Test: Yamaha PSR-S970, Entertainer Keyboard

2. Dezember 2015

Vielseitig, scharf und alles in Farbe

Mitte des Jahres brachte Yamaha seine Einsteigerklasse der Entertainer Keyboards mit dem PSR-S670 auf den neusten Stand. Jetzt folgen die beiden Mittelklasse-Modelle Yamaha PSR-S770 und Yamaha PSR-S970, die der Konkurrenz im Preisrahmen von 1.000,- bis 2.000,- Euro das Fürchten lernen sollen. Wir haben uns das größere der beiden Keyboards, das PSR-S970, genauer angeschaut und sagen euch, wo die Neuerungen liegen und wie es sich im Alltag schlägt.

Äußeres und Tastatur des Yamaha PSR-S970

Der erste Eindruck offenbart zunächst nichts sagenhaft Neues. Yamaha bleibt der bisherigen Design-Linie treu, so dass das PSR-S970 seinem Vorgänger recht ähnlich ist. Rein von der Optik ist er sicherlich kein Überflieger, aber eben gut überschaubar. Das Display ist zum Wohl des Nutzers gewachsen und misst nun stolze 15,5 x 9,0 cm. Nicht nur die Größe überzeugt hier, sondern auch die Schärfe. Extrem brillant werden die Informationen des Keyboards abgebildet.

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Einige Bedienelemente sind neu hinzugekommen, geübte Yamaha Nutzer finden sich beim PSR-S970 aber schnell zurecht. Für Neulinge mag die Bedienoberfläche zunächst vielleicht etwas überfrachtet wirken, aber letztendlich ist beim S970 alles klar gegliedert. Links vom Display die globalen Funktionen, Styles und der Recorder, rechts die Soundsektion samt Voice Effekten und den Elementen für die Einzelparts. Kurz oberhalb der Tastatur befinden sich wie gewohnt die Bedienelemente für die Begleitautomatik, die Registrierungen sowie der Multi Pads und One Touch Settings.

Die DJ-Styles, die mit dem S670 Einzug in die PSR-Familie hielten, sind nun auch bei den größeren Modellen dabei. Auffälligste Neuerung in diesem Zuge sind die beiden Potis oberhalb von Pitch Bend- und Modulationsrad. Hiermit lassen sich Klangparameter beeinflussen und vor allem intuitiv ins Live-Spiel einfügen. Von Synthesizern und Controllerkeyboards kennt man das schon lange, bei den Entertainer Keyboards ist das neu.

Zwei Potis dienen dem direkten Editieren von Parametern

Zwei Potis dienen dem direkten Editieren von Parametern

Anschlüsse und Lautsprecher des Keyboards

Das PSR-S970 bezieht seinen Strom über ein externes Netzteil, das ebenso zum Lieferumfang gehört wie ein auf der Rückseite einsteckbarer Notenständer und ein gedrucktes, mehrsprachiges Handbuch. Dass man bei einem Keyboard, das fast knapp 2.000,- Euro kostet, bei Yamaha auf ein externes Netzteil setzt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das PSR-S970 ist für die Bühne prädestiniert, das schreit förmlich nach einem internen Netzteil.

Die Rückseite offenbart die Anschlüsse des Keyboards. Hier finden sich ein Stereo Ausgang (2x 6,3 mm Klinke), ein Stereoeingang als Miniklinke ausgelegt, ein weiterer für Mikrofon/Gitarre ausgelegter Eingang sowie USB-to-host/to-device und ein MIDI Duo. Zwei Fußcontroller lassen sich am PSR-S970 betreiben, Songtexte können über einen VGA-Ausgang auf einem externen Bildschirm angezeigt werden. Optional erhältlich ist ein WLAN-Adapter, über den man das Keyboard direkt mit dem heimischen WLAN verbinden kann, um so beispielsweise neue Daten und Erweiterungen in den internen Speicher zu laden.

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Nutzt man die Möglichkeit, ein Mikrofon direkt am Yamaha PSR-S970 zu betreiben, stehen hierfür ein eigenes Noise Gate, Kompressor und Equalizer bereit. Um der Stimme dann letztlich den passenden Rahmen zu verleihen, kann man über einen Harmonizer auch eune zweite oder dritte Stimme hinzufügen bzw. den Gesang mit zum Song passenden Effekten belegen. Und das ganz unabhängig von der ohnehin sehr großzügig ausgefallenen Effekt-Sektion.

Das Lautsprechersystem des Entertainer Keyboards wird mit 2x 15 Watt angetrieben und bietet einen sehr guten Klang. Auch die bei den Keyboards oftmals unterrepräsentierten Bässe kommen hier sehr gut zur Geltung. Bei voller Lautstärke kommt es zu keinen Verzerrungen und nutzt man das S970 auf der Bühne, lassen sich die internen Lautsprecher über das Menü abschalten. Schön wäre zwar gewesen, das mit Hilfe eines dedizierten Schalters abzuschalten, aber gut. Das Gewicht des Keyboards beläuft sich auf leichte 11,6 kg.

