Kann MIDI, kann Gitarre. Macht glücklich.
Die Jamstik Core ist eine kompakte, reisefreundliche E-Gitarre mit integrierter MIDI-Funktionalität. Sie lässt sich sowohl wie eine normale E-Gitarre spielen als auch als MIDI-Controller für Software-Instrumente, DAWs und Synthesizer nutzen.
Was ist es? Zivix Jamstik Core, kompakte E-Gitarre mit integrierter MIDI-Funktion und USB-/TRS-Anbindung für DAWs und Synthesizer.
- Integriertes MIDI: Kein externer Wandler oder 13-Pin-Kabel nötig – MIDI direkt aus der Gitarre via USB-C oder TRS.
- Schnelles Tracking: Sehr geringe Latenz und saubere Polyphonie machen das Instrument studiotauglich.
- Drei Modi: Single-Channel, Multi-Channel und MPE ermöglichen flexible Setups bis hin zu polyphoner Expression.
- Hybrid-Konzept: Analoger Humbucker plus MIDI-Out erlauben paralleles Arbeiten mit Amp-Sound und Software-Instrumenten.
- Kompakt & mobil: Reisegröße, Akku-Betrieb und Creator-Software machen die Jamstik Core zum flexiblen Produktionswerkzeug.
Inhaltsverzeichnis
Zivix Jamstik Core – was ist das und für wen?
Die Jamstik Core MIDI‑Gitarre ist im Grunde die moderne Antwort auf das alte MIDI-Gitarren-Thema. Statt nachgerüstetem Hex-Pickup, Spezialkabel und externem Wandler bekommt man hier ein kompaktes, eigenständiges Instrument, das MIDI direkt integriert hat. Per USB-C oder TRS-MIDI-Adapter verbindet sich die Jamstik Core mit der DAW, einem Synthesizer oder der mitgelieferten Software. Das Handling ist also schon mal eleganter als bei den bekannten, klassischen Lösungen von Roland, bei denen immer eine der geliebten Gitarren umgebaut werden musste.
Die Zivix Jamstik-Reihe umfasst insgesamt vier Modelle unterschiedlicher Preisklassen. Vom hier getesteten Modell Jamstik Core, dem günstigsten der vier Varianten, über die Ausführungen Standard und Deluxe bis hin zur deutlich teureren Strandberg-Gitarre mit integrierter Jamstik-Technologie. Wer also MIDI-Daten per Gitarre aufzeichnen möchte oder einfach seinen Gitarrensound mit einer fetten Schweineorgel doppeln möchte, der kommt hier auf seine Kosten.
Facts & Features
Die Jamstik Core MIDI-Gitarre verfügt über einen auf ¾ der normalen Strat-Größe geschrumpften Korpus aus Pappel, einen eingeschraubten Hals aus Ahorn mit voller 648-mm-Fender-Mensur und 22 Bünden. Der Steg wirkt wie eine verkürzte „Telecaster-Wanne“ mit sechs Einzelreitern, am Kopfende finden wir sechs Locking-Mechaniken. Das kommt dem Zweck der Jamstik Core entgegen, da für korrektes Tracking der gespielten Noten eine einwandfrei gestimmte und verstimmungssichere Gitarre unabdingbar ist. Auch die teureren Modelle verfügen nicht über ein Vibratosystem.
Der Hals verfügt über ein vertraut wirkendes C-Profil, der Hals-Korpus-Übergang ist ergonomisch abgerundet. Am Steg sitzt ein Humbucker aus eigener Fertigung, über den es leider keinerlei Informationen gibt. Geregelt wird ausschließlich die Lautstärke. Die Ausgabe des analogen Gitarrensignals erfolgt über eine herkömmliche 6,3 mm Klinkenbuchse an der unteren Zarge.
Die Jamstik Core ist zunächst einmal eine vollwertige E-Gitarre mit vertrauter Ergonomie. Saubere Verarbeitung, nichts klappert, nichts wirkt wie ein Prototyp aus dem 3D-Drucker. Der entscheidende Unterschied zur herkömmlichen Gitarre liegt im Inneren. Hier arbeitet ein hexaphonischer Pickup mit integriertem MIDI-System (600 MHz High-Speed DSP MCU mit einer Latenz unter 10 ms), das die Tonhöhe pro Saite analysiert und direkt als MIDI ausgibt. Wahlweise via USB-C oder TRS, für beide Varianten liegt entsprechendes Zubehör bei.
Einen kleinen Schalter habe ich noch vergessen zu erwähnen, der ist entscheidend dafür, was das Instrument nun an Controller-Daten liefert. Drei Modi stehen zur Auswahl:
- I Single-Channel
- II Multi-Channel
- III MPE
Im Single-Channel-Mode werden alle erzeugten MIDI-Daten auf einem MIDI-Kanal ausgegeben. Multi-Channel dagegen gibt jede Saite als einzelnen Kanal aus, womit zum Beispiel ein Bass auf die E- und A-Saite gelegt werden kann und die übrigen vier Saiten einen Pianosound steuern.
