Einsteiger Piano
Wer sich für Einsteiger-Digitalpianos interessiert, kommt im Normalfall nicht an den namhaften Herstellern der Branche vorbei. Zwar gibt es mittlerweile viele günstige Eigenmarken der deutschen Musikhäuser, aber bisher gab es immer qualitative Unterschiede, die auch die Preisdifferenz gerechtfertigt haben. Yamaha möchte diese Tradition mit dem P-95 fortsetzen, und der folgende Test soll aufzeigen, was in dem Gerät wirklich steckt.
Optik und Ausstattung
Wie so oft beherbergt auch das Yamaha P-95 insgesamt 88 Tasten, die sich in Form einer „Graded Hammer Standard“-Klaviatur präsentieren. Der Zusatz „B“ steht für black. In einer weißen Version ist das schöne Stück mit dem Zusatz „S“ erhältlich.
Das Wort „graded“ bedeutet in diesem Fall, dass – wie bei einem echten Klavier/Flügel auch – die tieferen Tasten des Digitalpianos schwerer gewichtet sind als die oberen Tasten. Hierdurch schafft es die Tastatur, ein wirklich angenehmes Spielgefühl entstehen zu lassen. Gerade auch für Einsteiger ist interessant, dass sich die Anschlagsdynamik in drei Stufen einstellen lässt, so dass jeder die Tastatur an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann.
Maximal 64 Stimmen kann das P-95 gleichzeitig wiedergeben. Diese maximale Polyphonie ist für den Zielgruppenbereich sicherlich ausreichend, größere Modelle können jedoch auch oftmals doppelt so viele Stimmen wiedergeben. Die Abmessungen sind mit 132 x 15 x 29 cm normal groß, einen Pluspunkt bekommt das P-95 für das Gewicht von grade einmal 12 kg. Dieses geringe Gewicht basiert natürlich auf dem relativ leichten Kunststoff, aus dem das Gehäuse gefertigt wurde. Instabil wirkt das P-95 dadurch jedoch absolut nicht. Gelegentliche Ausflüge auf die Bühnen dieser Welt wird das Digitalpiano somit gut überstehen.
Die Ausstattung des Gerätes deckt (fast) alle Wünsche eines Nutzers ab. Neben dem obligatorischen externen Netzteil bietet das Piano Anschlüsse für ein Sustain Pedal (im Lieferumfang) und ein MIDI-Duo. Zu erwähnen ist, dass man am P-95 auch eine optional erhältliche Pedaleinheit wie das LP-5 betreiben kann. Das sieht man nicht oft in dieser Preisklasse, und dafür gibt es ebenfalls ein Pluspunkt. Die Sounds des Gerätes gelangen über das integrierte Lautsprechersystem nach außen, welches mit 2x 6 Watt absolut ausreichend ausgelegt ist. Auch bei voller Lautstärke und hartem Spielen kommt es nicht zu Übersteuerungen. Dagegen hat Yamaha auf die ansonsten zum Standard gehörenden Line-Ausgänge verzichtet. Auf der Vorderseite des Gerätes gibt es zwar zwei Kopfhörerbuchsen (6,3 mm Klinke), die jedoch parallel zur Lautstärke der internen Lautsprecher arbeiten und somit nicht getrennt geregelt werden können. Für zu Hause sicherlich kein Manko, aber für den Live-Betrieb gibt es sicherlich bessere Lösungen.
Das P-95 wird von Yamaha in zwei farblichen Ausführungen angeboten. Zur Auswahl stehen entweder die klassische Farbe Schwarz oder ein etwas auffälligeres Silber. Passend dazu bietet der Hersteller auch einen festen Keyboardständer an, ebenfalls in Schwarz und Silber erhältlich.
Bedienung
Alle Bedienelemente befinden sich auf der linken Oberseite des Gerätes. Nahezu alle Funktionen können über eigene Taster bedient werden, so dass die Bedienung ohne große Einarbeitungszeit gut funktioniert. Lediglich einige Befehle wie die Einstellung des Metronom-Tempos, Transposition und des Reverb Effekts müssen mit Hilfe der Tastatur getätigt werden. Oftmals muss eine bestimmte Kombination aus Metronom-Taste und einer Noten-Taste gedrückt werden. Hierfür muss man sicherlich zunächst einen Blick ins mitgelieferte Handbuch werfen, aber danach funktioniert alles relativ einfach, und die notwendigen Kombinationen sind alle auch ausführlich im Handbuch erklärt.
Sounds
Insgesamt 10 Klänge hat das Yamaha P-95 an Bord. Diese verteilen sich auf jeweils zwei akustische Klaviere, E-Pianos und Orgeln sowie Strings, Choir, Harpsichord und Vibraphon. Insgesamt ist die Qualität für ein Mittelklasse Piano sehr hoch. Sicherlich bieten andere Hersteller in diesem Preisbereich mehr interne Sounds, allerdings mangelt es dann oftmals an der Qualität der Klänge. Nicht so beim P-95, denn hier bekommt man neben guten Sounds eben auch noch die passende Tastatur dazu. Im Zusammenspiel beider Sachen macht es wirklich Spaß, mit und auf dem P-95 zu spielen.
Hier einige Details zu den Sounds: Der Hauptklang Grand Piano 1 klingt sehr rund und klar und bietet durch die Stereo-Samples genügend Weite, um das Ganze auch auf größeren PA-Anlagen zum Klingen zu bringen. Der zweite Piano-Klang ist dagegen eher Pop-lastig ausgelegt und kann sich u.a. auch im Band-Kontext gut durchsetzen. Bei den E-Pianos bekommt der Nutzer zunächst einmal ein glockiges FM-Piano, was im Mitten- und Tiefenbereich einen guten Eindruck macht. In den höheren Lagen klingt das Ganze jedoch leider sehr dünn. Das zweite E-Piano ist ein gutes Rhodes-Pendant, was je nach Anschlagstärke entweder sehr weich klingt und mit zunehmendem Anschlag zu einem aggressiven Sound mutiert. Sehr schön.
