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Test: YoloLiv YoloBox Pro, Portables Live Stream Studio

14. Februar 2022

All-in-one Konzept für das Videostreaming

YoloLiv YoloBox Pro, Portables Live Stream Studio test

YoloLiv YoloBox Pro, Portables Live Stream Studio

Streaming – bis Anfang des Jahres 2020 war das zwar auch schon ein Schlagwort, aber eher ein Thema, mit dem sich die große Mehrheit der Bevölkerung als Konsument denn als Produzent im Alltag beschäftigt hat. Das Jahr war gerade wenige Wochen alt, als Streaming plötzlich zur Notwendigkeit wurde, denn ein neuartiges Virus sollte seitdem die Welt zum Stillstand bringen. So mussten kurzerhand von der Business Präsentation über den Musikunterricht, Schulunterricht, Univorlesungen und -seminare bis hin zur Sportstunde von Sportvereinen die meisten Aktivitäten ins Internet verlegt werden. Die Yololiv YoloBox Pro hilft dabei auch Laien, einen präsentablen Videostream abzuliefern.

YoloLiv

Ganz im Osten Chinas liegt Hangzhou, das Silicon Valley Chinas. Hier sind die großen Tech und IT Firmen beheimatet, die aus der Hauptstadt der Provinz Zhejiang eine der reichsten Städte der Welt gemacht haben. Mit 9,2 Millionen Einwohnern im Verwaltungsgebiet leben in Hangzhou mehr Menschen als in Österreich. Dabei hat die Stadt eine lange Geschichte, denn sie reicht bis 221 vor Christus zurück und wurde unter anderem von Marco Polo für ihre Schönheit und den damals größten Hafen der Welt bewundert. Einige der wichtigsten Universitäten für Wissenschaft und Technik Chinas liegen in Hangzhou. Die deutschen Partnerstädte sind Dresden und Heidelberg.

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Inmitten von Hangzhou starteten einige IT-begeisterte junge Leute das Tech Startup YoloLiv mit einem Kickstarter Projekt. Die geplante Streaming Box sollte den Namen YoloBox bekommen und von September 2017 an über Kickstarter finanziert werden. Die erste YoloBox wurde im Juni 2019 ausgeliefert, also etwas mehr über ein halbes Jahr, bevor die Pandemie zuschlug. Im August 2020 erhielt die Box bereits das Firmware Update 3.0 und ein Jahr später wurde die große Schwester YoloBox Pro vorgestellt, die wir zum Test vorliegen haben. In Vorbereitung für dieses Jahr sind außerdem der kleinere Ableger YoloBox Mini und YoloCast.

YoloLiv treten in direkte Konkurrenz zur ATEM Mini-Reihe von Blackmagic Design.

YoloBox Pro

Das wesentliche Alleinstellungsmerkmal der YoloBox Pro ist ein 8 Zoll LCD-Display, das alle Funktionen und auch das Bild der jeweiligen Kameras beziehungsweise des Streams anzeigt. Es handelt sich hier um ein Touch Display, auf zusätzliche Schalter oder Taster wurde verzichtet.

Technisch betrachtet handelt es sich bei der YoloBox um ein Android Tablet, das mit zusätzlichen Schnittstellen versehen wurde. Da Videoanwendungen den Grafikprozessoren viel abverlangen, wurde die YoloBox Pro mit einem Lüfter versehen. So konnte gegenüber der YoloBox die Leistung weiter gesteigert werden. In der größeren YoloBox Pro arbeitet nun ein Qualcomm Snapdragon 660 64-Bit ARMv8 SoC mit acht Kernen, der speziell für Tablets und Smartphones entwickelt wurde. Die Adreno 512 GPU wurde für schnelles Rendering von 3D Grafiken in Spielen entwickelt und sollte somit in der Lage sein, auch noch für zukünftige Updates genügend Leistung bereitzustellen.