Der PSR-S970 Sound

Das Yamaha PSR-S970 hat insgesamt 1.510 Sounds unter der Haube. Hier sind allerdings bereits 480 GM2-, GS- und XG-Voices dabei, diese werden allerdings nur für das Abspielen von MIDI-Files herangezogen. Zusätzlich sind 41 Drum/SFX-Kits vorhanden.

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Seit einigen Jahren unterteilt Yamaha seine Voices/Sounds in unterschiedliche Gruppen, die sich durch verschiedenen Spielmöglichkeiten, Artikulationen und letztlich dem Aufwand beim Samplen unterscheiden. Die Super Articulation Sounds stellen dabei die Top-Gruppe dar, da sie über verschiedene Spielweisen verfügen, die zu einem möglichst hohen Realismus führen. 131 dieser SA-Sounds hat das S970 an Bord, dazu kommen 30 Mega Voices, 31 Sweet- und weitere Klänge der Cool- und Live-Gruppen. Die Qualitätsunterschiede der Gruppen werden beim Durchsteppen relativ schnell klar, die SA-Sounds klingen da einfach deutlich wärmer und authentischer. Damit nicht nur einzelne Instrumentengruppen bzw. -sektionen von dieser Qualität profitieren, verteilt Yamaha diese Sounds in aller Sektionen.

Insgesamt gilt: Die Klangqualität des Yamaha PSR-S970 ist sehr hoch, egal welche Soundsektion man auch durchhören mag. Das Klangrepertoire ist weit gestreut, besonders gut gefallen haben mir die A- und E-Pianos, aber auch die Synthesizer-Sounds, die endlich auch mal etwas bissiger sind und nicht nur seicht vor sich hin dudeln, sehr schön. Durch die Artikulationen der SA-Sounds klingen natürlich auch die Bläser- und Gitarren-Sounds sehr gut, auch wenn bei beiden doch noch ein deutlicher Unterschied zum Original besteht.

Yamaha Styles im PSR-S970

Hat man bei einem Entertainer Keyboard ordentliche Sounds an Bord, sollten die internen Styles eigentlich auch kein Problem sein. Tatsächlich kann das PSR-S970 auch in dieser Abteilung sehr gut überzeugen. Die Arrangements sind zum größten Teil sehr schön arrangiert, die Auswahl mit 450 Rhythmen dazu sehr groß. Fast schon hervorragend sind die Styles, die Yamaha mit Audiospuren von Drums und Percussions versehen hat. Verglichen zu den herkömmlichen MIDI-Drums ist das ein riesen Unterschied. Ein Nachteil geht damit aber einher, die Audio-Styles können im Tempo nur geringfügig verändert werden. Klar, Audiospuren lassen sich eben nur leicht im Tempo variieren, ohne dass sie an Qualität verlieren. Per Timestretch-Funktion ist es allerdings möglich, die Audio-Styles anzupassen, die maximale Abweichung zum Originaltempo gibt Yamaha aber sicherheitshalber direkt an. Dreht man doch weiter als vorgesehen am Tempo-Rad, schaltet das PSR-S970 die Drumspur einfach stumm. Qualität geht bei Yamaha also vor, richtig so. Schade ist aber, dass es gerade mal 40 Audio-Styles gibt, das sind nicht mal 10 Prozent. Da sollte in Zukunft auf alle Fälle mehr davon dabei sein.

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Das Repertoire der Styles ist breit gefächert, wobei mir die lateinamerikanischen Rhythmen sowie die Ballroom Styles am besten gefallen. Teils kommen da wirklich sehr gute Bläserlicks zum Einsatz. Auch hier arbeitet man wieder mit unterschiedlichen Artikulationen der Instrumente, das steigert die Qualität enorm.

Wie eingangs bereits erwähnt, hat Yamaha mit dem PSR-S670 die sogenannten DJ-Styles eingeführt. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Styles bzw. Patterns, die dem aktuellen Musiktrend à la David Guetta, Avicii, Felix Jaen und anderen DJs geschuldet ist. Auch das S970 wurde nun mit einigen dieser DJ-Styles ausgestattet. Hierbei muss man lediglich die Grundtonart angeben bzw. per einzelnem Akkord anspielen und schon läuft die fest programmierte Akkordfolge durch. Leider lassen sich die Akkordfolgen nicht verändern, so dass der Nutzen langfristig gering ist. Zu statisch agiert das PSR-S970 in diesem Fall, dazu muss man sich die Akkordprogressionen zunächst selbst heraus hören, möchte man live dazu spielen. Dokumentiert hat das Yamaha nämlich nicht.

Zu den DJ-Styles lassen sich zwar typische Sounds und Effekte abfeuern, über die Live-Control-Regler lassen sich dazu auch klassische Filterfahrten einstreuen, aber für mehr als 1-2 Showeinlagen am Abend reicht es dann aber nicht.

