Test: Yamaha MX88, Synthesizer

7. Juni 2017

Großer Bruder für die Bühne?

Auf der diesjährigen Superbooth präsentierte Yamaha eine große Version ihrer MX-Synthesizer-Reihe, das Yamaha MX88. Technisch ist dies zwar identisch mit den kleineren Brüdern MX49 und MX61, doch mit 88 Tasten ist der neue Yamaha Synthesizer für die Bühne prädestiniert und sollte somit hierfür wichtige Funktionen an Bord haben. Daher haben wir uns die „große“ Version der MX-Reihe zum Test ins Studio geholt.

Erster Eindruck

Das Yamaha MX88 macht auf den ersten Blick bereits einen guten Eindruck. Verarbeitungstechnisch gibt es nichts daran auszusetzen, dies wäre bei einem Yamaha Gerät ehrlich gesagt auch nicht zu erwarten. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff und ist sauber verarbeitet. Die Maße des Yamaha MX88 betragen 132 x 40,5 x 16,8 cm, das Gewicht liegt bei äußerst moderaten 13,9 kg. Und da sind wir schon beim ersten Kriterium angelangt, dem Gewicht. Hier kann das MX88 also klar punkten, wer das MX88 als Haupt- oder zentrales Keyboard zusammen mit anderen Synthesizern/Expandern/Laptop auf der Bühne nutzen möchte, bricht sich hier zumindest nicht den Rücken.

Die Bedienoberfläche ist nahezu identisch wie bei MX61 und MX49 aufgebaut, lediglich das Pitch Bend- und Modulationsrad hat Yamaha beim MX88 in die obere Gehäuseecke verfrachtet. Für mich persönlich ein schlechter Zug, denn dadurch liegen die beiden Räder weiter weg von der Spielerposition und liegen bei Nutzung von zwei Keyboards übereinander, wohlmöglich weit unter dem zweiten, oberen Keyboard.

Optisch ist das MX88 im dezenten Schwarz gehalten, da lobe ich mir doch die deutlich auffälligeren Brüder, die es auch in Blau oder Weiß gibt. Macht einfach mehr her, vielleicht kommt da aber bald noch etwas.

Technisch ist das Yamaha MX88 wie bereits erwähnt identisch mit den kleineren Brüdern MX49/MX61. Daher verweise ich an dieser Stelle auf den Test des Kollegen TobyFB, der sich Anfang des Jahres mit dem „blauen Budgetsynthesizer“ auseinandergesetzt hat. Dort findet Ihr auch zahlreiche Soundbeispiele.

Wie bereits von TobyFB in seinem Test erwähnt, kann man bei den MX-Synthesizern kaum etwas kritisieren. Die Soundqualität ist sehr hoch und vor allem breit gefächert, d.h. die AWM-Klangsynthese macht hier einen sehr guten Job und als Einsatzgebiet sind für die MX-Modelle vor allem die klassischen Pop/Rock-Coverbands in all ihren Formen und auch mit aktuelleren Ausrichtungen der elektronischen DJ-Hits denkbar.

Über 1.100 Klänge bietet das MX88, darunter natürlich alles, was an Brot-und-Butter-Sounds benötigt wird, auch Drums und Percussion-Sounds. Die maximale Polyphonie liegt bei 128 Stimmen. Obwohl die Piano-Sektion mit 25 Vertretern die kleinste der 16 Soundsektionen ist, bietet sie sehr gute Qualität. Auch die E-Pianos machen eine gute Figur, auch wenn das ein oder andere Preset mir dann doch zu seicht und nett klingt, etwas mehr Schmutz und dadurch auch Charakter hätte es durchaus sein dürfen. Schön sind auch die vielen Sequenzen und Loops, die vorwiegend aus der elektronischen Richtung kommen. Editieren kann man sie leider nicht, zur Ideenfindung oder Inspiration reichen sie allerdings aus. Viele Soundbeispiele zum MX-Synthesizer findet ihr wie gesagt in TobyFBs Test zum Yamaha MX61 V2.

128 Speicherplätze stehen beim MX88 zum Ablegen der eigenen Soundkreationen bereit und da sind wir auch bei einem meiner Kritikpunkte: Das Editieren der Sounds direkt am Keyboard ist sehr eingeschränkt, nimmt man aber die frei erhältlichen „Vycro MX“- oder „John Melas MX“-Editoren zur Hilfe, kann man auf deutlich mehr Parameter Zugriff nehmen und alles galant am Computer bearbeiten.

Die Bedienung ist kinderleicht, das Erstellen von Performances, vorab im Studio oder zur Not mal kurz vor Beginn des Auftritts, geht schnell von der Hand, auch wenn das Display des Yamaha MX88 doch sehr klein bemessen ist. Das wäre auf alle Fälle ein schönes Upgrade gewesen, wenn Yamaha hier ein größeres Display verbaut hätte.

