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Test: Yamaha RM1x, Groovebox

24. November 2000

Undercover Kult-Groovebox

Zu spät, zu spät….

ist es nie für ein „rundes, blaues“ Produkt, hat man sich wohl bei Yamaha gedacht, als man mit der RM1x eine Rythm-Box der Gattung ALL IN ONE ins Rennen schickte, gegen die allmächtigen ROLAND Produkte Roland MC-303, und Roland MC-505, die bereits seit Monaten den Markt dominierten.
Aktuell kommt außerdem noch ROLANDS neuester Sprößling, die MC-307 hinzu, den wir in einem kommenden Test ausführlich vorstellen werden.
Ob ROLANDS Silberpfeile oder YAMAHAS RM1x im blauen Benetton – Look, wer die Gunst der Technokraten für sich gewinnt, wird dieser Test zwar nicht endgültig klären können, aber dem geneigten Käufer sollte nach dieser Lektüre die Entscheidungsfindung einfacher fallen.

Nicht neu, nicht neu…

Nein, die Idee ist nicht neu, ein komplettes Studio in ein einziges Gerät zu packen.
Seit der Erfindung der „M1“ geistert der Begriff WORKSTATION durch die Musikerszene und genau als solche versteht sich auch der RM1x. Der enthusiastische Dance-Produzent (und als solcher sieht sich heute bereits jeder zweite, der eine Bass Drum von einer Snare Drum unterscheiden kann) soll mit dieser Blue-Box, ohne Zuhilfenahme weiterer Instrumente komplette Dance-Tracks erschaffen können. (Man erlaube mir den Begriff DANCE für diesen Test auf alle modernen Musikstile von Techno bis House auszudehnen.)

Das erklärt vielleicht auch, warum der RM1x rückseitig über nur einen Stereo-Ausgang verfügt (2 x Mono-Klinke), womit der professionelle Re-Mix am großen Studiopult ausscheidet.
Ebenfalls rückseitig befindet sich der Kopfhöreranschluss (darüber werden sich Live-Acts besonders freuen) sowie ein Eingang für einen Fußschalter, die Buchse für ein externes Netzteil (..verflixt, die Show fällt flach, ich habe das Netzteil zu Hause vergessen…) und das inzwischen für alle Groove-Boxen typische Midi-Duo In/Out. (..ganz nach dem Motto – Techno-Kids können eh nicht bis drei zählen – schade!).

Als Top-Teil konzipiert, befinden sich alle Bedienelemente auf der Oberseite.
Da sticht einem sofort das leuchtende, graphikfähige Riesendisplay ins Auge, das für Groove-Boxen in dieser Preisklasse ein Novum darstellt. Ähnliches bietet erst die 500,–DM teurere MC-307 wieder, die ROLAND dieses Jahr auf den Markt gebracht hat.

Zu dem Mega-Display gesellt sich ein etwas kleineres LCD-Display, das über die jeweilige Song-Geschwindigkeit (in BPM) Auskunft gibt. 12 „Potis“ des RM1X erlauben den direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter, acht davon, rechts oberhalb des Displays, können frei belegt werden.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Mäuseklaviatur, die über mehr als zwei Oktaven verfügt und „klassisch“ einwandfrei angeordnet ist.
Das ist zum einen die doppelte Kapazität und zum anderen wesentlich übersichtlicher als vergleichsweise bei den ROLAND Groove-Boxen. Über „Bespielbarkeit“ braucht man hier sicher nicht streiten, für einen Pianisten bleibt diese Art Klaviatur immer ein armseliges Spielzeug.

Der Produktionsweise heutiger Dance-Produzenten (Definition siehe oben) kommt diese Tastatur allerdings sehr entgegen, vor allem da jede weiße Taste eine LED ziert, die bei der Programmierung von Drumparts das typische TR808 Feeling mit sich bringen.

Ein weiterer Clou verbirgt sich auf der Vorderseite in Form eines 3 1/2 Zoll Diskettenlaufwerkes.

