ANZEIGE
ANZEIGE

Test: WER-Sinus 4.0, Orgel-Simulation B3, Plug-in

Virtuelles Orgel-Plug-in in der neuesten Ausgabe

21. Dezember 2022
WER-Sinus 4.0

Test: WER-Sinus 4.0

Mit WER-Sinus 4.0 präsentiert der Entwickler EDV-Services for Keys hinter Hans-Peter Eberl die neueste Version der virtuellen Heimorgel-Simulation, die eigenständig und ab Version 4 nun auch als VST3-Plug-in (64 Bit) für Windows zur Verfügung steht (eine Version für MacOS ist in Vorbereitung).

ANZEIGE

Was kann WER-Sinus 4.0?

Während sich die meisten Orgel-Plug-ins vorwiegend um die Simulation von Hammond B-3, Vox Continental und Farfisa Compact kümmern, findet sich der warme, klassische Sound typischer Heimorgeln im Stil von Wersi Helios, Galaxis und Atlantis zumeist nur als Samples in Entertainer- und Arranger-Keyboards wieder. Mit WER-Sinus 4.0 gibt es nun ein Plug-in, um diesen Sound recht nah am Original der 50er- bis 90er-Jahre in eigene Produktionen einzubauen oder über zwei Keyboards plus Pedal live zu spielen. Um jetzt nicht zu tief in die Historie einzutauchen, hier stellvertretend eine Wersi Atlantis mit dem typischen Signature-Sound. Vergleiche auch meinen Artikel zum Orgelmodul Wersi OX7.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

ANZEIGE

WER-Sinus 4.0 kann noch mehr

Mit WER-Sinus ist nicht nur die Nachbildung klassischer WERSI-Instrumente, sondern auch die elektromechanische Hammond H100 im Stil von Klaus Wunderlich mit ihrem warmen Sound möglich und noch einiges mehr. Hier noch ein Klangbeispiel von Klaus Wunderlich an der Hammond H100 im Sound der damaligen Tanzmusik.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Leider gibt es aktuell keine Videos des Herstellers, welche die aktuelle Version demonstrieren, daher an dieser Stelle das Video-Tutorial von WER-Sinus V.2.5, das weitgehend auch auf Verion 4 anwendbar ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das WER-Sinus 4.0 im Überblick

WER-Sinus steht für „Wave, Elektronik, Rotation-Sinus“, woraus sich schon ableiten lässt, dass es sich hierbei nicht um einen Sample-Player handelt, sondern um einen virtuellen Tonschwingungsgenerator. Dieser emuliert nicht nur verschiedene klassische Tonerzeugungssysteme, basierend auf den Schwingungsformen Sinus und Dreieck der bekannten Simmerner Selbstbau-Heimorgeln, sondern auch das organische Eimerkettenspeicher-Delay (WERSIVOICE) und das Wersi-typische Phasenvibrato, neu ist auch ein mächtiger Chorus im Stil der 70er-Jahre. Darüber hinaus bietet WER-Sinus 4.0 neben Distortion ein für Wersi-Instrumente untypisches, programmierbares Leslie, was die Klanggestaltung deutlich flexibler gestaltet und der H100 entgegenkommt. Die Bedienung lehnt sich an die Wersi CD-Line an, Blend- und Beleuchtungseffekte sollen darüber hinaus dem Charme der vergangenen Dekaden gerecht werden und vor allem beim eigenständigen Betrieb etwas Vertrauliches vermitteln, die Darstellung ist anpassbar.

Test WER-SINUS 4.0

WER-Sinus 4.0 Farben

Bei WER-Sinus 4.0 handelt es sich um ein reines Orgelmodul, die Rhythmussektion WERSIMATIC ist nicht enthalten und somit auch kein Begleitautomat. Im Wesentlichen könnte man mit WER-Sinus V.4.0 ein OX7 ersetzen. Altersbedingtes Rauschen und ähnliche Artefakte sind ebenfalls aktivierbar und eigene Drawbar-Kreationen lassen sich natürlich speichern und es stehen unzählige spielfertige Presets zur Verfügung. Mit MIDI-Learn sind auch eigene Controller schnell eingerichtet. Besonders gut eignet sich das Modul, um beispielsweise ein vorhandenes Keyboard um eine ausgewachsene Orgelsektion zu ergänzen.

