Cooles Delay zum hotten Preis
Das Yuer XS-06 Winter Delay ist ein extrem günstiges, aber praxisorientiertes Pedal für alle, die sich zum ersten Mal mit dem Thema Delay auseinandersetzen oder die einfach ein preiswertes Pedal suchen, um ihrem Sound etwas Räumlichkeit zu verleihen.
Worum geht es? Das Yuer XS-06 Winter Delay ist ein günstiges Delay-Pedal mit vier unterschiedlichen Delay-Modi und richtet sich vor allem an Einsteiger sowie preisbewusste Gitarristen. Trotz des niedrigen Preises bietet es überraschend vielseitige Sounds und eine unkomplizierte Bedienung.
- Vier Delay-Typen: Digital, Analog, Modulation und Filtered sorgen für eine große klangliche Bandbreite.
- Einfache Bedienung: Vier Regler genügen, um schnell zu überzeugenden Delay-Sounds zu gelangen.
- Gelungener Klang: Die Delay-Effekte klingen musikalisch und überzeugen insbesondere angesichts des günstigen Preises.
- Kleine Schwächen: Schwer ablesbare Beschriftung, leichtgängige Regler und nur Mono-Betrieb trüben den ansonsten guten Eindruck etwas.
- Preis-Leistungs-Tipp: Für 54,- Euro erhält man ein erstaunlich vielseitiges Delay, das besonders Einsteigern den Einstieg leicht macht.
Inhaltsverzeichnis
Yuer XS-06 Winter Delay
Die Firma Yuer aus Shenzhen designt, baut und vertreibt Effektpedale, Boards und Zubehör, Wireless-Systeme, Amps und Pickups und sogar ein Audiointerface ist im Portfolio zu finden. Design und Produktion in China? Das klingt doch nach einer günstigen Kombination, oder?
Und richtig, gerade mal 54,- Euro muss man für das Yuer XS-06 Winter Delay berappen. Damit liegt es preislich gleichauf mit dem vor wenigen Tagen von mir getesteten Summer Reverb. Ob ein Autumn Modulation und ein Spring Drive in Planung sind, ist mir nicht bekannt. Immerhin bin ich froh, dass das Reverb-Pedal nicht „Spring Reverb“ getauft wurde, das hätte zu Verwechslungen führen können …
Der erste Eindruck
Das Yuer XS-06 Winter Delay ist ein wahres Leichtgewicht, gerade mal 230 g bringt es auf die Waage, wovon rund 90 % auf das stabile Gehäuse entfallen dürften. Vier Regler und ein Fußtaster (ohne definierten Druckpunkt) nebst Status-LED sind auf der Oberfläche verteilt. Drei der Regler bedienen allseits bekannte Parameter Time, Mix und Feedback, während der vierte Regler in vier Schaltstellungen den jeweiligen Modus des Delays auswählt. Hier stehen
- Digital
- Analog
- Mod und
- Filtered
zur Auswahl. Und weil ich weiß, dass hier viele Neueinsteiger in die Materie mitlesen, kommt auch gleich wieder ein bisschen Basiswissen zum Thema Delay hinzu. Die vier Modi hören wir uns jetzt schon mal schnell an, ihr hört alle vier mit gleichbleibender Stellung der übrigen Regler. Diese neutrale „12-Uhr-Stellung“ mit allen Reglern in Mittelposition bietet sich immer an, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.
Die Netzteilbuchse befindet sich an der Stirnseite, hier wird ein 9-V-Netzteil mit einem Center-Negativ-Stecker benötigt. Die Leistungsaufnahme liegt bei 50 mA. Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Die Ein- und Ausgangsbuchsen befinden sich rechts und links am Gehäuse, was erfahreneren Board-Bauern wohl direkt die Sorgenfalten ins Gesicht treiben wird, denn wirklich platzsparend auf dem Effektboard montieren kann man das Yuer XS-06 Winter Delay so nur schwer.
Interessanterweise finde ich nirgendwo Informationen über die maximale Delay-Zeit des Yuer XS-06 Winter Delays, Website und Handbuch schweigen sich aus. Nach Gehör und Gefühl würde ich auf rund 1000 ms tippen.
Das Gerät verfügt über einen True-Bypass. Ist ein Effektpedal ausgeschaltet, muss das Gitarrensignal trotzdem durch das Gerät hindurch. Beim True-Bypass wird das Signal dabei mechanisch am kompletten Schaltkreis vorbeigeleitet. Vereinfacht gesagt ist das Pedal im ausgeschalteten Zustand quasi unsichtbar, das Signal läuft direkt vom Eingang zum Ausgang, ohne von der Elektronik beeinflusst zu werden. Und schon sind wir mittendrin im Einsteigerwissen.
