Kreatives Multi-Effekt-Plug-in für Drums
Mit DB-30 Drum Butter bringt XLN Audio ein weiteres Multi-Effekt-Plug-in auf den Markt, das sich speziell auf Drums und Percussion spezialisiert. Wir hatten ja bereits RC-20 Retro Color getestet, das sich ganz auf die „Verschlimmbesserung“ von Klängen versteht. Ich habe XLN-Plug-in bis jetzt immer als sehr durchdacht, universell einsetzbar und charaktervoll empfunden. Mal sehen, ob XLN Audio DB-30 Drum Butter sich dort einreihen kann.
Was ist es? XLN Audio, DB-30 Drum Butter, Multi-Effekt-Plug-in für Drums und Percussion zur kreativen Klangbearbeitung und -veredelung.
- Konzept: Sechs Effektmodule plus Mastersektion, flexibel kombinierbar und speziell auf Drum-Bearbeitung ausgelegt.
- Klang: Sehr vielseitig – von subtiler Veredelung bis zu extremen, experimentellen Sounds.
- Bedienung: Durchdachtes GUI mit klarer Struktur, Preset-Verwaltung und schneller Workflow-Integration.
- Highlights: Boom/Shack-Trigger, flexible Modulkette, starke Reverb- und Kompressor-Algorithmen.
- Fazit: Leistungsstarkes und kreatives Tool mit eigenständigem Charakter – besonders für Drums ein Must-have.
Inhaltsverzeichnis
Installation von XLN Audio DB-30 Drum Butter
Das Plug-in wird über die XLN Online-Installer-App installiert, die ihr euch zunächst herunterladen müsst. Nach der Registrierung auf der Website und dem Kauf von XLN Audio DB-30 Drum Butter findet ihr hier alle Produkte und könnt euren erhaltenen Product-Key registrieren. Auch Trials könnt ihr so installieren. Die App verwaltet auch den Kopierschutz, sodass ihr keinen iLok oder vergleichbare Lösungen benötigt.
Die Anleitung ist leider nur online verfügbar und beschreibt kurz und knapp alle Funktionen, gibt aber auch ein paar gute Tips.
Die Oberfläche von XLN Audio DB-30 Drum Butter
Die Oberfläche präsentiert sich in einem angenehmen Mix von moderner, flacher Darstellung und fotorealistischen Elementen. Die sechs Module sind farblich klar voneinander abgegrenzt und nehmen den meisten Platz auf dem GUI ein. Die einzelnen Dry/Wet-Regler unterhalb hätten für meinen Geschmack zwar etwas kleiner und die Master-Sektion ganz unten dafür etwas größer sein dürfen, dennoch empfinde ich es nicht als Platzverschwendung. Auf diese Weise habt ihr nach den Feineinstellungen die Möglichkeit, das GUI zu verkleinern und die Effektanteile noch komfortabel verstellen zu können.
Die Oberfläche lässt sich in der Größe von 50 % bis 200 % einstellen, wobei 140 % einen Full-HD Bildschirm vollständig in der Höhe ausfüllt.
Neben der GPU-Beschleunigung findet ich hier auch die Einstellung für die Nutzungsdatenerhebung, die vollständig mit der EUGDPR übereinstimmt – soll heißen, eure Daten werden weder gehandelt, noch verkauft, noch für irgendeinen anderen Zweck als zur Verbesserung der Software genutzt. Ich stelle diese Zustimmungen immer aus und finde, sie sollte direkt nach der Installation standardmäßig auch nicht aktiviert sein.
XLN Audio DB-30: Preset-Verwaltung
Die Preset-Verwaltung legt sich bei ihrer Aktivierung über die Einstellungen und bietet eine vollständige Integration von Suche, Schlagwörtern und Favoritensystem. Bei einem Klick auf das jeweilige Preset könnt ihr sofort die neuen Einstellungen hören. Ihr habt einen eigenen User-Ordner, in dem ihr direkt über die Preset-Verwaltung Unterordner anlegen könnt.
