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Test: Widisoft Widi Pro

(ID: 3750)

In Echtzeit erkennen
Im sogenannten Real-Time-Modus kann, wie der Name schon sagt, eine Echtzeit-Erkennung durchgeführt werden, die eingesungene oder gespielte Töne sofort hörbar in eine Midi-Note umwandelt.

Verständlicherweise funktioniert diese Umwandlung etwas schlechter als die Offline-Variante. Mit diesem Feature kann man aber z.B. in Echtzeit prüfen, ob z.B. Gesang auf der richtigen Note liegt oder knapp daneben. Für die Erkennung können drei verschiedene Algorithmen ausgewählt werden: Polyphon-Sensors verarbeitet immer nur eine Note, auch wenn die selbe Note zur gleichen Zeit mehrfach auftritt. Je höher der bei Polyphony eingestellte Wert, desto mehr Töne werden gleichzeitig zugelassen. Monophon-Correlators ist ein monofoner Algorithmus, der Korrelationen verwendet. Monophon-Sensors ist eine monofone Variante des Sensor-Algorithmus.

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Der TrueTone Editor
Nach der Erkennung des Audio-Materials befindet man sich im TrueTone-Editor, den es nur in der Pro-Version von WIDI gibt. Mit Hilfe dieses Editors kann das erkannte Material umfangreich editiert werden. Als Hintergrundbild stellt der Editor die entdeckten Frequenzen des ursprünglichen Audio-Materials dar. Je heller ein Fleck, desto lauter die Frequenz. Die Orientierung ist leider nicht ganz einfach, denn nicht jeder helle Fleck ist auch wirklich ein Ton. Oft handelt es sich um Obertöne eines tiefer liegenden Tones. Die durch WIDI erkannten Töne werden in Form eines Balkens dargestellt. Diese Darstellungsweise erleichtert die Korrektur des Ergebnisses, da das Audiomaterial direkt mit den erkannten Noten verglichen werden kann. Auch eine akustische Kontrolle ist möglich: sowohl das ursprüngliche Audiomaterial, als auch die erkannten MIDI-Noten können parallel abgespielt werden. Die Farben der Frequenzanalyse können übrigens beliebig an den eigenen Geschmack angepasst werden.

Jede durch WIDI erkannte Note kann im TrueTone Editor in Länge, Position und Tonhöhe manuell angepasst werden. Wer schon einmal mit einem Sequenzer gearbeitet hat, kann sofort loslegen. Die Noten können einfach mit der Maus verschoben werden. Klickt man auf den Rand einer Note, kann diese verlängert oder verkürzt werden. Mehrere Noten können mit Hilfe des Auswahlwerkzeuges markiert und zusammen bearbeitet werden. Selbstverständlich können vorhandene Noten gelöscht und neue Noten erstellt werden. Lange Noten, die vom gewählten Algorithmus als Einzelnoten erkannt wurden, können wieder zusammengeklebt werden. Das Editorfenster kann in der Größe beliebig angepasst werden. Der Notenbereich selbst wird mit Hilfe einer Lupenfunktion vergrößert oder verkleinert. Hat man sich bei der Analyse für die polyphone Erkennung entschieden, kann man die daraus resultierenden Spuren einzeln stumm schalten, ausblenden, farblich verändern und benennen – natürlich auch komplett entfernen. Neue Spuren können nachträglich angelegt werden. Auf jede Spur kann man ein anderes GM-kompatibles Instrument legen. Eine Solo-Funktion gibt es leider nicht. Damit bei wechselnden Tempo innerhalb eines Musikstückes auch im Endergebnis eine sinnvolle Notation dabei herauskommt, kann mit Hilfe des Tapping-Werkzeuges automatisch Taktstriche eingefügt werden – einfach im TrueTone Editor zum gewünschten Bereich springen, das Tapping-Tool starten und per Computertastatur während der Wiedergabe mit einer beliebigen Taste das korrekte Tempo einklopfen. Leider bietet WIDI keine Quantisierung der Noten. Auch eine Notendarstellung des erkannten Materials ist nicht möglich. Hierfür ist der Einsatz eines zusätzlichen Software-Sequenzers erforderlich.