Man mag es kaum glauben, daß man sich im Zeitalter von ZIP-Drives und SCSI-Medien noch so über ein Diskettenlaufwerk freuen kann, aber gerade in dieser Produktkategorie war dieses Feature schon lange überfällig. Songs und Patterns, Sounds lassen sich abspeichern und auf einer (extrem günstigen) Diskette sichern und zum nächsten „Rave“ wieder einladen. Vor allem aber, wenn der RM1X als Mastersequenzer auch für externe Klangerzeuger eingesetzt wird, ist dieses Feature unschätzbar. Hier das wohl größte Manko: Sounds lassen sich leider nicht separat speichern, sondern nur innerhalb von Setups.

Das alles hat YAMAHA in ein stabiles, übersichtliches Metallgehäuse gepackt, das einen sehr robusten Eindruck macht. Dazu kommt eine klare Gliederung der Bedienelemente, eine aufgedruckte Menü-Übersicht, die selbst bei schlechten Lichtverhältnissen gut lesbar ist.

Get The Groove

Einschalten, PLAY drücken und ab geht der Groove. Sofort fällt auf, daß die RM1x am Audio-Ausgang ordendlich Dampf machen kann und in Pausen so gut wie kein Rauschen zu hören ist.
Der Klangcharakter erinnert stark an die YAMAHA-eigenen MU-Expander, tendiert eher zu kühl und digital als zu warm und analog. (Das gilt auch für die Resonanz-fähigen Filter) Trotz alledem erzeugen die Bässe und Drums enormen Druck und können kräftig knallen. Leider vermisse ich aber, genau wie bei der MC303/MC505, die Brillanz in den Becken und High Hats. Da greift die Datenkompression zu stark zu. Selbst die berühmte HiHat der TR909 klingt „silbriger“ als die Surrogate in dieser Produktklasse.

Zu den Synthie-Sounds (654, plus 128 GM) sei gesagt, daß sie nur in geringem Umfang editierbar sind (ähnlich wie bei der ROLAND MC303) und sich nur innerhalb der Sequencen abspeichern lassen. Wer also einen ausgefuchsten Synthesizer innerhalb einer Groove-Box sucht, dem bleibt derzeit nur der Griff zur 1.300,– DM teureren MC505.

Die Styles und Pattern sind hervorragende Grundlagen für eigene Kreationen. Hier wurde mit Liebe zum Detail gearbeitet.
Da aber besonders in der Dance-Musik täglich neue Stile geboren werden, tut man aber wirklich gut daran, diese Presets nur als Ideengeber zu nutzen, da man sonst Gefahr läuft, den Anschluß zum neuesten Trend zu verlieren.

32 Voices bringen im 16fachen Multimode, gesteuert durch den 16fachen Sequencer, das Teil richtig zum kochen. 2 Stereoeffekte lassen sich, ähnlich wie bei einem echten Mischpult, pro Spur über Send-Wege antriggern. Dazu kommt eine dritte Effekteinheit, die wahlweise per Send-Level angesprochen wird, oder in einer der Spuren als Insert-Effekt dient. Für diese Unit stehen 43 verschiedene Effekte zur Verfügung. Dazu gehören u.a. weitere Hall-Algorithmen, Delays, Rotary-Speaker, Distortion und Over-Drive. Die Qualität der Effekte geht in Ordnung.

Quasi eine vierte Effekteinheit stellt die PLAY-FX Sektion dar. Hier werden keine Delays oder Pitch-Shifting Effekte auf Grund eines DSP –Prozessors generiert, sondern mit Hilfe von Midi-Effekten.
Dies funktioniert wunderbar, geht aber auf Kosten der Stimmenanzahl. Bei 32 verfügbaren Stimmen dürfte dies allerdings selten ein Problem werden – deshalb: Eine gute Idee und ein weiterer Pluspunkt zu Gunsten der RM1x.