Installation und Einrichtung von WÊR-Sinus 4.0

Auf der Herstellerseite befindet sich eine Testversion, die den Orgelsound durch ein periodisches Rauschen unterbricht, diese kann nicht direkt aktiviert werden. Nach Bezahlung erhält man einen Download-Link und tauscht die Demo- gegen die Vollversion aus, die man durch Eingabe der E-Mail-Adresse freischaltet. Dazu bekommt man eine weitere E-Mail mit einem kleinen Tool, das die computerabhängige Lizenz in den Anwendungsordner kopiert. Der Hersteller verspricht Kulanz für diejenigen, die mehr als einen Computer verwenden. In Version 2.5 gab es noch einen personalisierten Schlüssel ohne Online-Aktivierung, wie man es beispielsweise von REAPER kennt. Das fand ich besser und der Nutzername in der Titelzeile könnte ausreichen, so wäre WER-Sinus auch portabel nutzbar. Der neue Aktivierungsweg geht für mich trotzdem noch in Ordnung und so lange es das Unternehmen gibt, ist das alles kein Problem. Andernfalls wäre WER-Sinus nicht mehr einsetzbar, wenn der Computer gewechselt würde. Zum Testzeitpunkt steht WER-Sinus V.4.0 nur für Windows zur Verfügung, eine Version für den Mac ist in Vorbereitung.

Hat man das eigenständige WER-Sinus V.4.0 gestartet und erfolgreich aktiviert, gilt es nun die Ein- und Ausgabegeräte zu wählen. Dazu finden sich am unteren Rand Listenfelder, die das MIDI-Eingabegerät, notfalls auch die PC-Tastatur, sowie die verfügbaren Audiogeräte auflisten, ASIO ^bis 48 kHz inklusive. Dann ist die Latenz natürlich besonders gering, zumal in der aktuellen Version auch die Rechenleistung optimiert wurde. Nun lässt sich ganz einfach losspielen, bei zwei Manualen und Pedal beispielsweise von Studiologic wählt man entsprechend die MIDI-Kanäle 1 bis 3 oder noch besser man besitzt eine midifizierte Heimorgel. Farblich lässt sich die Oberfläche mit dem Symbol unten links anpassen, 128 Stimmen können gleichzeitig erklingen.

Es gibt umfangreiche Konfigurations- und Anpassungsmöglichkeiten, die im Handbuch alle der Reihe nach beschrieben sind. In Teilen sind mir die Funktionen etwas zu stichpunktartig aufgeführt, auch lässt sich das PDF-Handbuch nicht wirklich gut mit Screenreadern lesen. Das ist angesichts der Tatsache nicht schlimm, dass aktuell WER-Sinus V.4.0 nicht für blinde Anwender bis auf den Preset-Abruf in einer DAW nutzbar ist.

WER-SINUS 4.0

WER-Sinus 4.0 Touchfelder

Klar strukturiert zeigt sich die übrige Oberfläche mit den jeweils 10 Zugriegeln und zugehörigen Effekten. Oben links schaltet man durch die drei scrollenden Bereiche entsprechend den Manualen plus Pedal, eine vierte Zugriegel-Sektion ist auf Wunsch aktivierbar. Die zwei Zugriegelsätze zeigen den jeweils eingestellten Part an. Die Parts werden anschließend in einem Preset inklusive Effekte abgelegt, hierfür stehen im linken Teil sechs weitere Zugriegel für Lautstärke und Click-Anteil etc. zur Verfügung. Die rund 100 Voreinstellungen sind kategorisiert und lassen sich auch verändern und umbenennen, ganz wie man möchte. Die Dateiverwaltung befindet sich unterhalb der Zugriegel, links wählt man die Kategorie und rechts den gewünschten Sound. Die beiden Zugriegelsätze lassen sich in Halbtonschritten stimmen und im Panorama verteilen, zuzüglich Click und weiter Hallfahne, die sich entsprechend den Kreationen von Klaus Wunderlich auch nur auf einem Kanal abbilden lässt, monophone Orgel-Sounds sind ebenfalls möglich.

Neu sind auch die Touch-Felder im rechten Bereich, so lassen sich Presets mit dem oberen schnell in fünf Bereiche mit je 200 Presets gruppieren. Der mittlere aktiviert eine Schalterleiste im Stil der CD-Line, die weitere Spielhilfen bereitstellt, sie lässt sich vertikal frei bewegen. Sie sind für den Live-Einsatz gedacht und bleiben auch beim Wechsel eines Presets erhalten. Der dritte Touch-Knopf erlaubt die schnelle Anwahl von vier Favoriten-Presets, was besonders der Touch-Bedienung entgegenkommt.

