Vier unabhängige Delays in einem Modul
XAOC Devices Samarkanda ist mit vier unabhängigen Delay-Linien, zahlreichen Patch-Buchsen und verschiedenen Betriebsmodi eines der umfangreichsten Delay-Module im Eurorack. Grund genug, etwas genauer hinzuschauen oder besser gesagt: hinzuhören.
Was ist es? XAOC Devices Samarkanda, Eurorack-Delay-Modul mit vier unabhängigen Delay-Linien und vollständig modularem Patch-Konzept.
- Konzept: Vier in Serie verschaltete Delays mit umfangreichen Ein- und Ausgängen für komplexe Patchings.
- Klang: Präzise digitale Verarbeitung, je nach Modus „analoges“ Feeling mit warmem, organischem Sound und viel Headroom.
- Praxis: Harmonisch stimmbares Kurzzeit-Delay bis ca. 100 ms, metallisch-kühle Resonanzen möglich – das Effektgerät wird zum Instrument.
- Bedienung: Übersichtlich und flüssig, große Potis für Delay-Zeiten, hochwertige Regler und sehr gutes Panel-Design.
- Einschränkungen: Keine Komfortfunktionen wie Ping-Pong-Schalter oder Displays – Effekte entstehen konsequent über Patching.
Inhaltsverzeichnis
XAOC Devices Samarkanda Delay
Komplex und übersichtlich
Mit einer Breite von 42 Einheiten ist das Samarkanda definitiv nichts für Modularisten, die ihre Systeme möglichst kompakt halten möchten. Das Modul ist handwerklich sauber verarbeitet, sehr übersichtlich aufgebaut und verströmt diese typische Aura eines durchdachten und zeitlosen Industriedesigns.
Über die großen Potis werden die Delay-Zeiten der vier unabhängigen Delay-Einheiten in drei Bereichen eingestellt: 0,5 bis 150 ms, 5 ms bis 1,5 Sekunden und 50 ms bis 15 s. Hinzu kommen zwei Potis für Feedback und Effektanteil, vier Druckknöpfe, zwei Schalter, zwei LEDs und zehn Patch-Buchsen – pro Einheit, versteht sich.
Die vier Delay-Einheiten sind in Serie geschaltet. Wenn keine anderen Klangquellen eingespeist werden, wird der Ausgang des ersten zum Eingang des zweiten Delays geleitet und zwar digital, ohne den Umweg über die DA- und AD-Wandler. Das Delay-Signal liegt sowohl als Mix-Out als auch als reines Effektsignal (Wet Out) an, was sich für eine externe Bearbeitung durch ein Filter oder einen Chorus eignet. Anschließend kann das Signal über den Feedback-Input zurückgeführt werden.
Die Delay-Zeiten können getappt, zu einer internen oder externen Quelle synchronisiert und zusätzlich moduliert werden. Dreht man direkt am Time-Regler, reagiert das Delay mit einer Änderung der Tonhöhe, zumindest bei aktiviertem “Analog”-Modus. Überhaupt fühlt sich das XAOC Devices Samarkanda viel „analoger“ an als andere digitale Delays. Technisch haben wir es mit einem rein digitalen Gerät mit 24-Bit-Wandlung und 32-Bit-interner Verarbeitung zu tun.
Feedback und Mix sind spannungssteuerbar, ebenso die Delay-Zeit. Dadurch sind bei Modulation durch einen externen LFO Chorus- und Flanger-Effekte möglich. Eine Synchronisation zu einem externen Clock-Signal ist ebenso möglich wie eine CV-Steuerung der Reverse- und Hold-Funktion. MIDI ist hingegen nicht vorgesehen.
Jedes Delay verfügt über ein eigenes Tap-Tempo, dessen Schalter je nach Betriebsart in unterschiedlichen Farben leuchtet: grün für kontinuierlich, gelb für Tap-Tempo und rot für Clock-Synchronisation. Mittels des Link-Knopfes lassen sich die vier Delay-Einheiten von links nach rechts zueinander synchronisieren. Das Time-Poti definiert dann den entsprechenden Teilungs- oder Multiplikationsfaktor in einem weiten Bereich von 1:8 bis 8:1. Bei aktiviertem Link reagieren auch die Feedback- und Mix-Potis der Slave-Einheit abhängig vom Master-Delay: Auf der Zwölf-Uhr-Position gelten für den Slave die Werte des Masters. Nach links gedreht, werden diese in relativen Werten reduziert.