Die YoloLiv YoloBox Pro bietet eine Fülle von verschiedenen Videoanschlüssen. Zu nennen wären hier:

  • 3x HDMI In
  • USB In Video Input
  • 2x USB C 3.0 (1 x mit Video Input, 1 x Lademöglichkeit plus USB Webcam Feature)
  • HDMI Out

Es ist also möglich, neben drei HDMI-Kameras auch Webcams anzuschließen. Das ist extrem praktisch, denn oftmals hat man eine solche Cam im Haushalt und kann sie dann als zusätzliche Kamera an der YoloBox Pro einsetzen.

Über einen Mic In und einen Line In ist es möglich, externe Mikrofone, wie zum Beispiel das Rode Wireless Go System anzuschließen. Der Audioausgang gestattet sowohl den Anschluss eines Kopfhörers oder auch die Weiterleitung des Audiosignals an ein anderes Gerät.

Nach dem ersten Setup muss zunächst ein YoloLiv Account eingerichtet werden. Im Anschluss geht es mit der Konfiguration weiter, zu der im Wesentlichen die Verbindung zu den einzelnen Streaming-Diensten wie Facebook, YouTube oder Twitch gehört. Doch nicht nur das Live-Streaming wird unterstützt, sondern auch die Aufzeichnung auf SD-Karte. Dies macht die YoloBox Pro (mit Einschränkungen) zu einem kleinen Video Switcher für die Video-Produktion.

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Viele Anschlussmöglichkeiten für die YoloBox Pro.

Das wohl größte Unterscheidungsmerkmal der YoloBox Pro zu den ATEM Mini-Switchern ist die Tatsache, dass der User ohne weitere Software auf einem Computer auskommt, um mit der YoloBox Pro zu arbeiten. Alle Funktionen sind über das Touch-Display abrufbar und lassen sich darüber konfigurieren. Dazu gehören auch Einblendungen von Texten, Bildern, Logos, Lower Thirds und vieles mehr. Selbst Scrolltexte oder sogar ein Scoreboard für Gaming oder Sport-Streamings oder Countdown Timer lassen sich auf einfache Art und Weise realisieren.

Die eingesteckte SD-Karte ist nicht nur für das Recording bestimmt, sondern ermöglicht auch das Abspielen von Videos und die Einbindung in einen Live-Stream. Das ist besonders praktisch, möchte man seinen Zuschauern vorproduziertes Material zeigen. Anwendungsfälle wären beispielsweise Schul- oder Universitätsunterricht, bei dem der Dozent den Schülern und Studenten Video-Clips zur Veranschaulichung einer Thematik einspielen möchte. Oder wie wäre es mit einem PDF, zum Beispiel einem Arbeitsblatt oder Noten für den Musikunterricht? Auch das ist möglich. Alle Einblendungen sind als Picture-in-Picture (PiP), Side-by-Side oder Split-View realisierbar. Grafiken werden als PNG eingebunden und lassen sich in der YoloBox Pro auch skalieren und positionieren.

Gerade Unterrichtssituationen erfordern Interaktivität zwischen Unterrichtendem und Schülern. Aus diesem Grund gibt man anstelle einer Streaming-Plattform Videokonferenzsystemen den Vorzug, denn hier können sich alle Teilnehmer sehen und miteinander unterhalten. Auch diesen Anwendungsfall unterstützt die YoloLiv YoloBox Pro, denn sie wird von einem angeschlossenen Computer als USB-Webcam erkannt und ermöglicht somit die Nutzung innerhalb von Zoom, Skype oder Teams. Leider funktionieren derzeit die Overlays nicht in einem USB Stream. Diese Funktion soll allerdings über ein Firmware-Update nachgereicht werden.

Doch zurück zu den Unterscheidungsmerkmalen zur Konkurrenz, denn davon gibt es noch einige mehr: Wie wäre es, wenn man die YoloBox Pro unterwegs nutzen könnte, um zum Beispiel bei einem Außeneinsatz live zu streamen? Kein Problem! Die YoloLiv YoloBox Pro besitzt nämlich nicht nur einen integrierten 10.000 mAh Lithium-Ionen-Akku, sondern auch einen Schacht für eine SIM-Card. So ist im Handumdrehen eine 4G-Verbindung aufgebaut und ein Live-Stream möglich. Per WLAN geht das alternativ auch über ein offenes Netzwerk in der Nähe. Zuhause nutzt man stattdessen besser den integrierten Ethernet Port. Nutzt man unterwegs nur eine einzelne Kamera, kann man die YoloBox Pro über ein 1/4 Zoll Gewinde an der Unterseite direkt an der Kamera befestigen und hat somit nicht nur ein großes Display, sondern auch gleich sein Produktionstool für das Streaming vor Augen.

