Röhrenklang to go
Der XVive P2 ist ein In-Line-Vorverstärker für dynamische Mikrofone und Bändchenmikrofone. Mit diesem Preamp erhalten insbesondere unempfindliche Mikrofone eine zusätzliche Verstärkung, was bei leistungsschwachen oder qualitativ mittelmäßigen Preamps einen echten Qualitätsgewinn bedeuten kann. Durch seine Röhrentechnologie soll der P2 optional auch für mehr Wärme, harmonische Sättigung und einen kraftvollen Boost sorgen, so lautet zumindest das Versprechen des Herstellers. Wir prüfen den kleinen Preamp in diesem Test auf Herz und Nieren!
Was ist es? XVive P2, akkubetriebener In-Line-Vorverstärker für dynamische Mikrofone und passive Bändchenmikrofone mit Nutube-Röhrentechnologie zur Pegelanhebung und Klangveredelung.
- Verstärkung: Liefert bis zu 40 dB zusätzlichen Gain und eignet sich besonders für pegelarme Mikrofone.
- Röhrenklang: Die Nutube-Röhre sorgt für dezente Wärme, harmonische Sättigung und mehr Präsenz im Signal.
- Mobilität: Integrierter Akku mit bis zu zehn Stunden Laufzeit und komfortablem Laden per USB-C.
- Einschränkungen: Keine Phantomspannungsdurchleitung, kein Bypass-Modus und fest verbauter Akku.
- Fazit: Hochwertig verarbeiteter In-Line-Preamp mit eigenständigem Charakter und überzeugendem Klang für dynamische und passive Bändchenmikrofone.
Inhaltsverzeichnis
Wer ist XVive?
XVive wurde 2014 als Marke von Shenzhen Fzone Technology Co., Ltd. gegründet. Die Gründer sind Nancy Lee und Fischer Mao. Ursprünglich lag der Fokus auf Gitarreneffekten und insbesondere auf der Wiederbelebung des legendären MN3005-Bucket-Brigade-Chips für analoge Delays.
Die größte Bekanntheit hat XVive durch seine Funklösungen erreicht:
- U2 Gitarren-Funksystem
- U3 Mikrofon-Funksystem
- U4 In-Ear-Monitor-Funksystem
- U35 Mikrofon-Funksystem
- Diverse Wireless-Lösungen für Video, Instrumente und Monitoring
Der Durchbruch kam 2016 mit dem U2-System, das sich durch einfache Handhabung und vergleichsweise günstige Preise von vielen Konkurrenten abhob.
Das aktuelle Portfolio bewegt sich eher im niedrigen bis mittleren Preissegment. Dabei glänzt die Marke häufig mit guten und preisgünstigen Produkten bei sehr anständiger Verarbeitung.
Was ist das XVive P2?
Als In-Line Tube-Preamp soll das XVive P2 zum einen, ähnlich wie ein Cloudlifter, eine zusätzliche Verstärkung für Mikrofone mit niedrigem Ausgangspegel liefern und dadurch den Mikrofonvorverstärker des Audiointerfaces entlasten. Zum anderen soll die eingebaute Röhre dem Klang eine zusätzliche Portion harmonischer Sättigung und Wärme verleihen.
Jetzt werden viele die Stirn runzeln: Eine Röhre? Die benötigt doch eine eigene Stromversorgung und produziert viel Abwärme. Für klassische Vorstufenröhren wie eine ECC83 stimmt das. Im XVive P2 ist jedoch die von Korg entwickelte Nutube 6P1 verbaut, die zwar nach demselben Prinzip wie eine klassische Triode arbeitet, aber deutlich weniger Spannung und Strom benötigt.
Kurzer Technik-Check: Die Korg Nutube
Die Nutube ist eine Art Miniatur-Vakuum-Fluoreszenzröhre (VFD), die als Audio-Verstärkerelement weiterentwickelt wurde. Sie nutzt die klassischen Bauelemente einer Röhre (Kathode – Gitter – Anode).
Das zugrunde liegende Design stammt ursprünglich aus der Anzeigetechnik. Die Leuchtelemente, die man aus älteren Hi-Fi-Geräten kennt, waren und sind sogenannte VFDs (Vacuum Fluorescent Displays).
Man nutzt dabei den Effekt, dass Elektronen von der Kathode über das Gitter zur Anode gelangen und dort auf ein fluoreszierendes Material treffen. So entstehen die leuchtenden Zahlen und Zeichen der Anzeige.