Eher „schwach auf der Brust“ zeigt sich der Arpeggiator der RM1x. Nur fünf verschiedene Typen stehen zur Auswahl: Up, Down, Alternate 1, Alternate 2 sowie Random. (Als Vergleich MC303 – 34 Typen, MC505 53 Typen).
Dies entspricht eher den Arpeggiatoren vergangener Vintage-Produkte und ist für meine Begriffe, besonders in der heutigen Dance-Musik, längst überholt.

Der Sequenzer des Yamaha RM1X

Ein ergiebiger Fundus an 960 verschiedenen Preset-Pattern, die sich aus 60 verschiedenen Styles rekrutieren, macht den dürftigen Arpeggiator-Bereich allerdings wieder wett. Dazu lassen sich bis zu 800 Pattern und 50 neue Styles vom User programmieren. Zusammen mit einer Speicherkapazität von 110.000 Noten im Sequencer, ist der RM1x geradezu prädestiniert für den Marathon – Live – Einsatz beim nächsten MAYDAY-Event.
Die Styles und Pattern sind hervorragende Grundlagen für eigene Kreationen. Hier wurde mit Liebe zum Detail gearbeitet. Da aber besonders in der Dance-Musik täglich neue Stile geboren werden, tut man aber wirklich gut daran, diese Presets nur als Ideengeber zu nutzen, da man sonst Gefahr läuft, den Anschluß zum neuesten Trend zu verlieren. Genau für diesen Zweck hat YAMAHA ein kleines, aber wesentliches Feature integriert, das den ROLAND – Mitbewerbern fehlt.
Patterns lassen sich an jeder beliebigen Stelle während des Betriebes umschalten. Man muß also nicht warten, bis ein Pattern seine komplette Länge abgespielt hat, sondern kann ohne Rücksicht auf Verluste und ohne den Sequencer zwischendurch anzuhalten, sofort weitersteppen – bei der schnellen Suche nach dem geeigneten Ausgangsmaterial eine enorme Hilfe!
Der RM1X wäre übrigens selbst ohne Klangerzeuger als Mastersequenzer sein Geld bereits wert. Die Editierung des Sequenzers wird durch das Display enorm vereinfacht und erinnert stark an den Hardwaresequenzer QY-700 von Yamaha. Der kostet derzeit immerhin 1.790,–DM. Also Augen auf, wer im Moment einen zuverlässigen Hardwaresequenzer mit 16 Spuren und unendlich vielen Möglichkeiten sucht, der sollte sich, alleine schon aus diesem Aspekt, den RM1X mal genauer ansehen.

Zu guter Letzt sei auch noch die Möglichkeit erwähnt in einem Patternchain-Modus beliebige Pattern aneinanderzureihen um z.B. komplexe, vorprogrammierte Abläufe zu speichern .
Für diejenigen, die sich mit dem Patternmodus nicht anfreunden können (dürfte in dieser Szene eher selten vorkommen!) gibt es auch noch den guten alten Bandmaschinenmodus, der besonders bei der Überspielung kompletter Multitrack-Arrangements vom Computer in den RM1x seine Verwendung finden dürfte.

Der Yamaha RM1X on YouTube

Danksagung:
An dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön an Stefan Gubatz für die schönen Bilder der Yamaha RM1x in diesem Artikel.

Fazit

Yamaha hat es geschafft, in einem inzwischen eng gewordenem Marktsegment eine Nische zu entdecken, sowohl preislich als auch technisch.

Nach einer kurzen Einarbeitungszeit kommt man mit dem RM1x wunderbar klar und wird sich über einen ausgezeichneten Mastersequencer für Live-Darbietungen, sowie eine große Anzahl guter Sounds erfreuen. Extrem hilfreich sind dabei das große Display sowie das eingebaute Diskettenlaufwerk. Beides Features, die die direkten Konkurenten (MC303/MC505) nicht bieten können.

Vermisst habe ich hingegen wenigsten zwei weitere Audio-Ausgänge für die Studioarbeit, wobei ich zugestehen muß, dass dieser Punkt durch die vielseitigen Routing Möglichkeiten der internen Effekte fast aufgehoben wird. Ein Mix aus der RM1X kann durchaus voll überzeugen, wie die Demos beweisen.