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Klangbeispiele:
Die folgenden Klangbeispiele basieren auf mp3-Dateien und wurden mit dem Algorithmus „Advanced Sensors“ in Midi-Files umgewandelt und anschließend in Cubase als Audiodatei exportiert. Es wurden grundsätzlich die Standardeinstellungen übernommen. Bessere Ergebnisse lassen sich natürlich erzielen, wenn man das Material in mehreren Durchgängen analysiert und später in einen Sequenzer nachbearbeitet. Darauf haben wir in den Klangbeispielen einmal bewusst verzichtet, um die Leistungsfähigkeit der Erkennungs-Algorithmen zu veranschaulichen. Die Erstellung eines MIDI-Files hat dabei nur wenige Sekunden gedauert. Die mp3-Dateien haben teilweise eine schlechte Qualität – die Erkennung funktioniert trotzdem ohne größere Probleme. Probieren Sie doch einmal selbst mit der kostenlosen Demoversion die Notenerkennung ihres Lieblingssongs!

Fazit:
WIDI eignet sich nicht für den musikalischen Laien, der sich erhofft, aus aktuellen Charttiteln, ein komplett fehlerfreies Midi-Files ohne Nachbearbeitung zu erhalten. WIDI ist vielmehr ein Werkzeug für Musiker, die herausfinden möchten, welche Noten in einer Audiodatei enthalten sind. Mit Hilfe von WIDI gelingt es schneller, Noten zu schreiben oder MIDI-Files herzustellen. Die durch die Erkennung resultierende MIDI-Datei ist nicht frei von Fehlern. Das liegt aber zum überwiegenden Teil nicht an WIDI, sondern am Audio-Material selbst: so erklingt bei einem Instrument nicht nur eine Frequenz, wenn ein Ton gespielt wird. Bis zu 16 Obertöne in unterschiedlichen Lautstärken sind zu hören. Dabei können die Obertöne durchaus lauter als der Grundton sein. WIDI macht daraus fälschlicherweise eigenständige Noten. Durch Einsatz des Equalizers lassen sich diese Obertöne aber gut unterdrücken. Auch die Phasenverschiebung macht eine fehlerfreie Konvertierung unmöglich, denn zwei gleichzeitig gespielte Töne beeinflussen sich gegenseitig – im schlimmsten Fall ist theoretisch eine vollständige Auslöschung denkbar. In WIDI führt dies zu vielen einzelnen Noten des gleichen Tones, die mit Hilfe des Klebstoff-Werkzeuges wieder zusammengefügt werden müssen. Und dann gibt es da noch wechselndes Timing, eine variierende Dynamik und weiche Tonhöhenveränderungen. WIDI macht daraus fehlerhafte Taktstriche, Einzelnoten mit ansteigender Lautstärke oder viele Notenstufen bei Portamentos und Vibrato.
Im Augenblick ist es schwer vorstellbar, dass irgendwann einmal eine Software diese schwierigen Aufgabenstellungen überhaupt lösen kann. Also liebe Klingeltonhersteller: weiter träumen!

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Plus:
+++ zufriedenstellende Erkennung von Noten aus Audiomaterial
+++ einfache Bedienung
+++ Programm komplett in deutscher Sprache
++ deutschsprachiges Handbuch auf der CD
++ umfangreiche Online-Hilfe im Internet
++ 14-tägige Testversion im Internet als Download verfügbar

Minus:
— für die weitere Bearbeitung ist ein zusätzlicher Sequenzer erforderlich (z.B. Notendruck, Quantisierung, etc.)
— keine akustische Rückmeldung im Audio-Editor bei Verwendung des EQs
— nur für PC erhältlich

Produktname: WIDI Pro
Hersteller: Widisoft, www.widisoft.de
Deutscher Vertrieb: Midimaster. www.midimaster.de
Getestete Version: 3.3.5

Preise:
WIDI Pro 139,00 Euro
WIDI Standard 79,00 Euro

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Über den Autor
Profilbild

Michael Strauch AHU

C64, Amiga, Atari, PC - seit 1982 beschäftigt mich das Thema Computer und Musik. Seit mehr als 20 Jahren versorgt meine kleine Firma Studios in der Region mit notwendigem Equipment. Von analog bis digital, von Hardware bis Software - Musik ist meine Leidenschaft. 2011 veröffentlichte ich mein erstes Album.

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