Test: Yamaha, TNR-i, iOS-App

28. März 2018

Das Tenori-On als App

 

Yamaha, TNR-i

TNR-i
von
Yamaha Corporation

€ 21,99 , iOS App-Store

Tenori On-App: TNR-i

2005 erregte die Tenori-On Hardware (Test bei Amazona.de) von Toshio Iwai und Yu Nishibori (Interview bei Amazona.de) aufgrund des neuen haptischen Bedienkonzepts einiges an Aufsehen.
2011 kam die Übertragung auf das iPad hinzu. Übertragung deshalb, weil das TNR-i keine Emulation ist, sondern in seiner Funktion identisch mit dem TNR-W bzw. TNR-O. Interessenten können also gerne auf das originale Handbuch und unseren Hardware-Test zurückgreifen.

Yamaha, TNR-i

Funktion

In einer 16 ×16 Matrix können Klänge polyphon komponiert und in 16 Layern gleichzeitig abgespielt werden. Die Einheit von 16 Ebenen bildet einen „Block“, von denen 16 zur Abfolge zur Verfügung stehen.

Dabei sind die Layer bestimmten Spielarten fest zugeordnet:

  • Layer 1-7 bieten den Sequencer Score-Modus.
  • Layer 8 bis 11 den Zufallsmodus, 12 und 13 den Zeichenmodus.
  • Layer 14, der Bounce-Modus, lässt die Initialnoten im Ping-Pong-Stil springen.
  • Layer 15 ist der Push-Modus, der den Klang der Note solange verändert, bis man den Button wieder loslässt.
  • Layer 16 ist der Solomodus.

Die 253 Rompler-Klänge der App sind identisch mit der Hardware. Der Aufruf der einzelnen Funktionen erfolgt mit den virtuellen Tasten L1 bis L5 und R1 bis R5, die gerne noch etwas größer hätten ausfallen können.
Die Auswahl der Optionen bzw. das Umschalten der Layer und Instrumente, das Regeln der Lautstärke der einzelnen Layer sowie das Setzen von Loops im Layer geschieht komplett und bequem über die Leuchtbutton-Matrix.
Lediglich die Gesamtlautstärke kann nur über das Scroll-Rad angepasst werden, ansonsten wird es es eigentlich nicht benötigt.

Doch das TNR-i bietet auch Features, die über die Hardware hinausgehen. So können die Leuchtfarben der Matrix-Buttons geändert oder per WiFi über Apples Game Center-Funktion ein Quartett veranstaltet werden. Dabei arbeiten alle Spieler mit derselben Session und haben aber nur Zugriff auf die ihnen zugewiesenen Layer. Auch das integrierte Handbuch wird man schwerlich bei der Hardware finden.

Tenori On TNR-i

TNR-i Menü

Über die umfassenden MIDI-Fähigkeiten wird aber leider weder in den Produktbeschreibungen von Yamaha, noch im TNR-i Handbuch auch nur das Geringste erwähnt. Es ist tatsächlich so, dass das TNR-i nicht nur MIDI-Clock und -Noten senden kann, sondern auch empfangen kann. Dasselbe gilt auch für MIDI-Noten. Jedes der 16 Layer des TNR-i kann auf den entsprechenden MIDI-Kanälen von 1 bis 16 mit der Außenwelt kommunizieren. Der Einbindung ins digitale Musikstudio über ein CoreMIDI iTouch-Interface (iRig, MM2 etc.) oder dem CCK steht also nicht mehr im Wege. Aber damit ist es noch nicht genug, inzwischen gibt es auch zusätzlich Kompatibilität mit IAA und Audiobus.

Bis Version 1.3 musste das Systemmenü noch umständlich aktiviert werden, indem die Tasten L1 und L5 gehalten werden und gleichzeitig der Home-Button gedrückt wird. Danach muss die App beendet und aus der Multitasking-Leiste gelöscht werden. Nach erneutem Start der App konnten im neuen Systemmenü über ein Tippen auf die Statusanzeige etliche Parameter sowie einige bisher verborgene Funktionen editiert werden. Die Parameter des „Layer“-Menüs folgen dabei sogar der Layer-Auswahl. Auch sehr vermisst in Version 1 wurde die Möglichkeit der Hardware, eigene Samples zu benutzen.
Das alles wurde mit Version 1.3  behoben und das Systemmenü steht nun von vornherein zur Verfügung. DIe Funktionen umfassen: Audioaufnahme (Aufnahme, SoundCloud, Audio Copy) Nutzerstimme (Sampling, Sample Edit, Import), Game Center Session, Tweets, Message Austausch und weitere Funktionen.

