ist sehr einfach gehalten. Der zentrale Gain-Regler dominiert das Design und vermittelt durch seine Größe und Haptik Vertrauen in die Qualität. Die LED-Anzeige unter dem Gain-Regler signalisiert das Vorhandensein eines Eingangssignals – mehr Metering gibt es nicht, was der puristischen Philosophie des Gerätes entspricht.
Vergleich mit der Konkurrenz
Im direkten Vergleich mit klassischen Neve-Preamps zeigt sich der unterschiedliche Charakter deutlich. Während Neve-Preamps für ihre charakteristische Mittenbetonung und ihr „britisches“ Klangbild bekannt sind, präsentiert sich der WT-72 offener und neutraler. Dies macht ihn zu einer idealen Ergänzung für Studios, die bereits über Neve-ähnliche Preamps verfügen und nach einer klanglichen Alternative suchen. Im direkten Vergleich zu einem Mackie Desk sind die klangliche Unterschiede dezent, aber insbesondere in Sachen Kompression und Höhenbereich wahrnehmbar.
Grenzen und Kritikpunkte
Trotz aller Qualitäten hat der WT-72 auch seine Grenzen. Die maximale Verstärkung von 56 dB ist geringer als bei vielen modernen Preamps. Wer extrem leise Signalquellen oder Bändchenmikrofone mit sehr niedrigem Ausgangspegel verwenden möchte, stößt hier an Grenzen. In solchen Fällen ist ein zusätzlicher Clean-Booster oder ein Preamp mit höherer Verstärkung erforderlich.
Das Fehlen einer separaten Ausgangslautstärkeregelung kann in manchen Situationen als Nachteil empfunden werden. Wer den Weight Tank WT-72 in verschiedene Setups integrieren möchte, muss stets auf die Pegelverhältnisse achten.
Zielgruppe und Einsatzgebiete
Der WT-72 richtet sich primär an professionelle Anwender und ambitionierte Hobbymusiker, die Wert auf authentischen Röhrenklang legen, aber nicht bereit sind, dafür Unsummen auszugeben. Er ist ideal für:
- Produzenten, die ihren Aufnahmen Vintage-Charakter verleihen möchten
- Singer-Songwriter, die den warmen Röhrenklang z. B. für Gesang schätzen
- Studiobetreiber, die eine klangliche Alternative zu britischen Preamps suchen
- Instrumentalisten, die direkt aufnehmen und dabei von Röhrensättigung profitieren möchten
Weniger geeignet ist der WT-72 für Anwender, die:
- extrem hohe Verstärkung benötigen
- absolut neutrale, unverfälschte Wiedergabe bevorzugen
- primär mit sehr leisen Signalquellen arbeiten









































Ist das jetzt ein neuer Test oder ein auch ein Aufguss? ;-)
(Sorry, den Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen …)
@uelef Letzteres. Und kein Sorry…
Finde ich echt schade.
@THo65 bezieht sich Deine Antwort (Jetzt mutig sein, denn die Essenz BEKOMMT ALLES MIT!) auf diese Art von undeklarierter Werbung (durch immer knapper bemessenes Budget) weil sich faktisch nichts ändern wird?!🤨
@uelef Hallo uelef. Das Gerät mag zwar bereits länger erhältlich sein, wir hatten es aber gerade vor 4 Wochen bei uns zum Test. Viele Grüße
Oktober 2021 – ältester auf die schnelle gefundener Kommentar auf gearspace…
@THo65 Computer sind doof?! Ich sach mal: aus menschlich natärlichem Verständnis schon….
@CDRowell Ich verstehe deinen Kommentar nicht wirklich, aber ich finde es einfach nur unschön, wenn „alte“ Tests oder Berichte als neu präsentiert werden.
LG
Thomas
@THo65 Hallo THo65. Der Weight Tank war vor knapp 4 Wochen bei uns zum Test. Viele Grüße
Die Beispiele zeigen für mein Ohr eine fast schon resonante Mittenbetonung, die ich als störend empfinde. Von daher gibt es für mich keinen Kaufgrund.