Das Wolkensymbol neben der Preset-Überschrift signalisiert, dass eure Presets mit der XLN-Cloud synchronisiert werden. Das hat den Vorteil, dass ihr, wenn ihr an einem anderen Rechner arbeitet, sofort auf alle eure Presets zugreifen könnt. Falls ihr das nicht wollt, könnt ihr auf die Wolke klicken und die Funktion damit deaktivieren.
Wenn ich ganz pingelig sein will, muss ich anmerken, dass der Suchbegriff im Suchfeld erst durch die Enter-Taste bestätigt werden muss, anstatt eine dynamische Suche zu starten, sobald ich einen Suchbegriff eingebe.
Aufbau von XLN Audio DB-30 Drum Butter
XLN Audio DB-30 Drum Butter ist in vier Teile aufgeteilt. Oben findet ihr den Master-Dry/Wet-Regler, darunter die sechs Module, von denen ihr die mittleren vier frei anordnen könnt. Darunter befinden sich die einzelnen Dry/Wet-Regler und danach schließlich die Master-Sektion. Um bei der Auswahl der Presets im gleichen Mischverhältnis bleiben zu können, gibt es neben jedem FX-Dry/Wet-Regler und neben der Master-Sektion ein Vorhängeschlosssymbol – dieses erscheint aber erst, wenn ihr mit der Maus darüber zeigt.
XLN Audio DB-30 Drum Butter besteht aus den sechs Effektmodulen
- Boom Shack (das eigentlich zwei Module ist),
- Shift (ein Frequency Shifter),
- Space,
- Compress,
- Saturate und
- More, einer Art Overdrive-Limiter.
Bis auf Boom Shack und More geben die Module ihre Funktion bereits im Namen Preis. Jedes Modul weist allerdings Besonderheiten auf, die es von einer Standardimplementation solcher Effekte unterscheidet.
Die Master-Sektion des XLN Audio DB-30 Drum Butter bearbeitet immer das gesamte Ausgangssignal und bietet einen Master-EQ, einen Clip-Limiter, einen Air-Regler für luftige Höhen und einen Transienten-Designer. Sehr praktisch ist die Funktion, das Gesamtausgangssignal per Klick auf die Lautstärke des Eingangssignals einzustellen. Auch hier erscheint der entsprechende Schalter erst, wenn ihr mit der Maus darüber schwebt.
Um schnell Einstellungen vergleichen zu können, gibt es zu guter Letzt einen globalen Bypass und vier Variationsschalter A, B, C und D, die neue Einstellungen immer sofort übernehmen, aber nicht mit dem Preset gespeichert und auch nicht ferngesteuert aufgerufen werden können.
Bleiben wir kurz bei der Fernsteuerung bzw. den Automationsmöglichkeiten: Eine Steuerung per MIDI-CC-Learn ist nicht vorgesehen, dafür wird beinahe jeder Parameter als Automationsziel der DAW übergeben, so dass eine dynamische Steuerung der Effekte für Riser oder Drops nichts im Weg steht.
Schauen wir uns die einzelnen Module etwas genauer an.
Boom Shack
Dieses Modul des XLN Audio DB-30 Drum Butter beherbergt eigentlich zwei Module: Boom und Shack. Und sie machen ziemlich genau das, was draufsteht. Beide Module arbeiten nach demselben Prinzip – euer Drumsound triggert entweder einen Sinuston, um Boom-Modul oder eines von 18 Samples im Shack Modul, mit Decay und Duck könnt ihr bei beiden Teilmodulen den Lautstärkenverlauf der Samples bestimmen.
Boom und Shack sind auf spezifische Frequenzbänder gestimmt und triggern erstaunlich sicher bei Bassdrum- oder Snare-Sounds. Da man diese meistens getrennt regeln möchte, besitzt das Modul auch zwei Dry/Wet-Regler. Und wenn ihr nicht möchtet, dass die neu erzeugten Klänge durch die anderen Effekte gehen, sondern z. B. ihr einen cleanen Subbass haben wollt, könnt ihr beide Teileffekte auch mittels des Post-Buttons hinter die Effektkette schalten.