MPE steht für „MIDI Polyphonic Expression“ und benötigt ein paar Kanäle mehr. Bei MPE handelt es sich um einen relativ jungen MIDI-Standard, der es ermöglicht, dass Hard- und Software-Hersteller an einem Strang ziehen. Kurz zusammengefasst sieht das so aus (Nerdstuff incoming):
- Soweit möglich, wird jeder erklingenden Note zwischen ihrem Note-on- und Note-off-Zeitpunkt vorübergehend ein eigener MIDI-Kanal zugewiesen. Dadurch können Control-Change- und Pitchbend-Befehle an diese bestimmte Note gesendet werden.
- Eine registrierte Parameternummer wird verwendet, um den Bereich der Kanäle festzulegen, die zum Senden oder Empfangen von Noten verwendet werden. Zwei Befehle steuern die Aufteilung des MIDI-Kanalraums in Unterbereiche, sogenannte Zonen, sodass auch mit nur einer physischen MIDI-Schnittstelle multitimbrales Spielen möglich ist.
- Wenn in einer Zone mehr aktive Noten als verfügbare Kanäle vorhanden sind, müssen sich zwei oder mehr Noten denselben Kanal teilen. Unter solchen Umständen werden alle Noten weiterhin erklingen, können jedoch nicht mehr einzeln gesteuert werden. Jede Zone verfügt über einen eigenen zusätzlichen Kanal, den sogenannten Master-Kanal, der allgemeine Informationen wie Programmwechsel-Meldungen, Pedaldaten und die allgemeine Tonhöhenbeugung überträgt. Diese Meldungen gelten für die gesamte Zone.
- Die MPE-Spezifikation definiert auch, wie Pitchbend-, Aftertouch- und CC-Meldungen zu behandeln sind, um maximale Interoperabilität zu gewährleisten.
(Quelle: Midi.org)
Ein gut 2,5 m langes, hochwertiges USB-C-Kabel und ein TRS‑MIDI‑Adapter dienen dem Anschluss an Computer oder Synthesizer. Außerdem liegen zwei Inbusschlüssel, ein Plektrum und ein Strap-Lock mit Kabelführung für den hinteren Gurtpin bei.
Die Jamstik Creator Software
Möchte man zunächst mal ein wenig herumprobieren und die Funktionen der Jamstik Core kennenlernen, bietet sich die Jamstik Creator Software an, die man als Besitzer einer Jamstik MIDI-Gitarre kostenlos herunterladen kann. Diese Software läuft standalone, kann aber auch als Plug-in innerhalb einer DAW aufgerufen werden.
Die Software bietet Zugriff auf Synthesizer-Sounds, aber auch auf die Einstellungen des Instruments. Hier kann man festlegen, wie die Creator Software mit der Jamstik MIDI-Gitarre interagiert, so kann etwa die Empfindlichkeit des Triggers für alle Saiten getrennt eingestellt oder ein Open-Tuning programmiert werden. Hierzu muss sich die Jamstik Core MIDI-Gitarre im MPE-Modus befinden.
Ein paar typische Synth-Sounds sind ebenfalls Teil der Software. Diese können nach Belieben editiert und mit Effekten versehen werden. Auch Makros können hier erzeugt werden, mit deren Hilfe man später mehrere Parameter gleichzeitig beeinflussen kann.
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Jamstik Core und DAW
Selbstverständlich kann die Jamstik Core-Gitarre auch als Eingabegerät für die DAW agieren. Will man hier den MPE-Mode nutzen, muss die DAW das unterstützen. Die Liste der MPE-fähigen DAWs ist relativ lang und sollte kaum einen User vergessen:
- Bitwig Studio
- Apple Logic Pro
- Ableton Live (ab Version 11)
- Steinberg Cubase
- PreSonus Studio One
- Reaper
- MOTU Digital Performer
- Tracktion Waveform
- GarageBand (macOS)
FL-Studio und ältere Versionen von ProTools und Reason können das nicht.
Wie oben schon angemerkt, kann die Creator-Software auch innerhalb der DAW genutzt werden, aber hier steht einem dann natürlich auch die große, weite Welt der Plug-in-Synths offen, was einen als Neuling in diesem Universum zunächst völlig überfordern kann, aber auch jede Form der bisherigen, kreativen Begrenzung sprengt.
Die Praxis
Das Setup der Jamstik Core MIDI-Gitarre ist vorbildlich, so dass bei ordnungsgemäß gestimmter Gitarre der Spaß direkt losgehen kann. Ein bisschen Eingewöhnung ist nötig, denn nicht alle Spieltechniken funktionieren von Anfang an, und schnell merkt man, wo die eigenen Schwächen in der Technik liegen. Akkurater Anschlag und saubere Grifftechnik sind unabdingbar. Wer meint, er könnte jetzt mal schnell eine Paganini-Etüde mit Geigensound frickeln oder Late-Night-Barjazz am Piano hinlegen, sollte beachten, dass nicht nur das Eingabeinstrument ein anderes ist, sondern dass auch andere Virtuosen an anderen Instrumenten irgendwann geübt haben.
