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Test: Yamaha Reface CP E-Piano, Reface YC E-Orgel

YC Orgel – Zugriegel in Action

Eine Orgel ist eigentlich eine Art einfacher additiver Synthesizer, der jedoch keine Hüllkurven hat. Obwohl, doch – es gibt eine kleine Hüllkurve für den Perkussions-Teil. Die Zugriegel-Mischungen werden von Hand eingestellt und auch live variiert. Die Orgel ist das älteste elektronische Masseninstrument, wenn man vom Theremin und ähnlichen Dingen mal absieht. In den 60-70ern war es sogar durchaus chic, so ein Gerät auch „Zuhause“ stehen zu haben. Aber wir sprechen nicht von Bontempi oder dem, was landläufig „Hammond“ genannt wird, sondern schon klassische Orgeln aus der Pop- und Rockgeschichte.

Yamahas Beitrag ist unter anderem auch die YC10 mit den typischen bunten Schiebeschaltern- und Reglern. Hier jedoch geht es um einen Rundumschnitt aller gängiger Live/Combo-Orgeln, die eher im Pop/Rock-Kontext sinnvoll sind für eine Reise und das mobile Konzept. Kirchenorgeln sind hier nicht mit drin, denn es geht ausschließlich um portable elektronische Orgeltypen. Ähnlich wie beim Piano ist dies keine auf Vollständigkeit bestehende Sammlung, sondern soll eher spielerisch inspirieren für weitere Musik und zum Jammen. Dafür ist die Oberfläche mit der roten Farbe einladend gestaltet. Die neun Zugriegel machen genau das, was man von ihnen erwartet. Um nicht nur mit dem additiven Teil auskommen zu müssen, gibt es einen fallenden Verlauf, der einer „Decay“ -Hüllkurve entspricht. Das ist die Percussion Abteilung.

Die bietet eine Quinte oberhalb oder genau auf dem Hauptton liegend einen kurzen bis mittellangen Anschlag mit einstellbarem Ausklang, welcher hier jedoch „Length“ genannt wird. Dieser ist sicher eher dazu gedacht, in der finalen Mischung mit dem bereits per Zugriegel gemachtem Mix zusammen ein wenig „Anschlagsgefühl“ einzubringen. Der perkussive Charakter tut gerade einer Orgel gut, da sie sonst etwas statisch wirken würde. Die wichtigste Form, den Typ und Charakter des Sounds zu ändern, sind die fünf Orgel-Typen, aber auch die Verzerrung, welche regelbar ist. Ein Hall ist ebenfalls hinzumischbar. Er ist auch in der Orgel hochwertig und bringt etwas Sakrales mit ein.

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Drei Basiseffekte beeinflussen sehr maßgeblich den Basissound und damit den flächigen Charakter. Die Geschwindigkeit dieser Effekte ist jedoch festgelegt. Das typische „Eiern“ wäre sicher mit wählbarer Geschwindigkeit um Längen flexibler, jedoch ist er in der Orgelwelt auch nicht sonderlich üblich. Das wäre ein schöner Zaunpfahlwink an die unkonventionelleren Spieler gewesen. Aber es gibt ja noch mehr. Chorus und Vibrato haben irgendwie beide einen ziemlich typischen Basischarakter, der durch die Stärke-Einstellung eine scheinbar schnellere Bewegung bekommt.

Diese ist durch Phasenüberlagerungen auch interessant einzusetzen. Bevor es zu den einzelnen Typen kommt, sei noch das Leslie erwähnt. Das ist die Simulation eines drehenden Lautsprechers, der damals dazu gedacht war, eine Orgel größer wirken zu lassen (siehe auch SynMag #28 „Die Hammond Story“. Der auch „Rotary Speaker“ genannte Effekt hat zwei Geschwindigkeiten, die eine Zeit und damit eine Trägheit benötigen, um auf ihr Tempo zu kommen oder abgebremst zu werden. Das ist mit einem Hebel zu bewerkstelligen. Es ist jener Hebel, der bei den Synthesizer-Modellen der Pitch-Bender ist und beim Piano natürlich nicht notwendig ist. Er muss nur nach oben oder unten bewegt werden, um den Effekt schneller oder langsamer zu machen oder ihn auszuschalten. Auch hier ist er nicht einfach irgendein Noteffekt, sondern klingt überzeugend.