Ersetzt man nun die Leuchtschicht durch eine Audio-Triodenstruktur, erhält man einen Verstärkungseffekt ähnlich dem klassischer Röhren, allerdings bei deutlich geringerem Stromverbrauch, weniger Wärmeentwicklung und äußerst kompakten Abmessungen.
Anoden- und Heizspannung sind bei der Nutube so gering, dass sie sogar mit einem Akku betrieben werden kann. Und genau das geschieht im XVive P2.
Im Vergleich zu klassischen Hochspannungsröhren fällt die Klangfärbung allerdings subtiler aus. Auch das Sättigungsverhalten unterscheidet sich von traditionellen Röhrenschaltungen. Daher findet man die Nutube vor allem in Vorstufen, Effektgeräten oder Instrumenten, bei denen eine leichte analoge Färbung erwünscht ist. Wie klassische Röhren kann auch die Nutube mikrofonisch reagieren. Im Praxistest spielte dies jedoch keine relevante Rolle.
Ausstattung des XVive P2
Wir haben mit dem XVive P2 also einen kleinen kompakten Preamp vor uns, der zum einen als Gain-Booster für pegelarme Mikrofone fungiert und zusätzlich den Klang durch die eingesetzte Nutube-Röhre leicht färben kann.
Der P2 verfügt dazu über einen 1.900-mAh-Lithium-Ionen-Akku mit 3,8 Volt Spannung, der einen Betrieb von bis zu zehn Stunden ohne erneutes Aufladen verspricht.
Auch das Laden wurde sehr einfach gehalten. Eine USB-C-Buchse versorgt den Akku mit einer Ladespannung von 5 Volt. Die maximale Kapazität wird nach etwa zwei bis zweieinhalb Stunden erreicht. Eine LED-Kette mit vier Elementen zeigt den aktuellen Akkuzustand an. Wenn nur noch eine LED blinkt, liegt die Restkapazität unter zehn Prozent und der Akku sollte wieder geladen werden.
Das handliche Kästchen mit den Maßen 45 × 114 × 41 mm (B×H×T) wiegt lediglich 275 g und besitzt an Ober- und Unterseite jeweils eine XLR-Buchse für die Verbindung mit Mikrofon und Audiointerface. Drückt man länger auf den On/Off-Taster, startet der XVive P2 und die Röhre beginnt in ihrem charakteristischen Türkis zu leuchten.
Die beiden kleinen Regler ermöglichen die Anpassung des Gains, also der Aussteuerung der Röhre, und der Lautstärke. Die maximale Verstärkung wird mit +40 dB angegeben, was durchaus ordentlich ist.
Die Eingangsimpedanz beträgt 47 kOhm, die Ausgangsimpedanz 470 Ohm. Neben dem XVive P2 befinden sich noch ein passendes USB-C-Ladekabel und eine Kurzanleitung im Lieferumfang.
Was kann der XVive P2 nicht?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz trivial. An erster Stelle steht das Handling der Phantomspeisung. Der P2 ist ausschließlich für dynamische Mikrofone und passive Bändchenmikrofone konstruiert. Ein Kondensatormikrofon, das für seinen Betrieb 48 V Phantomspannung benötigt, funktioniert nicht, auch dann nicht, wenn diese am Audiointerface aktiviert wird. Die Phantomspannung wird nicht durchgeleitet. Der P2 blockiert die Phantomspannung und verhindert so, dass sie das angeschlossene Mikrofon erreicht.
Zweitens: Man kann den Akku des P2 nicht zum Laden anderer Geräte wie Smartphones verwenden. Die USB-C-Buchse ist eine Einbahnstraße und dient ausschließlich zum Laden des internen Akkus.
Drittens: Es gibt keinen Bypass-Modus. Hat der P2 keinen Strom mehr oder wird er ausgeschaltet, kommt kein Signal mehr am Ausgang an. Das ist sicher kein großes Problem, da die Akkukapazität jederzeit über die LEDs kontrolliert werden kann, dennoch sollte man es wissen.
Das XVive P2 in der Praxis
Die Bedienung des XVive P2 ist kinderleicht. Auspacken, an eine USB-C-kompatible Stromquelle anschließen und warten, bis alle vier Status-LEDs dauerhaft leuchten. Anschließend den Eingang mit einem dynamischen Mikrofon verbinden, in meinem Fall ein Shure SM58S, und den Ausgang mit dem Mikrofoneingang des Audiointerfaces koppeln. Bei mir kam ein Apollo Twin X von Universal Audio zum Einsatz.