Einsteigerwissen: Das Delay
Ein Delay ist ein Audioeffekt, der das Originalsignal aufnimmt, kurz speichert, um es dann zeitverzögert wiederzugeben. Es erzeugt also Echo und genau das ist auch die sonst recht geläufige Bezeichnung „Echoeffekt“. Die Hauptparameter sind die Delay-Zeit (Abstand der Echos) und das Feedback (Anzahl der Wiederholungen).
Bedienung des Delays
Die Delay-Zeit (Time) bestimmt, wie viel Zeit (in Millisekunden oder als Notenwert passend zum Songtempo) zwischen dem Originalton und der ersten Wiederholung vergeht. Kurze Zeiten (i.d.R. unter 30 ms) sorgen für einen Doppeleffekt, längere Zeiten erzeugen ein klassisches Echo. Hand aufs Herz: Wer hat schon mal vor einer Schlucht gestanden und gebrüllt „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ worauf das Echo antwortet „Esel!“?
Der Parameter Feedback (gelegentlich auch Repeats genannt) bestimmt nun, wie oft das Effektsignal wiederholt wird, bevor es ausklingt. Hierzu wird der Effektanteil in einem zu bestimmenden Anteil wieder auf den Eingang des Effekts geleitet. Ähnlich wie ein eingeschaltetes Mikrofon, das man mit etwas Abstand vor den Lautsprecher hält, aus dem das Signal des Mikrofons kommt. Nur mit dem Unterschied, dass hier das Feedback als trommelfellzerstörendes Fiepen erscheint.
Level (oder Mix) bestimmt die Lautstärke des verzögerten Effektsignals (auch als „Wet-Signal“ bezeichnet) im Verhältnis zum trockenen Ursprungssignal („Dry-Signal“). In manchen Spezialfällen kann das Wet-Signal auch verstärkt werden, so dass die Wiederholungen lauter sind als das Originalsignal. Wer sich jetzt an Jim Knopf und Lukas erinnert fühlt, wie sie durch das Tor der Dämmerung fahren, während das Echo ohrenbetäubend wird und das Tal einstürzen lässt, liegt ziemlich richtig. In etwa so klingt es, wenn Mix und Feedback in Maximalstellung sind.
Unterschiedliche Arten von Delays
Auch wenn Delays auf den ersten Blick alle dasselbe machen, unterscheiden sie sich klanglich teilweise erheblich. Verantwortlich dafür ist die jeweilige Technik, mit der die Wiederholungen erzeugt werden.
Das Tape Delay, auch Bandecho genannt, arbeitet mit einer analogen Magnetbandschleife. Dadurch entstehen warme, leicht komprimierte Wiederholungen, die mit jedem Echo etwas dunkler werden und dezent verzerren. Genau diese kleinen Unregelmäßigkeiten machen den charmanten Vintage-Sound aus, der bis heute unzählige Gitarristen begeistert. Das ist die Mutter aller Delay-Effekte.
Ebenfalls analog arbeitet das Analog Delay auf Basis sogenannter Bucket-Brigade-Chips (BBD) oder auch „Eimerkette“ genannt. Es klingt etwas dunkler und weicher als ein digitales Delay und eignet sich hervorragend für Slapback-Echos, dezente Rhythmuswiederholungen oder atmosphärische Klangteppiche. Gerade Blues-, Rock- und Ambient-Gitarristen schätzen diesen organischen Charakter.
Das Digital Delay dagegen verfolgt einen anderen Ansatz. Hier wird das Signal digital verarbeitet und nahezu verlustfrei wiedergegeben. Die Wiederholungen bleiben selbst nach vielen Echos klar und transparent. Außerdem ermöglichen digitale Delays sehr lange Delay-Zeiten, Tap-Tempo (die Eingabe der Delay-Zeit durch Eintippen im Takt), speicherbare Presets sowie komplexe rhythmische Unterteilungen und sind deshalb heute die vielseitigsten Vertreter ihrer Zunft.
Eine besondere Variante stellt das Modulation Delay dar. Hier wird das eigentliche Delay mit einer zusätzlichen Modulation kombiniert, die die Tonhöhe oder die Laufzeit der Wiederholungen leicht verändert. Dadurch entstehen schwebende, lebendige Echoeffekte, die oft an alte Bandechos oder Chorus-Sounds erinnern. Gerade bei Soli oder Ambient-Sounds sorgt diese leichte Bewegung für mehr Tiefe und einen besonderen, schwebenden Klang.
