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Test: Yamaha RS7000

26. Februar 2002

Yamaha RS7000

Nicht viele Hersteller haben sich bisher an einer All-In-One Lösung für die dance-orientierte Musikproduktion versucht. Klar, es gibt den Korg Triton, der ist aber zu sperrig und außerdem eigentlich eher ein Instrument für Komponisten oder Alleinunterhalter, jedenfalls kein Gerät für treibende Beats.

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Akai hat mit dem MPC-2000 zwar auch einen Trumpf für den samplefreudigen Producer im Ärmel, jedoch bietet das Gerät keine eigene Klangerzeugung und Timingfestigkeit war noch nie eine Tatsache, die man mit MIDI verband.

Yamaha hat die Marktlücke erkannt und mit dem RS7000 ein ‚Music Production Studio’ entwickelt, das eine interne Tonerzeugung mit einer Sampling-Funktion sowie einem leistungsstarken Sequenzer und einer Effektsektion verbindet. Ob die Ehe glückte, wird der folgende Test zeigen.

Der Herr der Regler- wir finden uns zurecht

Nach dem Auspacken des Geräts zeigt sich zunächst ein sehr aufgeräumtes Bild- eigentlich hatte ich erwartet, dass mich die schiere Anzahl der Funktionen erschlagen würde. Doch schon nach einer halben Stunde zeigte sich, dass Yamaha mit Hilfe des von dem O1V bekannten, fantastischen Displays, den dieses steuernden Endlosreglern darunter und dem übersichtlichen Gesamtlayout tatsächlich Herr der Regler wurde. Der RS7000 zwar kein Leichtgewicht, bleibt aber dennoch handlich und prädestiniert sich somit für Live-Performances, ohne eine absolute Studiotauglichkeit in Abrede stellen zu wollen.

Aber lassen wir unsere Augen erst mal über das Äußere streifen. Rechts neben den obligatorischen Sequenzer-Pads finden sich noch zwei ihrer anschlagsdynamischen Brüder, denen natürlich zunächst eine Note zugewiesen werden muss. Darüber findet die gesamte Verwaltungssektion vom MIDI- bis zum SCSI-Setup übersichtlich Platz. Gute Idee: neben den entsprechenden Knöpfen (die ein wenig klapperig wirken) sind Punkte zu finden, die die Anzahl von Untermenüs wiederspiegeln.

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Besonders bei Live-Performances wird man zudem das große LED-Display des RS7000 schnell ins Herz schließen. Dieses zeigt je nach Vorliebe die aktuelle Taktnummer bzw. den BPM-Wert und bei Parameterveränderungen einen kurzen Augenblick lang den gewählten Wert. Mehr als das Transportfeld des Sequenzers überrascht die Sektion mit professionellen Mastereffekten über dem Display, wo vornehmlich DJ-typische Effekte wie Isolation oder Slice, aber auch ein professioneller Mulitband-Kompressor Platz finden. Marketing-Managern traut man besser nicht über den Weg, aber der von Yamaha scheint Recht zu behalten, wenn er der RS7000 „komplette Kontrolle über eine Produktion, vom Anfang bis zum Ende“ bescheinigt

Wem die auf der mitgelieferten 8MB-SmartMedia-Karte gespeicherten Samples nicht ausreichen, kann jederzeit seine eigenen Kreationen entweder über den schon in der Standardausstattung vorhandenen SCSI-Port und externe Hardware wie ein CD-ROM- oder MO-Laufwerk importieren (unterstützte Formate: WAV, AIFF, YAMAHA A3000/4000/5000, YAMAHA SU700, AKAI S1000/3000), oder aber sich eine Audioquelle suchen und das Signal samplen. Der Analog-Eingang ist mit einem 20-Bit-Wandler ausgestattet, so dass hier keine allzu großen Abstriche gemacht werden müssen. 4 MB Samplespeicher sind gleich mit von der Partie und können mit handelsüblichen SIMMs auf bis zu 64 MB ausgebaut werden.

Bleibt nur noch die umfangreichste Sektion unerwähnt: die von jeder Groovebox bekannten Parametersteuerungen für alles von Hüllkurven über LFOs bis hin zum mit Vorsicht zu genießenden, non-destruktiven Beat Stretch-Regler, mit dem der Sequenzer die Spuren dehnt oder staucht. Natürlich können auch MIDI-Controller zugewiesen werden- ein echter Vorteil, wenn der RS7000 in ein bestehendes Setup integriert werden soll.