Mit Boom könnt ihr einen Subbass erzeugen, den ihr über den Pitch-Regler halbtongenau steuern könnt. Mit Color fügt ihr Obertöne hinzu und wenn es richtig knarzen soll, schaltet ihr den Acid-Smiley aktiv, der dann bald optisch und akustisch bis über beide Ohren grinst.
Shack triggert eines von 18 Samples, was sich dynamischer anhört, als zunächst zu vermuten wäre. Vor allem beim Vinyl-Sample, das Knistern hinzufügt, klingt das sehr überzeugend. Shack bietet auch noch ein resonanzfähiges Filter, das zusätzlich noch über einen Hüllkurvenfolger gesteuert werden kann.
Alles in allem eine recht einfache Idee, die aber aufgrund der meist geschmackvoll ausgesuchten Samples oft zum Einsatz kommen wird.
Shift
Shack ist ein Frequency-Shifter, dessen Einsatzbereich ihr über den Focus-Regler, der ein Bandpassfilter darstellt, eingrenzen könnt. Der Target-Regler sorgt dafür, dass ihr entschieden könnt, ob ihr mehr die Transienten oder das Sustain des Signals beeinflussen wollt.
Der oberste Regler lässt euch eine Mischung zwischen dem eigentlichen Frequency-Shifter, der schöne blubbernde organische Klänge erzeugen kann und dem Formant-Modus, der die Frequenzen des Signals subtil filtert, einstellen. Der Stereoeffekt verbreitert dann das bearbeitete Signal im Stereobild über eine M/S-Stereoschaltung.
Space
Space ist euer Reverb im XLN Audio DB-30 Drum Butter und beherrscht gleich 20 Reverb-Algorithmen von Booth über Spring-Reverb bis hin zu Large Hall steht euch eine große Bandbreite zur Verfügung.
Auch hier könnt ihr mit dem Focus-Regler ein exaktes Frequenzband einstellen. Mit Decay, Stretch und Duck stellt ihr das Verhalten der Nachhallfahnen ein, auch ein Pre-Delay darf nicht fehlen. Der Pan/Width-Regler wird über eine horizontale (Pan) oder vertikale (Width) Mausbedienung eingestellt.
Für mich klingen alle Reverb-Algorithmen überzeugend und die gebotenen Einstellungsmöglichkeiten sind auf den ersten Blick vielleicht knausrig, aber in der Tat sparsam, denn ich konnte damit jeden erdenklichen Raum- oder Reverb-Klang erreichen.
Compress
Hier kann euer Signal nach Belieben verdichtet (downward compression) oder gestreckt (upward compression bzw. expansion) werden, wobei die sechs Algorithmen von sanfter Kompression (Warm) bis zu übertriebenem Pumpen (OTT) alles bieten. Auch hier ist die Auswahl der Parameter sparsam, auch hier konnte ich alle erdenklichen Kompressor-Klänge herausarbeiten.
Interessant ist hier der Bands-Regler, der stufenlose zwischen einem Full- und einem festgelegtem Multiband-Kompressorfilter überblenden kann. Damit konnte ich vor allem den Klick der Bassdrum schön herausarbeiten.
Saturate – This One Goes to Eleven
Das Sättigungsmodul im XLN Audio DB-30 Drum Butter bietet euch ebenfalls sechs Grundeinstellungen wie Console oder 4-Track, auch ein übler digitaler Hardclip ist mit dabei. Jede Grundeinstellung hat einen unterschiedlichen Flavor-Regler, der auf diese abgestimmt ist. Im Digital-Saturate könnt ihr zwischen Sample-Rate-Reduktion und Bit-Reduktion überblenden, im Tube-Saturate zwischen der Erzeugung gerader oder ungerader Obertöne.
Komplettiert wird das Saturate-Modul wieder von einem Transienten/Sustain-Target-Regler und einem Focus-Regler zur Einstellung des Frequenzbandes. Die verschiedenen Sättigungsalgorithmen zählen nicht unbedingt zu den besten, die ich je gehört habe, haben aber alle einen Eigenständigen Charakter, den man sehr gut dosieren kann – außerdem geht der hier bis 11.