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Die YoloBox Pro besitzt eine Vielzahl an Anschlüssen

Wichtig wäre noch zu wissen, in welchem Format die YoloLiv YoloBox Pro Video streamt und aufzeichnet. Der Encoder gibt Videos im H.264 Format aus, welches für YouTube und andere Streaming-Plattformen benötigt wird. Audio wird im AAC-Format mit 16 Bit und 44,1 Kilohertz aufgezeichnet. Schneidet man Videos direkt auf SD-Card mit, geschieht dies als MP4.

Die YoloLive YoloBox Pro konvertiert unterschiedliche Eingangsformate in Echtzeit und synchronisiert diese. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn verschiedene Kameras im Einsatz sind, die unter Umständen auch verschiedene Auflösungen oder Bildwiederholfrequenzen besitzen. Die Ausgabe erfolgt mit 540p, 720p oder 1.080p. Eine Ausgabe in 4K ist nicht möglich, bei Streams aufgrund der riesigen Datenrate aber auch nicht ratsam. Gleiches gilt für den Ton. Ob nun 32 kHz, 44,1 kHz oder 48 kHz anliegen, spielt keine Rolle: Die YoloBox Pro wandelt die Signale passend.

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SD Card Recording und LTE Streaming

Praxiseinsatz der Streaming Box YoloBox Pro

Das Setup der YoloLiv YoloBox Pro dauert nur wenige Minuten und hängt in erster Linie davon ab, wie viel externes Equipment wie Kameras oder Audio-Equipment verbunden werden müssen. Sind alle Verbindungen hergestellt und der YoloLive-Account eingerichtet, kann es auch schon losgehen. Natürlich sollte man für den direkten Stream auf YouTube und Co die passenden Daten zur Hand haben, um diese dann der YoloBox Pro mitzuteilen. Ist das geschehen, muss für den Start des Streams nur noch ein virtueller Schalter umgelegt werden.

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Upgrades finden regelmäßig statt und versorgen die YoloBox Pro nicht nur mit Fehlerbehebungen, sondern auch mit neuen Funktionen.

In meinem Fall lädt die YoloLiv YoloBox Pro außerdem noch das jüngste Update, das genau heute zum Testzeitpunkt erschienen ist. Dieses fügt einige Neuerungen hinzu, die sehnlichst erwartet wurden, darunter zum Beispiel ein Digital Delay für die Audioeingänge und mehr Möglichkeiten für das Audiomischpult. Dieses war zuvor sehr begrenzt. Bereits heute wurden weitere Updates angekündigt, sodass die Nutzer gespannt sein dürfen, wohin es mit der YoloBox (Pro) in Zukunft noch geht.

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Zunächst einmal müssen die Streaming Dienste eingerichtet werden.

Was bei der Arbeit mit der YoloLiv YoloBox Pro sofort auffällt, ist, wie intuitiv sie zu bedienen ist. Zwar hat man bei einem ATEM Mini in der Remote Software in einigen Bereich doch erheblich  mehr Möglichkeiten (zum Beispiel bei den Keyern oder dem Audiomischpult), doch ist die Konfiguration auch ungleich komplexer und damit gerade für einen Live Stream mit mehr Vorbereitungsarbeit verbunden. Die YoloLiv YoloBox Pro hingegen lässt sich so bedienen, wie es dem Anwender gerade in den Sinn kommt. Alles funktioniert „on the fly“: Texte eingeben und einblenden, Grafiken, Videos oder PDFs einfliegen, ja sogar das Aktualisieren des Scoreboards oder Einblenden eines Timers ist nur einen Fingertipp entfernt.

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Overlays lassen sich direkt mit der YoloLiv Yolobox Pro erstellen und einblenden. Doch auch das Einblenden vorgefertigter Materialien wie Grafiken oder PDFs ist möglich.

