Test: XVive U3 Microphone Wireless System

21. Oktober 2019

Weg mit dem Kabel

Wie wäre es, wenn das Kabel gebundene Lieblingsmikrofon auch ganz ohne lästiges XLR-Kabel funktionieren würde? Dieser Wunsch kann mit dem XVive U3 Microphone Wireless System schnell in Erfüllung gehen. Dieses digitale Mikrofon-Transceiver System macht aus jedem dynamischen Mikrofon auf der Stelle ein Funkmikrofon.

Das Set besteht aus zwei Komponenten, die ganz unkompliziert eingesetzt werden können. Der Transmitter wird anstelle des Kabels an das Mikrofon gesteckt, der Receiver kommt in den XLR-Eingang des Mixers, Recorders oder direkt in die Aktivbox – fertig. Kein Netzteil muss den Weg zur Steckdose finden, Batterien brauchen nicht eingelegt zu werden und das XLR-Mikrofonkabel kann man getrost vergessen.

XVive U3 Microphone Wireless System

XVive U3 Microphone Wireless System: die beiden Komponenten

Mit dem XVive U3 Microphone Wireless System sind also Mikrofonkabel überflüssig? Ob das wirklich so ist und was beim Umgang mit diesem cleveren System noch alles auffällt, wollen wir in diesem Testbericht herausfinden.

XVive U3 Microphone Wireless System

Zum Lieferumfang gehören neben dem Receiver und dem Transmitter ein USB-Ladekabel für gleichzeitiges Laden beider Geräte sowie eine Aufbewahrungstasche in ansprechender schwarzer Samtoptik.

XVive U3 Microphone Wireless System

XVive U3 Microphone Wireless System Lieferumfang

Sender und Empfänger arbeiten im lizenzfreien 2,4 GHz ISM-Band. Das ist zwar weltweit anmeldefrei, doch tummeln sich in diesem Frequenzspektrum reichlich WLAN- und Bluetooth-Geräte. Auch ist wegen der hohen Übertragungsfrequenz die Reichweite eingeschränkt. XVive spricht von bis zu 90 feet, was in etwa 27 Meter entspricht. Das ist für den normalen Gebrauch bestimmt ausreichend, könnte aber besonders durch bauliche Gegebenheiten in der Reichweite deutlich eingeschränkt sein.

Hochauflösende Sample-Werte von 24 Bit und eine Bandbreite von 48 kbps Audio ermöglichen eine Frequenzbandbreite von 20 Hz bis 20 kHz bei einem Rauschabstand von 110 dB – und das mit einer Latenz von unter 5 Millisekunden. Diese Leistungsdaten sprechen bereits eine deutliche Sprache.

Transmitter und Receiver sind mit den Abmessungen von lediglich 31 x 29 x 98 mm recht kompakt ausgefallen. Das geringe Gewicht von gerade einmal 93 Gramm (Transmitter) lässt das eingesetzte Mikrofon dann auch nicht zu einer Kurzhantel für Bodybuilder werden. Der Receiver ist sogar noch eine kleine Spur leichter und bringt 92 Gramm auf die Waage. Die Gehäuse der beiden Kooperationspartner sind eine Mixtur aus geformtem Kunststoff mit Metall. Wichtige Verbindungen wie die XLR-Stecker bestehen aus Gussmetall, sollten also auch beim Dauereinsatz und ständigem Wechsel anstandslos über viele Jahre funktionieren.

Fünf Stunden Dauereinsatz mit einer Akkuladung

XVive U3 Microphone Wireless System

Beide Geräte werden gleichzeitig aufgeladen

Integriert sind jeweils 3,7 Volt aufladbare Lithium-Ionen Akkus mit Kapazitäten von 860 mA. Die Akkus sind fest verbaut, bedeutet, dass bei einem Defekt die komplette Einheit in den Sondermüll wandern muss. Aufladen lassen sich die Akkus an einem Rechner oder einem passenden Ladeadapter (der ja mittlerweile in jedem Haushalt vorhanden ist) über das mitgelieferte USB-Ladekabel. Hier werden beide Geräte gleichzeitig mit neuer Energie versorgt. Das hat einmal den Vorteil, dass nur ein USB Anschluss für den Ladevorgang belegt wird, aber auch die Sicherheit, dass direkt beide Geräte in rund 2,5 Stunden voll geladen sind. Ist der Ladevorgang beendet, halten die Akkus bis zu fünf Stunden. Falls sie dennoch bei einem Dauergig oder einer Parlamentsdiskussion nachgeladen werden müssen, braucht es keine Pause von mehr als zwei Stunden. Bereits nach 15 Minuten Ladezeit kann es mit einer zu erwartenden Betriebsdauer von 30 Minuten weitergehen. Nach 30 Minuten ist eine Stunde möglich und nach einer guten Stunde am Energielieferanten halten die Akkus dann schon zwei ganze Stunden durch.