Der Sequenzer zeigt sich flexibel bei der Nahrungsaufnahme. Jeder 16 möglichen Tracks kann wahlweise den internen Sampler, externe MIDI-Hardware oder den internen Tongenerator triggern.

Drin! – Samplen ist jetzt einfach

Wir alle müssen umdenken. Während ‚anständige’ Musiker gerne stundenlang an der perfekten Synchronisation eines Samples arbeiten, ist spätestens seit Propellerheads’ ReCycle ein neues Zeitalter angebrochen. Dort werden nämlich die Audiospuren anhand von Amplitudenausschlägen und einem Zeitraster in kleine Häppchen, sog. ‚Slices’, zerlegt, die dann mit relativ geringem Aufwand und ohne die bekannten Pitch-Probleme auf einen MIDI-Beat gelegt werden können. Genau dieses Konzept verfolgt auch der RS7000.

Das vielleicht bemerkenswerteste Novum der RS7000 ist die scheinbar völlige Gleichbehandlung von Audio- und MIDI-Daten auf professionellem Niveau (wenn auch die Flexibilität von ReCycle– natürlich-nicht ganz erreicht wird). Das vom geneigten Musiker importierte Sample- man kann sogar die internen Sounds oder ganze Patterns resamplen- wird nach wenigen Einstellungen durch den ISS (‚Integrated Sampling Sequencer’) gejagt und automatisch in die oben erwähnten Slices zerschnitten, nur um sodann eine korrespondierende MIDI-Sequenz herbei zu zaubern. Mit anderen Worten: das Timing eines Samples wird aufgebrochen und liegt endlich in unserer Hand.

Die inneren Werte

Das zweite Herz des RS7000 ist der hauseigene 62-stimmige AWM2-Tongenerator, der aus einem ROM mit über 1000 Voices und 60 Drum Kits gefüttert wird. Er bietet sechs verschiedene, teilweise sehr phatt-resonante Filtertypen (24dB / 18dB /12dB Low-pass, Hi-pass, Band-pass, Band eliminate), die natürlich auch per Hüllkurve bearbeitet werden können. Die Niederfrequenzoszillatoren können zum Songtempo vielfältig synchronisiert werden; zusätzlich bietet eine benutzerdefinierte Welle tiefe Eingriffsmöglichkeiten, um in dieser Geräteklasse einzigartige Effekt-/ BPM-Synchronisationen zu erreichen.

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass bis auf die wirklich tollen Drumkits die Qualität der Sounds durchwachsen ist. Zwar ist sie Lichtjahre von der grottigen RM1X entfernt; manche Sounds sind aber leider immer noch ähnlich käsig und dünn. Aber dafür gibt es ja Effekte- um genau zu sein elf verschiedene Reverbs, 22 Delay-/ Chorusvariationen sowie ungezählte Spielereien wie Harmonize oder Octaver. Und sind im Gegensatz zu Akais MPC-Reihe sind diese kostenlos, klingen wirklich ordentlich, teilweise sogar absolut professionell und bilden in Verbindung mit dem Sampler eine breite Basis für innovative Remixes

Darüber hinaus besitzt jede einzelne Spur ihren eigenen 2-Band-EQ; zusätzlich kann mit dem vom O1V recycelten 4-Band-Master-EQ noch einmal der ganze Mix ausbalanciert werden.

Fünf sog. ‚Scenes’ erlauben es zudem, unterschiedliche Effekt- und Filtersetups eines einzigen Patterns zu festzuhalten; zudem werden beim Speichern eines Patterns dessen Stimmen als integraler Bestandteil betrachtet, so dass man nach dem Laden auch genau das selbe Pattern vor sich hat.

Fazit

Die RS7000 ist ein tolles, relativ preiswertes Arbeitspferd und geht mit der innovativen Integration von Sampling und der internen Tonerzeugung einen Schritt in die richtige Richtung. Neben einigen Kleinigkeiten wie der wenig Vertrauen erweckenden Hartplastik-Hülle oder einem an der Geräterückseite schlecht zugänglichen Kopfhörerausgang ist letztere der größte Kritikpunkt.