Möchte man gleichzeitig mehrere Plattformen bedienen, legt man einfach die betreffenden Schalter um und schon können Zuschauer auf Facebook, YouTube, Twitch und anderen Kanälen dem Programm gleichzeitig folgen. Die Verteilung des Streams geschieht dann über den YoloLiv Server, der diesen wie andere Restream-Anbieter verteilt. Besonders gut gefällt mir, dass man auf Live Chats reagieren kann. Diese lassen sich einblenden und auch beantworten. Das ist bei anderen Geräten nicht ohne zusätzlichen Computer möglich.

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Das Einbinden von Materialien oder das Erstellen von MultiViews ist mit wenigen Fingertipps erledigt.

Die Tatsache, dass nicht nur live gestreamt, sondern auch eine Aufzeichnung möglich ist, macht die YoloLiv YoloBox Pro zu einem wertvollen Tool. Somit ist man nicht zwingend auf eine stabile Internetverbindung angewiesen und kann einfach nachträglich das Video auf die Wunschplattform hochladen oder das Video zuvor editieren. Gerade viele Kirchengemeinden, die wegen der Pandemie Gottesdienste streamen, besitzen in der Kirche keine stabile Internetverbindung oder überhaupt keinen Zugang zum Internet. Mit der YoloBox Pro wird dieser einfach aufgezeichnet und von einem Mitarbeiter anschließend auf eine Streaming-Plattform hochgeladen.

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Nach dem Upgrade erscheint auch der Audiomixer mit mehr Funktionen

Der Chroma Keyer ist einfach zu benutzen und erfordert nicht viel Vorwissen, wenn es um den Einsatz von Green Screens geht. Besonders praktisch ist das für Musiker, die Tutorial Videos drehen möchten. Einfache Green Screens gibt es im Online-Handel schon für sehr wenig Geld und somit lässt sich der vielleicht nicht so optimale Hintergrund im häuslichen Musikzimmer einfach ausblenden oder gegen einen anderen Hintergrund austauschen. Um das Chroma Keying zu aktivieren, muss auf ein kleines Icon innerhalb der Videoquelle getippt werden. Das ist aufgrund seiner geringen Größe mit dem Finger nicht so leicht zu erwischen. Sobald man erfolgreich war, zeigen sich die Chroma Keying Settings. Dort lässt sich das Chroma Keying ein- und ausschalten, die Farbe für das Ausstanzen bestimmen (Grün/Blau) sowie mit den zwei Parametern „Similarity“ und „Smoothness“ der Effekt anpassen. Außerdem wird in diesem Menü auch das Hintergrundbild ausgewählt, das den Green Screen ersetzen soll. Selbst Videos als Hintergrund sind möglich.

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Von Cut bis Cube stehen viele verschiedene Übergänge zur Auswahl.

Was mir nicht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass derzeit weder Audio per USB übertragen wird noch Einblendungen in den USB Video Stream möglich sind. Das ist sehr schade, denn die ATEM Minis unterstützen das bereits seit langer Zeit. YoloLiv haben allerdings angekündigt, dieses Feature zügig per Update nachreichen zu wollen. Derzeit bleibt für Videokonferenzen also nur die Möglichkeit, das Audiosignal extern zuzuführen und Einblendungen über die jeweilige Videokonferenz-Software vorzunehmen.

Da es nur bedingt Sinn macht, ein Produkt für Video mit statischen Fotos zu präsentieren, habe ich ein kleines Video Review für euch vorbereitet. So könnt ihr euch besser einen Eindruck von der YoloBox Pro machen. Die Qualität des eingebetteten YouTube Streams ist im Original besser als hier im Video gezeigt, welches das bereits von YouTube verarbeitete, dann heruntergeladene und erneut datenreduzierte Video zeigt.

YouTube

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Überprüfung der Kritikpunkte an der YoloBox

Im Mai 2021 hat der Kollege Jan Steiger die „kleine“ YoloBox getestet. Das Ergebnis war durchwachsen und die Liste der Minuspunkte lang. Ich habe mir die einzelnen Punkte direkt vorgenommen und anhand der YoloLiv YoloBox Pro überprüft, ob sich etwas geändert hat.