Für den Fall, dass sich die Feedbacks zu stark aufschaukeln, hat man die Purge/Shift-Taste zwischen Delay 1 und 2 als eine Art Notbremse integriert. Wird diese aktiviert, werden die Buffer-Speicher aller vier Delays sofort gelöscht. In Kombination mit anderen Tasten dient Purge/Shift zum Umschalten bestimmter Funktionen: Shift plus Reverse ändert die Polarität des Feedback-Signals. Shift plus Hold ändert die Polarität des CV-Signal-Eingangs.
Die Audioein- und -ausgänge verfügen über eigene LEDs, die von grün über gelb bis rot den Pegel anzeigen. Und da man auch für die Zukunft gewappnet sein möchte, wurde auf der Rückseite eine Mini-USB-Buchse für etwaige Firmware-Updates vorgesehen.
Samarkanda Delay in der Praxis
Wie klingt’s denn nun?
Beginnen wir mit einem Stereo-Delay eines Minimoog-Basses mit zwei synchronisierten Delays. Im dritten Beispiel nutze ich sehr kurze Delays, die tonal stimmbar sind.
Mit vier Delay-Linien gelingen mit wenig Aufwand komplexe Klanggebilde.
Dank der präzisen digitalen Signalverarbeitung lassen sich die Delay-Linien harmonisch stimmen. Hierzu kommen sehr kurze Delay-Zeiten von maximal ca. 100 ms zum Einsatz, kombiniert mit hohen Feedback-Werten beziehungsweise unendlichen Wiederholungen. Die digitale Präzision ermöglicht harmonisch resonierende Delays, die mittels der großen Delay-Potis über einen weiten Bereich exakt gestimmt werden können. Etwas, das mit analogen Eimerketten-Echos kaum realisierbar wäre.
Das Ergebnis ist ein metallisch-kühler Klang. Das Effektgerät wird zum Instrument.
XAOC Devices Samarkanda: Das ultimative Delay?
Das Samarkanda ist gewiss kein Standard-Delay. Der Aufbau erfordert eine gewisse Einarbeitung und ein konzeptionelles Umdenken. Dank des vollständig modularen Aufbaus bietet es beinahe endlose Patching-Möglichkeiten. Auf der anderen Seite könnte man Funktionen vermissen, die bei anderen Delays zur Grundausstattung gehören.
Beispielsweise gibt es keinen Schalter für ein Ping-Pong-Delay. Um diesen Effekt zu realisieren, werden zwei Delay-Linien synchronisiert und ihre Feedback-Loops über Kreuz geführt: Der Wet-Ausgang des Masters wird in den Feedback-Input des zweiten Kanals geführt und umgekehrt. Analog wäre auch ein quadrophonisches Echo denkbar.
Modulationen der Delay-Zeiten bedürfen externer Module. Gleiches gilt für eine etwaige Klangbearbeitung der Feedback-Linien. Effektgeräte, die diese Funktionen bieten, sind bereits zahlreich am Markt vorhanden. XAOC Devices verfolgen bewusst einen anderen Ansatz mit vollständiger Modularität.
Bei der Arbeit mit dem Samarkanda wünschte ich mir manchmal eine genauere Darstellung der Delay-Zeiten und Teilerfaktoren. Vor meinem inneren Auge stellte ich mir vier kleine Displays mit Angaben in Millisekunden oder BPM vor. So ist man gezwungen, sich vor allem auf das eigene Gehör zu verlassen. Das ist in der Musik keine schlechte Vorgehensweise.