Unkompliziert in der Handhabung

Die Anzahl der Bedienelemente ist im positiven Sinne sehr überschaubar und macht den Umgang mit diesem Drahtlossystem wirklich kinderleicht. Neben den An/Aus-Schaltern an beiden Geräten (dient am Sender auch als Mute-Schalter) gibt es am Transmitter noch den Umschalter für Line- oder Mikrofonsignale. Die Einstellung Mikrofon arbeitet mit 0 dB Input während die Position Line mit einer Signalstärke von -10 dB zurechtkommt.

XVive U3 Microphone Wireless System

XVive U3 Microphone Wireless System

Zentrale Elemente an beiden Geräten sind die Kanalwahlschalter. Hier entscheidet man sich für einen von insgesamt sechs möglichen Kanälen. Jeder Kanal hat drei feste Frequenzen. Manueller Eingriff ist hier nicht möglich, Transmitter und Receiver kommunizieren miteinander und wählen die optimale Frequenz selbst aus. Die Auswahl der Kanäle gehört ebenfalls in die Rubrik kinderleicht. Per Drucktaster wird von einem Kanal zu nächsten geschaltet. Deutlich sichtbare blaue Farbgebung zeigt den gewählten Kanal, der zur korrekten Funktion natürlich an beiden Geräten identisch eingestellt sein muss.

Das XVive U3 Microphone Wireless System ist flexibel

Es lassen sich nicht nur dynamische Mikrofone einsetzen. Kondensatormikrofone, die über eine eigene Batterie zur Spannungsversorgung verfügen, können mit dieser Funkstecke ebenfalls drahtlos gemacht werden. Interessant ist zudem auch die Übertragung von Line-Signalen, wie zum Beispiel vom Ausgang eines Mischpultes zur Aktivbox. Der Anschluss an Effektpedalen funktioniert ebenfalls. Hier gilt es lediglich darauf zu achten, dass genügend Platz an den Buchsen vorhanden ist – aber die XVive Geräte sind ja schließlich recht schlank. Ich habe den Receiver an meinen TC Helicon Harmony Singer angeschlossen und das hat seitens der Steckerbelegungen gut funktioniert.

Gegenüber konventionellen Funkstrecken hat man mit diesem System einige Vorteile. So kann praktisch jedes dynamische Mikrofon eingesetzt werden. Man ist also nicht festgelegt in der Auswahl oder Qualität des Schallwandlers. Es werden im Gegensatz zu konventionellen Funkstrecken mit Handsender wirklich keinerlei Kabel benötigt. Schließlich muss der Receiver einer ganz normalen Funkstrecke letztendlich doch mit einem Kabel am Mixer angeschlossen werden.

Bedeutet das nun, dass konventionelle Funkstrecken mit Handsendern out sind? Natürlich nicht. Diese Spezialisten bieten gegenüber dem XVive U3 Microphone Wireless System eine große Zahl von Besonderheiten verbunden mit weiteren Vorteilen. Das digitale XVive U3 Microphone Wireless System ist vielmehr eine kostengünstige Lösung für kleinere Bands auf kleinen Bühnen, Alleinunterhalter, DJs oder Redner. Oder für Anwender, denen der Umgang mit einer normalen Funkstrecke vielleicht zu kompliziert ist. Vom schnellen Austausch des eingesetzten Mikrofons ganz zu schweigen.

XVive U3 Microphone Wireless System in der Praxis

Zunächst geht es darum, dieses Wireless System in seiner eigentlichen Bestimmung zu testen. Der Transmitter ist ruck-zuck mit meinem Lieblingsmikrofon Shure SM58 verbunden. Aufstecken, fertig. In der Alto Aktivbox wartet der Receiver auf seinen Einsatz.

XVive U3 Microphone Wireless System

Sender an meinem SM58

Beide einschalten, Kanal 4 eingestellt, und los geht es.

Wie funktioniert es? Natürlich prima. Latenz ist nicht wahrnehmbar, der Sound ist toll und Störungen von meinem Router in der Nähe sind ebenfalls nicht festzustellen. Der Gang durch meine weitläufige Wohnung ergibt keine Drop Outs. Selbst Wände zwischen Transmitter und Receiver stellen für das System keine Hindernisse dar.