1. Registrierung bei YoloLiv nötig

Das ist auch weiterhin so. Wobei die Registrierung eigentlich kaum Daten abseits der Email-Adresse und eines Passworts abfragt. Da bin ich von anderen Anbietern mehr Gängelung gewohnt.

2. Keine Instagram-Anbindung

Auch das ist weiterhin so. Die Schuld liegt allerdings nicht bei YoloLiv, sondern bei Instagram selbst beziehungsweise dem Mutterkonzert Meta. Dieser möchte einfach nicht, dass Instagram Streams mit professionellem Equipment produziert und gestreamt werden. Wahrscheinlich möchte man weiterhin den Community-Gedanken hochhalten und verhindern, dass professionelle Influencer oder Companies Instagram für ihre Produktwerbung kapern. Außer über einige im Sinne der Nutzungsbedingungen „illegale“ Tricks ist also ein Instagram Stream über externes Equipment nicht möglich.

3. USB-Ton bleibt bei der Verwendung einer USB Webcam still

Keine Veränderung. An der Übertragung von USB-Ton wird weiterhin gearbeitet.

4. Line In kratzt, Gerät erzeugt starkes Grundbrummen auf dem Kopfhörer

Hier gibt es keinerlei Störgeräusche zu vermelden. Alles ist knack-, rausch- und brummfrei.

5. Latenz beim Monitoring

Leider keine Veränderung.

6. Nur ein USB-Eingang.

Insgesamt stehen zwei USB C und ein USB A Anschluss zur Verfügung. Allerdings kann nur einer davon zurzeit für eine Webcam genutzt werden.

7. Teils massive Fehler in der Software (Textbearbeitung)

Fehler sind hier nicht aufgefallen. Einige der genannten Kritikpunkte wurden behoben. Scrolling-Text lässt sich nun auch verschieben.

8. Aggressive Influencer-Werbekampagne

Daran hat sich nichts geändert, allerdings ist der Mitbewerber Blackmagic Design mit seiner Atem Mini-Serie auch nicht zimperlich in Sachen Werbung und „Praise & Worship“.

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Endlich gibt es mehr Encoder-Einstellungen

Einige der genannten Kritikpunkte wurden also behoben, andere nach wie vor vorhanden, einige fallen weniger stark ins Gewicht. Hier muss jeder selbst überlegen, was akzeptabel ist und was nicht. Wird der Kopfhörer nur zur Kontrolle genutzt, ist die Verzögerung sicherlich in Ordnung. Möchte man hingegen dauerhaft mithören, stört sie immens. Meistens hat man beim Streamen jedoch keinen Kopfhörer auf, um sich selbst sprechen zu hören. Pegel werden einmal eingestellt und dann in der Regel so belassen. Möchte man die YoloBox (Pro) für Videokonferenzen nutzen, sollte man besser ein kleines Mischpult oder Audio-Interface einsetzen, vor allem auch, um die Konferenzteilnehmer zu hören.

Allerdings wäre es schon hilfreich, wenn von einer USB Webcam auch der Ton übertragen würde. Dies hat vor allem auch damit zu tun, dass dieser dann in der Regel lippensynchron zum Bild ist. Wer aus Qualitätsgründen lieber ein Ansteckmikrofon verwendet, wird hingegen kein Problem damit haben. Hier würde mich eher stören, dass anders als beim ATEM Mini keine Spannungsversorgung für Kondensatormikrofone zur Verfügung steht.

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Wer sich für die YoloLiv YoloBox Pro entscheidet, bekommt ein umfangreiches Gesamtpaket für den mobilen Einsatz.

An der Software selbst wurde viel verändert und es ist YoloLiv hoch anzurechnen, dass man auf Verbesserungsvorschläge aus der Community schnell eingeht und diese per kostenlosem Update ausliefert. Der Kontakt und die Äußerung von Wünschen sind dabei sogar direkt von der YoloBox Pro aus möglich.

