Test: Yamaha Tyros 4

Begleitautomatik

Mit 500 verschiedenen Styles ist der Tyros4 wirklich sehr üppig bestückt. Man beachte dabei, dass jeder Style aus drei verschiedenen Intros und Endings sowie vier Main-Parts samt Fill-Ins und einem Break besteht. Die Qualität der Styles ist durch die Bank weg sehr gut und teilweise sogar verblüffend authentisch.
Der Kern der Begleitautomatik ist eine Art Midifile-Player, der mit einer Akkorderkennung und der Klangerzeugung eng verknüpft ist. Der Begriff „Midifile-Player“ ist zwar technisch korrekt, man kann aber in die Begleitautomatik keine Midifiles importieren, da ein Midifile nicht über die Steuerinformationen verfügt. Die einzelnen Spuren des dem Style zugrunde liegenden „Midifiles“ sind darüber hinaus mit Zusatzinformationen gespickt, wie die Mididaten je nach gegriffenem Akkord abgespielt werden sollen. Das Gesamtkonstrukt ist mittlerweile derart ausgefeilt, dass sich realistisch klingende Jazz-Bands genauso hervorzaubern lassen wie ein einfacher 80er Jahre Song.

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Die Gesamtheit aller Styles bietet fast für jeden musikalischen Geschmack die geeignete Begleitung, wobei die besten Styles aus den Rubriken Pop, Ballade, Movie und Ballroom stammen. Der Dance- und Elektronik-Bereich ist eindeutig nicht die Stärke der Tyros-Reihe, auch wenn es viele neue gut gemeinte Klänge aus dieser Richtung gibt. Gitarrenakkorde aus der Begleitautomatik klingen jedoch, obwohl sie gute Fortschritte machen, verglichen mit einem Steinberg Virtual Guitarist 2 immer noch sehr steril und synthetisch. Auf dem Hardware-Markt findet sich hingegen keine wirklich Konkurrenz zum T4.
Auffällig ist für Einsteiger, dass vor allem die Intros und Ending derart gut produziert sind, dass beim Umschalten auf die Main-Parts teilweise „Löcher“ im Arrangement entstehen können, wenn man nicht gleich mit den richtigen Instrumenten dazu spielt oder der Gesangspart einsetzt.
Zudem können die Styles auch als Inspirationsquelle beim Songwriting dienen. Es ist sehr einfach, mal eben den Stil zu ändern und zu sehen, wie ein Song, der zunächst aus Akkorden, Text und Melodie besteht, in einem anderen musikalischen Stil zur Geltung kommt. Manchmal ist es einfach nur lustig, manchmal aber auch einfach nur gut! Es ist kaum einfacher und schneller möglich, Demoversionen für eine richtige Produktion zu erstellen wie mit so einem Gerät. Auch im Verbund mit einem Audio- und MIDI-Sequenzer lassen sich die Demos quasi schon in Echtzeit erstellen, und können so noch mehr Individualität erhalten, wenn man Spuren der Begleitautomatik stummschaltet oder Plug-in Klänge (über einen PC) von der Begleitautomatik spielen lässt.

Wem die Styles im Tyros nicht ausreichen, der kann weitere Styles hinzukaufen. Das komplett eigene Erstellen eines Styles macht Yamaha durch den internen Style-Creator möglich. Dabei nimmt man wie bei einem Sequenzer die einzelnen Spuren in der C7 Tonleiter auf und kann diese anschließend wie einen Style spielen. Alternativ kann man Spuren vorhandener Styles auswählen und in den neuen Style einbauen. Leider fehlen dem Style-Creator aber wichtige Funktionen, wie z.B. Zugriff auf Mischpultfunktionen, und so wird ein Style der auf diese Weise erstellt wird, qualitativ nie an die Werksstyles heranreichen können. Eine gut bedienbare Software, die über USB auf einem PC läuft, könnte da Abhilfe schaffen.

Klangbeispiele
Forum
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    Goofy

    Schöner Bricht!
    Ich habe die Tyros-Serie schon einige Male im Rahmen der jährlichen Musikmesse des Musikmarkt Rendsburg gehört. Vorgeführt von Michel Voncken – wer die Gelegenheit hat sollte sich das gern einmal gönnen. Meine Musikrichtung ist das auch nicht, aber … ! Ehrlch – sau gut.
    Ich stimme dem Autor zu, der Tyros ist in vielen Bereichen gut, für den Rest kann ein Motif ergänzend herhalten.
    Auch wenn ich meine heißgeliebten Synthesizer nie verkaufen werde, finde ich es gut auch mal über den Tellerrand zu schauen. Bei mir steht auch noch so ein Uraltteil herum, das nur wegen der Streicher noch eingesetzt wird.

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    Filterpad  AHU

    Kann das sein das euer Soundbeispiel „PIANO“ nicht funktioniert oder ist das nur bei mir so? Alle anderen Soundbeispiele funktionieren aber bei mir! MfG

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    Hasenpfote

    Danke für den schönen Überblick!
    Die Klangbeispiele sind fantastisch -sehr talentiert!

    Als jemand, der mit Heimorgeln groß geworden ist und dann über Keyboard zu Sampler und Synthesizer gekommen ist, verschwimmen für mich die Grenzen zwischen einzelnen Elektronischen Tasteninstrumenten zusehends. Mittlerweile haben sogar Keyboards der Einstiegsklasse Klänge und Möglichkeiten integriert die früher so nicht denkbar waren bzw. nicht bezahlbar.. Die Richtung geht eindeutig in „Musikinstrumente für die Massen“. Ich hoffe, diese spannende Entwicklung geht noch lange so weiter!

    Ich finde, dass man das Rad nicht ständig neu erfinden muss sondern auch mit „Standardklängen“ locker individuell klingende Produktionen hinbekommt.
    Kommt natürlich stark auf den Musikstil an und wie sehr man sich mit der Materie auseinandersetzt. Am Tyros liegt es aber wohl eher weniger, wenn das Ergebnis nach Musikantenstadl klingt, schon eher an der eigenen begrenzten Vorstellungskraft und an tief verwurzelten Hörgewohnheiten.
    Wenn die Musik wirklich vom Instrument abhängen würde, müssten z.B. alle Klavierstücke gleich nach „Etüde“ klingen ;)

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      Hasenpfote

      Die Multisamples der Tyrosserie jedenfalls sind so komplex gestaltet, dass man sich nicht mehr auf die Unzulänglichkeiten der Tonerzeugung ausreden kann, wenn das Ergebnis schlecht klingt. Vielleicht sogar schon wieder zu gausgefuchst, so dass man durch die unzähligen Schnörksel und Verzierungen der Klänge von der eigentlichen Musik abgelenkt wird. Ich bevorzuge prinzipiell Klänge die ich voll unter Kontrolle habe und die sich reproduzierbar akzentuieren lassen. Ohne Übung wird das Spiel schnell zum Glücksspiel.
      Ich bin aber auch Spielhilfen (z.B. Arpeggiatoren, Harmonizer, Superarticulation…) nicht abgeneigt, diese fördern, richtig angewendet, durchaus meine Kreativität. Auf manche Dinge kommt man nur schwer von alleine.
      Hat man die Charakteristika mit der Spielweise einmal unter Kontrolle ergibt sich durchaus eine (bewußte) Erweiterung des musikalischen Ausdrucks.

      Für mich haben Keyboards/Arranger den selben Stellenwert wie Synthesizer/Workstations und ein gutes akustisches Klavier… Am besten, man hat „sie alle“…. ;)

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