Die Bandbreite der Signature-Sounds aller Wersi-Künstler war so erschöpfend groß, dass sich die unzähligen Möglichkeiten kaum beschreiben lassen. Verglichen mit einem großen Wersi-Flaggschiff ist WER-Sinus V4.0 ähnlich komplex und sogar noch vielseitiger, beispielsweise durch die Hammond H100-Verstärker- und Röhrensimulation. Dabei hat mich der Entwickler darauf hingewiesen, dass die genannten Künstler und Beispiele nur ein Teil des Ganzen sind und WER-Sinus V.4.0 viel mehr ist als eine reine Simulation der oben genannten Instrumente.

Zur Bedienung sei noch anzumerken, dass auch Touchscreens unterstützt werden. Das könnte den Alleinunterhalter erfreuen, der WER-Sinus V.4.0 in einer Live-Performance einsetzen und an virtuellen Zugriegeln spielen möchte. Dass man die Sets zwischen den Manualen umschalten muss, bleibt auch dem originalen Wersi OX7 vorbehalten. Mit Strg+W lässt sich das Modul auf Vollbild skalieren, was besonders Touchscreens entgegenkommt. WER-Sinus auf einem Windows-Tablet und man hätte seinen kompakten Orgel-Expander. Die Version 2.5 lief dabei schon ausreichend performant auf einem Intel Atom-Prozessor. Wer ein iPad sein Eigen nennt, kann WER-Sinus auch damit fernsteuern. Mit einem Touchscreen wie im oben gezeigten HP Pavillon X360 hat man auch eine intuitive Bedienmöglichkeit. Ein Audiointerface mit ASIO-Treibern ist natürlich Pflicht, da ansonsten die Latenz doch spürbar ist, ASIO4ALL kann ersaztweise genutzt werden und funktioniert ebenfalls gut.

WER-SINUS 4.0 Plug in

 

Zumeist habe ich das virtuelle Instrument eigenständig getestet und mich etwas geärgert, mein Studiologic MP-117 Basspedal vor einigen Jahren abgegeben zu haben. Als Plug-in habe ich es mir in REAPER angeschaut und hier lief WER-Sinus V.4.0 stabil und ebenfalls ohne Probleme. Die standardmäßige Fenstergröße bei hochauflösenden Bildschirmen ist leider etwas klein, eine Größenanpassung in REAPER gelang mir leider nicht.

WER-Sinus V4.0 in REAPER

Wie klingt WER-Sinus 4.0?

Kurz zusammengefasst, im Wesentlichen richtig gut. Ein Vergleich mit den originalen Vorbildern ist schwierig, weil jedes analoge Instrument vor allem bei Selbstbauorgeln gewissermaßen ein Unikat ist, ähnlich wie die Frage nach dem originalen 808-Sound, auch hier hat jedes Instrument seinen eigenen Charakter. Von daher sollte jeder für sich ein Urteil bilden, ob der Sound den eigenen Ansprüchen genügt. Hier einige der Demo-Songs.

Als Kenner von Klaus Wunderlich, Curt Prina, Ady Zehnpfennig und Franz Lambert würde ich den Sound von WER-Sinus 4.0 als sehr authentisch beschreiben, zumal auch die Presets mit viel Liebe zum Detail programmiert wurden. Der Entwickler verweist darauf, dass die Presets in Verbindung mit den Künstlernamen nur als Beispiele zu verstehen sind und man sich mit Hilfe der mächtigen Orgelsimulation seine eigenen Kreationen erschaffen soll. Zu meckern gibt es nicht viel, außer dass beim Wechseln von Presets ab und an Artefakte hörbar sind und die Hallfahnen verglichen mit aktuellen Studio-Halleffekten etwas blechern und statisch klingen. Wen das stört, kann den Hall in einer DAW gut durch andere Module ersetzen. Abschließend noch ein kleiner Streifzug durch einige Presets.