Die Syntheseabteilung ist leider nicht besonders vielseitig und auch den Samples merkt man die starke Kompression an. Trotzdem, zieht man den derzeitigen Marktpreis von ca. DM 1.290,– in Betracht, lässt die RM1X Groovebox keinen Raum für ernsthafte Kritik.

Forum
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      AMAZONA Archiv

      ich bin froh dass ich noch eine gute abgreifen konnte. oldschool rockt und das ding geb ich nich mehr her, genau wie den atari und die c64. irgendwann werden sie wieder nach der rm1x bettln müssen um eine zu bekommen.
      ihr vorteil: gut behandelte stücke sind preisstabil und werden es auch wohl bleiben.

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    AMAZONA Archiv

    war damals ne coole kiste hab ich viel mit gemacht

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    Hi – alle Features der RM1x verbessert findet man dann in der RS7000 – plus Sampling, opt. Einzelausgänge! Mehr Filtermodes! noch mehr Sounds! SCSI, SMCard, mehr Echtzeit-Regler! Gruss Holger

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      AMAZONA Archiv

      Guten Tag
      Ich suche nach einer Möglichkeit, das bei der MM1x eingebaute Diskettenlaufwerk gegen ein anderes Laufwerk, resp. Card-Reader oder gar USB-Port zu wechseln.
      Kenn jemand eine entsprechende Modifikation, oder gibt es sonst Tips wie Midi-Files mit kleinem Aufwand in die Groovebox eingelesen werden können.
      Möglichst nicht via MIDI- sondern ohne Computer o.Ä.

      Bin für jeden Vorschlag äusserst dankbar, denn ansonsten finde ich die RM1x absolut gelungen und Super einsetzbar zum Bass üben ;) alles dabei und das zu unschlagbarem Preis ( Gebrauchtmarkt )

      Danke & Peace
      Markus

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        microbug  

        Guck mal hier:

        http://hxc....._emulator/

        Entweder die USB-Version oder die standalone-Variante mit der SD-Card. Sollte auch in der RM1x laufen, einfach ins Forum schauen, ob schon einer gefragt hat. Mit normalen PC-Laufwerken wie dem der RM1x gehts auf jeden Fall.

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    AMAZONA Archiv

    Sobald ich das Netzteil angeschlossen habe und das Gerät in Betrieb bleibt gibt es einen Ton, der rhythmisch ununterbrochen vorhanden ist. Er wirkt wie ein Metronom und ändert den Takt, abhängig von meinen Aktivitäten am Gerät. Dies stört und wird sogar auf meinen Rekorder überspielt. Wie kann ich dies abstellen? Freue mich auf die rettende Antwort eines oder einer Sachkundigen. Danke und Gruß, Lutz.

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    Viertelnote  AHU

    funktionieren die weissen tasten für
    die sections auch als Step-Sequencer für
    einzelne tracks?

    danke wenn jemand eine Antwort hätte

    mfG

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    AMAZONA Archiv

    Hallo Zum Thema Metronom. Er kann ausgeschaltet werden. wie es auf Seite 133 der Anleitung, die ich soeben bekommen habe, steht.

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    kiro7  

    Für mich einer der besten Hardwaresequencer, den man für relativ kleines Geld bekommen kann. Auch sehr robust, da komplett mit dickem Stahlblechgehäuse. Man sollte beim Kauf darauf achten eine Rm1x mit dem letzten OS V1.13 zu erwischen, wegen Bugfixes im Bereich Midi und Timing. Die OS Version der Rm1x ermittelt man durch gleichzeitiges drücken und halten von PATTERN, PATT CHAIN, UTILITY, dann die Rm1x einschalten.
    Das von Dietmar genannte Floppy Emulator Laufwerk von der polnischen Firma Lotharek ist ebenso sehr empfehlenswert.

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