More
Das letzte Modul im XLN Audio DB-30 Drum Butter ist mit More ziemlich gut betitelt und macht den Gesamtklang zunächst einfach lauter. Allerdings habt ihr es nicht mit einem einfachen Limiter zu tun, denn More greift auch heftig über eine Overdrive-Funktion ins Obertonspektrum ein. Mit Tone, Target und Focus könnt ihr den Effekt gut dosieren und falls ihr es richtig krachen lassen wollt, könnt ihr mit dem x2- und x4-Schalter zwei oder vier More-Module hintereinander hängen. Dabei können recht rohe, unpolierte Ergebnisse entstehen und XLN Audio DB-30 Drum Butter scheut sich nicht, genau dieses „Noise“-Terrain zu erkunden.
More hat mir von allen Modulen persönlich am wenigsten zugesagt, aber es hat auch in meinem Workflow seine Einsatzmöglichkeiten.
Master-Sektion
Die XLN Audio DB-30 Drum Butter Master-Sektion bietet euch einen Hi/Low-Cut-EQ, dessen Low-Cut auch zu einem Low-Shelf mit deutlicher Resonanz konfiguriert werden kann. Der Tone-Regler hat vier Modi, die einen festgelegten EQ-Verlauf darstellen, um euer Signal zum Schluss noch besser in den Mix einpassen zu können. Danach folgt eine Air-Regler, der mit etwas Multibandkompression und Mid/Side-Sättigung etwas luftige Höhen hinzufügt.
Im der Master-Sektion findet sich dann auch noch ein Transienten-Designer und schließlich eine Clip-Funktion. Falls ihr die Boom- und Shack-Module im Post-Modus betreibt, landen deren Signale genau hier vor dem Clip, der auf die Input-Lautstärke der Master-Sektion reagiert. Er geht ziemlich schnell recht heftig zu Werke und kann für eine gute Portion Aggression im Klang sorgen. Ist Clip deaktiviert, wird die Lautstärke direkt an die DAW weitergegeben, die hoffentlich über eine Mute-Funktion verfügt, wenn das Signal zu laut wird.
Es darf auch nicht der Master Dry/Wet-Regler (Magnitude) vergessen werden, mit dem alle Effektanteile gleichzeitig verstellt werden können. Die verschiedenen Dry-/Wet-Einstellungen der einzelnen Module bleiben dabei in ihrem Verhältnis konstant.
Arbeit mit XLN Audio DB-30 Drum Butter
Wie die anderen XLN-Plug-ins, die ich kenne, ist die Arbeit mit XLN Audio DB-30 Drum Butter eine echte Freude. Hier wurde offensichtlich viel Zeit investiert, um mit einem minimalen Satz an Parametern eine maximale klangliche Ausbeute erzielen zu können.
Während des Tests habe ich mich lange Zeit in den Einstellungen verloren und wie die einzelnen Module miteinander interagieren. Dazu waren die Snapshots extrem hilfreich, denn es gibt soviel tolle Klänge zu erkunden. Mir hätten mehr Snapshots deswegen auch gefallen – und Platz ist da ja noch!
Auch die Umstellung der Module in der Signalkette bringt eine große Vielfalt. Als Beispiel ist die Platzierung des Reverbs vor oder nach dem Saturate-Modul (das bis 11 geht) genannt, was einen großen Unterschied ausmacht.

















































Danke für den Test.
Da ich hauptsächlich DAWless arbeite läuft mein Ableton Live als Aufnahme und VST Effektgerät mit.
Habe mir mal die Demoversion installiert.
Wow meine Beats aus Octatrack,Digitakt und Syntakt bekommen nun endlich die richtige Würze.
Gute Software
Guter Test, vielen Dank!