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist der Halleffekt, der zwar an sich typisch klingt, aber für heutige Verhältnisse in Teilen etwas zu blechern. Für Studioproduktionen dürfte man sich für ein besseres Hall-Plug-in entscheiden. Beim schnellen Umschalten zwischen den Presets per Tasten an meiner M-Audio KeyStation 32 MK3 zeigten sich Artefakte, der Hall wurde abgebrochen und es dauert eine Sekunde, bis alle Einstellungen angepasst wurden. Das empfinde ich zwar nicht als störend, möchte ich dennoch nicht unerwähnt lassen. Die Website des Anbieters ist dabei sehr einfach gehalten, die Bestellung erfolgt auf Zuruf per E-Mail oder telefonisch. Nach Überweisung wird die Software lizenziert, ein Bestellsystem ist derzeit nicht vorhanden. PayPal ist gegen Erstattung der Transaktionsgebühr ebenfalls möglich. Wer WER-Sinus V.3 besitzt, erhält das Upgrade auf V.4 günstiger.

ANZEIGE
Fazit

Mit WER-Sinus 4.0 ist eine Orgelsimulation im Stil alter Wersi-Schätzchen und darüber hinaus erhältlich, die in dieser Form wohl einmalig ist. Ob standalone oder als Plug-in lässt sich die gewaltige Klangvielfalt von fünf Dekaden Wersi-Geschichte in den Rechner holen. Klanglich und mit x64-Unterstützung fehlt es eigentlich nur noch an einer Mac-Version. Für Windows bekommt man dafür ein tolles Stück Software, das klanglich und in der Handhabung überzeugen kann, sofern man natürlich diesen Orgel-Typus schätzt. Und noch mal ganz wichtig, es handelt sich um keinen Sample-Player, sondern um eine Simulation der Klangerzeugung.

Plus

  • Eigenständiger Sound
  • Übersichtliche Gestaltung
  • Übersichtliche Bedienung
  • Mehr als nur Heimorgel-Sound

Minus

  • Mac-Version aktuell noch in Vorbereitung
  • Der Hall könnte zwar besser sein, entspricht aber der damaligen Zeit
  • Website und Bestellprozess noch ausbaufähig

Preis

  • 99,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    vssmnn AHU

    Genialer eigenständiger Sound, Respekt!
    Da kommen Retro-Gefühle a´la rauch-brauner Blümchentapete und Hirschbild an der Wand auf. Darf es noch ein Gläschen Cognac sein?

  2. Profilbild
    zeitlos

    Bemerkenswert: ein „gut“ in der Gesamtbewertung aber bei der Auflistung der Plus- und Minuspunkte keine einzige Plusbewertung . . .
    🤔

  3. Profilbild
    Filterpad AHU

    Optisch nicht meines. So gesehen kommt da wenig Retro-Feeling auf. Der Klang ist OK, wenn man nicht schon ne Handvoll Softwareorgeln hat. In jedem samplebasierten Klanerzeuger ist mittlerweile eine Hammond und Wurlitzer etc. Mehr schlecht als recht.

  4. Profilbild
    dilux AHU

    hier muss ich jetzt aber doch mal eingreifen; für mich untrennbar mit diesem wohlklingenden möbelstück von wersi verbunden – und mit sicherheit auch der beste performer daran:
    ady zehnpfennig…bitte bemühen sie selbst die duröhre für entsprechendes videomaterial

  5. Profilbild
    markhollis

    Eine Anfrage beim Entwickler Hans-Peter Eberl ergab, dass momentan leider keine native Mac- oder iPad-Version geplant ist. Sehr schade.

  6. Profilbild
    gs06

    Also mit Seriennummer als Schutzmaßnahme hätte ich die Software gekauft, aber bei so einem kleinen Unternehmen ist mir eine Challenge-Response-Methode zu risikoreich, dass ich die Software in ein paar Jahren nicht mehr auf einem neuen Computer aktivieren kann.

  7. Profilbild
    defrigge AHU

    Für mich sind die genannten Vorbild-Sounds (Wunderlich, Lambert etc.) ebenso wie dieser virtuelle Nachbau das nicht mehr zu unterbietende Gruselkabinett des Orgelsounds: etwas, womit man mir in einer einsamen Zelle nur drohen müsste – und ich würde vorbeugend alles gestehen, nur damit ich das nicht hören muss.

    Es ist angerichtet: vielleicht noch etwas Dr. Böhm Wienerwald-Atmo gefällig, möglichst unter genanntem blinkendem Hirschgeweih? Oder vielleicht noch ein Extra-Layer mit fein abgehangenem Far-fies-ab Sound vor Gelsenkirchener Barock Hintergrund?

    Kann mich jemand kneifen, damit ich aufwache? :-)

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

X
ANZEIGE X