Eine weitere Option ist das Filtered Delay. Hier werden die Wiederholungen gezielt mit einem Hochpass-, Tiefpass- oder Bandpassfilter bearbeitet. Dadurch klingen die Echos mit jeder Wiederholung heller, dunkler oder „schmalbandiger“ und setzen sich eher etwas stärker in den Hintergrund als ein unverändertes Delay. Gerade im Bandkontext oder für atmosphärische Ambient-Sounds ist der Einsatz eines Filtered-Delays oft sinnvoller, weil die Wiederholungen mehr Platz für das Direktsignal lassen und den Mix nicht überladen. Im Fall des hier getesteten Yuer-Pedals ist der Filter allerdings dynamisch, was zu einem Wah-Wah-artigen Klang führt.
Zusätzlich existieren zahlreiche Spezial-Delays, die auf den eben genannten klassischen Delays aufbauen. Ein Reverse Delay spielt die Wiederholungen rückwärts ab und erzeugt dadurch geradezu surreale Klänge. Beim Ping-Pong Delay springen die Echos im Stereobild abwechselnd zwischen linkem und rechtem Lautsprecher hin und her. Ein Dynamic- oder Ducking-Delay reduziert die Lautstärke der Wiederholungen während des Spielens und lässt sie erst in den Pausen deutlicher hörbar werden. Dadurch bleibt das Originalsignal klar und aufgeräumt, ohne dass man auf den räumlichen Effekt verzichten müsste.
Das Winter Delay in der Praxis
Puh, das war viel Stoff. Dann wird’s jetzt aber Zeit für die Praxis mit unserem Yuer XS-06 Winter Delay.
Die Bedienung gestaltet sich denkbar einfach und es sollte auch Einsteigern ins Delay-Universum schwerfallen, hier irgendwas falsch zu machen. Die Regler sind recht leichtgängig. Was sich zunächst wie ein Vorteil anhört, kann in der Praxis dazu führen, dass man mit einem ungezielten Tritt auf den Fußtaster die nächstgelegenen Regler versehentlich verstellt. Die Reglerstellung ist aber dank der schwarzen Kerbe in den ansonsten cremeweißen Knöpfen aber leicht zu erkennen, auch aus 1,8 m Höhe.
Leider kann man das von der Beschriftung der Regler nicht behaupten, vor allem der Vier-Positionen-Regler für die unterschiedlichen Modi ist hier vom Design betroffen. So schön die Blumenranke auf dem Gehäuse auch ist, in Verbindung mit der schwarzen Schrift ist selbst mit geputzter Brille eher Raten als Wissen angesagt. Das war beim Kollegen aus der Hallfraktion besser gelöst, da war die Schrift weiß auf blau.

Die Beschriftung des Yuer XS-06 Winter Delay ist schon bei normalen Lichtverhältnissen schwer zu lesen
Der Fußtaster zum Aktivieren des Yuer XS-06 Winter Delay ist, wie der Name sagt, kein Schalter. Ein Schalter hat, im Gegensatz zum Taster, einen klar definierten Schaltpunkt. Wenns durch die Schuhsohle knackt, ist der Schaltvorgang erfolgreich. Das ist natürlich auch immer so ein bisschen persönliche Vorliebe, aber gerade Anfänger werden wohl durch den haptischen „Knacks“ eher klarkommen. Die rote LED gibt zwar Auskunft über den Schaltzustand, aber im Moment des Schaltens hat mal nun mal seine mit Schuhgröße 44 und Doc Martens bewaffneten Füße über dem Gerät.
Über den fehlenden Batteriebetrieb kann man geteilter Meinung sein. Während ich immer auf dem Standpunkt stehe, dass jede Batterie, die nicht produziert wird, einen kleinen Teil zum Wohl des Planeten beiträgt, ist mancher Anfänger, der noch kein komplettes Effekt-Board hat, das zentral alle Geräte mit Strom versorgt, froh, beim ersten Gig nicht so viel unnötiges Gekabel mit sich zu schleppen. Und sogar Profis (wie zum Beispiel Kollege Axel Ritt) schwören auf Batteriebetrieb, weil bei manchen Gigs die Stromversorgung eher auf Hoffnung als auf funktionierenden Kabeln basiert.