Das Samarkanda eröffnet einen intuitiven Zugang zu komplexen Delays, die sich zu endlosen Strukturen und Flächen aufschaukeln können. Trotz seines digitalen Kerns fühlt sich das Samarkanda je nach Modus „analog“ an mit einem warmen, organischen Klang ohne unerwünschte Verzerrungen. Die Bedienung verläuft sehr flüssig, nicht zuletzt dank der großen Potis für die Delay-Zeiten, die sich butterweich und präzise drehen lassen. Auch die kleineren Potis für Feedback und Effektanteil sind von hoher Qualität und mit ausreichend Abstand zueinander angeordnet. Das Design würde ich als sehr gelungen bezeichnen: ästhetisch, ruhig, intuitiv und übersichtlich, sodass man das Samarkanda schon nach kurzer Zeit blind bedienen kann.
Je länger ich mich mit dem Samarkanda beschäftige, desto klarer wird mir, dass wir es hier eher mit einem Instrument als mit einem Effektgerät zu tun haben. Es überzeugt mit einem klaren, rauschfreien Klang, der zudem frei von Übersteuerungen ist. Selbst bei extremen Feedback-Werten mit aufschaukelnden Delays ist immer genug Headroom vorhanden.
Alternativen
Auch wenn es einige Delay-Module fürs Eurorack gibt, findet sich doch keines, das einen ähnlichen Ansatz verfolgt wie das Samarkanda. Erweitern wir die Suche auch auf Stereo-Delays, sieht die Sache schon anders aus:
Ein analoges Delay wird von Soma unter dem Namen Lyra-8 FX angeboten mit zwei unabhängigen Delay-Linien, gegenseitiger Feedback-Modulation und einigen CV-Patch-Buchsen. Hingegen ist das Delay weder tapbar noch lässt es sich zu einer externen Clock synchronisieren.
Ein tapbares Analog-Delay ist das Sarajewo von XAOC Devices. Die Delay-Zeit reicht bis anderthalb Sekunden. Das Feedback kann extern bearbeitet werden. Zudem lassen sich die drei Delay-Taps separat abgreifen, wodurch auch eine Art Stereo-Effekt generiert werden kann.
Das Stereo Delay 2 aus der Black-Serie von Erica Synths verfolgt einen eher konventionellen Ansatz mit Standard-Parametern und einer maximalen Delay-Zeit von drei Sekunden. Das Gerät ist vollständig in Stereo ausgeführt. Sämtliche Parameter lassen sich über CV steuern.
Das Looping Delay von 4ms ist ein Stereo-Digital-Delay beziehungsweise Looper mit 24 Bit und 48 kHz Signalverarbeitung und einer maximalen Aufnahmezeit von knapp drei Minuten bei 16 Bit. Das Delay ist tapbar („Ping“) und bietet eine Hold- und Reverse-Funktion.
Ein komplexes Modul ist das Sealegs von Intellijel: ein Stereo-Delay mit verschiedenen Algorithmen, interner Modulation über LFO, Envelope-Follower, Hoch- und Tiefpass-Filter, Reverb, hier „Fog“ genannt, Tap-Tempo, Freeze-Funktion und zahlreichen CV-Buchsen samt eigenen Abschwächern.
Als Spezialist für Bandechos präsentiert sich das Magneto von Strymon mit dedizierten Parametern für den Zustand der virtuellen Bandmechanik und des Bandes selbst. Das Modul bietet neben Echos eine Looper-Funktion und einen Phrase-Sampler, außerdem einen unabhängigen Spring-Reverb-Algorithmus. Die Samplingrate liegt bei 96 kHz. Die maximale Delay-Zeit beträgt je nach Qualität zwischen 15 Sekunden und zwei Minuten.


































Dual Looping Delay ist kein Stereo Delay.
Module von XAOC sind immer ein Hingucker und in der Anwendung absolut vielfältig nutzbar.
Seit Jahren verfolge ich deren Entwicklungen, alle Module sind in sich stimmig und ergänzen sich.
Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben.
Danke für den sehr informativen Überblick und auch die Alternativen, die ich in meinem Modularsysterm auch entdecke.