Tastatur

Die 88 Tasten des Yamaha MX88 sind eine Eigenanfertigung des Herstellers, entgegen vieler anderer Hersteller setzt Yamaha seit jeher nicht auf Fatar Tastaturen, sondern entwickelt und fertigt diese selbst. Das tut der Qualität keinen Abbruch, die „Hammermechanik“-Tastatur aus Kunststoff erlaubt ein deutlich dynamischeres und ausdrucksstärkeres Spiel als die 61-Tasten-Version, die ich zum Vergleich heranziehen konnte. Die Tasten federn sehr gut und sauber zurück, verarbeitungstechnisch gibt es hier absolut nichts auszusetzen. Die Tastaturgeräusche halten sich in Maßen, wobei das deutliche dumpfe „Klacken“ bei vollem Anschlag nicht zu überhören ist. Insgesamt aber eine sehr gute Tastatur.

Studioeinsatz

Beim Einsatz im Studio macht das Yamaha MX88 eine gute Figur. Zum Lieferumfang gehören neben dem Netzteil eine mehrsprachige Bedienungsanleitung und die Software Cubase AI. Nimmt man den kostenlos herunterladbaren „Remote Editor“ hinzu, eine Software, mit der sich die Bedienelemente des MX88 mit Funktionen und Parametern u.a. auch von Cubase belegen lassen, funktioniert das MX88 auch als Steuerzentrale im Studio. Sehr gut gelöst ist dabei die Steuerung der Cubase-eigenen Plug-ins, denn viele Parameter lassen sich so komfortabel vom MX88 aus steuern.

Remote Editor

Auch mit anderen DAWs ist der „Remote Editor“ kompatibel, so z.B. Sonar X2 unter Windows und Logic Pro sowie Digital Performer unter OSX. Auch wenn der „Remote Editor“ optisch ein ziemlicher Graus ist und die Schriften kaum lesbar sind, lässt es sich dennoch passabel damit arbeiten.

Ein weiterer Vorteil des MX88 bei Einsatz im Studio ist das integrierte Audiointerface des Keyboards. So kann das MX88 nämlich ohne zusätzliche externe Hardware in Verbindung mit dem Computer treten, perfekt für Anfänger und Homestudios, die evtl. (noch) nicht über ein Audiointerface verfügen.

Bühneneinsatz

Aber auch auf der Bühne hat das integrierte Audiointerface seine Vorteile, denn wer live einen Laptop einsetzt, egal ob als Audio-Zuspieler, zum Abfeuern von Samples oder zum Spielen von Software-Instrumenten, braucht somit kein extra Audiointerface anzuschaffen. Es reicht ein simples USB-Kabel und die Verbindung steht, die Audiosignale des Laptops kommen aus dem Stereoausgang des MX88. Dabei mischt das MX88 das Computersignal mit dem eigenen zusammen, über die Funktion Utility – DAW Level lässt sich die Lautstärke dieses Signals regeln.

Der Laptop ist eine Möglichkeit, wer allerdings lieber mit iOS-Apps arbeitet, kann diese Konstellation auch mit dem MX88 umsetzen. Dafür kann man natürlich jede gängige App nutzen, Yamaha bewirbt aber vor allem die eigene FM Essential App, ein 4 OP FM-Synthesizer, der klanglich eine große Vielfalt bietet. Auch hierzu verweise ich auf den Test von TobyFB.

John Melas MX Editor

Hinsichtlich des Einsatzes als Masterkeyboard bietet das Yamaha MX88 leider nur maximal einen Layer oder Split, d.h. mehr als zwei Sounds auf bzw. übereinander platzieren ist (zunächst) leider nicht möglich. Das Yamaha MX88 bietet zwar insgesamt 16 Parts, wovon allerdings nur eben zwei simultan gespielt werden können. Über den Umweg der „John Melas Tools“ gibt es allerdings die Möglichkeit, mehrere Parts auf einen MIDI-Kanal zu mischen, dann ist der MX88 auch fähig, mehrere Parts gleichzeitig wiederzugeben.

John Melas MX Editor 2

Noch eine schöne Funktion: Der interne Arpeggiator des Yamaha MX88 bietet 999 Presets. Diese lassen sich über MIDI synchronisieren und die Daten können auch ausgegeben werden, so dass man die erzeugten Arpeggios auf Wunsch später in der DAW nachbearbeiten kann.

Fazit

Mit dem MX88 erweitert Yamaha seine MX-Synthesizer Reihe um eine große 88-Tasten-Version. Wen die „nur“ 49 bzw. 61 Tasten der kleinen Brüder bisher vom Kauf abgehalten haben, kann jetzt zuschlagen. Technisch hat sich gegenüber den Brüdern nichts getan, was einerseits schade ist, denn damit wird hier nur hinsichtlich der Zielgruppe Live-Keyboarder nachgelegt, mehr nicht. Andererseits haben sich die MX-Synthesizer in unseren Tests bewährt, man bekommt hier gute Qualität zum fairen Preis. 450,- Euro Aufpreis vom 61-Tasten Modell auf die 88er Variante sind allerdings eine Hausnummer, da wird sich der ein oder andere evtl. doch mit 61 Tasten begnügen.

Plus

  • Tastatur
  • Sounds

Minus

  • viele Funktionen nur via Software-Editor möglich/komfortabel

Preis

  • Ladenpreis: 1.099,- Euro
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