Was das Tracking angeht, ist sie die mit Abstand schnellste MIDI-Gitarre, die ich je in der Hand hatte. Das Konzept aus Onboard-Prozessor und USB-Direktverbindung geht auf. Die Kommunikation mit der DAW funktioniert zuverlässig. Notations-Software, die MIDI-Eingabegeräte unterstützt, kann ebenfalls mit der Jamstik Core zusammenarbeiten. Eine Software wie zum Beispiel Guitar Pro, die derzeit noch keine Echtzeit-MIDI-Implementierung unterstützt, erfordert nach der Note-für-Note-Eingabe jedoch Nachbearbeitung bei Spieltechniken wie Hammer-ons, Pull-offs, Slides oder Vibrato.
Im Folgenden möchte ich mit ein paar Soundfiles demonstrieren, was ohne lange Spielpraxis mit einer MIDI-Gitarre als Eingabegerät möglich ist. Natürlich hätte ich hier die Möglichkeit, die MIDI-Events nachträglich zu bereinigen und zu verschönern, habe das aber in allen folgenden Beispielen außer dem letzten mit Absicht nicht getan.
Was wir nicht vergessen dürfen, ist die ganz normale Gitarrenfunktion. Schließlich hat der Hersteller nicht ohne Grund einen Humbucker eingebaut. Was der so kann, hört ihr hier. Ein wenig steril klingt er ja, so für sich allein, ist aber „zweckmäßig“.
Richtig Spaß macht das Doppeln von Gitarrenparts mit etwa einem Synth oder einer Orgel:






































Laut einem Artikel auf Vguitarforums.com soll sich hier um Fishmann (Tripleplay) Hardware handeln. Es stellt sich damit die Frage für mich: Soll ich lieber eine meiner lieblings-Gitarren mit Fishmann Tripleplay aufrüsten?
@pootnik Gute Frage! Darauf wird Zivix natürlich keine Antwort liefern, laut deren Homepage ist es eine Eigenentwicklung. Wenn der Fischmän natürlich genauso exakt arbeitet und im Zweifel sogar baugleich ist, wäre die eigene Gitarre natürlich mein bevorzugter Sparringspartner. Guter Input für einen Vergleichstest 😎
Super Test!
Habe mir zum Vergleich auch mal die beiden anderen Varianten angeschaut, wobei die Standard- und Luxusvarianten sich anscheinend nur im Material/Verarbeitung unterscheiden. Im Vergleich zur hier getesteten Core ist der Korpus 1/1 und nicht 3/4 (und auch 24 anstatt 22 Bünde), 2 Humbucker mit 3fach Umschalter, Tone und Volumeregler , kein Midi-Umschalter wie bei Core, eingebauter Akku (Core nur USB-Buspowered) und Bluetooth Midi. Mehrpreis Standard zur Core ca. 400€. Bin echt am überlegen …
@RoGo541 Danke 😀
Ja, die anderen Modelle sind größer und klanglich als „Normalgitarre“ natürlich vielseitiger. Der Akku ist ganz reizvoll bei den größeren Modellen. Bluetooth-MIDI soll, Gerüchten zufolge, mit Latenzen zu kämpfen haben. Werde wohl mal eine für einen Test ordern.
@Jan Steiger Das wäre klasse 👍
@RoGo541 Zuerst war ich auch etwas interessiert: Strat mit Hardtail, minimalistischer Schaltung und MIDI – lecker! Aber leider Pappel-Korpus. Naja, gibt ja noch andere Modelle. Aber das Standard-Modell hat ebenfalls Pappelkorpus, erst die Deluxe-Variante (1600 €) verwendet Esche. Schade. Also doch lieber eigene Gitarre mit MIDI nachrüsten.
Das Thema MIDI + Gitarre ist spannend, aber auch nicht neu.
Derweil Gitarristen idR eine besondere Bezeihung zu IHREM Instrument pflegen, weiß ich nicht, ob von der ohnehin kleinen Zielgruppe sich viele dagegen entscheiden, weil man die eigene Klampfe nutzen möchte.
Soviel ich weiß, haben die legendären Guitar2MIDI converter von Bluechip/Axon auch schon Fishmänner genutzt. Und die sollen hervorragend funktioniert haben…aber Konkurrenz war ohnehin selten wie Einhörner.
Technisch spannend – vermarktungstechnisch gewagt.
Ich habe vor 40 (!) Jahren einen 5-Saiter Wal Midi Bass gekauft. Latenz war auf allen Tonhöhen schon damals nur 4 ms.
Das System arbeitete mit 5- fach unterteilten Bundstäbchen als Trigger.
Dieses System aus Australien gibt es noch heute, auch für Gitarre z.B. die Solange Midi Guitar. Die Firma heißt Industrial Radio und hat da System noch weiter entwickelt.
Ebenso gibt es von Rorguitars ( Rob OReilly) aus Irland ein ähnliches System. Die Teile kosten ab 2900 bzw.
3900 Euro ohne Mehrwertsteuer. Sehr teuer aber super zuverlässig und Latenz ist mit diesen neuen
Systemen, die jetzt noch schneller sind als damals, kein Thema mehr.