So muss das sein. Die Zuriegel haben sieben Rastungen. Das ist nicht störend, es hilft sogar beim Einstellen, wo man etwa ist. Der Regelweg selbst ist nicht sehr groß, aber ausreichend, um es langsam genau ausführen zu können und klein und kompakt genug, um etwas zu tun, was man mit den großen klassischen Zugriegeln eher nicht so gut machen kann, nämlich einfach mit dem Sound spielen. Dies wohlgemerkt mit einer Hand oder mit ein paar Fingern. So kann man immer einige Fader nebenbei verschieben und auch klangliche Kompositionen besser umsetzen. Genau das ist, was den Reiz der kleinen Bauform ausmacht, wenn es nicht sogar der Hauptgrund für eine kleine Orgel sein könnte.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Sind die Zugriegel des YC komplett in Echtzeit wie bei einer Orgel zu bewegen? Man braucht also auch die gedrückte Taste nicht nochmal loslassen und frisch anschlagen, damit das eingestellte Ergebnis wirkt. Ist bei Betätigung eines einzelnen Zugriegels ein deutlich hörbarer Unterschied wahrzunehmen oder muss man ggf. mehrere betätigen damit das Ergebnis stimmt (ich weis, dass bei einem Zugriegel nur ein Ton zugeschaltet/zugemischt wird)? Das wären für mich Kaufentscheidungen, wenn man eine digitale Orgel sucht. Thx.

  2. Profilbild
    Viertelnote  AHU

    Auch hier wieder ein sehr schöner Test mit schnörkellosen Klangbeispielen.
    Das Toypiano hat mich an den Film „One missed Call“ erinnert:)
    Das Reface CP ist bislang mein Favorit.
    Ein sehr gutes Modelling, was sehr dynamisch klingt.
    Die Verzerrung beim Rhodesmodell wirkt auf mich aber etwas aufdringlich, sicherlich eine Frage der Dosis.
    Den Minitasten traue ich im Moment nicht so viel zu, das wird aber ein persönliches Anspielen klären.

    Für mich wären der CS und das CP Modell
    die heißen Kandidaten. Ich würde preislich bei 800,00 Euro liegen.
    Ich werde mal versuchen die beiden gegen meinen Z1 antreten zu lassen.

    liebe Grüße

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      moogulator  RED

      Danke – Da hat der Z1 keine große Chance, weil klingt natürlich „echter“..

      Ja, habe Drive sehr spielerisch eingesetzt hier.. und sehr einfach gehalten alles.

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    vssmnn  

    Ich kann nicht mehr beurteilen, ob es gut oder schlecht ist, es ist da wie bei fremden Fotos in der Galerie, hochwertige Kamera oder 0815-Knipse und durch den Effektwolf gedreht, es spielt keine Rolle mehr.

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    Soundreverend  

    Danke für den Test… Mich würde noch interessieren, ob die Refaces Strom über USB beziehen können, das habe ich bisher noch nicht gelesen oder überlesen :-) Batterien mag ich nicht und im Hotel MacBook+CP wäre schon cool, aber ohne Netzteil bitte…

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      Soundreverend  

      Hi SoundReverend.
      Jetzt kann ich mir die Frage selbst beantworten: Das Reface CP kann leider nicht über USB mit Strom versorgt werden; Batterie oder Netzteil, that’s it. Schade. Hab mir das Teil aber trotzdem heute gekauft hehehe, die Sounds sind der Hammer finde ich. Macht Spass eben weil es so wenige Einstellungsmöglichkeiten gibt, bisschen Chorus, Tremolo, viel Echo und Hall – Augen zu und träumen. :-) Benutze das CP aber an einem Acuna73 Masterkeyboard, die kleinen Tasten sind für unterwegs bestimmt ganz nett, aber ich will mich da gar nicht dran gewöhnen… Und in einem Bus oder Zug werde ich wohl eher nicht damit musizieren. Wer macht sowas?
      Viele Grüße,
      SoundReverend

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    bloop

    ‚V‘ steht nicht für Vintage, sondern für VOX.
    ‚A‘ steht für Ace Tone. Das ist die Vorgängerfirma von Roland.
    Optisch an Ace Tone Orgeln erinnert dieses Yamaha Keyboards.
    http://www...../index.htm