Streaming Alternativen

Besonders gut gefällt mir die Unabhängigkeit der YoloLiv YoloBox Pro von einem Computer. Bei meinem ATEM Mini stört mich, dass dieser stets auf eine Verbindung mit dem Computer angewiesen ist, nur um einfache Dinge zu erledigen wie das Vorbereiten von Texteinblendungen, den Zugriff auf das Audiomischpult oder das Konfigurieren der Keyer. Das Arbeiten „On-the-fly“ ist damit kaum oder nur eingeschränkt möglich. Für die Kontrolle der einzelnen Videoquellen wird zudem ein externer Monitor benötigt, zum Beispiel den Blackmagic Design Video Assist. Dieser ermöglicht dann auch die Aufzeichnung auf SD Card. Der Vorteil der ATEM Minis ist die sehr gute Bildqualität und mit den größeren ISO Modellen die Aufzeichnung der einzelnen Videoquellen mit der Option, diese sofort in Blackmagic Design DaVinci zu laden und dort im Multicam-Editing Modus zu editieren. Für die Aufzeichnung ist allerdings eine Festplatte erforderlich und der Anschluss von USB-Kameras ist derzeit auch nicht möglich. Hinsichtlich der Audioqualität haben die ATEM Minis die Nase deutlich vorn. Das Fairlight Mischpult bietet zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten, setzt aber erneut den Anschluss eines Computers voraus.test Blackmagic-Design-Atem-Mini-Produktfoto

Ähnliche Produktionslösungen gibt es auch von Roland. Der Roland V-8HD Video Switcher bietet immerhin ein Multiview Display sowie die Möglichkeit, für die Steuerung ein iPad anzuschließen. Ein 18-Kanal Audiomischpult samt Effekten ist integriert. Roland bietet mit seinem Switcher ein professionelles Gerät für die Verwaltung vieler HDMI-Quellen. Leider ist das direkte Streamen per USB oder Ethernet nicht möglich. Hierfür ist zusätzliche Hardware erforderlich.

Ein ganz ähnliches Konzept mit Touch Display, 1/4 Zoll Gewinde zur Montage und Akku verfolgt die Atomos Shogun 7 Box. Diese ist noch einmal eine Spur professioneller als die ATEM Minis, der Roland V-8HD Switcher oder die YoloBox Pro, denn sie verfügt neben HDMI auch über SDI-Anschlüsse. Somit sind auch lange Kabelwege kein Problem. Aufgezeichnet wird in höchster Qualität auf externen Platten und selbst +48 V Phantomspeisung für Mikrofone stehen zur Verfügung. Diese lassen sich per XLR über ein optionales Breakout-Kabel anschließen. Leider ist auch mit der Atomos Shogun 7 kein direkter Live Stream möglich.

Wer schnell und einfach oder auch unterwegs streamen möchte, kommt um die YoloBox Pro derzeit nicht herum. Sie ist meines Wissens die einzige Komplettlösung mit Akku, Touch Display, SD Card Recording sowie der Möglichkeit, per LTE zu streamen und USB Webcams zu nutzen. Die sehr leistungsfähige CPU lässt auf viele weitere Features hoffen.

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Fazit

Die YoloLiv YoloBox Pro ist ein Komplettpaket für alle, die ins Live Streaming einsteigen möchten und dabei unabhängig von weiterem Equipment wie Computer oder Internetleitung sein möchten. Durch das Touch Display, SD Card Recording, SIM Card Unterstützung, USB Webcam Anschlüsse, Akku und die extrem einfache Bedienung erhält man ein umfassendes Produkt, das kaum Wünsche offen lässt. Gerade diejenigen, die einen Stream nicht lang und breit vorher planen möchten oder im Bereich Online-Unterricht tätig sind, ist die YoloLiv YoloBox Pro das richtige Produkt und besser geeignet als ein ATEM Mini. Es bleiben nicht viele Wünsche offen und der Preis ist angesichts der gebotenen Qualität und Features absolut gerechtfertigt. Die YoloBox Pro ist im Online-Handel für 1.189 Euro erhältlich.

