Test: Zerodebug Soda, DJ-App

Diese Funktionsvielfalt im Direktzugriff ist, wie bereits angedeutet, die Stärke und der Nachteil von Soda zugleich. Man hat alle Funktionen auf einer Oberfläche, muss nicht beim Auflegen in weiteren Menüs nach Einstellungen suchen, sondern kann direkt und ohne Umschweife auf sie zugreifen. Gleichzeitig erschwert dies, begrenzt durch die Bildschirmgröße des iPads, die Übersicht. Gut gelöst ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass Soda sich sowohl horizontal als auch vertikal betreiben lässt. Das kann auch nicht jeder Konkurrent.

Eigene Oberflächen gestalten

Wer also bei Soda landet, der sucht sicherlich keine Standardlösung, sondern ist an mehr als zwei Decks oder vielleicht sogar dem modularen Aufbau interessiert. Und dieser ist auch die Lösung des oben beschriebenen Übersichtsproblems. Jeder hat die Möglichkeit, sich mit Soda sein eigenes Interface zu bauen, sofern ihm das vorhandene Angebot nicht ausreicht. Dazu muss erwähnt werden, dass die Entwickler bereits mit einigen Presets gute Vorarbeit geleistet haben und damit viel Anregung zu eigener Gestaltung von Oberflächen liefern. Neben dem oben beschriebenen Start-Layout lassen sich weitere mit zum Beispiel drei oder vier Decks oder sogar eine Kopie des NI Traktor Designs laden. Super für einen weniger überladenen Start ins App-DJing.

Richtig interessant ist es allerdings, selber Hand anzulegen und ein Template zu bauen. Dafür sollte man ein wenig Zeit einplanen, bekommt dafür allerdings eine möglicherweise einzigartige Lösung, die genau auf den persönlichen Einsatz abgestimmt werden kann. Dies lohnt sich vor allem, wenn man Soda in Verbindung mit anderen Geräten für einen bestimmten Zweck einsetzen möchte. Vorstellbar ist zum Beispiel ein Szenario mit vielen Decks, um eigene Tracks aus vorbereiteten Stems live zu remixen. Oder man möchte lediglich viele Hotcues nutzen, um ein bestehendes Setup zu erweiten, oder, oder, oder. Den Zugriff darauf findet man rechts oben in der App im Edit-Menü. Damit man beim Zusammenstellen der Elemente nicht den Überblick verliert, gibt es auch dafür Hilfestellung. Mit den Blueprints genannten Vorlagen lassen sich durch Löschen oder Hinzufügen einzelner Elemente am schnellsten eigene Vorstellungen realisieren. Beginnt man ganz bei Null, kann durch ein Grid gewährleistet werden, dass die Oberfläche nicht zu durcheinander gerät. Container helfen bei der Anpassung der Elemente. Mit ein wenig Zeit erschließt sich das System und man muss sagen, dass die Edit-Funktion doch noch recht übersichtlich für den immensen Funktionsumfang ist. Hier ist einfach ausprobieren und basteln gefragt, das sollte in der Natur vieler Musikschaffender liegen. Auf jeden Fall ist es bemerkenswert, wie tief in die Programmstruktur einen die Entwickler vordringen lassen und wie flüssig dann letztendlich alles funktioniert.

Der Editor ist der mächtige Baukasten der Soda-App

Zerodebug Soda in der Praxis

Hat man sich für ein Setup entschieden, macht Soda in der Praxis genau das, was es soll: Es funktioniert. Keylock- und Sync-Funktion laufen sehr gut, die Qualität der Audiowiedergabe ist hochwertig. Vor allem die Umsetzung der EQs mit Kill-Switch überzeugt in ihrem Handling. Dabei ist die Bedienung, trotz der möglicherweise vielen Elemente, sehr flüssig möglich und garantiert Spaß beim Auflegen. Sind Elemente sehr klein oder nah beieinander, ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Der Browser gibt eine gute Übersicht über verfügbare Tracks, die direkt in eines der vorhandenen Decks gezogen werden können. Die Analyse funktionierte selbst auf meinem etwas betagten iPad recht zügig und es kam zu keinen Audioaussetzern oder dergleichen. Ab und zu kam es beim Wechsel von der horizontalen und vertikalen Ansicht noch zu kurzen Aussetzern, die sich aber durch erneutes Drehen des iPads beheben ließen. Hoffentlich wird dies in einem der Updates noch flüssiger und unproblematischer.
Durch den direkten Zugriff auf Cue-Punkte und umfangreiche Loop-Funktionen und Rolls macht es Spaß, diese in den Mix einzubinden. Bis zu 16 Cue-Punkte kann man pro Track setzen. Probiert man bei den ersten Mixing-Versuchen auch mal unterschiedliche Templates aus, so kommen einem neue Ideen, diese zu verändern und an die eigenen Wünsche anzupassen, wie zuvor beschrieben. Alles in allem kann man Soda damit eine tolle Praxistauglichkeit und bisher unvorstellbare Flexibilität bescheinigen.

Der Browser kann als Vollbild oder wie in diesem Fall seitlich eingeblendet werden

Dazu gehört auch die nachträgliche Bearbeitung der von Soda erstellten Analyse eines Tracks. Hält man den Finger auf eine Waveform gedrückt, so ist dies über ein kleines Symbol möglich. Hier können nicht nur die oben erwähnten Hot-Cues und Punkte für Loops erstellt werden, sondern auch das Beatgrid neu gesetzt oder angepasst werden.

Forum
  1. Profilbild
    marcusdunst

    Wie ist dieser Satz zu verstehen?
    „… und unterstützt jedes iOS-kompatible Audiointerface, sofern man nicht ein Split-Kabel nutzen möchte.“

    Wieder nur zu verwenden mit Split-Kabel und somit eigentlich unnütz?
    Oder funktioniert die App auch mit dem Traktor Z1?

    • Profilbild
      s.spieker  RED

      Soda unterstützt laut Herstellerangaben jedes Audio-Interface als Ausgabegerät, welches von IOS unterstützt wird. Gleiches gilt für Midi-Controller, die dann per Midi-Mapping belegt werden können. Somit sollte der Traktor Z1 funktionieren.

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