Warum nutzt der Steiger keinen Akku? Nun, das würde jetzt etwas zu weit führen. Fakt ist, dass die Akkutechnik sehr weit fortgeschritten ist und ich mir durchaus vorstellen kann, ein komplettes Effektboard mit einem zentralen Akku zu versorgen. Da gibt es auch tatsächlich schon vorgefertigte Lösungen, über die ich zeitnah berichten werde.
Der Sound
So, Steiger, genug gelabert, lass hören! Ich schließe das Yuer XS-06 Winter Delay im Effektweg meines Kempers an, der Loop ist direkt hinter der Amp-Sektion positioniert. Die Reglerstellungen gehen aus den Bezeichnungen der Audiofiles hervor. Beginnen wir in umgekehrter Reihenfolge mit dem Modus Filtered. Das erste Beispiel nutzt die längste Einstellung der Delay-Zeit, das zweite dann ein eher kurzes, Slap-Back-artiges Delay. Zusammen mit dem modulierenden Filter klingt das richtig cool:
Das Modulated Delay steigt in den Ring. Hier ergeben sich schöne, breite Sounds. Auch wenn das Pedal nur in Mono arbeitet, bekommt der Sound doch eine gewisse Tiefe. Bei genauem Hinhören ist ein rhythmisches Ticken zu hören, das ich mir nicht so richtig erklären kann. Nach Rücksprache mit dem Vertrieb betrifft das ausschließlich das Testgerät, somit führt das natürlich nicht zur Abwertung. Bei so günstigen Geräten ist die Fehlerstreuung natürlich größer als bei Boutique-Pedalen. Wenn sowas ist: Zurückschicken und ersetzen lassen. Bei diesem Pedal lohnt sich das wirklich!
Das Analog Delay des Yuer XS-06 Winter Delay mit seiner Kette aus alten Eimern zeigt sich sehr musikalisch und lädt dazu ein, mit dem Rhythmus zu spielen. Das zweite Beispiel nutzt eine Zeiteinstellung von etwas um die 400 ms, gespielt wird dann so, dass sich das Gefühl eines punktierten Achtel-Delays ergibt. Das kennt man von The Edge, David Gilmour und all diesen talentierten Nachwuchsgitarristen.
Im digitalen Modus kann man jetzt gut den Unterschied zum analogen Delay wahrnehmen, die einzelnen Delays bleiben vom Sound immer gleich. Mit nur einer einzigen Wiederholung (Feedback 0) kann man so ein bisschen Brian-May-Krawall machen. Mit etwas mehr Feedback und dafür etwas kürzerem Delay höre ich David Gilmour. Beide nutzten für ihre Sounds übrigens jeweils zwei Delays, also kommt man nur so grob in die Richtung. Aber Spaß macht das Yuer XS-06 Winter Delay trotzdem.
































Das Delay klingt gut, aber der Wasserfall, der die ganze Zeit im Hintergrund rauscht und selbst bei cleanen Sounds auf einem iPhone deutlich zu vernehmen ist, würde mich als In-Ear-Spieler wahnsinnig machen. Leider typisch für viele Billigheimer.
@Markus Galla Das höre ich sogar auf dem Handy^^
Aber ganz ehrlich ich nutze ein DIY Delay von BenjiejaoModular und das nutzt einen alten Kraoke Chip und jeh länger die Delayzeit ist um so mehr sammeln sich Rauschen und Artefakte pro Wiederholung. Das kann sehr störend sein aber wenn man damit einen Korpus Strong Sound effektiert dann klingt das wie angegossen.
https://youtu.be/xHrQuvLWkyw?is=-SfLQX93dWZzZ1ns
winter delay so es nicht viel frost hat😀
aceptiert das delay auch linesignal für keys? hat man zerren dann gut unter
controlle.
es klingt nicht schlecht.der preis ist gut. nur preis ist nicht
immer alles so.
cool! hab 2 Mal das nux analog delay verschenkt und wollte mir auch eins holen. das kann aber mehr
Ich finde es beeindruckend, was man heute für rund 50 Euro bekommt. Als ich angefangen habe, waren unterschiedliche Delay-Arten in einem einzigen Pedal keineswegs selbstverständlich. Für die ersten Schritte ist so ein Gerät ideal: unkompliziert, musikalisch und vielseitig genug, um herauszufinden, ob einem eher ein klares Digital-Delay, ein dunkleres Analog-Delay oder ein modulierter Sound liegt. Tap-Tempo fehlt mir zwar, aber bei diesem Preis kann man wirklich nicht viel meckern.