Plus

  • All-in-one Konzept
  • Touch-Display
  • einfach zu bedienen
  • durchdachte Funktionalität
  • direktes Streaming per WLAN, LAN oder LTE
  • integrierter Akku
  • viele Schnittstellen
  • SD-Card Recording
  • SD-Card Player
  • verbesserter Audio-Mischer mit Delay
  • Verwendung einer USB-Webcam möglich
  • Verwendung der YoloBox Pro als Plug & Play Webcam in Videokonferenz-Software

Minus

  • kein Ton von USB-Webcams
  • keine Overlays für USB-Streams
  • Audiolatenz auf dem Kopfhörerausgang

Preis

  • 1.189,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    mdesign  AHU

    beeindruckend, was die kleine kiste kann. allerdings möchte ich keine veranstaltung über einen gameboy streamen, da sind jede menge fehler vorprogrammiert. vernünftiges monitoring gehört mE immer dazu, ganz besonders in live-situationen.

    • Profilbild
      Kutscher  

      Naja auch wenn du Profi Geräte nutzt sind die nicht Fehlerfrei.

      Aktuell ist es beruflich meine Aufgabe in einem TV Studio diese Fehler zu beheben

      Software stürzt ab und veeschluckt sich,
      Hardware mit Chips FPGAs möchte auch regelmäßig mal stromlos geschaltet werden.
      Und selbst bei Anlogen Schaktkreisen alzern die Kondensatoren und Relais beleiben kleben.

  2. Profilbild
    mdesign  AHU

    das von mir öfter benutzte blackmagic ATEM hat mE auch seine mängel (zB die eingeschränkten grafikmöglichkeiten), technische probleme hatte ich allerdings damit noch nie, das ding läuft. und mit entsprechendem monitoring sehe und höre ich, was ich tue – kamerabilder, schärfe, tonpegel, alles gleichzeitig. ich kann alles jederzeit nachregeln, ohne die liveregie wegschalten oder verkleinern zu müssen. man kann sogar zu zweit dran arbeiten. live arbeitet man ohne netz, da muss alles aufs erste mal klappen. das war mein punkt.

  3. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Das Dicke Ende kommt natürlich zum Schluß: Den Preis empfinde ich als gesalzen oder sieht das jemand anders? o_O

    Nicht uninteressant, für Leute die eine kompakte und autarke Lösung für Vlogs, Podcasts und dergleichen suchen. Die Möglichkeit per Updates Funktionen hinzuzufügen oder Fehler zu beheben ist leider nur so gut, wie sie der Hersteller pflegt. Bei einem 1.000 Euro Gerät würde ich das eigentlich voraussetzen, bei einem „Fung-Wang-Hersteller“ nicht unbedingt erwarten, was dann die Preisvorstellung überzogen erscheinen läßt.

    Aber vielleicht bin ich da auch zu pingelig.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Der Preis ist schon gerechtfertigt. Es gibt ja auch keine Alternative. Die ATEM Minis sind nicht für unterwegs geeignet und rechnet man dort mal den Preis für den Switcher plus das Display von Blackmagic Design inkl. SD Card Recording zusammen, kommt man auf den gleichen Preis. Und dennoch benötigt man noch mindestens einen Laptop, um das Teil zu bedienen oder ein iPhone oder iPad plus Netzwerkanbindung. Der daraus resultierende Preis liegt sogar höher.

    • Profilbild
      R. Kirchner

      – Auch namhafte/etablierte Hersteller schaffen es, die Software-Produktpflege zu verkacken. Da gibt es viele viele Beispiele, die nicht nur Consumer-Elektronik betreffen, sondern auch Pro-Audio/Medientechnik
      – Wir sollten die Vorbehalte gegen „Fung-Wang-Hersteller“ ablegen – manche machen es gut, manche schlecht, und das ein neuer Markenname auftaucht sollte uns nicht abschrecken das Gerät in Betracht zu ziehen
      – Ich persönlich nehme Software-Produktpflege als positive Überraschung. Meine Kaufentscheidungen fällt ich immer danach, was das Gerät aktuell kann, und welchen Nutzen es damit für mich hat. Alles Andere ist die Kirsche auf der Torte, aber auf Versprechen zukünftiger Fehlerbehebungen oder Erweiterungen per Software mag ich mich nach einigen Enttäuschungen nicht mehr verlassen.

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