Wer zur Klangerzeugung ohnehin auf externe MIDI-Hardware zurückgreifen kann, ist mit dem fantastischen Sequenzer und der einfachen Bedienung auf der Gewinnerseite; ansonsten hilft nur Probehören und selbst entscheiden, ob die Sounds gefallen.

Plus:

* innovative Integration von Sampling und MIDI
* hervorragende Benutzeroberfläche und toller Sequenzer
* SCSI + SmartMedia gleich mit dabei
* Umfangreiche, gut klingende Effekte & Multiband-Kompressor
* Master- und Track-EQ
* sehr gutes Handbuch

Minus

* Bis auf die Drumsets dünne Sounds
* Verarbeitung könnte robuster sein
* Kopfhörerausgang auf der Rückseite
* Digitalanschlüsse nur mit Erweiterungsboard (AIEB2)

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo, ein prima Bericht. Ich kann mich dem anschließen. Vielleicht noch einen Hinweis. Die Speichererweiterung auf 64 MB läßt sich über ein Online Auktionshaus günstig erwerben. Die Preise aus dem Handel sind mehr als dreimal so hoch gewesen. So lassen sich auch durchaus längere und mehrere Samples speichern und in Stücke einbauen. Richtig ist auch das der Sound ein bischen kräftlos erscheint. Der MC909 von Roland ist an der Stelle besser.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja, das mit den soundz, stimmt zum teil. Dies macht jedoch die umfangreiche effektsektion wett!
    Ich besitzte das Gerät im Vollausbau. Im direkten vergelich mit der (neuen) MPC 2500, bis auf das USB-feature und die interne Festplatte, überliegt die RS doch haushoch.
    Akai hat ernsthaft stark nachgelassen und läßt sich ihren sogenannten Kultstatus extra bezahlen. BUH YOU!
    Die Effekte der MPC sind ein echter Witz gegen die RS, genauso die zwei sehr mageren Regler und Fader – Life feeling nada!!! Hab ich die fehlende Klangerzeugung der MPC schon erwähnt?

    Die RS is eine echte GROOVESAU und verdient als einziges den Titel Groovebox neben der 909.
    WEIL'S halt groovet und des richtig tight!!

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Man sollte nicht unbedingt Äpfel mit Birnen vergleichen. Die AKAI hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung; ist eben KEINE Groovebox im eigentlichen Sinne sondern ein Sampler für Hip Hop mit einem professionellen Sequencer. Also nur sehr eingeschränkt mit einer RS7000.
      Ich besitze auch mehrere Geräte. U.A eine AKAI 2500 sowie Roland MC-808. Beim direkten Vergleich klingt die Sampler-Sektion der 808 verdammt dünn gegen die 2500. Hier hat die AKAI eindeutig ihre Stärken. Deutlich aufgewertet wird das Gerät nochmals mit dem neuen JJOS XL.

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    Roman Groschen  

    Oktober 2013….

    nach Jahrelangem Rechner/Maschine/Controller gebastel und geschraube habe ich nun wieder menie alte RS7000 ausgekramt. Nun stell ich mir eine Frage: WARUM ZUR HÖLLE HATTE ICH SIE NICHT MEHR BENUTZT?

    Das Teil mach so einen Spass! Hammer Drumsounds ab Werk. Sehr gute EFX Section! Sampels braucht man nur hier und da mal was, wenn die „angestaubten“ Werksounds nicht reichen. Dennoch echt gute Bässe. Cooler Apeggiator (in verbindung mit den Goove-Einstellungen).

    Die Maschine hab ich jetzt (erstmal) wieder eingepackt. Mit der RS7000 geht alles schneller und besser. Und der Sound ist meiner Meinung auch nicht schlechter. Zwar anders, aber gut. Eigentlich sogar besser, da es sich viel „echter“ anhört als alles aus dem Rechner!

    Die andere „alte“ Arbeitsweise sorgt plötzlich wieder für eine Menge Kreativschub. Es lässt sich mit etwas Geschick doch einiges aus der Kiste raus holen.

    Auch gut: durch den Input lassen sich ander Geräte „einschleifen“ und laufen über den Master FX mit. So kann man dann noch irgend ein Analogmonster mit der RS7000 (über den zweiten MIDI-Out) ansteuern und durch die RS laufen lassen. TOP

    BESTES LIVE INSTRUMENT EVER.