Das Apollo Twin X verfügt durchaus über genügend Verstärkung, um ein SM58 oder auch das bei Podcastern beliebte SM7B zu betreiben. Den Gain-Regler muss man jedoch deutlich weiter aufdrehen als bei einem Kondensatormikrofon. Mit dem XVive P2 im Signalweg steht nun mehr als genug Pegelreserve zur Verfügung.
Im ersten Beispiel möchte ich die Wirksamkeit der Verstärkung demonstrieren. Ich habe das Shure direkt mit dem Mikrofoneingang des Apollo verbunden und meine Stimme mit 50 dB Gain aufgenommen (das Maximum beim Twin X liegt bei 65 dB).
Dann habe ich den XVive P2 eingebunden, den Gain am Apollo auf 10 dB reduziert und am P2 sowohl Volume als auch Gain auf Rechtsanschlag gestellt. Das Ergebnis ist praktisch gleich laut. Das Eigenrauschen des P2 fällt insgesamt erfreulich gering aus und war selbst bei hohen Gain-Einstellungen im Praxistest kein ernsthaftes Problem.
Dann noch das Audiobeispiel, bei dem ich während des Sprechens bei konstantem Volume den Gain erhöhe. Man hört deutlich die Zunahme des Röhreneffekts, die damit verbundene Sättigung sowie die zunehmende Wärme in meiner Stimme.
Danach folgen einige Beispiele mit einer akustischen Gitarre, ebenfalls mit dem SM58 auf Höhe des 12. Bundes aufgenommen. Alle Beispiele wurden mit 50 % Volume erstellt – zunächst ohne Gain, anschließend mit 50 %, 80 % und schließlich 100 % Gain:
Das SM58 funktioniert meiner Meinung nach mit dem perkussiven Klang einer Akustikgitarre sogar besser als bei Sprache oder Gesang, wo häufig noch mit EQ und Kompressor nachgearbeitet werden muss. Mit zunehmendem Gain steigen bei der Gitarre sowohl Volume als auch Durchsetzungskraft. Gleichzeitig sorgt die Nutube für einen angenehmen Schmelz und zusätzliche Obertöne, ohne dabei zu übertreiben. Für die Aufnahme akustischer Instrumente gefällt mir der P2 ebenfalls sehr gut.
Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas ratlos war. Der XVive P2 kostet rund 200,- Euro, und dafür bekommt man heutzutage bereits gute Mikrofone, anständige Audiointerfaces oder Plug-ins, die ebenfalls einen gewissen Röhrencharakter simulieren können.
In Verbindung mit einem unempfindlichen oder eher höhenarmen Mikrofon, wie man es häufig bei Bändchenmikrofonen findet, ist der XVive P2 jedoch eine echte Bereicherung. Mir gefällt insbesondere der zurückhaltende Charakter der Nutube-Röhre. Sie sorgt für eine angenehme Klangveredelung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Für High-Gain-Sounds oder drastische Klangverbiegungen ist sie allerdings nicht gedacht.
Wer bereits ein hochwertiges Interface mit leistungsstarken Preamps besitzt und überwiegend Kondensatormikrofone verwendet, wird vom P2 deutlich weniger profitieren als Nutzer dynamischer Mikrofone oder passiver Bändchen.
Preis und Verarbeitung
Aktuell zahlt man für den Inline-Preamp 199,- Euro, was ich für durchaus fair halte. Einen originalen Cloudlifter erhält man ab etwa 119,- Euro, allerdings ohne Röhrenschaltung, ohne Akku und in einem vergleichsweise einfachen Blechgehäuse.
Der XVive P2 ist hinsichtlich seiner Verarbeitung hervorragend gelungen. Das Gehäuse ist massiv und vermittelt echte Wertigkeit. Die türkis glimmende Röhre, die verschraubten Buchsen, die Regler und die Akkuanzeige wirken hochwertig, sauber montiert und angenehm in der Bedienung.
Natürlich kann man über die Lebensdauer von Akkus diskutieren, denn der Energiespeicher des P2 ist nicht ohne Weiteres austauschbar. Moderne Lithium-Ionen-Akkus gelten jedoch als robust und langlebig. Dafür bekommt man beim P2 mobilen Röhrenklang und das ist durchaus etwas Besonderes.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
















































Warum die Bezeichnung P2 draufsteht verstehe ich noch nicht, jedoch ist der Preamp-Booster hörtechnisch schon ne gute Nummer.
Gibt es ähnliche Produkte, die gleiches an Qualität leisten?
Danke für die Vorstellung in diesem Artikel! 😎