XVive U3 Microphone Wireless System

Der Empfänger steckt in der Aktivbox

In der zweiten Instanz stelle ich das XVive U3 Microphone Wireless System mit Musik auf die Probe. Dazu wird der Transmitter in den XLR-Ausgang eines Mischpults gesteckt, die Musikzuspielung erfolgt über meinen in die Tage gekommenen Creative Vision M. Dieser Player mit integrierter 60 GB Festplatte war einmal recht teuer, ist heutzutage aber Schnee von gestern. Dennoch, er funktioniert gut, deshalb setze ich ihn immer wieder gerne ein.

Ein paar wenige Handgriffe, zum Beispiel das Umstellen am Transmitter auf Line, und Amy Winehouse dudelt aus der Alto Box. Wie nicht anders zu erwarten ist das Testergebnis in dieser Disziplin ebenfalls hervorragend. Klarer Sound, einfache Handhabung. Dass das Signal in diesem Fall nur einen Kanal wiedergibt, also mono ist, dürfte an dieser Stelle sicher jedem klar sein.

Noch während mich Amy Winehouse mit ihrer Stimme in den Bann zieht, schießt mir eine Idee durch den Kopf. Funktioniert die Übertragung von Gitarrensignalen ebenfalls? Theoretisch müsste es natürlich klappen, doch wie sieht es in der Realität aus? Ein ganz normales Kabel Klinke auf XLR (also doch mit Kabel) liefert das Ergebnis. Ja, auch Gitarrensignale lassen sich mit dem XVive U3 Microphone Wireless System übertragen. Natürlich ist das lediglich eine Notlösung, denn wir haben hier ja schließlich keinen Hi-Z Eingang. Und die Übertragung via Line-Pegel ist logischerweise recht leise. Aber, es funktioniert, und darauf kommt es jetzt an.

XVive U3 Microphone Wireless System

Empfänger an einem Effektpedal für Gesang

Zu guter Letzt zeigt das Drahtlossystem mit dem SM58 und meinem TC Helicon Harmony Singer was es drauf hat. Und auch hier gibt es keine Beanstandungen. Alles funktioniert so, wie es funktionieren soll.

Was gibt es zu beachten?

Das XVive U3 Microphone Wireless System ist einfach in der Handhabung und flexibel in der Anwendung. Beachten sollte man lediglich den Ladezustand der integrierten Akkus. Hier geben LEDs an den Geräten Aufschluss. Leuchtet hier nichts, ist alles O.k. und man kann mit einem Ladezustand zwischen 100 und 30 Prozent rechnen. Machen die LEDs durch dauerhaftes rotes Licht auf sich aufmerksam, beträgt der Ladezustand zwischen 29 und 11 Prozent. Blinken die LEDs rot (weniger als 10 Prozent Ladung), wird es Zeit das USB-Ladekabel parat zu haben und einen passenden Stromlieferanten in der Nähe zu wissen.

Fazit

Mit dem XVive U3 Microphone Wireless System kann jedes dynamische Mikrofon zu einer Funkstrecke verwandelt werden. Kondensatormikrofone mit eigener Stromversorgung funktionieren auch und die drahtlose Übertragung von Line-Signalen, wie zum Bespiel Musikzuspielung, ist ebenfalls möglich. Gesendet wir über sechs frei wählbare Kanäle im lizenzfreien 2,4 GHz ISM-Band. Bedienung und Handhabung sind kinderleicht. Transmitter und Receiver verfügen über integrierte Lithium-Ionen Akkus, die bei voller Ladung eine Einsatzzeit von fünf Stunden ermöglichen. Übertragungsqualität und Verarbeitung sind top. Bei meinen Testläufen sind keine Störungen durch Router oder sonstige WLAN-Gerätschaften feststellbar. Zum aktuellen Ladenpreis von unter 200 Euro erhält man eine flexibel einsetzbare Funkstrecke für viele Gelegenheiten.

Plus

  • lizenzfrei einsetzbar
  • guter Klang
  • einfache Bedienung
  • flexibel in der Anwendung
  • günstiger Preis
  • Aufbewahrungstasche enthalten
  • bis zu fünf Stunden einsatzbereit

Preis

  • Ladenpreis: 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Eibensang

    Hm, jetzt wäre nur noch interessant zu wissen, ob sich das Teil on stage auch mit den günstigen Funkies von HB (Harley Benton Airborne Instrument) verträgt, von denen ich bis zu drei live im Einsatz habe (an meinen Gitarren).

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Dafür gibt es ja unterschiedliche Kanäle zur Auswahl. Da müsste doch was passen.

  2. Profilbild
    mdesign  

    verstehe ich das richtig – da wird ein digitales nutzsignal per analogfunk übertragen? spannendes konzept für 2018. ich hätte da eher irgendein low latency bluetooth mit einer lossless-kompression erwartet …

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