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    grisi  

    … ein einzigartiges Feature hat allerdings noch niemand angesprochen: den LoopRemixer. Also das ‚dice‘ nach dem ’slice‘. Loops zerschnippeln ist ja nichts Neues mehr, aber die entstandenen Schnipsel neu in der Reihenfolge zu sortieren habe ich so noch nicht gesehen. Das re-mixen kann nach verschiedenen Styles (D’n’B, 2Step, House u.a.) erfolgen, jeder Style in mehreren Varianten, jede Variante wiederum mit Optionen. Eine ge’slice’te Loop remixen damit sie D’n’B mäßig rrrrrollllt ? Bitteschön. Ein House-loop mit ganz neuem Groove ? Voilà… Ok, man muß experimentieren um etwas ’sinnvolles‘ zu bekommen, merkt aber schnell ob es in die richtige Richtung geht oder nicht, auch weil es ultraschnell bedienbar ist. Dabei können geniale Kreationen entstehen die so abgefahren sind daß man das Ergebnis mit keinem Sequencer der Welt auch nur ansatzweise programmieren könnte.
    Das Ergebnis kann im Sequencer fine-ge’tunt werden, da ja alles wieder als MIDI – Event vorliegt. Oder dem genialen MIDI-FX. Oder …
    Es ist dieser kreative Exzess der mit dieser ‚Groove-Sau‘ möglich ist.

    Ein Wunsch an Yamaha: bringt genau so etwas als ‚refresh‘. Batteriebetrieben, portabel (ähnlich dem QY100), wesentlich leichter und flacher, aber MIT all den Reglern, Auch wenn es dann von der Fläche ähnlich groß bleibt.
    Und: MIT zeitgemässem Arpeggiator (z.B. aus dem KX25).

    • Profilbild
      grisi  

      [An die Redaktion: dies ist nur ein Hinweis, bitte nicht veröffentlichen ]

      Dieser Test (RS7000) ist nicht im Syntacheles verlinkt. Könnt Ihr das noch nachholen ?

      Gruß

    • Profilbild
      Roman Groschen  

      Das kann ich so nur Unterschreiben!
      RS7K MK2 das wäre der Hammer!

      Dieser Bericht ist von 2002 !!!! Wir haben jetzt bald 2017!
      Da wäre es doch wirklich mal Zeit für eine Neuauflage!

      Das einzige was evtl. auch noch dazu sollte ist ein (VA) Analog Part ;-)

      • Profilbild
        Einfach Lucas

        Wir schreiben jetzt das Jahr 2018,
        ich für meinen Teil habe die RS7000 gerade zum ersten mal ein paar Tage ausgeliehen und bin auch wirklich begeistert!
        Deshalb teile ich die Meinung, dass Yamaha definitiv über eine Neuauflage dieses tollen Kastens nachdenken sollte.

  5. Profilbild
    byBass

    erwähnenswert ist noch das firmware update auf 1.22.
    welches u.a. aufnahmehandling http://www.....-infotest/
    verbessert und 12 neue amtliche filter/parameter hinzufügt. RS7K ist ofjedn das tighteste und musikalischte von dutzenden genialen japanischen ingenieuren entworfene gerätchen dass ich bisher hatte ;)

  6. Profilbild
    Roman Groschen  

    Mai 2018…

    Ich hatte den Analog Rytm… sehr sehr geil…. aber irgendwie nicht soooo mein Sound… Hab noch den Analog Four… Da bekomme ich ähnlich geile Drumsounds mit hin…

    Also, einfach mal die NEUE TR-8S gekauft…. Naja… ganz nett… aber irgendwie doch langweilig. Also, eigene Sounds rein…. Hey cool… Jetzt ist alles gut…. oder? Moment…
    Das alles kann ich doch auch mit meiner guten alten RS7000 machen…. und noch viel mehr….

    TR-8S ist wieder weg…. UND WIEDER HAB ICH DIE RS7000 FÜR MICH ENTDECKT…. unglaublich!!!!!!

    RS7000 es gibt einfach keinen besseren Sampler/Sequenzer für mich !!!!!

  7. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Au ja die hätte ich auch gern. Da gibbet schöne Demovideos von Mat Weasel Buster ;).

    Neben der MC 909 die Groovebox „ihrer“ Zeit.

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