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Effekte

Die letzten Entertainer Keyboards aus dem Hause Yamaha hatten stets eine kontinuierlich größer werdende Anzahl an Effekten mit an Bord. Auch das PSR-S970 legt wieder einmal eine Schippe drauf. Neben den Standard-Effekten Reverb und Chorus gibt es vier DSP-Blöcke, die aus einem Fundus von 322 Effekten auswählen dürfen. Sowohl für jede Spur des MIDI-Playbacks als auch für jeden Live-Part steht ein dedizierter Part-Equalizer bereit, zusätzlich kann man das fertige Signal nochmals durch einen Master-Equalizer schicken. Neu hinzugekommen ist ein Master-Kompressor, der das endgültige Signal auf Wunsch nochmals verdichtet.

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Extras wie DJ-Syles ….

Bei den DJ-Styles erwähnte ich bereits das Einstreuen von typischen DJ-Sounds/Effekten. Diese werden beim PSR-S970 über die Multi Pads realisiert, die man natürlich auch mit anderen, nicht DJ-konformen Audio- oder MIDI-Sounds belegen kann. Wer kreativ mit dem neuen Yamaha arbeiten möchte, kann dazu den Song- bzw. Style-Creator bemühen. Zum reinen Abspielen von Songs steht ein Audio/MIDI-Player zur Verfügung.

Ist man Fan ganz bestimmter Stilrichtungen bietet Yamaha im Rahmen seiner Expansion Packs Erweiterungen mit Styles, Voices, Pad-Phrasen etc. kostenpflichtig an. 512 MB Speicher stehen hierfür parat, diese lassen sich nach Belieben füllen. Mittlerweile kann man sogar selbst erstellte Voices hierfür nutzen, das System wird also langsam aber sicher offener gestaltet.

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Kleiner Marktausblick

Härtester Konkurrent des PSR-S970 ist sicherlich das Pa900 von Korg, das im gleichen Preissegment positioniert ist. Klanglich sehe ich das PSR-S970 aber etwas vor dem Korg Modell. Dazu kommt, dass das Display des Yamahas einfach unschlagbar gut ist. Da kann aktuell kein Konkurrent mithalten. Interessant wird der Vergleich mit dem hauseigenen A3000 werden, was Yamaha kürzlich ankündigte. Dieses soll schon bald verfügbar und etwas günstiger als das PSR-S970 sein. Schafft man sich bei Yamaha also nun selbst Konkurrenz im eigenen Haus? Wir werden es spätestens beim Test des A3000 sehen.

Fazit

Mit dem PSR-S970 macht die Entertainer Mittelklasse von Yamaha einen deutlichen Schritt nach vorne. Obwohl sich optisch nicht viel getan hat, steckt im PSR-S970 doch deutlich mehr und bessere Technik als noch im Vorgänger. Klanglich war die Mittelklasse der Japaner schon immer gut, aber die Messlatte für die Konkurrenz wird mit dem aktuellen Modell noch mal ein Stück höher gelegt. Die Bedienung ist nicht nur dank des hochauflösenden Displays gut gelöst.

Einige Neuheiten wie beispielsweise die DJ-Styles kann man als Kunde vernachlässigen, das ist eher als Spielerei bzw. als abendliche Showeinlage anzusehen. Schade ist, dass Yamaha bei den höher angesiedelten PSR-Modellen weiterhin auf externe Netzteile setzt.

Klanglich bietet das Yamaha PSR-S970 ein sehr gutes Repertoire. Dazu passend auch Styles, teilweise mit im Studio eingespielten Drums- und Percussion-Spuren. Insgesamt also ein würdiges Update für ein ohnehin bereits sehr gutes Entertainer Keyboard.

Plus

  • Sounds und Styles
  • Display
  • großzügige Effektsektion
  • Harmonizer

Minus

  • externes Netzteil
  • DJ-Styles nur bedingt einsetzbar

Preis

  • Ladenpreis: 1.849,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    vssmnn  AHU

    Eins muss man Yamaha lassen: Gitarren können die schon lange am besten von allen Herstellern auf Keyboards realisieren.

  2. Profilbild
    Tom

    Bei allen geschilderter Vorzügen dieses wirklich hervorragenden Keys gibt es für mich aber auch einen gravierenden Nachteil und das ist die für diese Klasse ungenügende Qualität der Tastatur. Da ist die (anscheinend neu entwickelte ?) Tastatur des PSR S670 für meinen Geschmack besser. Es wäre schön, im Test hierzu noch einmal eine Info zu bekommen.

  3. Profilbild
    1-Mann-Band Berlin  

    Ich habe dieses Teil – und behalte es. Hauptgrund ist, dass es Audio Styles enthält, die so in keinem aktuellen Produkt möglich sind (das S 975 konnte es noch) und die ich gerne verwende.
    Weiterer Grund ist, ich habe es mit zusätzlichen Sounds versehen und müsste, wenn ich diesen Status auf einem GENOS haben wollte, sehr viel Geld investieren.
    Es würde mich eine Menge Zeit kosten, damit dann der neue Genos so einigermaßen das kann, was mein Exemplar kann, entsprechend dürfte das einzige, was ich neben der bereits erfolgten Anschaffung des Ketron SD 40 Moduls tat, noch die Anschaffung eines V3 Sound Yammex Moduls sein, so dass dann das Genos meiner Kombination kaum noch was voraus hat.

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