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    penishead  AHU

    Also, Amazona, mir kommt es bei den neuen Artikeln echt so vor, als ob Ihr hier etwas hinbiegen möchtet, was im Vorfeld mit viel Kritik seitens der Kommentare bedacht wurde. Es hagelt ja förmlich von „ach-was-sind-die-Geräte-so-toll!“ Testberichten. Und die Minitastatur und das Gehäuse sind ja auch so klasse. Also, mir persönlich kommt das echt ein bißchen wie „lasst-uns-mal-die-Jungs-von-Yamaha-nicht-so-schlecht-da-stehen“ vor. So als ob wir nun mit den Miniteilen endlich nach 40 Jahren das richtige Format für Tastatur und Format gefunden.

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      moogulator  RED

      Nein, das mache ich nicht.
      Ich finde diese Tastaturen wirklich gut und ich arbeite schon seit vielen Jahren mit kleinen Tasten (live). Deshalb sage ich – diese sind gut und stehe dazu. Es gibt auch welche die nicht gut sind, besonders in vielen Controllern. Wenn einer was anständig macht, dann wird das auch gesagt. Wenn nicht, dann aber auch das.

      Habe keine Bringschuld gegenüber Yamaha. Sorry – falsch getippt. Zackbummreturn.

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    Viertelnote  AHU

    die Frage ist doch auch, was inspiriert mich?
    es muss nicht immer eine Hammerworkstation
    sein. Ich denke, etwas was aufs wesentliche reduziert scheint, könnte der schnellere Weg sein. Ein Qualitätsmerkmal ist heute etwas schwieriger auszumachen. Die Anforderungen sind zu verschieden, die Auswahl größer usw.

    mfG

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    AMAZONA Archiv

    Sick in your mind?
    Sicker als hier gehts wirklich nicht :)

  9. Profilbild
    Christoph Martin

    Hi.

    Mir ist schon ein Rätsel warum man sich immer an der Größe dieser Geräte aufhängt. Minitasten ?!… So what …….

    Ist doch Midi tauglich das Teil.

    Preis !?
    Zeigt mir ne Möglichkeit auf mit der man für 400 Euro ein CP80, Rhodes, etc.. in einem Gerät bekommt und das mit wirklich überzeugender Klangqualität.

    Als seit mir nicht böse, die Reface Serie ist ein feiner Wurf, trotz diverser Restriktionen was die Größe betrifft.

    Da seit ein paar Tagen die Geräte verfügbar sind, sind auch schon die ersten nicht promoteten Videos aufgetaucht.

    @ vssmnn •••

    Vielleicht hilft das weiter, also nicht von irgendeiner Marketingagentur verwurstet.

    Hier eine kleine Auswahl, ich denke die sprechen sehr im positiven für sich selber teilweise einfach, teilweise großartig .

    https://www.youtube.com/watch?v=kNwrn0iXvZk

    https://www.youtube.com/watch?v=YJ-0dV4_1rU

    https://www.youtube.com/watch?v=uwYul7vR_tg

    Und nein ich bin nicht von Yamaha etc.. ;-)

    Ciao.

  10. Profilbild
    Organist007  

    bin da eher enttäuscht. gerade vom orgelmodell hab ich mehr erwartet.

    um den preis bekommt man (FAST) einen gebrauchten nord lead 2x (RACK). mit dem kann man beinahe alles anstellen, was die dinger können.

  11. Profilbild
    joegedicke  

    Ich habe den Yamaha Reface YC und möchte Folgendes anmerken: die verschiedenen Orgelmodelle klingen sehr gut und stehen klanglich sehr eigenständig und realistisch da. Allerdings ist meiner Meinung nach der Chorus völlig missraten. Statt einer Schwebung entsteht hier nur ein noch schnelleres Vibrato. Sehr schade! Die Keys sind aber definitiv für Minitasten extrem gut zu spielen. Ich habe schon viele Synths mit Minitasten besessen und auch wegen der Keys wieder verkauft, aber hier wurde eine wirklich gut spielbare Lösung gefunden. Auch die Lautsprecher eignen sich für eine kurze Hörprobe und sind keinesfalls grausam klingende Quäker. Alles in Allem hat Yamaha da bis auf den Chorus ganze Arbeit geleistet.

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