Mit 1.4 kamen folgende Funktionen hinzu:
File Sharing auf ausgewiesenem Server, Weltkartenanzeige während Session, Chat History-Anzeige, LED-Tasten-Helligkeitsregulierung, Mikrofonaufnahme und viele weitere neue Funktionen wurden hinzugefügt.

Die bereits bei der Hardware bemängelten Reaktionsgeschwindigkeiten sind auch hier zu finden. Um eine Note zu setzen oder zu löschen, müssen die Spieler ungewöhnlich lange mit dem Finger auf dem virtuellen Knopf bleiben. Für flinkes Spielen ist das Konzept nicht gemacht. Das Tenori-On ist also eigentlich mehr ein Live-Sequencer als ein Live-Instrument.

Was die Haptik an sich angeht, so fällt auch der Umstieg von den sexy Knöpfen des Tenori-On auf den Touchscreen des iPads recht gewöhnungsbedürftig aus. Aber nur für diejenigen, die schon hinreichend lange mit der Hardware arbeiten konnten. Besonders auf dem großen iPad Pro macht das TNR-i/e richtig Spaß.
Nicht ganz geglückt ist die Zoom-Funktion auf dem iPhone/iPad. Das Interface ist auf dem iPhone sehr winzig und fummelig, was dem Spaß sehr abträglich ist. Da das TNR-i aber eine Unversal-App ist, die auf jedem iOS-Gerät läuft, ist es allemal ein netter Zusatznutzen.

Klein, kleiner, TNR-i iPhone SE

Sound

Was den Klang an sich angeht, der mit dem Tenori-On identisch ist, scheiden sich hier die Geister. Dass die Instrumente im Besonderen auf Ambient und evtl. House abgestimmt sind, kann man werten, wie man will.
Dem half Yamaha erstmal mit dem TNR-e ab, das sich vom TNR-i nicht nur durch die klangliche Ausrichtung auf Dub Step, Progressive House/EDM und Elektro unterscheidet, sondern auch in einigen Funktionen wie Master-Effekte, XY-Pads und diverse Filtertypen, die mehr die DJ-Fraktion ansprechen.
Doch mit der Möglichkeit, eigene Samples einzubinden, sind die beiden Apps zwar unabhängig von jedem Genre geworden, doch das Tenori-On bleibt was es ist – ein 16 Step-Sequencer.

TNR-e

Fazit

Für TNR-i Neulinge liegt die Hemmschwelle schon aufgrund des App-Preises wesentlich niedriger. Wer schon immer ein Tenori-On haben wollte und schon ein iPad hat, darf guten Gewissens zugreifen. Da das TENORI-ON nicht mehr hergestellt wird und die Gebrauchtpreise mittlerweile bei 350 Euro anfangen, ist das TNR-i eine echte Option. Der Spaß stimmt auf alle Fälle.

Plus

  • Spaß
  • Sampling
  • Klang

Preis

  • 21,99 Euro
Forum
  1. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Hatte die Hardware schon im Besitz und zum Thema:
    „Die bereits bei der Hardware bemängelten Reaktionsgeschwindigkeiten sind auch hier zu finden. Um eine Note zu setzen oder zu löschen, müssen die Spieler ungewöhnlich lange mit dem Finger auf dem virtuellen Knopf bleiben.“
    Bei der Hardware konnte man die Zeit zur Anwahl selbst einstellen….evtl. geht das bei der App auch?

    Hatte die Sounds nie groß verwendet, aber es war ein geiler polyphoner Matrix-Sequencer.
    Das jetzt wieder für 22€ zu haben, klasse Sache :-).

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Ich hab nochmal nachgeschaut und tatsächlich befindet sich im Preference-Menü die „Push Sensitivity“. Mit dem kleinsten Wert (50) erfolgt das setzen von Noten im Score-Modus ohne Verzögerung.

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