Test: Zoom L-12, Mischpult und Mehrspur-Recorder

Handhabung des Zoom L-12

Nach dem Einschalten beschleunigt das Zoom L-12 in knapp 8 Sekunden „von 0 auf 100“ und ist bereit für die ersten Aufnahmen auf der internen SD-Karte. Es akzeptiert Karten bis zu 512 GB, aber selbst beim Test mit einer älteren 4 GB Karte, die nur eine geringe Schreib- und Leserate hat, funktioniert das Pult ohne Einschränkungen. Die Ladezeiten im Menü und die Zugriffsgeschwindigkeit profitieren aber natürlich von einer schnellen, aktuellen Karte. Damit läuft alles wunderbar zügig.

Ein neues Projekt ist im Handumdrehen erstellt und wird automatisch nach Datum und Uhrzeit benannt. Später könnt ihr den Namen natürlich manuell ändern. Alle Parameter eines Projekts sind innerhalb des Projektordners gespeichert – von der Effektsektion bis zu den Kopfhörermixes. Auch können diese Einstellungen in ein neues Projekt kopiert werden, was sehr praktisch ist. Da die Volumefader nicht motorisiert sind, bedient sich Zoom der LEDs, um beim Öffnen von Projekten die tatsächliche Speicherposition der Volumefader darzustellen. Bewegt ihr dann die Fader auf die jeweilige Position oder darüber hinaus, gilt der neue Wert. Das ist sehr einfach und logisch gelöst.

Jeder der schon einmal mit einem Zoom H4n oder H6 gearbeitet hat, wird sich im Menü des L-12 sehr schnell zurechtfinden. Selbst ohne das Handbuch gelesen zu haben, ist die Bedienung trotz des immensen Funktionsumfangs intuitiv genug, um sofort aufzunehmen. Das Handbuch (im PDF-Format) ist sehr übersichtlich aufgebaut und einfach zu verstehen, was bei einem so komplexen Gerät keine Selbstverständlichkeit ist. Ein Blick hinein lohnt sich daher und hat mir im Laufe des Tests einige sogenannte „AHA-Effekte“ beschert.

Einer dieser „AHA-Effekte“ war zum Beispiel Zooms Ansatz „What You See Is What You Get“:
Intern nimmt das Zoom L-12 die einzelnen Kanäle immer auf der jeweiligen Spur auf. Es gibt zum Beispiel keine Möglichkeit, Eingang 1 der Aufnahmespur 2 zuzuweisen. Gerade beim Overdubbing stellt sich das als umständlich heraus. Falls man zum Beispiel mehrere Vocal-Takes aufnehmen will, muss man das XLR-Kabel immer wieder ausstecken und in den neuen Kanal einstecken, was auf die Dauer doch etwas umständlich ist und die Anschlüsse belastet. „Alternate Takes“, wie man sie zum Beispiel von HD-Rekordern kennt, sucht man leider vergeblich. Das wäre eine tolle Option gewesen, die technisch bestimmt machbar ist.

Ein zweiter AHA-Effekt war, dass sich die Hall- und Delay-Effekte nur über den Master-Mix abhören lassen. Das heißt, dass für die individuellen Kopfhörermixe keine Effekte zur Verfügung stehen. Wenn man also Effekte auf dem Kopfhörer hören will, ist das nur möglich, wenn man den Master-Mix abhört. Auch lassen sich die wirklich toll klingenden Effekte nicht direkt aufnehmen. Man hört die Effekte zwar, wenn man sie dem Signal per Send-FX beimischt, aber die Datei selbst wird ohne Effekt aufgenommen und man muss erst von der jeweiligen Spur einen Mixdown anfertigen, um den Effekt sozusagen „einzubrennen“. Hier wäre es toll gewesen, wenn man die Wahl hätte, das Signal gleich mit den inspirierenden Effekten aufzunehmen.

Im Gegensatz zu den Effekten, wird der Kompressor direkt mit aufgenommen. Hier ist etwas Vorsicht geboten, da es schnell passieren kann, dass das Signal unbeabsichtigter Weise durch den Kompressor läuft, wenn das Poti zum Beispiel von einem vorherigen Projekt noch auf einen Wert über 0 eingestellt ist. Hier hätte ich mir auf jeden Fall einen On/Off-Schalter für den Kompressor gewünscht, mit dem man ihn wahlweise komplett aus der Signalkette entfernen kann.

Zoom L-12 im Betrieb

Weiterhin verfügt das Zoom L-12 über eine Aufnahmeautomatik, die bei Über- oder Unterschreitung eines einstellbaren Grenzpegels die Aufnahme startet bzw. beendet. Per Fußschalter sind Punch-in Aufnahmen möglich. Auch kann man während der Aufnahme durch einfaches Drücken des Push-Potis bis zu 99 Marker setzen. Ein sehr praktisches Feature, das die schnelle Navigation durch ein Projekt erleichtert.
Ein Metronom ist natürlich auch dabei, sogar inklusive „Tap-Tempo“, also einem Druckknopf, mit dem man das Tempo direkt eingeben kann.