Bei den Orgeln findet man zunächst eine jazzige Ausführung, die vor allem als Band-Begleitung gut funktioniert, und dann natürlich die obligatorische Kirchen-Orgel, die in (fast) keinem Stage- oder Digitalpiano fehlt. Viele Anwender wünschen sich wahrscheinlich eher eine rockige B3-Simulation, aber die Hersteller scheinen da alle anderer Meinung zu sein. Sicherlich Geschmackssache, aber mir persönlich wäre eine B3 oder eine andere Rock Orgel lieber gewesen.
Streicher und Chöre dürfen natürlich auch nicht fehlen im Standard Programm eines Digitalpianos. Die Streicher klingen ein wenig synthetisch, aber als Layer mit Piano oder E-Piano sind sie vollkommen ausreichend. Ebenso die Chöre.
Abgeschlossen wird das Sound-Repertoire mit Harpsichord und Vibraphone. Beide Klänge klingen standardmäßig gut, und daher gibt es daran nichts auszusetzen.
Zu jedem der Klänge gibt es einen passenden Demosong, der die Klänge in verschiedenen Musikstilen präsentiert. Insgesamt gibt es 50 Demosongs, die zum Abspielen bereit stehen.
Bemerkenswert ist, dass manche Sounds des P-95 nicht wie gewohnt mit dem Sustain-Pedal gehalten werden können. Hierbei handelt es sich um die Streicher, die Chöre und die beiden Orgeln. Hält man das Pedal nach Anschlagen der Töne gedrückt, bleibt der Klang zwar kurz stehen, verklingt dann aber nach und nach und wird immer leiser. Bei allen anderen Sounds funktioniert das Pedal wie gewohnt, und alle Klänge bleiben voll im Klangbild stehen.
Extras
Wie bereits kurz erwähnt, können alle Sounds auch als Layer (Dual-Modus) genutzt werden. Dabei wird der auf der Bedienoberfläche weiter links angeordnete Klang immer als Voice 1 bezeichnet, der andere entsprechend Voice 2. Schön ist, dass sich sowohl die Lautstärke-Balance beider Sounds als auch die Oktavlage (von -1 bis +1) getrennt voneinander einstellen lassen.
Zu den globalen Funktionen gehört neben der Transposition auch eine Feinabstimmung der Tonhöhe. Spielt man beispielsweise mit anderen Musikern zusammen, kann man das P-95 um bis 65 Cents (100 Cents = 1 Halbton) nach oben und unten verstellen.
Zur Bereicherung der Klänge hat Yamaha dem P-95 noch vier Reverb-Typen spendiert. Wählbar sind Room, Hall 1 und 2, Stage oder gar kein Reverb. Die Qualität des Effekts geht in Ordnung und ist für den Hausgebrauch absolut zu gebrauchen.
Das integrierte Metronom kann nicht nur im Tempo von 32 bis 280 BPM (Schläge pro Minute) variiert werden, sondern bietet auch verschiedene Taktmaße von 2/4 bis 6/4 an.
Für das eigene Spiel ist es immer sinnvoll, sich ab und zu selbst zu kontrollieren und die neu erlernten Stücke aufzunehmen. Auch daran hat Yamaha gedacht, und somit bietet das P-95 noch eine kleine Aufnahmesektion. Es kann zwar nur eine einzelne Spur aufgenommen und wiedergeben werden, aber für die beschriebene Lernsituation ist das ja vollkommen ausreichend.
Marktumfeld
Der Preisbereich, in dem sich das Yamaha P-95 bewegt, ist mittlerweile stark umkämpft. Als direkte Konkurrenten des P-95 kann man auf alle Fälle die beiden Korg Geräte SP-170S und SP-250 bezeichnen. Preislich liegt das P-95 genau in der Mitte der beiden, wobei das P-95 gegenüber dem SP-170 sicherlich mit der intuitiveren Bedienung punkten kann. Das SP-250 bietet dagegen insgesamt 30 Klänge und die wichtigsten Funktionen, kostet aber auch gleich ein wenig mehr.
Die Eigenmarken der Musikhäuser sind preislich natürlich sehr interessant, aber klanglich und von der Verarbeitungsqualität her kommen diese nicht an die Geräte von Yamaha und Korg heran.
kann mich nur dem Test anschliessen. Für den Preis unschlagbar.
Die nicht ganz so schwergängige Tastatur (wie für Yamaha sonst üblich) lässt sich wunderbar spielen.
Also prinzipiell schließe ich mich dem Test an, aber die eingebauten Lautsprecher sind wirklich sehr schlecht. Ein gutes Klangbild würde ich dem P95 nicht bescheinigen.
lg
Ich habe das P-95 seit einer Woche und bin begeistert:
eine tolle Tastatur, ein super Pianoklang, der leider über die eingebauten Lautsprecher nicht ganz so zur Geltung kommt.
Durch das Kunststoffgehäuse ist es für ein DP mit Hammermechanik sehr leicht und gut transportabel.
Line-Ausgänge wären schön gewesen, aber per Y-Adapter geht es ja auch.
Ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.
Meine Tochter hat sich ein paar Tage später das Gleiche gekauft, nachdem sie es bei mir ausführlich getestet hat.