Von einem USB-Stick können Audiodateien in ein Projekt importiert und Kanälen eigener Wahl zugewiesen werden. Auch lassen sich Audiodateien auf den USB-Stick exportieren. Noch leichter ist es, wenn man die SD-Karte für den Datentransfer zum Computer benutzt. Das Zoom L-12 verfügt auch über einen Card-Reader-Modus und ist damit der mit Abstand größte Card-Reader in meinem Studio.

Was mich absolut begeistert ist die Möglichkeit, gleichzeitig sowohl intern als auch in der DAW bzw. in iOS aufzunehmen. So hat man die Sicherheit, dass wichtige Aufnahmen bei einem Computerabsturz nicht verloren sind. Im Zusammenspiel mit meinem Mac gibt Logic die Roundtrip-Latenz des L-12 mit 10,3 ms bei 128 Samples an – im Vergleich zu 8,5 ms beim RME UFX. Respekt! In der DAW ist alles sehr einfach gehalten, man wählt den Eingangs- bzw. Ausgangskanal und damit hat es sich auch schon. Auch auf meinem iPad habe ich das Zoom mit den Programmen Multitrack, Auria, Beatmaker getestet und es läuft ohne Probleme.

Klangbeispiele
Forum
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    costello  RED

    Hallo Raphael, erstmal Glückwunsch zum gelungenen Einstand bei amazona :-)
    Ist schon lustig, dass es immer noch einen Markt für digitale Mehrspurrekorder gibt.
    Ich habe neben Ableton live und Logic Pro X auch noch einen Zoom HD16 und muss zugeben,
    dass das Arbeiten damit schon Spaß macht. Effekte wie Hall oder Delay kann man beim HD16 übrigens unmittelbar jedem Kanalzug zuweisen. Und MIDI hat das Teil auch. Da scheint der L-12 zumindest in diesen Bereichen ein Rückschritt zu sein.

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      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Costello,

      freut mich :)
      Gerade was Workflow angeht, rate ich selbst vielen Hobbymusikern (die nicht Tag und Nacht beruflich vor einer DAW verbringen) dazu, sich einen digitalen Mehrspurrekorder anzuschaffen. Vor allem wenn es darum geht kreativ zu sein und Ideen oder Demos aufzunehmen. Zoom hat sich noch ein paar Optionen für die nächste Version offen gehalten. Was man mittlerweile für 600 € an Recording-Equipment bekommt ist schon fast unglaublich. Ich bin gespannt, wo wir da in 5 Jahren sind :)

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    Franz Walsch  AHU

    Diesen Recorder sehe ich nicht als Interface zur DAW, sondern als das was er ist, als Recorder.
    Für diesen Zweck halte ich auch MIDI für entbehrlich.
    Wichtiger wäre für mich eine integrierte mobile Stromversorgung in einem passenden Case.
    So wäre das Tor zum Filmton offen. Auch für das Sounddesign ist das Ding gut zu verwenden.

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      Raphael Tschernuth  RED

      Eine mobile Stromversorgung für das Zoom L-12 wäre bestimmt eine tolle Idee.
      Auch akustische Projekte, Choraufnahmen, etc. könnten davon profitieren.
      Mit dem F8 Rekorder hat Zoom dafür auch schon eine gute Lösung im Angebot. ;)

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        1-Mann-Band Berlin  

        Also ich habe gerade festgestellt, dass der Zoom L-12 mit 12 V Gleichstrom läuft, 2 Ampere braucht und es für noch nicht mal 100 EUR eine Powerbank gibt, die 12 V Gleichstrom liefern kann und zwar 3 bis 4 Stunden lang.
        Der L8 läuft ja mit Batterien, aber diese halten vielleicht so um die 90 Minuten. Da bietet sich Powerbank auch an.

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            1-Mann-Band Berlin  

            Hatte mich leider vertan. Die gute Powerbank kann entweder 12V, aber dann nur mit maximal 1,5 A oder 9V und diese nur mit 2 A.
            Sprich, man kann unterwegs nur die L8 verwenden und die fehlenden Möglichkeiten mit den TC Helicon Voicestompboxen Mic Mechanic & co ausgleichen.

  3. Profilbild
    Farbfalter  

    Ich spiele mit dem Gedanken, die größere Version den „L20“ zu kaufen, allerdings ist mir eine Sache noch unklar: Kann ich damit Teile des Signals an Externe Effekte schicken?

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      1-Mann-Band Berlin  

      Es gäbe eine Möglichkeit, aber die ist ein bisschen tricksen. Dafür nutzt Du den Kopfhörermix und Ausgang und gibst den Effekt auf den Stereoeingang. Aber der Effektsend ist damit Prefader. Außerdem musst Du dann aufpassen, dass nicht versehentlich eine Rückkopplung entsteht.

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